ansonsten … dampf ablassen

neben meinen (neu gefassten) plan, mich (demnächst; bald; …) eingehender mit buddhismus zu beschäftigen, um es besser ertragen zu können, dass der staat (das system; wer eigentlich?) über meinen kopf hinweg und gegen meinen willen diktiert, eröffne ich hier einen weblog, um dampf abzulassen. er hätte »das ventil« heissen sollen. so wie es aussieht haben aber bereits mehrere menschen den bedarf sich von solchen unerträglichen gedanken per schreiben zu befreien – der titel in verschiedenen formen war bereits vergeben.

also nenne ich das hier »ansonsten« – also was mich sonst noch, fernerhin, darüberhinaus neben »design, design management, design thinking, service design, etc« beschäftigt.

bitte um rückmeldungen, um hinweise, wenn ich mir irre (auch das hilft) und um zustimmung, wenn ich jemanden aus der seele spreche. mal sehen, vielleicht ist vieles gar nicht nur meine einzelmeinung.

hauptaufgabe des service designs ist es, den service gap zu managen.

rudolf greger mit dem GPteam.

der »service gap« ist der abstand zwischen kundenerwartung und tatsächlichem kundenerlebnis. der sollte nicht zu groß, aber vor allem konstant sein, entlang der gesamten customer journey.

was ist die zukunft des industrial designs?

die zukunft des industrial designs liegt im service, in dem sinn, als dass der wert eines gegenstands die dienstleistung ist, die der dem nutzer liefert. es geht also nicht bloß um ästhetik, sondern um den geistigen inhalt. in wahrheit war das immer schon der fall: form follows function, semantisches design, integriert entwerfen, service design – all das sind versuche zu kommunizieren, dass der prozess des gebrauchs, dass die handlung rund um das produkt im gebrauch, der eigentliche gegenstand der gestaltung ist. ein problemloser gebrauch, der das leben vereinfacht ist das einzige, was den nutzer letztlich interessiert. freilich, die form …… darf dabei nicht zu kurz kommen, die ästhetik hat hohe relevanz, wenn es um wohlbefinden geht. der österreichische architekt konrad frey sagt dazu*: »für mich kommt die schönheit von selber, wenn ein bauwerk intelligent gedacht wird.« und albrecht dürer meinte schon: »der nutzen ist ein teil der schönheit.«   

ein gegenstand, der nützlich ist, hat schon einen gewaltigen vorsprung. ist die ästhetik des objekts aufs minimum reduziert, dh ist der so gestaltet, dass alles überflüssige weggelassen wurde und jede weitere reduktion das objekt unvollkommen macht, dann erreicht man mit dieser minimalisierung die mehrheit der menschen – und nutzt ihnen. und ist ihnen nützlich (vgl schulak, den menschen nützlich sein, einen wert liefern).

in den letzten jahren hat die konsumwelt eine beschleunigung erfahren, die der form das wort sprach. jährliche adaptionen des immergleichen objekts, der versuch jährlich neue formen anzubieten, abwechslung anzubieten, zu überraschen und ein neue begehrlichkeit zu schaffen reduzierte das design auf formale innovation. wenn es alles schon einmal gibt, dann wird die zielgruppe zerteilt und feiner granuliert und schon kann man erneut eine neue formensprachen speziell einer neuen zielgruppe anbieten. dass dabei der wahre nutzen in den hintergrund rückt ist leicht zu verstehen, wenn das neue produkt bloß neu aussehen muß.

der designer besinnt sich auf seine ursprüngliche absicht: das leben der menschen zu vereinfachen, gegenstände gestalten, die den nutzer weiterbringen, dabei gleichzeitig ein ästhetisches minimum erfüllen – minimalistisch gestaltet im sinne, dass sie von der mehrheit nicht häßlich empfunden werden.

