das recht der freien meinung

das recht auf freie meinungsäußerung ist oft der aufhänger warum demonstrationen auf jeden fall genehmigt werden müssen.

doch wenn das recht auf freie meinungsäußerung gilt, dann muss auch das recht auf diese-andere-meinung-nicht-hören-wollen gelten. es kann nicht sein, dass eine minderheit eine mehrheit zwingt sich mit deren meinung auseinanderzusetzen. umgekehrt gilt das selbstverständlich auch.

abgesehen davon gibt es kein recht für irgendetwas, das lesen wir schon bei alexis de toqueville. die menschen sollen sich frei entfalten, tun können, was immer sie wünschen, sie müssen nur den kategorischen imperativ einhalten, sie dürfen die freiheit des nächsten nicht einschränken, in diesem fall, ihn nicht belästigen. dem nachbar muss die chance gegeben werden, es nicht hören zu müssen.

 

xenophobie und fremdenfurcht

in verzerrten märkten erhält der unternehmer nur unsaubere signale vom markt. abzuschätzen, welche produkte (gegenstände oder dienstleistungen) gewünscht sind und sein werden, wird immer schwieriger. der designer mit seiner aussensicht ist in einer günstigeren lage zu erahnen, was nachgefragt sein könnte. er hat es jahrelang, mitunter jahrzehntelang trainiert. wenn es »ein guter« ist. der designer beobachtet die gesellschaft und zieht seine schlüsse. er will wissen, was dahinter stecken könnte und formuliert eine these aufgrund der aktuelle ereignisse keine überraschung mehr sind. er zieht abduktive schlüsse (wenn man es wieder »gelehrt« ausdrücken will). diese fähigkeit kann man auf vieles anwenden.

aktuell könnte man nun der ansicht sein, eine gewissen xenophobie macht sich unter dem volk breit. die gesellschaft, so meint man, ängstigt sich vor den fremden, die da in massen kommen. die »bildungsnahen« schichten sagen: es gibt eine unbegründete xenophobie der wir entgegen arbeiten müssen. sie nennen es »xenophobie«, weil das fachsprachlich ist — es klingt gebildet — es erlaubt, sich vom durchschnittsbürger abzugrenzen, vom »bildungsfernen mob«.

doch xenophobie leitet sich aus dem griechischen ab: xénos »fremder« und phobia »angst«, »furcht«; also fremdenfurcht.
schauen wir genau hin, so mag es manchmal der fall sein, dass man angst vor »dem fremden« hat (was durchaus gelegentlich das überleben sichern kann), aber insgesamt können wir in unserer gesellschaft keineswegs eine große furcht vor den vielen fremden erkennen. es ist vielmehr eine wut, die wir sehen, eine wut einiger (jener »xenophoben«) über die mißachtung der gesetze der gastfreundschaft. grundsätzlich gibt es die bereitschaft zur gastfreundschaft, aber nicht auf kosten der eigenen kultur. diese kultur gilt es vom gast zu achten. ihr muss er sich unterordnen, anpassen, einfügen. das ist kein klein-beigeben und kein unterwerfen, das ist eine frage des anstands.

würden wir nun diesen »bildungsfernen schichten« vorwerfen, sie hätten fremdenfurcht, würden sie widersprechen. sie haben keine furcht vor dem fremden, nicht im großen stil. eher ist es ein fremdenärger, der entsteht, weil man meint seine eigene, mitunter schwer erkämpfte position, aufgeben zu sollen, weil »die anderen« eben »anders« sind. doch wir haben es uns in jahrhunderten und jahrzehnten erarbeitet katholik, protestant oder buddhist sein zu können, ohne dass wir uns täglich bekämpfen. wir akzeptieren und respektieren, dass wir unterschiedliche religiöse positionen beziehen, ohne den anderen als ungläubig zu bezeichnen. wir respektieren sogar personen, die keiner religion angehören, die agnostiker und atheisten. das soll nun nicht mehr wichtig sein? auch nicht die (noch immer auszubauende) gleichstellung der frau? auch die freiheit der sexuellen vorlieben und ihre zur-schau-stellung soll unwichtig sein? unsere traditionen sollen wir aufgeben, unsere speisenvielfalt anpassen? natürlich nicht. niemand würde dem, wenn man es so darstellt, zustimmen und das erreichte über bord werfen.

