Das positive Bild der Zukunft

30/12/2021

Kommentar

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Kürzlich las ich im Prodir-Magazin ein Interview mit Karin Frick, Leiterin Research am Schweizer Gottlieb Duttweiler Institut. Sie malt in diesem Interview ein positives Bild der Zukunft, das nur deshalb wenig bekannt ist, weil »Bad News« interessanter sind als »Good News«. 

Ich glaube ja (positiv gedacht), dass das deshalb der Fall ist (bad ist interessanter als good), weil eben deutlich mehr Gutes als Böses geschieht. Das Unglück (so tragisch im Einzelfall) ist glücklicherweise noch immer die Ausnahme und nicht die Regel. Daher nutzt man den Grusel wohl, um sich ein wenig die Schönheit der Tatsachen bewusst zu machen. Es scheint, die meisten fühlen ihr Wohlergehen nur im Kontrast zum Unglück anderer.

Also versucht Frau Frick uns das Gute zu skizzieren. Das Paradies. 

(?) 

Also ein vermeintliches Paradies.

Eine Zukunft in der wir »nicht mal mehr zurück in den Job« müssten. Eine faire Welt, in der es alles im Überfluss gibt. Man kann alles machen und muss nicht mehr arbeiten – die Maschinen machen das.

Wenn es alles im Überfluss gibt, dann muss man nicht mehr horten. Wenn man alles und es auch quasi jederzeit haben kann, dann macht es keinen Sinn zu horten. Niemand sehnt sich mehr nach Besitz, weil das Gewünschte jederzeit erhältlich ist. Man will ja auch keine Wikipedia-Seite besitzen. Man hortet die Information nicht mehr (das geschriebene, gedruckte Wort), weil der Text (das Bild) jederzeit verfügbar ist (solange das Internet funktioniert und Strom da ist – und freilich Hardware, mit der wir die Informationen abrufen können).

Man muss dann auch nicht mehr um seinen Vorteil kämpfen (was wäre der Vorteil?) und kann sich mit sich selbst beschäftigen. 

Und da wird vorsichtig der Haken sichtbar.

Können wir uns mit uns selbst beschäftigen? Ich meine, so mit aller Freiheit und unendlicher Freizeit. Also Urlaub rund um die Uhr, 24/7, wochen-, ach was, monatelang? 

Da könnte es bald langweilig werden. 

Haben wir verlernt uns mit uns selbst zu beschäftigen? Würden wir diese neue zukünftige Freiheit denn nützen, würden wir lernen und klüger werden (wollen)?

Ein Teil von uns ja, ein anderer Teil vielleicht nicht. Das Nichtstun könnte sie dann krank machen; körperlich (das wäre unglücklich), aber auch seelisch (das wäre tragisch).

Karin Frick visioniert weiter und meint, daraus würden auch neue Aufgaben entstehen: die einen würden die anderen erziehen oder betreuen. Wir bekämen eine neue Arbeit. »Am Schluss fangen wir wieder an, Brot zu backen, nicht weil das billiger ist, sondern weil wir Aufgaben suchen, die uns Sinn geben«, sagt sie weiters. Wir würden dann wieder mit Gartenarbeit beginnen. Dabei haben wir das ja an die Mäh- und andere Roboter ausgelagert. Vorher.

Sie meint, wir würden eher produzieren als konsumieren wollen, weil das befriedigender wäre. Wir würden uns über unsere Fähigkeiten unseren Platz in der Rangordnung suchen. Aber wozu?

Wir sollten für einen Moment innehalten und überlegen, ob das wirklich das Ziel ist: nichts tun?

Dann können wir uns für das Produzieren entscheiden. Aber nicht, um Wachstum zu generieren, sondern damit wir uns beschäftigen, etwas zu tun haben. Wir sehen es immer wieder in unserem Umfeld: Menschen erleben den Pensions-Schock, wissen nichts mehr mit sich anzufangen, stagnieren schließlich. Das sind dann die neuen Aufgaben: Animation.

Wieder arbeiten? Produzieren, weil andere nur konsumieren können? Den anderen wäre es etwas wert und wir würden uns für diese Wertschätzung anstrengen. Geht es dann wieder von Neuem weiter?

Am Ende geht es darum, ein Spiel zu spielen. Die Frage ist bloß, welches? Jedenfalls keines, das man gewinnt, gegen andere, sondern eines, dass einem Befriedigung verschafft. Also kein besser, schneller, weiter – kein billiger.

Ich rätsle über diesen Artikel, will es nicht wieder negativ sehen (im Sinne von »Bad News«), doch zweifle ich, ob das (diese Utopie) gelingen kann. Ob wir als Gesellschaft aktuell in der Lage sind zu Künstlern und Denkern zu mutieren. Naja, das wäre ja ein längerfristiger Prozess. Doch der könnte schneller gehen als wir uns geistig anpassen können (genetisch sowieso nicht, da sind wir ja – laut Anthropologen sowieso noch in der Steinzeit).

Würde denn nicht wieder einer aufstehen und den anderen etwas vorgaukeln, sodass diese gehorchen, dann wieder eine beherrschende Sippe bilden, sich Macht verschaffen und so auf Kosten der anderen Befriedigung und Erfüllung erreichen?

Oder können wir es tatsächlich schaffen, zu erkennen, was wir brauchen, damit wir uns gut fühlen, und uns dann zufrieden zurücklehnen? Ohne Drang und Zwang uns profilieren zu müssen.

Der Designer wünscht sich ein gutes Leben für viele — für alle! Designen verbessert das Leben der Menschen (der dritte Satz). Suchen wir nach Innovationen, die uns dort hin bringen — 2022 ist unser Jahr.


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Rudolf T. A. Greger

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