Überheblich und Unterwürfig

»Frag die Leute nicht was sie wollen, sag es ihnen«, meinte einmal Roman Braun. Der Designer braucht eine Art der »unterwürfigen Überheblichkeit«.
Überheblich erscheint er, weil er behauptet zu wissen, was die Leute wollen, weil er sich diese Freiheit, diesen »diktatorischen Zug« erlaubt, weil er zutiefst vom Vorteil für den Anwender einer Sache, eines Prozesses oder einer Dienstleistung überzeugt ist.

Unterwürfig ist er, weil er das aus der radikalen Nutzersicht macht, weil er sich »in die Haut« des Nutzers versetzt, »in seine Schuhe stellt«, weil er mit viel Empathie die Empfindungen des Nutzers nachfühlt und großen Willen hat, das Erlebnis des Nutzers zum bestmöglichen zu machen.

Naja, es gibt auch Designer, denen zuweilen die Vorliebe für eine bestimmt Ästhetik in die Quere kommt; dann ist es vorbei mit der Unterwürfigkeit, mit dieser Kunden-/Nutzerzentriertheit.

Aber nehmen wir an, dass es dem Designer tatsächlich um funktionalen, emotionalen und sozialen Nutzen geht, den er zu stiften anstrebt, dann wird der Designer den vermeintlichen Wunsch des Kunden, der das Produkt benutzt, antizipieren und das Bessere, das Richtige auswählen.

Damit ähnelt der Designer dem Unternehmer. Auch der muss das, was einmal gewünschte werden wird, erahnen, um es dann, wenn es nachgefragt wird, anbieten zu können. Beide können sich irren. Doch beide lassen dem Kunden freie Wahl: sie machen bloß ein Angebot.

Der Designer (wie auch der Unternehmer) kann sich seiner Verantwortung nicht entziehen. Er muss dem Kunden sagen, was er will. Der Kunde hat das Privileg das nicht zu wissen.

 

 

Korrektur gegenüber Original-Post: Es war nicht Werner, sondern Roman Braun.

Der Designer ist Sozialist, ist er es?

Die Diskussion mit dem Anthropologen presste es ans Tageslicht: tief drinnen ist der Designer in Wahrheit ein Sozialist. Er weiß, was für den Nutzer (User) gut ist und er will es ihm aufzwingen. Der Nutzer ist ja selbst unfähig seinen Vorteil zu erkennen. Man muss ihm dabei helfen, damit es ihm besser geht, man muss nachhelfen. Und wenn er es trotz mehrfacher Hinweise nicht verstehen will, dann zeigt man es ihm, indem man seine Hand führt und dieser Hand kaum alternativen Bewegungsraum erlaubt. Dann wird er es doch einsehen, dass es so, wie es sich der Designer dachte, dass es so besser für ihn ist. Am Ende wird er dankbar sein für den »sanften« Zwang. Ein düstere Aussicht.

Doch kann der Designer mit seiner sozialistischen Veranlagung umgehen, kann diese Eigenschaft weiter entwickeln. Seine Beschäftigung mit Thoreau löste diesen sozialistischen Traum/Alptraum auf, denn wenn er selbst frei sein will, Eigenverantwortung übernehmen und ausüben dürfen will, dann muss er das auch den anderen zugestehen. Der Designer kann bloß ein Angebot machen, das Bessere zur Wahl anbieten. Er kann darüberhinaus die Rahmenbedingungen so setzen, dass sich die Menschen für das Bessere entscheiden wollen. Freiwillig! So gesehen ist der Designer in Wahrheit ein Politiker.

Thoreaus Essay über »Die Pflicht zum Ungehorsam gegenüber dem Staat« weckt auf und die »Österreichische Schule der Nationalökonomie« ist der Lehrmeister für das Handeln, jener Lehrmeister, der die passenden
Werkzeuge für Beobachtung und Schaffung notwendiger Rahmenbedingungen bietet. Man muss nur zugreifen.

Der Grad der Toleranzfähigkeit

der grad der toleranzfähigkeit gegenüber anderen ist direkt proportional zum grad der eigenen disziplinlosigkeit.

also, je weniger diszipliniert ich bin, desto nachsichtiger bin ich mit anderen.

diese toleranzfähigkeit eines menschen steigt mit dem grad seiner ignoranz. über dieses thema schrieb ich bereits einmal. dieser tage hat es sich wieder bestätigt. jene menschen, die vereinbarte regeln nicht ernst nehmen und diese daher nicht einhalten sind besonders auffällig tolerant gegenüber den anderen. »na, wenigsten was«, könnte man sagen. wenigsten fordern sie nicht von anderen, was sie selbst nicht machen, das einhalten von regeln.
das dumme dabei ist, dass dieses nicht einhalten vereinbarter regeln letztlich den sozialistischen traum aushebelt. denn am ende gewinnt doch der stärkere, nämlich der ignorantere. dabei waren es doch die einvernehmlich festgelegten regeln, die ein gemeinsames leben für alle angenehm machen hätten sollen.
es ist also so, dass die linken auf der einen seite fordern, man möge alle gleich behandeln und man müsse regeln für die gerechtigkeit festlegen. auf der anderen seite sind jene linke genau die menschen, die besonders tolerant sind, somit akkurat jene, die es mit dem einhalten der regeln nicht besonders genau nehmen. sie sind jene, die meist besonders ignorant sind. man beobachtet, dass jene, die so handeln, ihre stärke nutzen, um sich einen persönlichen vorteil zu verschaffen. wer ignorant ist, ist das immer auf kosten eines anderen. letztlich sind also auch sozialisten spielball einer freien »wirtschaft«. sie handeln zu ihrem vorteil und nehmen in kauf auch manchmal im nachteil zu sein. den anderen aber weisen sie auf die schlechtigkeit einer freie wirtschaft hin. warum? weil ihnen auch das einen vorteil verschafft

das abduktive denken der designer – was ist dieses designthinking?

was ist dieses designthinking? die einfache, kurze antwort: es ist die denkweise der designer.
die lange ist komplexer.
und sie ist deutlich schwieriger zu beantworten.
der fisch im wasser erkennt nicht, dass es naß ist. genauso schwierig ist es, die eigene denkweise zu beobachten und den nutzen, den diese den anderen bringt, zu erkennen. zu leicht tappt man in die falle und nimmt an, so wie man selbst denkt, denken auch die anderen. man meint, sich selbst zu beobachten und schlüsse aus dem eigenen verhalten und dem der nutzer (user) zu ziehen, mache ohnedies jeder. leider nein.
eine der fähigkeiten aus dem designthinking ist das »abduktive schließen«. das aufstellen von regeln basierend auf diesen beobachtungen von anderen und sich selbst, sodass das beobachtete keine überraschung darstellt, sondern logisch folgt. damit kann man gestalten, also neues synthetisieren.
(ich führe das später im detail aus).
was ist dieses designthinking? es ist die denkweise der designer.