bei wittgenstein lesen wir, dass der gegenstand dem nutzer anzeigt, wie er zu benutzen sei und auf diese weise den benutzer eine funktion zuweist. der auf einen türdrücker zugehende, zugreifende mensch wird so zu einem eintretenden. der gegenstand hat dabei die aufgabe, zu zeigen wie er zu benutzen sei, im fall des türdrückers soll er auch gut zu greifen, zu bedienen sein und soll geringstmöglichen visuellen lärm erzeugen. ein stiller begleiter des lebens, stets zu diensten und klar in seiner kommunikation, wenn er gebraucht wird.

der gegenstand wandelt sich vom zentralen gestaltungsobjekt zum bloßen träger der gestaltungsleistung. christine tondolo vom spezialistenreisebüro business travel unlimited (BTU) erläuterte das einmal so, dass der wahre wert ihrer leistung nicht im beschaffen eines flugtickets liegt, sondern in den services rund um dieses ticket. aber ohne das ticket braucht es diese services nicht. analog liegt der wahre wert des objekts (und des designers) im erbringen einer dienstleistung auf eine für den nutzer idealen weise. damit sich diese dienstleistung entfalten kann, braucht es in vielen fällen (nicht in allen) einen gegenstand an dem der dienst sichtbar, erkennbar, mit dem er initierbar ist.

das ziel ist, das leben der menschen zu vereinfachen.

im B2B-marketing ist der wichtigste channel die jeweilige person (der studiochef, der verkäufer, der unternehmer).

rainer kargel in einem inspirierenden persönlichen gespräch am 5. juli 2013.

darf’s etwas weniger sein?

neuerdings bezeichnen wir unsere produkte – bezeichnen auch manche andere designer auch deren produkte – als ikonisch. das ist die jüngste mode.

früher sagten wir dazu, sie seien reduziert auf das wesentlichste. man könne nichts mehr weglassen, denn dadurch würde der gebrauch verunmöglicht. würde man etwas hinzufügen, wäre es optisches beiwerk, überflüssig.

solche produkte, zu denen zweifellos auch das iPhone gehört, zeugen zwar von der formalgestalterischen kompetenz der entwerfer, in dem sinn, als man daran gut erkennen kann, dass sie harmonische formen schaffen können, dass sie ästhetisches feingefühl besitzen.

ja, es stimmt, einfache dinge zu schaffen erscheint nur auf dem ersten blick einfach. strebt man selbst nach dieser genialen einfachheit, erkennt man schnell, welche konzentration, welche fachliche qualität das erfordert. dennoch, bloß einfache formen, ikonische, wie man heute sagt, können nicht das primäre ziel im produkt design, in keiner gestaltungsdisziplin sein. eine ikonische form bedeutet noch lange nicht, dass das produkt auch nützlich ist. oft ist genau das gegenteil der fall. die ästhetische kategorie des minimalismus hat uns vielfach unbequem benutzbare (unbedienbare) produkte beschert. die sehen schön aus, schön, im sinne einer übersichtlichkeit und klarheit, aber der benutzer weiß nicht, wie sie zu bedienen sind. vor lauter reduziertheit verschweigen sie ihre bestimmung, ihre handhabung. die kommunikation wird der minimalistischen, der ikonischen form geopfert. der menschliche körper wird auf geometrie mit kreis und gerade reduziert. da geht die gute absicht dahin.

ikonische produkte zu schaffen ist ein großartiges, hehres ziel. das soll unterstützt werden. es erfordert aber hohes verantwortungsgefühl und bedingt eine tiefe beschäftigung mit der handhabung, der bedienbarkeit, der damit verbundenen prozesse. obwohl die schaffung der einfachen formen schon anstrengend ist, ist der wesentliche gestaltungsaufwand in die schaffung eines menschenorientierten gebrauchs zu konzentrieren.

lieber ein nützliches, bedienbares produkt, in komplexerer formensprache, als ein ikonisches rätsel. im idealfall ist es ikonisch und nützlich.

noch eine anmerkung: will man einen nützlichen gegenstand gestalten/anbieten und reduziert ihn auf das wesentlichste, ist das das eine. will man primär eine ikonische erscheinung schaffen, ist das etwas ganz anderes. das erste entspringt einer haltung, im zweiten ist man einem stil erlegen. erkennbar wird das im gebrauch – in jenem moment, in dem benutzer und anbieter (produkt, der gegenstand) interagieren. dieser moment, ist jener der dienstleistung oder anders benannt, des service designs.

design thinking, what?

design thinking ist ein schlagwort unserer zeit.

