Das Genie beherrscht das Chaos

Eine Aussage, die immer wieder Albert Einstein, manchmal auch anderen zugeschrieben wird, und das von Menschen strapaziert wird, die damit die Unordnung in ihrem Umfeld entschuldigen wollen. Das ist natürlich Humbug. Es mag sein, dass das Genie (ein Albert Einstein zum Beispiel) auch im Chaos Grosses zu leisten imstande ist. In einem aufgeräumten Umfeld, einem Ort höchster Konzentration auf das zu bearbeitende Thema, leisten diese Menschen ungleich mehr.Ein aufgeräumter Arbeitsplatz, d.h. ein leerer Schreibtisch (der reale und auch der virtuelle am Bildschirm) ermöglicht ablenkungsfreies Arbeiten.

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Neues Jahr, diesmal mit Vorsätzen

Nach den vorsatzfreie Jahren will ich heuer ein »neues« Experiment starten: Neujahrsvorsätze in Gewohnheiten (habits) umwandeln. Angeregt hat mich dazu die Evernote #EverBetterChallenge, an der ich den Kernvorsatz festmache. Darum bilden sich eine Menge weiterer Vorsätze, d.h. genaugenommen ist es eine Vorsatzsystematik.

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Feedback eines Seminar-Teilnehmers – die Skala reicht nicht.

Unlängst hielt ich ein zweitägiges Seminar über Servicedesign (freilich unter Nutzung von Design-Thinking — anders geht das ja nicht) an der Donau-Universität in Krems.

Ein vergnügliches Seminar, eine hochmotivierte Truppe an Studenten, nein, Studierenden, die begeistert am Redesign des Mensa-Erlebnisses arbeiteten und die Ergebnisse in einer adäquaten Form dokumentierten — aka Service Blueprint.

Das Feedback war erfreulich gut, der Lerneffekt offenbar sehr groß.

Die besondere Freude

Einer der Studenten überreichte mir den Feedback-Bogen persönlich, bedankte sich für die kurzweilige Unterrichtung und erläuterte seine erste Eintragung (die Grafik statt Text) sinngemäß so:

Am Anfang erschien es mir chaotisch, war mir unklar wohinaus das laufen soll, aber im Laufe des Seminars wurde es immer klarer. Insofern zeigte das Seminar genau das, was es sollte: Was ist Design-Thinking und wie geht man damit um. Am Ende des Seminars meine ich mich gut auszukennen und daher ist der Verlauf des Seminars analog dem vorgestellten und diskutierten Knäuel darzustellen. Danke.

Was soll der untere Bereich darstellen?

Die Skala reicht von Minus bis Plus, aber das reicht nicht für meine Begeisterung. Ich musste sie nach oben erweitern 🙂 ,

schloß der Student seine Erklärung.

Es ist schön, wenn es einem gelingt, Wissen in erbaulicher Form und mit Freude weiterzugeben. Danach strebe ich in meinen Seminaren. Vielleicht wollen Sie auch einmal eines besuchen?

Wie man der bleibt, der man ist, und dabei besser wird.

Design-Thinking ist die Art, wie Designer denken.

Nach rund eineinhalb Jahrzehnten ist diese neue »Methode« namens »Design-Thinking« nun auch im deutschen Sprachraum bekannt. Zwar haben noch immer nicht alle davon gehört und die meisten wissen nach wie vor nicht, was man darunter tatsächlich versteht, aber die großen Unternehmen, und sogar manche staatliche Organisationen, haben schon das eine oder andere Gespräch mit »Design-Thinking-Experten« geführt. Sie erlebten mitunter bereits einen Workshop, einen Designjam oder einen Crashkurs zu Design-Thinking. Bei diesen Veranstaltungen hatten die Teilnehmer viel Spaß. Einmal raus aus dem Büro-Alltag, mit Lego und Plastilin spielen oder Türme mit Marshmallowspitzen bauen (die grade mal Sekundenbruchteile standen). Doch nach den Veranstaltungen, die eineinhalb Stunden, einen Tag oder ein Wochenende dauerten, kehrten die Teilnehmer — die Manager und Sachbearbeiter — wieder zurück an ihren Arbeitsplatz … und machten im Wesentlichen so weiter wie bisher.

Die Veränderung im Verhalten war gering, die Steigerung der Produktivität null, des Umsatzes sowieso. Auch die Kunden dieser Unternehmen spürten so gut wie keine Verbesserung in der Geschäftsbeziehung nach diesen unterhaltsamen Stunden der Mitarbeiter mit dem Thema Design-Thinking.

Warum? Weil oben genannte »Experten« selbst ernannte sind.

Design-Thinking vom Berater? Oder doch vom Designer?

So manche »Design-Thinking-Experten« sind Personen aus ausserhalb der Design-Branche, also Nicht-Designer. Sie haben noch kein Produkt gestaltet, mussten sich noch nie wirklich mit Benutzern von Gegenständen des täglichen Gebrauchs beschäftigen (Konsumgüter), dabei auch Produktionstechnik, Nutzen und Ästhetik in ein kaufmännisch enges Korsett pressen. Sie kennen es nicht aus erster Hand, wenn man sich – wie es Otl Aicher ausdrückte1 – freiwillig zwischen alle Stühle setzt und Lösungen hervorzaubert. Sie »spielten« nie »Design-Sudoku«. Sie wissen nicht wie es in Marty Neumeiers Dragon-Gap zugeht und warum man sich da hinein begibt. Dennoch meinen sie es anderen Nicht-Designern (ebensolchen wie sie selbst) erklären zu können, was designen bedeutet und wie es geht. Sie sind sogar überzeugt, sie könnten es den Designern erklären, wie die es machen müssen. So eine Hybris.