wirklich freie marktwirtschaft herrscht nur in der politik

die politiker warnen uns immer vor der freien marktwirtschaft. aber wovor warnen sie denn wirklich? freie marktwirtschaft bedeutet, dass das passiert, was den beteiligten am angenehmsten ist, der weg des geringsten widerstands. das ist ein prinzip der natur.
ein beispiel: ein gebirgsbach findet selbst den idealen weg ins tal. der mensch als regulierer meint, durch eine flußregulierung zu entschärfen und verschlimmbessert damit oftmals.
die politiker meinen auch, sie müssten die wirtschaft regulieren. bei einem unwetter aber kommt es umso dicker.
dabei funktioniert die politik letzlich selbst genauso, wie die von den politikern gefürchtete freie marktwirtschaft, nämlich frei und maximierend, zügellos und entfesselt, kurz unreguliert. die währung der, nennen wir es politwirtschaft, ist die wählerstimme. je mehr, desto besser. der politiker ist gierig nach dieser währung, genauso wie es dem »kapitalisten« bezüglich geld nachgesagt wird. der politiker tut alles für mehr politwährung, er lügt dem volk die hucke voll, dass sich die balken biegen. das wahlvolk lässt es sich gefallen, es ist ja bereits zu stimmvieh degeneriert, denn die politik weiß, wie es gelingt, passende einnahmenquellen (wählerstimmen) zu generieren. kein wunder, dass niemand, der an den hebeln der macht sitzt, das schulsystem reformieren will. diese »politkapitalisten« bedienen sich ungeniert und würden niemals eine regulierung dieser politwirtschaft zulassen. sie müssten sie ja selbst gestalten.
kein fluss der welt würde sich selbst regulieren, einengen, sich seiner kräfte berauben lassen. also leben wir weiterhin mit politüberschwemmungen und politkatastrophen, bis es dem wahlvolk gelingt, über den köpfen der politiker hinweg, erkenntnis zu erlangen, zu verstehen, dass es so wie bisher, rein logisch, nicht weitergehen kann.
und dann? revolution!?

das hätte ich schon vor über drei jahren veröffentlichen können – ich tat es nicht. heute passt es immer noch. vielleicht sogar besser.

manchmal

manchmal gehen einem die dinge, die man irgendwie schon gerne macht, nicht so leicht von der hand, wie man sich das wünscht. »es zaht se«, wie wir in wien sagen. die dinge entwickeln sich nur zäh. langwierig. langsam. mir fällt auf, das ist insbesondere dann der fall, wenn ich mir vornehme, nur eine gewisse anzahl von stunden (oder weniger) dafür zu brauchen oder wenn ich in völliger absenz realistischer zeitschätzung eine liste am montag-vormittag zu erledigender aufgaben erstelle, die ich am freitag vielleicht zu einem drittel abgearbeitet habe. in diesen momenten erscheinen die arbeiten zäh.
dann gibt es andere. da ist man tief drinnen, die dinge fliegen einem nur so von der hand, die gedanken fließen in reißenden strömen, die ideen bersten aus dem kopf aufs papier, der stift flitzt dahin, die tastatur glüht. dann sieht man auf die uhr in der meinung der halbe tag sei inzwischen um — aber nein, es war grade mal eine halbe oder ganze stunde. man kann sich also noch einiges vornehmen für den angebrochenen vormittag. und dann passiert das alte spiel — siehe oben.
mir scheint, das problem ist die selbstauferlegte zeitbeschränkung. man möchte in einer stunde fertig sein, man möchte bei tageslicht arbeiten. ja, das ist noch eine straf-verschärfung: die winterszeit mit ihren kurzen tagen. selbst wenn man sich übertölpelt und die uhr aus dem blick lässt, der raum wird einfach dunkel und mahnt, dass der tag zu ende geht — dabei ist es grade mal halbvier. auch das drängt zum endlich fertig werden und schon ist es passiert: die arbeit ist zäh.
aber im flow, also ohne uhr, da macht man das, wofür man im moment am besten zu gebrauchen ist. schnell. zügig. freudvoll. daher auch besonders gut. das heisst nicht, dass man die zähe arbeit nicht gut oder nicht gerne macht, es ist nur eben deutlich anstrengender die gewünschte qualität zu erzielen. schaffen tut man es schon.
ist das, was ich da beschreibe, nicht genau das, was man als »prokrastination« kennt? also, das weniger konzentrierte, aber um konzentration bemühte arbeiten, das sich-ablenken-lassen von im moment »interessanterem«? das kennt jeder, nicht wahr? es ist das los der wissensarbeiter. insbesondere der wissensarbeiter, denn die können sich so eine ablenkung leisten. erklärte uns doch schon peter drucker, dass man beim wissensarbeiter nur schwer sagen kann, ob er gerade arbeitet oder faulenzt. dazu kommt die (bereits häufig erlebte) möglichkeit, dass diese ablenkungen neue querverbindungen initiieren, die aus einem durchschnittlichen ergebnis ein geniales machen.
also gut, zäher projektfortschritt ist das los des wissensarbeiter und birgt die chance auf geniale ergebnisse (output auf neudeutsch).
frohes neues jahr.

metapher aus dem alltag

die projekte, sein leben, beherzt leben – mit mut.
es ist vergleichbar mit dem umdrehen eines spiegleis durch schupfen der pfanne. schupft man die pfanne vorsichtig und behutsam, bleibt das spiegelei halb in der pfanne liegen, klappt höchstens zusammen. schwingt man die pfanne etwas stärker aber zögerlich, hebt das ei ab und landet mitunter am pfannenrand und der dotter ist zerstört. man muss mit viel schwung, also mit mut und zuversicht, das ei zum fliegen bringen und dann, so meine theorie, es mit gefühl wieder einfangen. ja, das erfordert übung, aber, so stelle ich täglich fest, auch den mut es in die luft zu werfen.
obiger absatz entstand aus den erfahrungen der letzten monate: ich warf zögerlich. das ergebnis waren zerplatze eidotter, teilweise am pfannenrand gelandete  oder bloß zusammengeklappte spiegeleier. gestern dann, der erste absatz war schon vorgestern geschrieben, ein erster versuch mit etwas mehr mut und ich erlebte eine andeutung meiner erfolgstheorie. und heute – mit beherztem wurf, ich nahm all meinen mut zusammen ;-)) – flog das spiegelei-paar (es waren zwei eier in der pfanne) gute 30 cm über der pfanne, drehte sich perfekt und landete mit erstaunlich gut hörbarem klatsch in der pfanne. kein dotter wurde dabei verletzt, das spiegelei perfekt und ohne »klibber« (also kein ungestocktes eiweiß).
fazit: mehr mut! das erinnert mich an »if you wanna soar, you have to jump first.« (mit paragleitschirm, freilich).