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den managern wird das als neues »must« vorgetragen. alle manager, die etwas auf sich halten, müssten nun design thinking anwenden. man meint damit, die »tools« der designer gebrauchen. manager sollen wie designer denken, wird ihnen vorgebetet. es geht um die revolution des begreifens und lösens von problemen, um offenes kollaboratives herangehen, um partizipatives gestalten, und was weiß ich noch.

man hat design thinking als die große neue denkschule präsentiert, ja ok, in manchen kreisen. aber es wird unheimlich gehypt und eine menge berater, meistens aus dem dunstkreis businesscoach und pr-consultant, präsentieren sich selbst als jene, die einem diese denkweise beibringen. als designer wundern wir uns über diesen hype, denn diese denkweise wenden wir seit generationen an. gemeinsam mit all den anderern kreativen menschen, die in den creative industries arbeiten. man erzählt uns also nicht wirklich neues. das neue an diesen »werkzeugen« sind die namen, die ihnen diese findigen berater gegeben haben.

jetzt ist es aber nicht so, dass ich sage, das ist alles humbug. ganz im gegenteil: jeder manager braucht design thinking, jedes unternehmen ist bestens beraten design thinking zu integrieren. aber nicht indem die manager beginnen wie designer zu denken, sondern indem die manager die kreativen dazu holen. design thinking ist die denkweise der designer. damit manager wie designer denken, müssen die jene übungen machen, die auch die designer gemacht haben (eine ausbildung mit talent als basis). denken die  manager dann wie designer, sind sie schließlich designer. oje, wo sind dann die manager?

die vielen befürworter dieser neuen mode/methode vergessen, dass es nicht darum geht aus managern designer zu machen, sondern darum, managern klarzumachen, dass die denkweise der designer eine ideale ergänzung ihrer eigenen denkweise darstellt. die kombination von sprunghaften, chaotischem, kollaborativen und effektualen denken mit kausalem, ordnendem und strukturiertem denken ergibt das erfolgsrezept, das mancherorts auch als business design bezeichnet wird. der designer ist der sparringpartner des managers. der manager beschäftigt sich mit design thinking, um diesen »verrückten« designer zu verstehen, nicht um ihn (meist schlecht) zu imitieren.

unternehmen, die design in ihren alltag integrieren werden erfolgreicher sein, als unternehmen die das nicht tun. unternehmen mit design sind näher am kunden. sie nutzen die empathischen fähigkeiten des designers. der kann sich wie ein chamäleon an die zielgruppe anpassen und dann ihre höchstwahrscheinlichen wünsche verbalisieren. warum er das besser kann als der manager? weil sich der designer eine kultivierte naivität leisten kann und nicht auf shareholder-value achten muß. er kann ketzerische fragen stellen und auf diese weise verkrustete informationsblöcke aufbrechen. er kann durch kindliches »warum?«-fragen neue ideen evozieren, deren evaluierung dann aber die strukturierte und besonnene, dabei nicht weniger kreative, denkweise der techniker und manager braucht.

nutzen sie design thinking, aber denken sie wie ein manager. engagieren sie sich einen designer als sparring-partner.

im übrigen bin ich der meinung, das design zentraler bestandteil jeder unternehmensstrategie sein muß.

penibilität / akkuratesse

es könnte sein, dass jene menschen, die es nicht so genau nehmen, schwache dienstleistungen, die unsauber und eigentlich sogar miserabel erbracht werden, aus gründen der eigenen bequemlichkeit und vielleicht auch aus laschheit nicht bemängeln. sie bemängeln es nicht, weil sie es genauso lasch machen würden.

jene menschen, die sich selbst nicht schonen, die selbst nach bestmöglicher leistung streben, beanstanden diese mangelhaften dienstleistungen mit vehemenz. sie sind dafür aber auch immer einem perfektionsdruck ausgesetzt. durch ihre kritik legen sie die beurteilungslatte recht hoch. hoffentlich schaffen sie es immer, dieses gewünschte niveau zu erreichen.

ich weiß wovon ich spreche. 😉

it’s critical that design isn’t subjugated to the back room as a sort of short order cook for marketing or merchandizing or sales. it has to be up front.

