Ästhetik als Indikator für Design-Thinking

25/01/2020

Im zweiten Design-Thinking-Abendgespräch (Jänner 2020) näherten wir uns der Ästhetik im Design. Das erste Design-Thinking-Abendgespräch (November 2019) stand unter dem Zeichen der Designarbeit und wie man als Nicht-Designer diese Denkweise nutzen könnte. Damals landeten wir bei der Frage: wenn es genügt, dass man diesen »Prozess« lernt, um ihn erfolgreiche anzuwenden, welchen Stellenwert (und Aufgabe) hat dann noch die Ästhetik im Design?

In unserer Gesprächsrunde saßen mehrere Designer, zwei Manager, einer aus einem Dienstleistungsunternehmen, einer aus einer Design-Agentur, und ein Künstler. Wir erkannten bald (und stimmten darin überein), dass am einen Ende eines Kontinuums der Ästhetik die Kunst steht. Die Kunst muss keine Funktion erfüllen und darf irritieren. Sie hat eine eigene Skala der Ästhetik. Vielfach, so stellten wir fest, ist der Drang der Künstler zu irritieren (z.B. durch besonders schlampige Ausführung, also Häßlichkeit) schon so »normal«, dass es nicht mehr irritiert. Vielfach erkennen Rezipienten die Kunst nur noch als solche, weil sie sich häßlich und absichtlos gibt. Doch das ist ein Diskurs für die Kunstwelt.

Ästhetik ist ein Wert im Produkt – wenn es auch nicht sein Kern ist. Es gibt kein Design ohne Ästhetik. Es gibt eine innere und eine äußere Ästhetik, die eine läßt ein Produkt gut funktionieren, hilft einem dabei seine Ziele zu erreichen, die andere betrifft sein Aussehen. Wobei auch eine Zweckform »schön« sein kann. — Dabei fällt auf: ist Ästhetik nur visuell oder auch haptisch? Vermutlich zweiteres; auch für den Blinden gibt es schöne und häßliche Gegenstände. Raymond Loewy behauptete ja, dass er die Form des Avanti überprüfte, indem er mit geschlossenen Augen das Modell abtastete.

Wenn Ästhetik fixer Bestandteil des Design ist, dann ist sie auch fixer Bestandteil der Denkweise der Designer, also des Design-Thinkings. Man könnte somit den Grad der Ästhetik als Indikator für den Grad des Verständnisses von Design-Thinking nutzen. Braucht es dafür eine Einführung in Ästhetik? Darüber gilt es noch nachzudenken. Die Diskutanten meinen: Ästhetik macht Relevantes sichtbar, ist aber selbst tendenziell unsichtbar. Funktioniert es, dann ist sie unsichtbar, nur das Häßliche wird unangenehm bemerkt. Doch geht es dabei nicht ausschließlich um visuell Wahrnehmbares; wir kennen innere und äußere Ästhetik, wir müssen diesen Begriff also deutlich weiter fassen. Eine App, die einen ärgerlich macht, kann noch so »innovativ« sein, sie ist häßlich. Das bedeutet, Design-Thinking wurde nicht vollständig angewandt, auch wenn man dem Prozess mechanistisch präzise gefolgt ist. Ein stimmiges Produkt funktioniert »seamless, like magic«. Allerdings halten wir explizit fest, Ästhetik-Kompetenz braucht nicht zwingend eine akademische Ausbildung.

Die Gruppe ist sich vorerst einig, die Ästhetik ist ein Merkmal, das zeigt ob Design-Thinking verstanden wurde oder nicht. Doch muss der Einzelne seine Kompetenz nicht besonder nachweisen, es zeigt sich rasch im Gebrauch.

Was sagen Sie dazu? Schreiben Sie mir Ihre Sichtweise – ist die Ästhetik ein Indikator für verstandenes Design-Thinking? Oder diskutieren wir beim nächsten Design-Thinking-Abendgespräch.

Vielleicht ein Kommentar?

Rudolf T. A. Greger

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