(Logbuch-Eintrag 20211023.0901) — Es war großartig. Ich fühle mich gut und erfolgreich. Ich habe in den letzten beiden Tagen einen guten Job gemacht und eine Gruppe höchst engagierter Wissensarbeiter angeleitet ihre Genialität zu entfalten und sie sich selbst zu zeigen – sie wahrzunehmen. 

Gerade vorhin haben sie noch in Wortwolken aus Buzz-Words Ankündigungen ausgesprochen, jetzt beginnen diese Wolken zu kondensieren. Erste Tropfen werden spürbar. Wenn es weitergeht, dann erwarten wir in den nächsten Wochen einen Wolkenbruch. Das ist hier etwas positives: konkrete Produkte (in diesem Fall Prozesse und Dienstleistungen, keine Gegenstände).

Die aufgesogene Energie, das Wissen, kondensiert und prasselt als nahrhafter Regen auf die Erde. Die Erde, das ist der Markt. Andere Unternehmen werden dadurch aufblühen können, die Wüste wird grün.

Wie durch Zauberhand geführt – ich danke dem Universum – gelang es mit meinem Methodenset aus meiner Denkweise (wir nennen es alle Design-Thinking) passende Wissensfragmente zuerst nach oben zu bringen, dann an die Wand (Postit im Circle-Brainstorming), dann durch Diskussionswanderungen (nach einem Fragment aus der Open-Space-Technology) in einen Kontext einzubetten und zu verschriftlichen. 

Die interessante (und erfolgreiche) Führung war, dass ich (auf Kundenwunsch) von meiner Planung immer wieder in Nuancen abweichen musste. Das begann schon bei den Vorbereitungen – hätte ich also ahnen können – aber war dennoch eine, im ersten Moment überraschende, im zweiten Moment willkommene Wendung. Das erfordert Flexibilität des Moderators – und Mut.

Mut deshalb, weil ich ja als Moderator und Methodenexperte an Glaubwürdigkeit verliere, wenn ich für einen Moment (dem ersten) zögere, kurz grüble und dann eine spontane Lösung vorschlage, die in manchen Fällen wieder zurückziehe und durch eine andere ersetze, Rückfrage beim Auftraggeber durch Augenkontakt halte, und dann wieder gefasst fortfahre. Diesen Mut hatte ich. Ich habe ja nichts zu verlieren. Ganz im Gegenteil. Diese Flexibilität, diese (scheinbare) »Unsicherheiten« sind ja typische Verhaltensmuster des Designers – des Design-Thinking-Anwenders.

Der Designer weiß vieles, aber bei weitem nicht alles. 

Bei weitem!!! 

Aber er hat Ahnung von vielem. 

Die Experten sitzen ihm in aller Regel gegenüber (bildlich gesprochen/geschrieben). Die Arbeit (die Denkweise) des Designers ist eine tastende. Damit bleibt er in der Ausführung flexibel und kann spontan auf neue Situationen reagieren und diese auch zum Vorteil des Kunden nutzen. Die Experten liefern das Fachwissen und mit dieser tastenden Arbeitsweise werden die einzelnen Teile des Wissens immer neu (unorthdox, fragmentarisch, laienhaft, blauäugig) kombiniert. Wie gesagt, mit dem Risiko der Missinterpretation dieses Verhaltens als »kennt sich nicht aus«. 

Und damit relativiert sich dieses Risiko, denn es ist Kennzeichen für diese Arbeits- und Denkweise. Aus mehr als 30 Jahren Erfahrung, aus über 100 Jahren Designgeschichte im modernen Sinn, weiß ich: mit dieser Denkweise schaffen wir das Neue, die Innovation. So gelingt das Synthetisieren, das Erschaffen quasi aus dem Nichts.

Dabei muss ich es gar nicht selbst machen. Ich muss bloß (»bloß«) meine Kunden dazu anleiten, es sich selbst zu erlauben!

Das ist gelungen.

Doch es ist nicht nur die Erlaubnis scheinbar planlos »herumzueiern«, zu der ich einlade, es ist auch die Unwissenheit im Detail, die mir erlaubt Klarheit einzufordern. Der Designer mag am Anfang im Dreck wühlend nach einem Anhaltspunkt, dem geheimen Hebel des Erfolgs suchen – wir nennen es das »fuzzy frontend« –, wenn er den aber gefunden hat, dann will er liefern. Dann muss die Sache konkret gemacht werden: show, don’t tell!

Das ist für manche Berufsgruppe ungewöhnlich, denn oft reichen die Ankündigungen und die Aussicht auf das Bessere, um zu punkten. Politiker sind ein Beispiel dafür. Wir Menschen sind so begabt darin, die Worthülsen dieser Ankündiger mit unserer Phantasie für uns selbst mit Sinn (und mit Träumen) auszufüllen, dass es uns in den allermeisten Fällen niemals auffällt, dass nichts Konkretes angeboten wurde.

Hier, in meinen Workshops, ist es anders. Wir wollen es sehen, wollen damit interagieren, was gemeint ist. Auch das ist gelungen. Die konkrete Ausformung, wie ein neues Produkt sein könnte, wurde dargestellt, ist jetzt nachvollziehbar. Fünf Produkte sind es geworden – in nur drei Iterationen –, zwei davon wurden in zwei weiteren Iterationen detailiert und haben dabei zum Teil die anderen drei Produkte integriert. Man wollte fokussiert nicht viele, sondern je ein Produkt aus den zwei Feldern so vorbereiten, dass es in den nächsten Wochen konkret Kunden angedeutet und vorgestellt werden kann.

Wir werden sehen, ob es zu diesem erfreulichen, erfrischenden Wolkenbruch kommt oder ob es noch einer Regenmacher-Aktion bedarf. Jedenfalls war es für alle (so sagen die Gesichter, so deute ich das mündliche Feedback) ein Riesenerfolg (und eine gute Investition).


Wann immer Du bereit bist, ... hier sind vier Möglichkeiten wie ich dich unterstützen kann:

#BusinessModelCanvas #Managementdesign #DesignThinking #Servicedesign


Also published on Medium.

Was sagen Sie dazu?

Rudolf T. A. Greger

Senden Sie mir eine eMail.
Folgen Sie mir auf Twitter.
Buchen Sie mich für Veranstaltungen.
Lesen Sie meine Artikel über Design.
Lesen Sie meine Beiträge auf Medium.
Besuchen Sie meine Amazon-Seite.
Abonnieren Sie meinen eNewsletter.

Design-Thinking-Tank

Besuchen Sie unsere Website.
Folgen Sie uns auf facebook.
Werden Sie unser Klient.

Design-Thinking-Akademie

Offene Veranstaltungen
Kommende Vorträge