Nike’s CEO mark parker bringt es auf den punkt.

nach B2B und B2C kommt nun D2C.

imageD2C – designer to consumer. so könnte die neue formel lauten, zumindest in manchen bereichen der konsumwelt. die heute zur verfügung stehende technik macht das möglich. der aufstieg chinas ist massiv beteiligt daran. wieso und wie das möglich ist, beschreibt roger ball in seinem buch »DesignDirect«.

bei einem bankett der BODW (business of design week) in hong kong steht plötzlich die frage im raum: »warum gibt es keine designer als CEOs?«. – ja, ein paar gibt es: YouTube, Flickr, SlideShow, Nike und auch Dodge Car, aber die meisten CEOs auf der welt sind rechtsanwälte, betriebswirtschafter, techniker oder marketeers. roger ball, der auch an der hong kong polytechnic university (HKPC, laut dem business week magazin »one of the top design schools in the world«) lehrt, beginnt zu zweifeln, ob die heutige designausbildung noch die richtige ist? ist es nicht höchste zeit, das berufsbild des designers neu zu formulieren?

das buch ist mehrschichtig angelegt. es gibt abschnitte, die basiswissen vermitteln – das könnte langweilen, ist aber auch eine gute auffrischung des (als designer) bereits gewußten. dann gibt es abschnitte, die grundsätzlich das neues geschäftsmodell der designer erklären, DesignDirect oder wie ich es nenne: D2C. das alles eingebettet in den bericht über den verlauf des prototypischen master-design-lehrgangs an der HKPC, den ball leitet.

grundsätzlich daran interessiert, wie dieses DesignDirect-modell aussieht, wurde ich im laufe des buches immer neugieriger wie die neue form des lehrens funktionierte. designstudenten sollten wie CEOs agieren, sollten darauf achten, dass sie ihre produktidee zeitgemäß und effektiv promoten. sie sollten für sich selbst arbeiten und eine design-driven-brand entwickeln. die prüfung erfolgte über eine google-suche: die studenten mußten für ihr produkt eine eigene website vorbereiten und diverse social media kanäle mit inhalten füllen. die angabe von drei suchbegriffen sollte dann reichen, um (möglichst) auf der ersten seite des suchergebnisses sichtbar zu werden. die präsentation der arbeit erfolgte dann über die angezeigten links: zur eigenen website, zu youtube-videos, facebook, etc. es war spannend zu lesen, welche maßnahmen gesetzt wurden und wie es gelang die studenten zu motivieren.

all das ist auch für den etablierten designer interessant, für jeden unternehmer sowieso. die allgemeinen informationen über branding und packaging könnte man überspringen, sind aber eine gute auffrischung des eigenen wissens.

ich bin seit mehr als 25 jahren im designgeschäft aktiv. mir gefiel dieser ansatz und ich las das buch mit großem interesse. auch wir designer müssen uns daran gewöhnen, dass sich unser berufsbild verändert. nachdem das berufsbild/geschäftsmodell der gemüsehändler, der schuster, der reprofotographen, der buchsetzer, der buchhändler, der musikbranche, der unterhaltungselektronik, … heute oft ein krass anderes ist als noch vor 10, 20 jahren, ist nun unser beruf an der reihe. roger ball zeigt uns die zeichen der zeit, auf dass wir selbst die für uns passenden schlüsse daraus ziehen. es könnte sein, dass der designer in zukunft kein dienstleister für hersteller von gegenständen mehr ist, sondern diese gegenstände selbst vertreibt. es könnte sein, dass der designer in zukunft unternehmensformen gestaltet, geschäftsmodelle, vertriebskanäle, ertragsmechaniken. aus kundensicht und unter berücksichtigung der kaufmännischen und technischen rahmenbedingungen (so gesehen, also nichts neues).