der ärger der menschen, den wir zeitweilig beobachten können, ist die reaktion auf die angedeuteten, von unserer gesellschaft zu erbringenden anpassungen unserer kultur. es ist keine xenophobie, keine fremdenfurcht, es ist eine wut sich verändern zu müssen — oder zu glauben, sich verändern zu müssen. nehmen wir an, eine vielzahl der unfreiwilligen »gäste« ist dankbar und akzeptiert die hier vorgefundende andere kultur, deren menschen sich ihrer erbarmen. freilich, als guter gastgeber wird man ein wenig die eigene bequemlichkeit zu gunsten des gastes aufweichen, aber keinesfalls aufgeben.

die politik versagt in seinen kernfunktionen — wieder einmal. der politiker erscheint als undankbarer beruf, mir scheint, entsprechend selten wird der nachgefragt. also wundern wir uns nicht, warum basisfunktionen nicht erfüllt werden, zb. die voraussicht (mindestens 50…100 jahre), integrität in so hohem maße, dass sie als vorbild wirkt, besonnenheit und weisheit, etc. stattdessen meint man sich, gelegentlich, in einem »kindergarten der erwachsenen« zu befinden, wenn man diverse berichte aus dem hohen haus und von den pressekonferenzen liest. von umsicht und vorausschau keine rede.

just diese personen, diese politiker, beklagen nun (nicht alle) die reservierte reaktion eines gutteils der bevölkerung, deren ärger gegenüber den neuankömmlingen, die sich (wie gesagt, so scheint es, auch wenn es bloß einzelfälle sind), die sich nicht wie gäste verhalten, die die hier geltenden regeln nicht akzeptieren wollen, im glauben, ihre regeln wären die einzig wahren. der rest der welt sind ungläubige und daher minderwertig.

das problem ist, und damit verschärft sich die situation auf unangenehme weise, dass nur die re-aktion des volkes verurteilt wird und nicht die aktion der gäste. und zwar von »den eigenen«. das empfindet man als ungerecht. das empört. und das führt zur steigerung der wut im volk. es ist die toleranz der »gäste«, die es einzufordern gilt. toleranz ist doch einer unserer werte? das volk wird aufgerufen, diesen wert zu leben, gleichzeitig gestattet man (die politiker, die eliten) es »den anderen« ihn zu negieren.
es ist keine fremdenfurcht, es ist die wut gegen die politiker, die nicht gerecht, und wenn schon ungerecht, dann nicht für das eigene volk handeln. es braucht keine bevorzugung »der unsrigen«, es braucht bloß ausgewogenheit in der behandlung. thomas andreas beck hat dazu einmal einen blogpost verfasst, über zwei kinder, einem schlimmen und einem braven, und darauf hingewiesen, dass sich die eltern auch und insbesondere mit dem schlimmen beschäftigen sollen.

die österreichische geschichte, unsere gene, sind multikulturell. wien ist nach wie vor ein schmelztiegel der nationen und völker. allerdings, aber historiker mögen mich bitte korrigieren, haben sich die hierhergesiedelten immer der aktuellen kultur angepasst und diese, quasi von innen heraus, als österreicher, als wiener verändert. sie haben sie weiterentwickelt; graduell und unter erhalt des bereits erreichten. so war es immer eine bereicherung, weil etwas dazu kam und nichts wünschenswertes und erhaltenswertes aufgegeben werden musste.

heute ist das anders (so hört man gelegentlich): kein christbaum im kindergarten und auch keine gummibären auf der kindergeburtstagstorte, kein schweinefleisch in der wurst, kein martinsfest mit laternen, keine nackten skulpturen im öffentlichen raum, besser kein spätnachts-über-den-praterstern-flanieren, etc.

was wir beobachten ist keine xenophobie, sondern die reaktion des volkes auf die intoleranz der anderen, auf ihre weigerung sich unserer kultur anzupassen (oder auf die wahrgenommene weigerung). würden wir den menschen umgangssprachlich vorwerfen, sie hätten »fremdenangst« würden sie protestieren. stattdessen verstecken wir uns hinter bildungssprache und heißen sie »xenophob«. damit dienen wir nicht der sache. damit schüren wir unverständnis zwischen den gesellschaftsschichten und wut. diese wut macht blind, öffnet den geist für einfache lösungen, formuliert in einfachen worten. und das ist es, was zu befürchten ist.