die diskursunfähigkeit unserer tage

es ist ein problem der diskursfähigkeit.
man will manche ansichten nicht hören und negiert sie. dieses »überhören« führt wiederum dazu, dass diese ansichten verstärkt, zugespitzter, polemischer formuliert werden. auch diese werden — nun erst recht — zurückgewiesen. bis dann der ärger eines diskussionspartners so groß ist und das thema drastisch verkürzt — und dabei vereinfacht — präsentiert wird. als lösung.
es erinnert mich an einen defekten analogen lautstärkeregler. man will leise musik hören. man stellt das radio damit leiser, ein klein wenig noch. oh, jetzt ist es zu leise, ein interessanter beitrag. also versuche ich zart wieder etwas lauter zu stellen. doch das radio reagiert nicht. ich drehe den regler nur ein wenig nach rechts, aber es verändert sich nichts. es bleibt leise. ich drehe also vorsichtig ein wenig weiter nach rechts. nichts. also mit etwas mehr »ruck« und — zack — jetzt ist es viel zu laut. das radio plärt mir die nachrichten ins ohr. ein radio kann ich recht schnell wieder leise stellen, aber wie ist es mit einer gesellschaft?
man möchte, wenn man sich diverse diskussionen anhört, den regler ein klein wenig »nach rechts« drehen. sagen wir in die 1970er oder 1980er jahre. wir aßen damals noch »mohr im hemd«, schleckten »eskimo-eis«, kauften im zuckerlgeschäft »negerbrot« und andré heller wollte noch »ein zigeuner sein«. doch das klein-wenig-nach-rechts drehen funktioniert nicht. der regler ist nicht mehr fein genug, abgenutzt, erlaubt diese nuancierte, kontrollierte rechtsjustierung nicht. erlaubt nicht einmal eine darlegung und zerlegung der fakten, denn manche dieser fakten kann man eben gut als »politisch unkorrekt«, als diskriminierend, als einschränkend bezeichnen (was hermeneutisch meist offensichtlich falsch ist). also, anstatt dass man sich mit einer problematik ausführlich auseinandersetzt, begriffe und ihren gebrauch und bedeutungsumfang definiert, anstatt dass man unterscheidet zwischen den vielfältigen sonderfällen (heute heisst es »einzelfälle«) und dann ein differenziertes, sauber gedachtes ergebnis präsentiert, blockt man »von links« alle diskussion ab. man errodiert diesen lautstärkeregler, sodass eine feinjustierung nicht mehr möglich ist. die »musik« wird immer leiser, dh. der bürger fühlt sich immer weniger verstanden und will immer vehementer korrigieren, nur ein wenig lauter. geht nicht. hoffentlich wird es nicht abrupt laut. zu laut!
übrigens ist mir aufgefallen, dass dieses phänomen des eingrabens in eine position auch im alltag jedes menschen vorkommt. bei mir jedenfalls kann ich feststellen, dass man gelegentlich in einer diskussion in eine position gedrängt wird, die man dann auch noch verteidigt, obwohl man gar nicht vollständig damit übereinstimmt. man wird von den mit-(gegen?-)diskutanten förmlich an dieser position in den boden gepresst.
das ist ein symptom der diskursunfähigkeit.
und zwar der eliten!
am stammtisch wird geredet, das ist die eine sache, aber die eliten sollten besonnen agieren und sauber argumentieren. doch der stammtisch hat sich vergrößert. »die welt« (das internet, facebook, you-name-it) ist heute für viele dieser stammtisch. sie ist also deutlich größer geworden, diese »stammtisch-runde«, dabei kaum wissender. umso wichtiger ist es, dass wir uns im differenzierten, fakten analysierenden denken und diskutieren üben. welch eine wunderbare chance steht hier bereit ergriffen zu werden: man stelle sich vor, die menschheit diskutiert, in großer breite, besonnen die themen des alltags und man findet ein argumentatives ergebnis, das alle verstehen und dem alle zustimmen. eine utopie, gewiss, aber tendenziell realisierbar. heute »mehr den je«.

jahresbeginn 2017

der moderne mensch, der mensch der gegenwart, macht keine neujahrsvorsätze mehr. er weiß, dass diese kaum länger als drei monate, vielfach deutlich weniger lang halten. so soll das hier in kürze erwähnte auch nicht als neujahrsvorsatz missverstanden werden, sondern als eine maßnahme aus der erkenntnis, die sich durch das arbeiten zwischen den feiertagen letzte woche ergeben hat.
ich nehme mir täglich nur ein thema vor, das wichtigste. das bearbeite ich mit aller präzision, bedacht, also in achtsamkeit, konzentriert und mit freude. und in der richtigen geschwindigkeit. das erscheint einem (mir) manchmal etwas langsam, aber es funktionierte sehr gut, letzte woche. nachdem die mehrheit aller geschäftstreibenden auf urlaub war, konnte ich mir in den letzten dezembertagen so eine langsamkeit erlauben. nach dieser einen täglichen »großen« tat, folgt eine weitere, weniger große, eher dringende arbeit, eine arbeit zu dingen, die man einmal ausprobieren will oder administratives. danach, nun ist doch erklecklich viel tagesenergie verbraucht worden, würde man kleinkram erledigen, zeug würde es heidegger heute nennen, adaptionen auf der website, löschen unbenötigter emails, papiere am schreibtisch ordnen, etc. man kann da auch gespräche führen und mit erhellenden diskussionen den tag beschließen.
aus der zeitmanagementtheorie übernehme ich die forderung, den nächsten tag am vortag zu planen und verknüpfe das mit einem gemütlichen ausklingen des arbeitstages. die briten wussten das wohl schon immer richtig einzuschätzen: mit einem fünf-uhr-tee soll ruhe in die managerseele einkehren. dabei überlegt man besonnen, was denn das wichtigste für den nächsten tag sei. bleibt noch zeit, dann kann man jetzt noch die fachliteratur bewältigen und entsprechende randbemerkungen notieren. fertig. feierabend. lesen.

das dilemma

es ist ein laufendes warten auf das bessere, statt einem freuen über das gegebene.

wir streben zum erfolg, dh. zum größeren erfolg. dabei vergessen wir häufig (sehr häufig, fast immer) uns über den erreichten erfolg gebührlich zu freuen. kaum haben wir das eine ziel mit bravour erreicht, haben wir schon das nächste im visier. keine zeit zum verschnaufen. schon gar keine zeit, um sich auf die schulter zu klopfen.
und klopfen zu lassen!
mir scheint, wir haben vergessen, dass wir auch lebensfroh sein sollen. ich glaube, wir müssen das wieder lernen. schleunigst! denn ansonsten steigt der stress und damit die anspannung, die wahrnehmung schränkt sich ein und die dinge werden … einfach. die einfache lösung hat es dann leicht mit uns. jene lösung, die nicht viel nachdenken erfordert, die ohne muse auskommt, denn diese zeit zur muse gibt es oft nicht mehr.