ich bin da ganz auf seiner linie, wenn er vertritt: design ist mehr als die schöne form. nicht CEOs müssen designer werden – wie nußbaum schon 2007 (falsch) schrieb –, sondern designer müssen (können heute) CEOs werden. roger ball: »this is the dawn of a new era in design and entrepreneurship – DesignDirect.«

klare kaufempfehlung. *****

kooperation

die tatsache einer zusammenarbeit erkennt man nicht daran, dass die beteiligten personen am gleichen ort arbeiten. um zusammenzuarbeiten braucht es nicht primär den gemeinsamen ort, sondern es braucht gemeinsame haltung und absicht. es braucht gegenseitige wertschätzung und interesse an der meinung des anderen.

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design muß zentraler bestandteil der unternehmensstrategie sein

design muß zentraler bestandteil der unternehmensstrategie sein, will man langfristig erfolgreich sein. design ist heute schlüsselfaktor für wirtschaftlichen erfolg. dieses »design« ist aber ein anderer begriff als der in den medien verbreitete. es ist nicht bloß die gute form oder das durchgestaltete erscheinungsbild mit dem feschen logo.

ich präzisiere: design als zentraler bestandteil der unternehmensstrategie meint, der unternehmer entwickelt eine designgesinnung, eine designhaltung. also eine innere grundeinstellung, die des unternehmers denken und handeln prägt. es ist eine kundenorientierte haltung.

unternehmer müssen dazu keine designer sein. sie müssen auch nicht die denkweise der designer (design thinking) nachahmen. sie müssen “nur” diese haltung entwickeln.

vom neurobiologen und hirnforscher dr. gerald hüther (http://www.gerald-huether.de) erfahren wir, dass eine haltung aus den gemachten erfahrungen entwickelt wird. um die günstige designgesinnung zu erreichen, müssen wir also die unternehmer dazu »einladen, ermutigen und inspirieren« designgünstige erfahrungen zu machen.

ps: 
sie sind somit eingeladen sich ermutigen zu lassen. holen sie sich inspiration in unseren designjams, zb im rahmen des global service jams beim vienna service design jams 2013 von 1.–3. märz. dort können sie hautnah erleben wie design nutzen stiftet und was es bedeutet design thinking (die denkweise der designer) anzuwenden.

just get it!

die aufgabe des designers ist es »to get it«, es zu kapieren. nun, zumindest der erste teil der aufgabe eines designers ist es, es zu verstehen. der zweite ist, es zu vermitteln – dem auftraggeber nämlich.

aber nicht immer gelingt es, es zu verstehen, es zu entdecken, denn auch designer lassen sich von moden blenden oder von ihrer eigenen eitelkeit, zb wenn sie etwas realisieren können, das sie schon immer einmal probieren und machen wollten, wenn sie der welt etwas einzigartiges neues zeigen können, wenn sie etwas total verrücktes machen dürfen, das auf den ersten blick witzig, interessant, amüsant wirkt, sich im alltag aber als unbrauchbar herausstellt, kunst im weitesten sinn, angewandte kunst im engeren.

was ich von einem designer erwarte ist, mit entsprechender einfühlungsgabe genau das zu gestalten, das nicht ist, aber in wahrheit gewünscht wird. die menschen können das oft nicht benennen und widersprechen sogar, wenn man sie mit der lösung konfrontiert. der designer sollte es erkennen können und er sollte es so vermitteln können, dass die dinge ins laufen kommen.

ich spreche von designer, weildas jeder in seiner designdisziplin so handhaben sollte, aber insbesondere gilt das gesagte für service designer, (service design in meiner definition) – alle designdienstleistungen gestalten im endeffekt services, sie manifestieren sich bloß in unterschiedlichen medien.