Alles soll wieder so werden wie es niemals war.

wirklich freie marktwirtschaft herrscht nur in der politik

die politiker warnen uns immer vor der freien marktwirtschaft. aber wovor warnen sie denn wirklich? freie marktwirtschaft bedeutet, dass das passiert, was den beteiligten am angenehmsten ist, der weg des geringsten widerstands. das ist ein prinzip der natur.
ein beispiel: ein gebirgsbach findet selbst den idealen weg ins tal. der mensch als regulierer meint, durch eine flußregulierung zu entschärfen und verschlimmbessert damit oftmals.
die politiker meinen auch, sie müssten die wirtschaft regulieren. bei einem unwetter aber kommt es umso dicker.
dabei funktioniert die politik letzlich selbst genauso, wie die von den politikern gefürchtete freie marktwirtschaft, nämlich frei und maximierend, zügellos und entfesselt, kurz unreguliert. die währung der, nennen wir es politwirtschaft, ist die wählerstimme. je mehr, desto besser. der politiker ist gierig nach dieser währung, genauso wie es dem »kapitalisten« bezüglich geld nachgesagt wird. der politiker tut alles für mehr politwährung, er lügt dem volk die hucke voll, dass sich die balken biegen. das wahlvolk lässt es sich gefallen, es ist ja bereits zu stimmvieh degeneriert, denn die politik weiß, wie es gelingt, passende einnahmenquellen (wählerstimmen) zu generieren. kein wunder, dass niemand, der an den hebeln der macht sitzt, das schulsystem reformieren will. diese »politkapitalisten« bedienen sich ungeniert und würden niemals eine regulierung dieser politwirtschaft zulassen. sie müssten sie ja selbst gestalten.
kein fluss der welt würde sich selbst regulieren, einengen, sich seiner kräfte berauben lassen. also leben wir weiterhin mit politüberschwemmungen und politkatastrophen, bis es dem wahlvolk gelingt, über den köpfen der politiker hinweg, erkenntnis zu erlangen, zu verstehen, dass es so wie bisher, rein logisch, nicht weitergehen kann.
und dann? revolution!?

das hätte ich schon vor über drei jahren veröffentlichen können – ich tat es nicht. heute passt es immer noch. vielleicht sogar besser.