ein beispiel: kaum hat man den vortrag vollendet, verlässt man die bühne. der vortragende hat schon die nächste profilierungsaufgabe im visier. das publikum applaudiert mit begeisterung über den vortrag der leeren bühne.
sich bedanken lassen, sich feiern lassen, das müssen wir offensichtlich erst wieder lernen.
zum glück gibt es eine gruppe, von der wir es uns abschauen können: den schauspielern und musikern. die halten applaus aus, baden darin. das tut den protagonisten gut, aber auch dem publikum.

mir ist das aufgefallen bei der großartigen 10-jahres-jubiläumsfeier des scholariums. zehn jahre vergehen zum einen wie im flug. also kein grund für eine große feier, möge man meinen. auf der anderen seite waren es zehn jahre bestrebung zu und angebot einer modernen aufklärung. es war (und ist) keine aufklärerische ich-weiß-es-besser-vorgangsweise, sondern eine zum denken anregende. damit schärft sie das einzig nützliche werkzeug für unsere aufgabe unsere selbstverschuldete unmündigkeit zu überwinden: unseren verstand.
das jubiläumsfest zeigte mir, man muss ein ziel verfolgen, aber man soll auch zwischendurch den erfolg feiern. diese belobigungen sind ähnlich den kleinen stärkungen, die man während eines marathons zu sich nehmen muss, will man diesen erfolgreich und gesund beenden. ohne stärkung gelingt das kaum.

hat man das erkannt (und führt man es auch durch), dann hat man die kraft weiter am erfolg zu arbeiten. und man hat dann gelernt, sich auch über das gegebene, das bereits erreichte zu freuen und nicht nur nach dem nächsthöheren ziel zu schielen.

die ankündigung

immer wieder kündige ich hier an, dass ich ab nun regelmäßiger, dh. mutiger schreiben/veröffentlichen werde. die gedanken wollen raus und nun, ich kündigte es an, sollen sie auch raus. ungeschönt, so wie es kommt. ich kann und will sie nicht mehr zurückhalten.
das erinnert mich an die vielen ankündigungen der IT-welt. was hat man nicht alles angekündigt. wir nannten sie nur noch »die ankündigungsbranche«, weil man uns die wunderwelt versprach, aber die geräte es trotzdem nicht schafften. immer hieß es, wir müssten ein wenig warten, aber nächsten frühling, sommer, herbst, … dann kündigte man die nächste neuerung an. und wieder wurden wir enttäuscht. genau an diese zeit erinnert mich mein immer wiederkehrendes ankündigen zukünftiger veröffentlichungen — den vielen kleinen hier am weblog, den großen via amazon und co (die »6 sätze über design« zum beispiel). dabei muss man eingestehen: in der zwischenzeit liefert die IT-welt die wunder, die man uns in aussicht gestellt hat: das iPhone, das iPad, das surface-studio, die software-agents, die uns die flüge buchen und das wetter sagen, amazon echo ist auch so »ein wunder« und der lebensraum einiger science-fiction-filme beinahe realität (zumindest was den umgang mit geräten betrifft). das macht zuversichtlich. nach vielen jahren des wartens, realisieren sich die ankündigungen. vielleicht schaffe ich das auch und liefere nun das, was ich all die monate und jahre teils hier, teils unter freunden annonciert habe: die veröffentlichung der gedanken des designers über design, management, designmanagement und gesellschaft.
würde man die regelmäßig lesen wollen, so 300 bis 700 wörter täglich, 30 sekunden lesezeit? würde man einen newsletter oder einen rss-feed abonnieren? bitte sagen/schreiben Sie mir, verehrte leserin, verehrter leser, was Sie davon halten.

die ideen wollen in die welt

jetzt ist schon wieder geraume zeit vergangen, seit meinem letzten posting hier. und wieder fasse ich den entschluß, doch öfter zu posten. es ist nämlich so, erklärte mir eine freundesgruppe kürzlich, die ideen seien hier in unserer welt, versteckt, nicht sicht- und hörbar. aber sie wollen wahrgenommen werden. also suchen sie sich kanäle, damit die menschen ihrer gewahr werden. zum beispiel über blogpostings, aufsätze, buchveröffentlichungen, über ausstellungen und theateraufführungen, vorträge und philosophische diskussionsrunden. am liebsten ist es diesen ideen, wenn möglichst viele menschen von ihnen notiz nehmen, wenn also eine große öffentlichkeit erreicht wird. eine möglichst große. das heisst, das gespräch mit einem freund, die rede am stammtisch sind zwar gut, aber auf lange sicht zu wenig. diese ideen und gedanken suchen sich also menschen aus, von denen sie annehmen, dass sie imstande sind, sie zu verbreiten. mich zum beispiel. also drängen sie sich nun vor und in meinem gehirn und warten auf veröffentlichung. manche werden auch veröffentlicht, vorsichtig und scheu, bei vorträgen und in »g’scheiten diskussionen«, aber der große auftritt vor der weltöffentlichkeit 😉 bleibt ihnen oft verwehrt. das muss sich ändern, bedeuten sie mir. wenn ich sie nicht veröffentliche, dann suchen sie sich andere informationsverbreiter. das ist zum teil ja schon passiert. da wartet eine idee 3, 5, 10 jahre in meinem kopf, einige freunde kennen sie, aber die große verbreitung bleibt aus. ich publiziere sie nicht. kein fernsehauftritt, bei dem man sie vortragen kann, nicht einmal so ein blogposting. da suchte sich diese idee einen anderen weg in die welt. naja, was soll man machen. demnächst bekommt sie auch hier den verdienten raum.
ich werde nun also eine idee nach der anderen auf diesem weblog veröffentlichen. mit mut, wie ich in einem der nächsten posts erläutern werde. kurze texte, schnell zu lesen, als froher und anregender start in den tag oder als gedankenvoller (vielleicht) abschluß eines tages.