design ist die übung im sinne der kunden, im sinne eines dienstes am kunden zu denken und ihn zu erfreuen, indem auch die ästhetik stimmt. der mensch als neophilia, der den reiz des neuen braucht.
es ist das alte kaufmannsverhalten kombiniert mit ästhetischem feingefühl.

wieder nicht geschafft

ich habs wieder nicht gemacht. zu feige. vor über einem monat schrieb ich, dass ein blog kein manifest und kein essay ist, dass es sich mehr um einen gedankenspeicher handelt. diese gedanken bezeichnete ich als die kieselsteine unter denen sich gelegentlich auch ein edelstein entdecken lässt. jedenfalls sind es gedanken, deren veröffentlichung dazu dient, dass freunde, interessierte, der rest der welt, … dazu stellung beziehen können, dass sie diese gedanken kommentieren und sie reifen lassen. die gereiften gedanken könnten dann die basis für einen essay oder einen umfassenderen text bilden.

seitdem ich das schrieb, habe ich zwischen zehn und 15 gedanken digital und auf papier notiert, zwei weitere diktiert (weil beim gehen kann ich nicht schreiben) und keinen einzigen davon veröffentlicht, mit der inneren ausrede: das muß ich nochmals durchdenken, schöner formulieren und werde ich dann veröffentlichen, wenn ich mehr zeit dafür habe. aber, die vergangenheit beweist es, dazu kommt’s nicht. selten. die zeit nehm ich mir nicht und dann sind da schon wieder die nächsten gedanken.

dieser text ist die »warnung« an meine leser. 😉 ab jetzt will ich diese gedanken alle rauslassen in die wildheit der öffentlichkeit. damit sie das publikum besser einordnen kann, werde ich jeden dieser gendanken als »kieselstein« markieren (taggen). mal sehen was die werte leserschaft dazu sagt. die könnte ja dann (gelegentlich) dem kieselsteinstatus widersprechen.

»vom systemtrottel zum wutbürger« ist der quell einer neuordnung: UNBEDINGT LESEN und weiterempfehlen!

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wieso? vor mehr als 20 jahren entdeckte ich henry david thoreaus werk, zuerst »über die pflicht zum ungehorsam gegenüber dem staat« und dann »walden«. diese bücher beeinflussten mein damaliges studenten-ich nachhaltig und machten mich unbequem (gegenüber anderen und auch gegenüber mir selbst). 

die jahre des selbständig arbeitens (innerhalb unseres systems) verschleierten diese eindrücke des guten lebens, wie es uns thoreau beschrieb (insbesondere in »walden«) bis zu einem besonderen abend ende 2011:

schulak und taghizadegan stellten damals ihr neues buch »vom systemtrottel zum wutbürger« in der wiener buchhandlung morawa vor. überzeugten durch ihre ehrliche präsentation, ihre beschreibung der kämpfe, die sie selbst erlebten, bei den versuchen sich vom hamsterrad zu lösen. sie meinten, sie hätten es vielleicht geschafft, aber sicher nicht vollständig, sie hängen noch immer mit dem kleinen finger und dem kleinen zeh im hamsterrad. 

das buch »vom systemtrottel zum wutbürger« ist zum einen anleitung, wie man ein guter systemtrottel wird (also jemand, der brav im system mit der masse mittrottet) und zeigt zum anderen, nachdem man nun erkennen kann, welch ein guter systemtrottel man bereits ist, mit welchen überlegungen und verhaltensänderungen man sich aus diesen verstrickungen mit dem system wieder lösen könnte. freilich muß jeder seinen eigenen weg heraus finden. das buch aber ist hervorragend geeignet einem erst einmal die möglichkeit zu geben diese verstrickungen zu erkennen. wir meinen, wir seien frei und herr unseres lebens in dieser region unserer welt. ha!, wie lächerlich diese meinung erscheint, nachdem man den ersten teil gelesen hat.

beim lesen des buches wird einem mit erschaudern klar, dass dem bei weitem nicht so ist. im folgenden wird diese aufkeimende vermutung durch die tägliche politikberichterstattung – die man nach dem lesen des buches mit anderen augen sieht – doppelt und dreifach unterstrichen bestätigt.