manchmal

manchmal gehen einem die dinge, die man irgendwie schon gerne macht, nicht so leicht von der hand, wie man sich das wünscht. »es zaht se«, wie wir in wien sagen. die dinge entwickeln sich nur zäh. langwierig. langsam. mir fällt auf, das ist insbesondere dann der fall, wenn ich mir vornehme, nur eine gewisse anzahl von stunden (oder weniger) dafür zu brauchen oder wenn ich in völliger absenz realistischer zeitschätzung eine liste am montag-vormittag zu erledigender aufgaben erstelle, die ich am freitag vielleicht zu einem drittel abgearbeitet habe. in diesen momenten erscheinen die arbeiten zäh.
dann gibt es andere. da ist man tief drinnen, die dinge fliegen einem nur so von der hand, die gedanken fließen in reißenden strömen, die ideen bersten aus dem kopf aufs papier, der stift flitzt dahin, die tastatur glüht. dann sieht man auf die uhr in der meinung der halbe tag sei inzwischen um — aber nein, es war grade mal eine halbe oder ganze stunde. man kann sich also noch einiges vornehmen für den angebrochenen vormittag. und dann passiert das alte spiel — siehe oben.
mir scheint, das problem ist die selbstauferlegte zeitbeschränkung. man möchte in einer stunde fertig sein, man möchte bei tageslicht arbeiten. ja, das ist noch eine straf-verschärfung: die winterszeit mit ihren kurzen tagen. selbst wenn man sich übertölpelt und die uhr aus dem blick lässt, der raum wird einfach dunkel und mahnt, dass der tag zu ende geht — dabei ist es grade mal halbvier. auch das drängt zum endlich fertig werden und schon ist es passiert: die arbeit ist zäh.
aber im flow, also ohne uhr, da macht man das, wofür man im moment am besten zu gebrauchen ist. schnell. zügig. freudvoll. daher auch besonders gut. das heisst nicht, dass man die zähe arbeit nicht gut oder nicht gerne macht, es ist nur eben deutlich anstrengender die gewünschte qualität zu erzielen. schaffen tut man es schon.
ist das, was ich da beschreibe, nicht genau das, was man als »prokrastination« kennt? also, das weniger konzentrierte, aber um konzentration bemühte arbeiten, das sich-ablenken-lassen von im moment »interessanterem«? das kennt jeder, nicht wahr? es ist das los der wissensarbeiter. insbesondere der wissensarbeiter, denn die können sich so eine ablenkung leisten. erklärte uns doch schon peter drucker, dass man beim wissensarbeiter nur schwer sagen kann, ob er gerade arbeitet oder faulenzt. dazu kommt die (bereits häufig erlebte) möglichkeit, dass diese ablenkungen neue querverbindungen initiieren, die aus einem durchschnittlichen ergebnis ein geniales machen.
also gut, zäher projektfortschritt ist das los des wissensarbeiter und birgt die chance auf geniale ergebnisse (output auf neudeutsch).
frohes neues jahr.

die diskursunfähigkeit unserer tage

es ist ein problem der diskursfähigkeit.
man will manche ansichten nicht hören und negiert sie. dieses »überhören« führt wiederum dazu, dass diese ansichten verstärkt, zugespitzter, polemischer formuliert werden. auch diese werden — nun erst recht — zurückgewiesen. bis dann der ärger eines diskussionspartners so groß ist und das thema drastisch verkürzt — und dabei vereinfacht — präsentiert wird. als lösung.
es erinnert mich an einen defekten analogen lautstärkeregler. man will leise musik hören. man stellt das radio damit leiser, ein klein wenig noch. oh, jetzt ist es zu leise, ein interessanter beitrag. also versuche ich zart wieder etwas lauter zu stellen. doch das radio reagiert nicht. ich drehe den regler nur ein wenig nach rechts, aber es verändert sich nichts. es bleibt leise. ich drehe also vorsichtig ein wenig weiter nach rechts. nichts. also mit etwas mehr »ruck« und — zack — jetzt ist es viel zu laut. das radio plärt mir die nachrichten ins ohr. ein radio kann ich recht schnell wieder leise stellen, aber wie ist es mit einer gesellschaft?
man möchte, wenn man sich diverse diskussionen anhört, den regler ein klein wenig »nach rechts« drehen. sagen wir in die 1970er oder 1980er jahre. wir aßen damals noch »mohr im hemd«, schleckten »eskimo-eis«, kauften im zuckerlgeschäft »negerbrot« und andré heller wollte noch »ein zigeuner sein«. doch das klein-wenig-nach-rechts drehen funktioniert nicht. der regler ist nicht mehr fein genug, abgenutzt, erlaubt diese nuancierte, kontrollierte rechtsjustierung nicht. erlaubt nicht einmal eine darlegung und zerlegung der fakten, denn manche dieser fakten kann man eben gut als »politisch unkorrekt«, als diskriminierend, als einschränkend bezeichnen (was hermeneutisch meist offensichtlich falsch ist). also, anstatt dass man sich mit einer problematik ausführlich auseinandersetzt, begriffe und ihren gebrauch und bedeutungsumfang definiert, anstatt dass man unterscheidet zwischen den vielfältigen sonderfällen (heute heisst es »einzelfälle«) und dann ein differenziertes, sauber gedachtes ergebnis präsentiert, blockt man »von links« alle diskussion ab. man errodiert diesen lautstärkeregler, sodass eine feinjustierung nicht mehr möglich ist. die »musik« wird immer leiser, dh. der bürger fühlt sich immer weniger verstanden und will immer vehementer korrigieren, nur ein wenig lauter. geht nicht. hoffentlich wird es nicht abrupt laut. zu laut!
übrigens ist mir aufgefallen, dass dieses phänomen des eingrabens in eine position auch im alltag jedes menschen vorkommt. bei mir jedenfalls kann ich feststellen, dass man gelegentlich in einer diskussion in eine position gedrängt wird, die man dann auch noch verteidigt, obwohl man gar nicht vollständig damit übereinstimmt. man wird von den mit-(gegen?-)diskutanten förmlich an dieser position in den boden gepresst.
das ist ein symptom der diskursunfähigkeit.
und zwar der eliten!
am stammtisch wird geredet, das ist die eine sache, aber die eliten sollten besonnen agieren und sauber argumentieren. doch der stammtisch hat sich vergrößert. »die welt« (das internet, facebook, you-name-it) ist heute für viele dieser stammtisch. sie ist also deutlich größer geworden, diese »stammtisch-runde«, dabei kaum wissender. umso wichtiger ist es, dass wir uns im differenzierten, fakten analysierenden denken und diskutieren üben. welch eine wunderbare chance steht hier bereit ergriffen zu werden: man stelle sich vor, die menschheit diskutiert, in großer breite, besonnen die themen des alltags und man findet ein argumentatives ergebnis, das alle verstehen und dem alle zustimmen. eine utopie, gewiss, aber tendenziell realisierbar. heute »mehr den je«.