jetzt einmal ehrlich

es muss einmal offen gesagt (geschrieben) sein: ich bin unzufrieden! ich mache nicht exakt das, was ich machen will. — warum? was will ich denn tun? ich will schreiben. genaugenommen will ich meine meinung in die welt hinausprüllen und zustimmung dafür erhalten. — ja, zustimmung ist meine innere erwartung und vermutlich ist es auch die sorge über die ausbleibende zustimmung, die mich davon abhält die zahlreichen notizen und gedankenschnipsel (wie eben diesen hier) zu veröffentlichen. dazu kommt die befürchtung, dass die texte nicht immer sauber genug geschrieben sind, eher eine bessere formulierung für den stammtisch als ein text für das internet. dort könnte man darüber diskutieren, den gedanken verfeinern. das könnte man auch hier. besser sogar, weil man schreibt und daher präziser formulieren muss. allein wozu ins internet »rülpsen«, gemeinsam mit den tausenden anderen? — worüber will ich meine meinung äußern? freilich mehrheitlich über design, ein wenig über die gesellschaft und beobachtete verhaltensmuster der menschen, meine rückschlüsse dazu, auch über politik. design ist ja letztlich politik. man will das leben der menschen verbessern, zunächst durch gegenstände, dann durch prozesse, schließlich durch services und dann stellt man fest: es braucht die passenden rahmenbedingungen, sonst gelingt das nur sehr schwer. es braucht die passende politik. so gesehen wäre politik die höchste stufe der gestaltung, das neutrino des designs (oder was immer gerade das kleinste element, der baustein des universums ist). das dumme ist nur, dass kaum (keine?) gestalter derzeit am werk sind. doch das ist nicht thema dieses textes. es ist eines der themen, über die ich nachdenke, die anderen sind design, management, designmanagement, verhalten der nutzer und die gesellschaft allgemein, erkenntnisse aus diskussionen mit dem philosophen, dem ökonomen, dem anthropologen, etc.. — und wen interessiert es, was meinereins, ein designer, ein designthinker, so darüber denkt? soll ich die schnipsel in die welt schicken, diese kieselsteine (wie ich sie hier einmal nannte)? — vielleicht kann man mir ein zeichen mit einem like (gefällt mir) und einem share (teilen) geben? vielleicht im mittleren zweistelligen bereich? das würde mut machen, doch mehr dieser gedanken preiszugeben. ansonsten sind die papierschnipsel und notizen was für den nachlassverwalter, die kinder oder den müllschlucker.

warum schreiben? (2)

schon wieder.
diese frage quält einem.
mich.
ein gedanke, den man mitteilen will.
deshalb schreiben.
ist es, weil mir der stammtisch fehlt, wir modernen menschen den kaum mehr haben?

früher konnte man dort seine gedanken zum besten geben, sich bestätigen oder ihn zerstören lassen, zwei bier dazu trinken. heute schreibt man es in facebook, wenn es kurz ist, oder auf seinem blog, wenn es ausführlicher zu erklären notwendig erscheint.

der witz ist, (1) während dem denken ist es eine unheimlich wichtige erkenntnis, die möglichst viele menschen erreichen soll. Continue reading “warum schreiben? (2)”

übers bloggen 2016

kiesel2es besteht der plan regelmäßig zu bloggen, regelmäßiger als in der vergangenheit. ideen für postings gibt es viele — der designer platzt regelrecht vor gedankengängen zu aktuellen und weniger aktuellen themen. das ist also nicht der grund für die seltene publikation am blog. die unsicherheit besteht vielmehr darin, ob das gedachte und notierte jemanden interessiert. freilich, das kann man nie wissen und man würde es erfahren, wenn man die zugriffszahlen ansieht. doch bleibt dabei die frage offen: lesen die leute nicht, weil sie es nicht interessant finden oder weil sie es nicht auffinden?

es gilt also zu erraten, über welche themen die am design interessierten lesen wollen. das sollte für den designer ganz leicht herauszufinden sein, schließlich rühmt er sich der umfassenden empathie-fähigkeit, die er sogar in seminaren vermittelt. aber es ist ein unterschied zwischen für jemand anders zu forschen und für sich selbst forschen — »die kinder des schusters haben keine schuhe« ist ein spruch, der oft wahr ist. in vielen gewerken kann man das beobachten.

man muss die dinge systematisch angehen: einen themenpool schaffen und dann für diese themen statements darlegen. über die arbeit des designers, über stundensatz und management, über formtheorie und designprinzipien. über aktuelle moden und klassiker und über »das design« im allgemeinen. wer definiert es wie und warum? wäre dabei eine interessante fragestellung.

eine frage an die werten leser: welche themen soll der designer (aus der designperspektive) beleuchten?

bitte um reges feedback. dann kann öfters, mehrmals wöchentlich, täglich (?) gepostet werden.

entwerfen – to design

man fragt mich, wie kann man zwischen einzelnen designdisziplinen hin und her springen? warum ist man nicht auf eine einzige abonniert, voll konzentriert, spezialisiert?

für mich ist entwerfen mittel zum zweck. der zweck ist erkenntnis. diese erkenntnis gilt es zu teilen, mitzuteilen. durch texte & vorträge.

nachdem es primär um erkenntnis geht, die durch entwurfsarbeit zu erzielen ist, ist die entwurfstechnik, die designdisziplin irrelevant. die erkenntnis ergibt sich durch grafikdesign, industrial design, interaction design, servicedesign, webdesign, etc. kurz, durch gestalten.

wesentlich erscheint mir der dahinter liegende antrieb zu sein: eine verbesserung einer situation herbeizuführen. was besser ist, ist freilich zu diskutieren. einfacher ist besser.

design? design!

klar geht es um ästhetik. »never leave well enough alone« (loewy) – begnüge dich nicht mit ausreichend, mit mittelmaß, mit »passt eh« oder – falsch übersetzt und doch passend – häßlichkeit verkauft sich schlecht. strebe nach exzellenz in allem (steve jobs, tom peters).

aber ästhetik muss hier breiter verstanden werden. – schritt 1. ökonomisch: »the most beautiful curve is a rising sales graph« (loewy). – schritt 2. nicht bloß sichtbar, sondern auch erlebbar: experience der user, der nutzer (konsumenten, mitarbeiter, manager, chefs, etc.) – schritt 3. organisation – schritt 4. gesellschaft: der anthropologe sagt uns, der mensch existiert nur durch design, design sichert(e) ihm sein überleben.

design, das ist gestaltung mit dem verfügbaren, ein arbeiten vom ist zum soll, es ist effectual. der designer verbindet dann doch die punkte vorausschauend – zum wohle der nutzer.

effizienz

es scheint so zu sein, dass eine sorgfältige tagesplanung mit definierten pausen und arbeitsphasen die 90 minuten nicht überschreiten wesentlich mehr output ermöglichen als das »dahin-arbeiten«, also eine aufgabe nach der anderen abarbeiten, dran zu bleiben, so lange es dauert. plötzlich ist mittag und mittag vorbei und die eine aufgabe ist noch immer in arbeit. war sie so aufwändig oder verleitet dieses »dahin-arbeiten« zum brodeln? ich werde es weiterhin untersuchen.

denken & schreiben (& posten!)

das rezitieren, rezipieren, nachdenken, bedenken, überdenken der gedanken anderer und das stellung beziehen, meinung bilden und artikulieren ist entscheidend, um sich aus der selbstgewählten unmündigkeit eines bürgers des 21. jhdts zu befreien. es ist ein akt der wiederbelebung der aufklärung im kantschen sinn. es ist ein erkennen, dass demokratie, so wie sie heute gelebt wird, falsch verstanden wurde und zwangsläufig, wenn sie schon nicht zur diktatur wird, so im geringsten stark diktatorische züge annimmt, ja annehmen muss. wie sonst könnte ein gewählter vertreter seine konzepte realisieren? je größer die organisation, desto restriktiver wird seine führungshandlung sein müssen. dagegen je kleiner die einheit, desto freier, selbstverwirklichbarer und liberaler seine handlungen. es betrifft ja im kleinsten nur mehr einen selbst.
(na sowas, eine überlegung vom 4.11.2012!)

peter purgathofer spricht mit …

mit mir 🙂
und lockt ein paar meiner dogmen ans tageslicht. ich freue mich auf den weiteren diskurs mit der welt.