der erste abschnitt, die anleitung zum guten systemtrottel ist eine herausforderung an den leser. schnell erkennt man, selbst wenn man sich als kritischen geist, als fast ein wenig revolutionär einschätzt, dass man bereits mindestens zu 80, vielleicht sogar zu 90% guter systemtrottel ist. wenn man diesen teil des buches tapfer erträgt und durchhält, auf dass man zur gänze erkennt, dann folgt die erlösung im abschnitt über den garten, die grobe skizze eines plans, wie es besser gehen könnte. das regt zum tiefen nachdenken an. plötzlich wird vieles klar und einiges unwichtiger während anderes drastisch an bedeutung gewinnt.

und auf einmal sind sie wieder da, thoreaus gedanken, die mich einige zeit vor und am beginn der selbständigkeit begleiteten: »die beste regierung ist jene, welche am wenigsten regiert.« »muss der bürger auch nur einen augenblick, auch nur ein wenig, sein gewissen dem gesetzgeber überlassen? wozu hat denn dann jeder mensch ein gewissen?« [eine gute zusammenfassung]

ich stolpere über bemerkungen wie zb jene von christian thomasus: »je weniger geschriebene gesetze es gibt, und je allgemeiner und einfacher sie sind, desto besser sind sie. je mehr gesetze, desto mehr streit …«
und die »wiener schule« gewinnt an bedeutung in meinem denken.
das buch hat verschüttete werte wieder freigelegt und zugängig gemacht, ergänzt und erklärt. es motiviert und macht zuversichtlich.

deshalb ist »vom systemtrottel zum wutbürger« der quell einer neuordnung.
deshalb prädikat: UNBEDINGT LESEN und weiterempfehlen!

we shape our tools and thereafter our tools shape us.

Marshall McLuhan

es ist demnach nicht egal, mit welchen dingen wir uns (tagtäglich) umgeben.

wie feiert man das 20-jährige jubiläum?

eine große party für alle kunden und freunde des unternehmens? ein kurzer event – und wen würde das wirklich interessieren?

ein abendessen mit der belegschaft? geht so, aber die sind ja höchstens erst 10 jahre mit dabei – und mit ihm haben wir gefeiert, christian rukower, mitstreiter für eine bequemere welt seit 10 jahren.

man könnte aktivitäten über das ganze jahr verstreuen, rabatte gewähren und einen wirbel machen? könnte man, ja, macht aber wirtschaftlich wenig sinn: verursacht hohe kosten, raubt arbeitszeit für kunden.

oder man zieht resumee, vergleicht aussagen aus dem gründungsjahr mit heutigen positionen und fasst das – analog zu 1992 – in einem büchlein zusammen.

imagegenau das haben wir gemacht. nur diesmal haben wir es nicht gedruckt (bloß ein dutzend* für interne zwecke), sondern wir verteilen es digital. als e-book. im kindle-format. auf amazon. mal sehen, wie die welt diesmal darauf reagiert, die deutsch-sprachige.

weblogeinträge gibt es auch dazu – schließlich soll das diesmal ordentlich diskutiert werden.

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*ein dutzend ist die analoge antwort auf die überdigitalisierte welt. die 12er-teilung hat uns immer schon begleitet.

fußgängerzone im 7ten?