wehrt euch! kauft nicht bei …

der artikel von rené f. lichtschlag den ich gestern erhielt, drängt mich zu diesen zeilen:
die warnung, dass es wieder so kommen könnte wie einst, wenn wir nicht genug aufpassen, ist berechtigt. das problem ist, dass viele der warner sich selbst nicht beobachten und den gleichen mechanismen verfallen, die damals das unglück über die menschen brachten.
im moment scheint es so, als bekäme deutschland eine so schwere linke schlagseite, dass es demnächst nach links kentert. meistens versinkt ein schiff dann.
die unkenntnis der geschichte, das wenig-in-frage-stellen aktueller vorgänge und vor allem, das den anderen vorgehaltene, dabei selbst praktizierte vereinfachen der umstände, machen besorgt über unsere zukunft.
die freiheiten — für die sich unsere eltern und großeltern einsetzten — werden leichtfertig geopfert, im sinne einer vereinfachung und aus unverständnis. die höchsten güter sind die gedankenfreiheit, die freiheit über den eigenen körper bestimmen zu können, das eigentum. schleichend — gemäß der salamitaktik lesen wir im artikel — wurden diese freiheiten beschränkt. mit großem applaus gegen die raucher, dann gegen die homophobie, jetzt gegen andersdenkende. achja, hat es nicht mit der angurtpflicht begonnen? der staat nimmt dem bürger eigenverantwortung, weil dieser scheinbar nicht in der lage ist, über sich selbst zu bestimmen.
es scheint so, als ob die gesellschaft (oder sind es bloß die eliten) sich bereits so weit nach links lehnt, dass jede links-mitte-bemerkung als rechts markiert werden kann (was sie ja aus dieser stark-linken, vielleicht sogar links-extremen, sicht ist). diese tatsache, dass eine gemäßigt linke aussage rechts einer links-extremen aussage erscheint, paart sich nun mit der vereinfachung, dass jede rechte äußerung von einem rechten getan wird. es wird weiter vereinfacht: jeder rechte ist ein nazi. und jetzt tappt die linke elite in die falle. statt eine meinung als meinung stehen zu lassen, wird diese – weil sie nicht zum eigenen weltbild passt und weil sie argumentativ vielleicht nicht auszuhebeln ist – als schädlich und daher verboten markiert. denkverbot!
die warnung der libertären (»liberal« kann man kaum mehr verwenden, weil es mitunter mit »liberal socialists« in den USA, also den linken, verwechselt wird), dass mit dem rauchverbot das denkverbot vorbereitet wird, bewahrheitet sich in diesen wochen. wenn der staat, die eliten, der meinung sind, nur sie wüssten, was dem körper des bürgers gut tut, und müssten daher auf sein wohlbefinden durch verordnung achten, dann ist es nur logisch, dass sie dasselbe bei den gedanken der bürger und mit den diese einfärbenden texten machen: kontrollieren und verbieten.
das ergebnis: bei jeder aussage (auch bei diesen zeilen hier) überlegt man die auswirkungen in einer verwirrten und wütenden gesellschaft, die mittlerweile unfähig erscheint einen komplexen gedankengang ohne vorurteil zu durchdenken, zu erweitern, zu widerlegen. der reflex ist simplifiziert. es klingt rechts, es ist nazi, daher muss man es verbieten. jedes wort wird mit der messlatte der politischen korrektheit geprüft. dabei wird die messlatte laufend kürzer — die wörterinnen immer länger und unverständlicher.
zeit sich zu besinnen! ein diskurs ist sonst nicht mehr möglich.
es gibt meinungen und ansichten, man kann sie teilen oder eben nicht. aber man soll sie gelten lassen. wer denkverbote ausspricht, bereitet einer welt den boden auf, die er ja eigentlich verhindern will. man bedenke, dass sich links und rechts, auf einem kreis angeordnet, berühren. oder erkenne ich den unterschied zwischen stalin und hitler in bezug auf ihre gewalttaten nicht?