[anmerkung: download ist bloß ein link zu purgathofers audio page – danke tumblr ;-)]

Give me six hours to chop down a tree and I will spend the first four sharpening the axe.

abraham lincoln (quelle)

das ist wohl der grund, warum wir (ich) vorträge und workshops erst in den letzten tagen vor der veranstaltung fertig stellen. wir schleifen unsere äxte (daten sammeln, gründe für die wissensvermittlung) und fällen dann erst den baum (erstellen der arbeitsunterlagen, der powerpoint-slides). – alles klar. 🙂

arbeit: lesen.

imagefür meine tätigkeit, meine arbeit (work, not labour) ist es notwendig zu lesen. interessanterweise anerkenne weder ich noch mein umfeld das als eine für die arbeit notwendige tätigkeit. mein umfeld meint, ich arbeite ja nicht, ich lese, und auch ich stelle nicht die zum lesen notwendige zeit zur verfügung, sondern nur rand- und lückenzeiten, zeiten, die kaum andere tätigkeiten zulassen, zb wartezeiten am flughafen, im bus, vorm termin, etc..
lesen fühlt sich oft nicht nach arbeiten an, es hat den geruch von kontemplation (vielleicht ist das gar nicht so falsch). dieses in die lücken quetschen lässt sich zum einen darauf zurückführen, dass wir gelernt haben effizient sein zu müssen und also (fast) jede lücke im tagesablauf mit notwendiger (und wertvoller) tätigkeit aufzufüllen haben – nur ja keinen zeitpunkt unproduktiv verstreichen lassen! lesen ist eine tätigkeit, die gut in solche lücken passt. also ist es ineffizient, so unsere schlußfolgerungen, zu anderen zeitpunkten zu lesen, wenn man auch »größere« dinge erledigen könnte, schreiben, zeichnen, den großen wurf entwickeln, …
das ist falsch!
lesen erfordert konzentration und ist essentiell für viele arbeiten. lesen – ergänzt durch schreiben und notizen machen – ist unendlich wertvoll und nützlich. quetscht man das lesen in die pausen und lücken des tages, so vernichtet man potential; außerdem lassen sich notizen und über das gelesene nachdenken schwierig in diesen lücken umsetzen. nicht, dass es unmöglich wäre, aber deutlich schwieriger und komplizierter als würde man zwei stunden am nachmittag dem lesen (mit notieren und reflektieren) widmen.
lesen ist »arbeit«, gehört zur arbeit, zur »work«.

der staat macht es sich leicht.

heute spricht mich eine vertreterin vom WWF an, ob ich kurz zeit habe. — nein. — es wäre wichtig, es ginge um unser wasser. — diese thematik ist zu komplex, wasserversorgung, so antworte ich, das habe ich (zwangsweise) delegiert an die verwaltungsbeamten unseres staates. wenn sie von mir geld für ihr engagement haben will, dann müsste man die steuerzahlung verringern. ansonsten würden wir ja für eine zu erbringende leistung doppelt bezahlen. — ob das funktioniert, glauben sie?
der staat macht es sich leicht. er kassiert geld für in aussicht gestellte leistung (steuereinnahmen für die bereitstellung diverser staatlicher services), erbringt diese leistung aber nicht in gewünschter qualität. das ruft NGOs und andere hilfsorganisationen auf den plan, denn man muss etwas tun und die dinge zum besseren wenden. diese organisationen brauchen geld, das sie durch spenden wieder vom bürger erhalten (ausschließlich, denn die staatlichen zuschüße sind, erraten, steuergeld).
der staat macht es sich leicht. er schürt angst vor privatiserung und lässt dann doch NGOs, also private organisationen, die arbeit erledigen. die NGOs bemühen sich nun um das jeweilige thema (wasserschutz, medizin, bildung, etc) und die bürger bezahlen doppelt: einmal die steuern für geringe leistung an den staat (= die verwaltung, die politik) und zum zweiten die spende für die finalisierung, die tatsächlich notwendige leistung. zeit, dass sich da etwas ändert.
der denkfehler in der sozialistischen argumentation ist, dass man meint, es stehe dem staat nach der privatisierung diverser services die gleichen steuereinnahmen zu wie davor. ganz sicher nicht. erbringt der staat weniger leistung, dann bekommt er auch weniger dafür bezahlt, also weniger steuereinnahmen. diese mittel werden beim bürger frei, um sich am freien markt die ehemals vom staat schlampig erbrachten leistungen einzukaufen. nachdem es ein freier wettbewerb (!) wäre, würde die qualität steigen, denn der kunde (der bürger) kann wählen. franz böhm sagt dazu: »der wettbewerb ist das großartigste und genialste entmachtungsinstrument.« klar, dass das der herrschenden kaste (den politikern und verwaltungsbeamten) nicht recht ist.
der staat macht es sich zu leicht. 

servicedesign mit vs. ohne design-hintergrund #2

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ich beobachte, dass die, ich nenne sie akademischen servicedesigner (die das thema theoretisch bearbeiten, aber nicht aus der klassischen design-szene kommen) mehr dem prozess treu sind, mehr am prozess interessiert sind, während jene designer, die aus klassischen designdisziplinen kommen (industrial design, graphic design, kommunikationsdesign, informationsdesign, environmental design) und sich neuerdings auch explizit (implizit taten das die guten designer immer schon) mit servicedesign beschäftigen, mehrheitlich ergebnisorientiert handeln. das heisst nicht, dass die akademischen servicedesigner nicht auch am ergebnis interessiert wären. dennoch kann man beobachten: die einen wollen den prozess sauber abwickeln und kausal agieren, die anderen wollen ein gutes ergebnis erzielen und das möglichst schnell. während bei den ersten das ergebnis (fast) ein nebeneffekt des richtigen prozesses ist, verwenden die anderen (irgendeinen) prozess, um das gewünschte ergebnis (den effekt) zu erreichen. für mich ist das der (oder ein gravierender) unterschied zwischen einer in wahrheit kausalen denkweise und der designer-denkweise (design thinking).

warum ist das so?
weil die wissenschaft (die leute an den universitäten) am ende eines projekts analysiert, wie und von welchem anfangspunkt aus ein endergebnis erreicht wurde und daher ganz klar den pfad der entwicklung ablesen kann. dieses ablesen ist aber immer nur posteriori richtig. apriori wissen wir designer nicht und kann man es auch nicht im detail und zur gänze vorhersagen, wie wir bis zum gewünschten endergebnis gelangen werden. wir agieren anlaßbezogen, wir prototypisieren und versuchen rasch und oft zu scheitern, um die dinge schneller zur reifung zu bringen. das abarbeiten von checklisten ist meiner meinung nach nicht erfolgsgarantierend. aber das ist es, was in servicedesign-kursen vermittelt wird: »zuerst müssen wir personas definieren und eine stakeholder-map erstellen«. mag sein, dass das in manchen fällen der erste wichtige schritt ist, muss es aber nicht sein. manchmal ist dieser schritt überhaupt nicht notwendig, sondern hält nur auf.

