Der Bus, der Konstrukteur und der Manager

07/02/2021

Neulich stehe ich an der Kreuzung. Vis a vis ein moderner öffentlicher Bus der Wiener Linien. Sieht interessant aus. Seine Front ist offensichtlich designt. Sie ist asymmetrisch.

Ich denke mir: das sieht passabel aus. Praktisch. Braucht es dafür einen Designer? Das könnte doch auch ein Techniker machen, der Konstrukteur? 

Nein, er kann es nicht.
Er macht es nicht.
Er könnte freilich die Linie schräg ziehen, aber es kommt ihm nicht in den Sinn.
Er hat kein Interesse daran, nicht im Augenblick des Konstruierens, da geht es um andere Faktoren, die zu bedenken sind. Wird es stabil genug sein, wird es verkehrssicher sein, was passiert beim Crash, geht es sich mit dem vorgegeben Kostenrahmen aus. Vielleicht hat er auch nicht das ästhetische Feingefühl.

Dann denke ich: das kann man doch gar nicht nicht so machen. Es macht Sinn, dass der Bus, ein öffentlicher Bus, kein Reisebus, rechts niedriger ist. Das ist übersichtlicher für den Fahrer, er sieht Details am rechten Rand. Und es signalisiert den Fußgängern, dass es bequem niedrig zum Einsteigen ist. Ich brauche noch gar nicht über Ästhetik sprechen, über Originalität.

Warum soll man es machen? Warum soll die Front schräg sein? Das war noch nie so.

Warum sollte man es nicht machen? Es gibt nicht nur ästhetische Gründe, sondern praktische und technische dafür. Diese Form ist nützlich. Auch der Konstrukteur kann diese Idee haben.

Während ich so grüble und mich beim Grübeln beobachte, erkenne ich, ich kann mir nicht vorstellen, warum er, der Konstrukteuer, es nicht so denken könnte. Es kommt mir nicht in den Sinn, dass andere Menschen nicht meine Gedanken und Assoziationen haben.

Der Fehler

Es ist der alte Fehler, den wir bewusst reflektieren und damit vermeiden können, der uns aber unbewusst häufig trotzdem unterläuft: wir denken, der andere denkt ident. Aber so ist das nicht. So ist es nie.

Das ist also die Blockade, ich erkenne mein Problem. Weil ich denke, die anderen denken dasselbe wie ich – also z.B. die Front zeichne ich schräg, das kann ein Konstrukteur grundsätzlich genauso wie es der Designer kann –, weil ich für den Moment ausblende, dass jeder anders denkt, biete ich meine Möglichkeit dieses Denkens (designen) gar nicht an. Meine falsche Annahme, er könnte es ja sowieso, verhindert es. Macht es überflüssig. Ich glaube tatsächlich, er braucht mich nicht, er kann es selbst so zeichnen (designen).

Nein, er macht es nicht!

Er kann es nicht.

Unvermögen, mangelnde Vorstellungskraft. Oder einfach der Alltag. Die Erfahrungen behindern ihn, verhindern ihn in seiner Entfaltung. Auch er, der Konstrukteur, unterliegt ja diesen Verzerrungen.

Also braucht es doch Designer, die diese neue Sicht einbringen. Die zeigen, wie ein Gegenstand, ein städtischer Bus, noch aussehen kann, damit er besser funktioniert und kundenfreundlicher wahrgenommen wird.

Jetzt verstehe ich, Wolfgang!

Denn was für den Techniker gilt, gilt analog auch für den Manager. Deshalb »Managementdesign«, es ist die Schwesterdisziplin zu Autodesign (eigentlich »Transportation Design«). 

Analog zum Konstrukteur kann auch der Manager gestalten. 

Könnte!

Er macht es nicht. Aus vielerlei Gründen. Mindestens weil er dadurch immer wieder in Gewissenskonflikte kommt, die er (meist unbewusst) verdrängt. Im folgenden löst er die kognitive Disonanzen durch technische BWL-Argumentation auf. Die ganze Organisation ist auf diese Weise durchtränkt. Es sind die Policies, die diese Auflösung und Verdrängung erzwingen. Freilich ist es auch eine Frage der Organisationskultur. Es ist ja nicht zwingend so. Es gibt ja Beispiele für gestaltende (designende) Manager. So wie es auch Konstrukteure gibt, die gute Designer sind.

Analog zum Autodesigner, der den Konstrukteur unterstützt, unterstütze ich als Managementdesigner den Manager. Ich gestalte mit seinem Fachwissen seine Managementprozesse mit ihm. Dazu brauche ich ein allgemeines Verständnis von Management, genauso wie der Autodesigner von der Technik.

Dieses allgemeine Verständnis hab ich.

Wer also sein Management neu denken, verändern und verbessern will, der spricht mit mir. 

Es fällt mir nicht schwer Methoden anzupassen und anzuwenden. Dann tappe ich in die oben dargelegte Falle und glaube, dass das jeder kann und auch macht. Doch das ist nicht der Fall. 

Der Fall ist, dass nicht alle Manager ihr Management bewusst gestalten, am seltensten »schön«. Designt ist etwas dann, wenn es praktisch, nützlich und schön ist. 

Wenn Sie beim Gestalten ihrer Prozesse, ihres Managements unterstützt werden wollen, dann sollten wir reden.

Was sagen Sie dazu?

Rudolf T. A. Greger

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