Bertrand Russel schrieb einmal: »Es ist ein Jammer, dass die Dummköpfe selbstsicher sind und die Klugen voller Zweifel.«2

Design-Thinking wird von Designern anders dargestellt als von Nicht-Designern. Ihre Sprache ist den Managern vielleicht unsympathischer als jene der Nicht-Designer – sie »sprechen kein Management« – und ihre Detailkenntnis um diese Denkweise lässt Designer vorsichtiger artikulieren, was mit Design-Thinking – angewendet von Ungeübten – machbar ist und was nicht. Es ist eine tolle Denkweise, wie Designer denken, doch ist es eben nicht so einfach wie immer wieder behauptet wird. Jeder kann es lernen, es bedarf der Übung und erfordert Erfahrung. Denn die Versuche der selbsternannten Experten für Design-Thinking aus der Berater-Szene, mit ungeübten Menschen Design-Thinking zu praktizieren und damit schnell Innovationen zu schaffen, disruptive Geschäftsmodelle zu generieren und die jeweils eigene Branche auf den Kopf zu stellen, scheitern in den meisten Fällen. Das ist nicht gut für die Design-Branche.

Die Welt soll wissen wie Designer denken

Man muss diesen Hype ins rechte Licht rücken, als Hype entlarven und gleichzeitig den Wert darstellen und nachvollziehbar machen. Man muss ihn in einen tragfähigen Trend umwandeln. Es gilt die Sichtweise der Manager (und Unternehmer) und auch die der Berater neu zu kalibrieren, zu erinnern, woher der Begriff kommt und was tatsächlich darunter zu verstehen ist.

»Das andere Buch über Design-Thinking: Wie Designer denken.« legt dar, dass Design-Thinking kein Prozess und auch keine Methodensammlung ist, sondern eine Denkweise. Das Design Managment Institute in Boston formulierte treffend3: Design-Thinking nennt man den Denkansatz den Industriedesigner anwenden, wenn sie Gegenstände und damit auch Prozesse, Erlebnisse und Systeme gestalten.

Dieses Buch liefert eine den Mainstream ergänzende Sicht auf diese Denkweise. Denn Design-Thinking als Denkweise ist für zukünftigen Unternehmenserfolg unentbehrlich. Design-Thinking ist ein Innovationsturbolader. Mit dem Wissen, um diese Denkweise und der Kenntnis auch der anderen Sicht, der des Designers, gelingen Ihnen fundierte Managemententscheidungen.

Design-Thinking für alle.

Ja, jeder kann Design-Thinking anwenden und nutzen. Aber der Manager muss es selbst nicht unbedingt können, er muss es bloß kennen. Er muss seine eigene Denkweise nicht zugunsten dieser neuen (besser neu entdeckten, neu bezeichneten) Denkweise aufgeben. Der Manager muss sich nicht verbiegen und kann trotzdem davon profitieren. Das ist Effizienz.

Das Buch gibt einen ersten Überblick auf die Welt des Design-Thinkings aus der Sicht des Designers. Es ist ein Versuch zu erklären, wie Designer denken. Es ist eine Innensicht, aus dem Auge des Design-Thinking-Sturms geschrieben und durch Selbstbeobachtung abgesichert.

Man liest »Das andere Buch über Design-Thinking: Wie Designer denken.« damit man Design-Thinking effektiv nutzt. Man bleibt, wie man ist, und wird besser.

Im Getöse

Man sagt, Eigenlob stinkt, aber manchmal muss man einfach einen der seltenen Lichtblicke des eigenen Intellekts stolz der Öffentlichkeit präsentieren. Und das mache ich jetzt.

Ich arbeite gerade am 3. Satz der “6 sätze über design” und lese im vierten Satz, im vorletzten Kapitel unter anderem diesen Absatz: »… waren die signale in früheren jahren schwach, so konnte sich der bessere kaufmann vom guten dadurch unterscheiden, dass er sie erkannte und richtig interpretierte. durch die interventionen der regierungen sind diese signale nicht nur schwach, sondern darüberhinaus auch unscharf, verzerrt, manchmal sogar verfälscht und leicht zu missinterpretieren. die marktsignale verschwinden im getöse der durch steuern finanzierten gratisangebote staatlich gestützter organisationen und erlauben es kaum, fundierte aussagen über das voraussichtlich wertgeschätzte zu machen. man meint mangel oder überfluss zu erkennen, wo das gegenteil der fall ist und verzichtet auf geschäft oder setzt fehlinvestionen. …

Ist das nicht schön?

»im getöse der durch steuern finanzierten gratisangebote« ist das privat finanzierte, Steuerzahlungen ermöglichende Angebot nicht mehr auszumachen. Schön finde ich die Formulierung, nicht die Tatsache.

Mehr dazu und darüber, dass “designen der Schlüsselfaktor für wirtschaftlichen Erfolg ist” findet sich im Band #3, das ist der 4. Satz der Serie “6 sätze über design“.

Ich freue mich über Ihr Feedback, ich lese jede Nachricht und antworte persönlich darauf.