warten auf den rechten moment?

man muss nicht warten, bis der geeignete augenblick kommt, man muss einfach handeln und es ist der geeignete moment.
      braucht es also bloß eine festgelegte routine, um sich dazu zu bringen, regelmäßig zu arbeiten?

es geht immer bloß darum, das etwas »nicht häßlich« ist.

freilich gibt es formen, für die man sich verzehren würde – die berühren. manchmal sind diese objekte unerreichbar oder man sieht sich, wenn man sie dann besitzt, auf dauer trotzdem satt – wird der form überdrüssig.

also wählt man das aus, das man sich leisten kann, das einem nützt und das gleichzeitig nicht häßlich ist. (zb ein iPhone)

das kann man gut aushalten.

lesen oder denken

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ich stelle soeben (frustriert) fest: ich kann mich an fast nichts mehr erinnern, was ich von und über adolf loos gelesen habe. also ganz konkret, die texte oder teile davon im detail. stimmungsmäßig kommt es einem bekannt vor. dabei habe ich alle artikel gelesen. vor über 20 jahren. und wenn ich heute in diese bücher sehe, dann ist es (nagut, beinahe) so, als läse ich die texte  das erste mal. wozu also lesen, wenn man das gelesene nicht akkurat parat hat? ja, beschäftigt man sich täglich damit, weiß man es. aber wer kann alles gelesene täglich anwenden?

jetzt könnte man natürlich, wie ich das neuerdings handhabe, relevant erscheinende textteile nicht nur im buch oder kindle markieren, sondern abtippen und abspeichern und auf diese weise leichter auffindbar machen. aber die erinnerung wird deshalb im laufe der zeit kaum weniger verblassen.

die schlußfolgerung: gelesenes macht etwas mit den eigene gedanken. aus. es beeinflusst die arbeit – das kann ich nachvollziehen, loos hat mich beeinflusst –, aber die gedanken loos’ kann ich kaum wiedergeben. es bleibt nur noch selbst zu denken. kein referenzieren mehr, sondern eigenes gedachtes anwenden. auch wenn das von vor 20 jahren gelesenen texten beeinflusst ist. der vater, der lehrer, der meister, sie alle haben einen beeinflusst und können auch nicht mehr nachgelesen und nur selten zitiert werden.

wir orientieren uns also an kant: »habe mut dich deines eigenen verstandes zu bedienen!«

na gut, so sei es. 🙂 

was können designer eigentlich wirklich tun?

der designer gestaltet die dinge, situationen, die ihn interessieren und die an ihn herangetragen werden. er stülpt dabei seine methoden über die traditionellen vorgangsweisen in diesen gebieten. dadurch entstehen andere, neue ergebnisse, die manchmal auch als innovationen bezeichnet werden können.

diese seine arbeitsweise nennen manche kollegen und berater »design thinking« — ich nenne es, die denkweise eines designers.

am schnellsten kann man diese (andere) denkweise nutzen, wenn man einen designer mit der anstehenden aufgabe befasst, unabhängig davon, ob das eine »typische designaufgabe« ist oder nicht, unabhängig davon, ob der designer so eine aufgabe schon einmal bearbeitet hat oder nicht.

im moment des schreibens, drängt es mich öfters von »lösungen« zu schreiben, aber das ist nicht der punkt. der designer ist nicht so tollkühn zu behaupten, er wüßte für alles eine lösung. der designer nutzt einfach seine »kultivierte naivität« und bearbeitet mit seinen methoden die gegebene aufgabe. er macht das nicht im alleingang. damit eine aufgabe gelingt (und sie kann nur gelingen) arbeitet der designer im team mit den anderen experten, mit externen und mit denen aus dem auftraggeberunternehmen. design ist teamarbeit.

ein designer kann alles bearbeiten. in diesem zusammenhang erinnere ich an ein interview von charles eames: man fragte ihn »what are the boundaries of design?« und er antwortete: »what are the boundaries of problems?«

kopfüber ins abenteuer?

kürzlich lese ich wieder einmal im tractatus logico-philosophicus von wittgenstein 😮 und stelle fest: ist noch immer so vertrackt zu lesen wie ehemals. 😉

also beginne ich zu springen, erneut die struktur zu analysieren – da gibt es die hauptsätze und die subsätze, die die hauptsätze erläutern, und die sub-subsätze, die die subsätze erläutern, und die sub-sub-subsätze, die die sub-subsätze noch detailierter ausführen, und die … (you got the idea).

wie viele hauptsätze gibt es überhaupt?

7 – der berühmteste zum schluß: »Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen«.

gut. und wie kommt man darauf?

weil man die richtige methode des philosophierens anwenden muss (6.53 [sub-sub]). und »Zu einer Antwort, die man nicht aussprechen kann, kann man auch die Frage nicht aussprechen.« (6.5 [sub]) und, dass es naturgesetze gibt, »[…] kann man nicht sagen: es zeigt sich.« (6.36)

plötzlich erscheint mir das ganze (eher) nachvollziehbar, wittgensteins gedanken werden greifbarer und ich denke mir: das buch verkehrt lesen erleichtert offenbar den zugang. vielleicht sollte auch ich meine gedanken über design kopfüber mitteilen. es könnte sein, dass sich dadurch auch das vertrackte löst.

die arbeit an den »sechs sätzen über design« nimmt konkrete gestalt an. 😉

design thinking, what?

design thinking ist ein schlagwort unserer zeit.

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den managern wird das als neues »must« vorgetragen. alle manager, die etwas auf sich halten, müssten nun design thinking anwenden. man meint damit, die »tools« der designer gebrauchen. manager sollen wie designer denken, wird ihnen vorgebetet. es geht um die revolution des begreifens und lösens von problemen, um offenes kollaboratives herangehen, um partizipatives gestalten, und was weiß ich noch.

man hat design thinking als die große neue denkschule präsentiert, ja ok, in manchen kreisen. aber es wird unheimlich gehypt und eine menge berater, meistens aus dem dunstkreis businesscoach und pr-consultant, präsentieren sich selbst als jene, die einem diese denkweise beibringen. als designer wundern wir uns über diesen hype, denn diese denkweise wenden wir seit generationen an. gemeinsam mit all den anderern kreativen menschen, die in den creative industries arbeiten. man erzählt uns also nicht wirklich neues. das neue an diesen »werkzeugen« sind die namen, die ihnen diese findigen berater gegeben haben.

