Vielfalt, Auswahl oder eine Antwort?

22/04/2020

Manche Designer meinen, man müsse eine große Auswahl an Ideen liefern. Doch damit erweisen sie sich und ihren Auftraggebern einen Bärendienst.

Zunächst wirkt das natürlich toll, wenn ein Designer eine große Auswahl an Ideen produziert, einen Fächer an möglichen Lösungsansätzen präsentiert und dem Auftraggeber zur Wahl stellt. Der Auftraggeber – interessiert viel Gegenwert für sein Geld zu bekommen – freut sich über diese Wahlmöglichkeit. Doch das führt auch zur Qual der Wahl. Statt zügigem Weiterentwickeln erleben wir träges Entscheiden. Eine große Auswahl ist kontraproduktiv, denn der Designer wird zu Rate gezogen um Fragen (also Probleme) zu beantworten, nicht um diese zu stellen.

Überlegen Sie nur, wie es wäre, wenn Sie der Elektriker fragte, welche Sicherung er für Sie einbauen soll, 10 Ampere oder doch 16 Ampere, oder, weil es soll ja das Wochenendhaus absichern, die 25 Ampere-Sicherung?

Antwort statt Fragen

Es braucht keine alternativen Ideen, keine riesengroße Vielfalt. Es müsste genügen, einen einzigen Vorschlag zu machen. Dieser Vorschlag soll die Antwort, die Lösung für das gestellte Problem sein. Ein Designer der eine Vielfalt an Formvarianten zur Problemlösung zeigt, dokumentiert damit in gewisser Weise unsauberes und unvollständiges Research.

Ein Produkt (ein Gegenstand, Prozess oder eine Dienstleistung) soll gut funktionieren und nicht häßlich sein. Designen verbindet gewünschtes Erlebnis mit technischer Möglichkeit und kaufmännisch Sinnvollem. Damit verbessert Designen das Leben der Menschen.

Gut funktionieren heißt, dass Menschen wissen wofür sie ein Produkt benutzen und wie sie damit umgehen. Nicht häßlich bedeutet, dass ein ästhetisches Minimum erfüllt wird. Die formale Strategie (die Form betreffend), die wir dabei verfolgen, ist jene, die am besten zum Markentyp passt; der Vorschlag muss zum einen dem Marken-Image entsprechen, zum anderen muss die Form die definierte Zielgruppe ansprechen.

Freilich kann es vorkommen, dass es mehrere Lösungen für ein Problem gibt. Dann soll man jede dieser Lösungen argumentieren können. Es gibt niemals zwei gleich gute Lösungen. Es kann sein, dass eine Lösung für eine Facette des Problems besser passt als eine andere; die andere löst eine andere Facette des Problems auf brillante Weise. Beide Lösungen sind nicht vereinbar. Ein entweder oder, das im Moment nicht aufgelöst werden kann, ist die einzige Situation, die die Präsentation von mehreren als einer Lösung rechtfertigt.

These

Durch entsprechend sorgfältiges Analysieren ist es möglich die (für den Moment) einzig richtige Form zu präsentieren.
In einem Projekt aus unserem Büro würde das bedeuten: man findet vorher heraus, welcher der vier entwickelten Stile, erstens am ehesten dem Unternehmen und zweitens der Zielgruppe entspricht. Dann präsentiert man das ausgewählte Modell. Freilich ist es dabei sinnvoll, den Auftraggeber an den Überlegungen teilhaben zu lassen – ihn also zum Ergebnis hinzuführen anstatt ihn damit zu konfrontieren. Darüber berichte ich ein andermal. Der Vorteil ist klar: ein Ergebnis, das logisch hergeleitet wurde, erlaubt eine rasche Entscheidung für oder Korrekturen am Projekt. Kein Muss-ich-erst-drüber-schlafen, sondern Verständnis.


Unterstützung für solch eine Vorgangsweise gerne im Design-Thinking-Coaching und -Sparring.


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Rudolf T. A. Greger

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