das dilemma

es ist ein laufendes warten auf das bessere, statt einem freuen über das gegebene.

wir streben zum erfolg, dh. zum größeren erfolg. dabei vergessen wir häufig (sehr häufig, fast immer) uns über den erreichten erfolg gebührlich zu freuen. kaum haben wir das eine ziel mit bravour erreicht, haben wir schon das nächste im visier. keine zeit zum verschnaufen. schon gar keine zeit, um sich auf die schulter zu klopfen.
und klopfen zu lassen!
mir scheint, wir haben vergessen, dass wir auch lebensfroh sein sollen. ich glaube, wir müssen das wieder lernen. schleunigst! denn ansonsten steigt der stress und damit die anspannung, die wahrnehmung schränkt sich ein und die dinge werden … einfach. die einfache lösung hat es dann leicht mit uns. jene lösung, die nicht viel nachdenken erfordert, die ohne muse auskommt, denn diese zeit zur muse gibt es oft nicht mehr.

ein beispiel: kaum hat man den vortrag vollendet, verlässt man die bühne. der vortragende hat schon die nächste profilierungsaufgabe im visier. das publikum applaudiert mit begeisterung über den vortrag der leeren bühne.
sich bedanken lassen, sich feiern lassen, das müssen wir offensichtlich erst wieder lernen.
zum glück gibt es eine gruppe, von der wir es uns abschauen können: den schauspielern und musikern. die halten applaus aus, baden darin. das tut den protagonisten gut, aber auch dem publikum.

mir ist das aufgefallen bei der großartigen 10-jahres-jubiläumsfeier des scholariums. zehn jahre vergehen zum einen wie im flug. also kein grund für eine große feier, möge man meinen. auf der anderen seite waren es zehn jahre bestrebung zu und angebot einer modernen aufklärung. es war (und ist) keine aufklärerische ich-weiß-es-besser-vorgangsweise, sondern eine zum denken anregende. damit schärft sie das einzig nützliche werkzeug für unsere aufgabe unsere selbstverschuldete unmündigkeit zu überwinden: unseren verstand.
das jubiläumsfest zeigte mir, man muss ein ziel verfolgen, aber man soll auch zwischendurch den erfolg feiern. diese belobigungen sind ähnlich den kleinen stärkungen, die man während eines marathons zu sich nehmen muss, will man diesen erfolgreich und gesund beenden. ohne stärkung gelingt das kaum.

hat man das erkannt (und führt man es auch durch), dann hat man die kraft weiter am erfolg zu arbeiten. und man hat dann gelernt, sich auch über das gegebene, das bereits erreichte zu freuen und nicht nur nach dem nächsthöheren ziel zu schielen.