jetzt ist es aber nicht so, dass ich sage, das ist alles humbug. ganz im gegenteil: jeder manager braucht design thinking, jedes unternehmen ist bestens beraten design thinking zu integrieren. aber nicht indem die manager beginnen wie designer zu denken, sondern indem die manager die kreativen dazu holen. design thinking ist die denkweise der designer. damit manager wie designer denken, müssen die jene übungen machen, die auch die designer gemacht haben (eine ausbildung mit talent als basis). denken die  manager dann wie designer, sind sie schließlich designer. oje, wo sind dann die manager?

die vielen befürworter dieser neuen mode/methode vergessen, dass es nicht darum geht aus managern designer zu machen, sondern darum, managern klarzumachen, dass die denkweise der designer eine ideale ergänzung ihrer eigenen denkweise darstellt. die kombination von sprunghaften, chaotischem, kollaborativen und effektualen denken mit kausalem, ordnendem und strukturiertem denken ergibt das erfolgsrezept, das mancherorts auch als business design bezeichnet wird. der designer ist der sparringpartner des managers. der manager beschäftigt sich mit design thinking, um diesen »verrückten« designer zu verstehen, nicht um ihn (meist schlecht) zu imitieren.

unternehmen, die design in ihren alltag integrieren werden erfolgreicher sein, als unternehmen die das nicht tun. unternehmen mit design sind näher am kunden. sie nutzen die empathischen fähigkeiten des designers. der kann sich wie ein chamäleon an die zielgruppe anpassen und dann ihre höchstwahrscheinlichen wünsche verbalisieren. warum er das besser kann als der manager? weil sich der designer eine kultivierte naivität leisten kann und nicht auf shareholder-value achten muß. er kann ketzerische fragen stellen und auf diese weise verkrustete informationsblöcke aufbrechen. er kann durch kindliches »warum?«-fragen neue ideen evozieren, deren evaluierung dann aber die strukturierte und besonnene, dabei nicht weniger kreative, denkweise der techniker und manager braucht.

nutzen sie design thinking, aber denken sie wie ein manager. engagieren sie sich einen designer als sparring-partner.

im übrigen bin ich der meinung, das design zentraler bestandteil jeder unternehmensstrategie sein muß.

penibilität / akkuratesse

es könnte sein, dass jene menschen, die es nicht so genau nehmen, schwache dienstleistungen, die unsauber und eigentlich sogar miserabel erbracht werden, aus gründen der eigenen bequemlichkeit und vielleicht auch aus laschheit nicht bemängeln. sie bemängeln es nicht, weil sie es genauso lasch machen würden.

jene menschen, die sich selbst nicht schonen, die selbst nach bestmöglicher leistung streben, beanstanden diese mangelhaften dienstleistungen mit vehemenz. sie sind dafür aber auch immer einem perfektionsdruck ausgesetzt. durch ihre kritik legen sie die beurteilungslatte recht hoch. hoffentlich schaffen sie es immer, dieses gewünschte niveau zu erreichen.

ich weiß wovon ich spreche. 😉

kooperation

die tatsache einer zusammenarbeit erkennt man nicht daran, dass die beteiligten personen am gleichen ort arbeiten. um zusammenzuarbeiten braucht es nicht primär den gemeinsamen ort, sondern es braucht gemeinsame haltung und absicht. es braucht gegenseitige wertschätzung und interesse an der meinung des anderen.

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just get it!

die aufgabe des designers ist es »to get it«, es zu kapieren. nun, zumindest der erste teil der aufgabe eines designers ist es, es zu verstehen. der zweite ist, es zu vermitteln – dem auftraggeber nämlich.

aber nicht immer gelingt es, es zu verstehen, es zu entdecken, denn auch designer lassen sich von moden blenden oder von ihrer eigenen eitelkeit, zb wenn sie etwas realisieren können, das sie schon immer einmal probieren und machen wollten, wenn sie der welt etwas einzigartiges neues zeigen können, wenn sie etwas total verrücktes machen dürfen, das auf den ersten blick witzig, interessant, amüsant wirkt, sich im alltag aber als unbrauchbar herausstellt, kunst im weitesten sinn, angewandte kunst im engeren.

was ich von einem designer erwarte ist, mit entsprechender einfühlungsgabe genau das zu gestalten, das nicht ist, aber in wahrheit gewünscht wird. die menschen können das oft nicht benennen und widersprechen sogar, wenn man sie mit der lösung konfrontiert. der designer sollte es erkennen können und er sollte es so vermitteln können, dass die dinge ins laufen kommen.

ich spreche von designer, weildas jeder in seiner designdisziplin so handhaben sollte, aber insbesondere gilt das gesagte für service designer, (service design in meiner definition) – alle designdienstleistungen gestalten im endeffekt services, sie manifestieren sich bloß in unterschiedlichen medien.

design ist die übung im sinne der kunden, im sinne eines dienstes am kunden zu denken und ihn zu erfreuen, indem auch die ästhetik stimmt. der mensch als neophilia, der den reiz des neuen braucht.
es ist das alte kaufmannsverhalten kombiniert mit ästhetischem feingefühl.

wieder nicht geschafft

ich habs wieder nicht gemacht. zu feige. vor über einem monat schrieb ich, dass ein blog kein manifest und kein essay ist, dass es sich mehr um einen gedankenspeicher handelt. diese gedanken bezeichnete ich als die kieselsteine unter denen sich gelegentlich auch ein edelstein entdecken lässt. jedenfalls sind es gedanken, deren veröffentlichung dazu dient, dass freunde, interessierte, der rest der welt, … dazu stellung beziehen können, dass sie diese gedanken kommentieren und sie reifen lassen. die gereiften gedanken könnten dann die basis für einen essay oder einen umfassenderen text bilden.

seitdem ich das schrieb, habe ich zwischen zehn und 15 gedanken digital und auf papier notiert, zwei weitere diktiert (weil beim gehen kann ich nicht schreiben) und keinen einzigen davon veröffentlicht, mit der inneren ausrede: das muß ich nochmals durchdenken, schöner formulieren und werde ich dann veröffentlichen, wenn ich mehr zeit dafür habe. aber, die vergangenheit beweist es, dazu kommt’s nicht. selten. die zeit nehm ich mir nicht und dann sind da schon wieder die nächsten gedanken.

dieser text ist die »warnung« an meine leser. 😉 ab jetzt will ich diese gedanken alle rauslassen in die wildheit der öffentlichkeit. damit sie das publikum besser einordnen kann, werde ich jeden dieser gendanken als »kieselstein« markieren (taggen). mal sehen was die werte leserschaft dazu sagt. die könnte ja dann (gelegentlich) dem kieselsteinstatus widersprechen.

der weblog

ein blog ist kein essay, kein buch, kein manifest. es ist eine ansammlung von gedanken, der ort ihrer reifung. diese gedankenfragmente manifestieren sich durch schreiben des blogs. es sind fundstücke der persönlichen gedankenwelt. manche sind bloß kieselsteine, ein paar sind smaragde und vielleicht versteckt sich auch einmal ein diamant in diesen bruchstücken. eines tages werden sie geordnet, geschliffen und poliert.