heute abend ging ich über die mariahilferstraße spazieren. enorm breite gehsteige, menschen eilen nach hause, autos zuckeln stadteinwärts. städtisches getriebe. es war nicht mehr allzuviel los und die gehsteigen waren luftig gefüllt. ich stellte mir vor, wie das wohl aussehen würde, wenn es eine fußgängerzone wäre – öde. der sprung wird wohl ähnlich drastisch sein, wie seinerzeit die oberirdische fußgängerfreundliche straßenbahn durch die unterirdische durch die stadt hetzende u-bahn ersetzt wurde. abgesehen davon, dass die beiden ausgänge einer station früher der abstand zweier straßenbahnstationen war (dh die versorgung hat abgenommen) kann ich nun nicht einmal aus dem straßenbahnfenster sehend inspiriert werden ein geschäft zu besuchen – ich sehe die geschäfte aus der u-bahn nicht mehr.
ich stelle mir also vor, die mariahilferstraße ist eine fußgängerzone und denke an die ödnis dieser riesenbetonfläche auf der sich die wenigen menschen, die heute um 18:00 noch unterwegs waren verlieren. wie das am wochenende aussieht? ist ja jetzt schon wüst.
es gibt da eine politische idee, die lautet: das leben in der stadt muß wieder lebenswerter werden.
man meint, wenn die innere mariahilferstraße eine fußgängerzone wäre, wäre sie lebenswerter.
der siebente bezirk ist ein beliebter bezirk. man findet nur schwer ein wohnung, insbesondere eine, die man sich leisten kann. also 12 €/qm wäre schon ein guter wert. wenn ein bezirk gerne besiedelt wird, weil die nachfrage nach wohnungen größer ist als das angebot und damit die mieten steigen, könnte man daraus schließen, dass es menschen gibt, die das lebenswert empfinden.
es gibt andere bezirke mit niedrigeren mieten. da wollen die menschen lieber nicht wohnen. das bleibt dann für die weniger begüterten und für die helfer aus dem ausland über.
wo sollte man nun investieren? in einem bezirk mit hohen mieten (weil von vielen lebenswerter eingeschätzt) oder in einen bezirk mit niedrigen mieten (weil eher gemieden)?
verbessert man die lebensqualität in einem bezirk, der bei den mietern schon den ruf des lebenswerten hat, dann macht man diesen bezirk noch beliebter.
was könnte die folge sein? mehr nachfrage.
ich habe kein wirtschaftsstudium absolviert, aber mehr nachfrage treibt die mieten nach oben, oder?
die der wohnungen, ist ja nun lebenswerter, mit den cafes und den bäumen und so, und natürlich die der geschäftslokale. die können sich die gewerbetreibenden ohnehin kaum mehr leisten. auf einer fußgängerzone ist ein geschäftslokal mehr wert, weil fußgängerzonen die fußgänger anziehen, wie autobahnen die autos, somit steigt die frequenz und damit der wert des geschäftslokals, damit also auch die miete.
ergebnis: menschen mit höherem einkommen wohnen in einem lebenswerten bezirk, der durch die fußgängerzone noch lebenswerter wurde. nur noch große retailketten können sich die mieten leisten und verdrängen die kleingewerbestruktur. der ganze bezirk wird teurer.
wenn man die stadt lebenswerter machen will, dann sollte man an jenen stellen arbeiten, die vielen noch nicht lebenswert erscheinen. zb den gürtel (eine spur weniger) oder die thaliastraße oder die äußere mariahilferstraße oder die hernalser hauptstraße oder die obere wiedner hauptstraße oder die reinprechtsdorferstraße oder die währingerstraße oder die ottakringerstraße oder …
diese ehemaligen prachtvollen (im sinne belebt und beliebten) einkaufsstraßen der grätzl haben alle verloren, veröden, weil die menschen in einkaufszentren (ja, das auch) und in fußgängerzonen shoppen.
ausgestorbene einkaufsstraße, dh solche mit vielen leeren geschäften, machen die gegend unattraktiv. das verstärkt sich, weil in die leer stehende geschäfte wettlokale u.ä. einziehen, weil die menschen, die sich nur die mieten in diesen gegenden leisten können, ihr glück auf dumme weise versuchen wollen. das macht die gegenden noch unattraktiver und die mieten sinken weiter.
wenn man will, dass wohnungsmieten unter 7 €/qm liegen, dann muß man das angebot erhöhen. aber wer will schon weit draußen auf der thaliastraße, ottakringerstraße, hernalser hauptstraße wohnen? lieber in mariahilf, in neubau und in der josefstadt.
mir scheint, da wird den bobos die stadt, dh ihr grätzl, verschönert, mit dem vorwand, die stadt müßte lebenswerter werden. dort wo wirklich etwas zu tun ist, in den äußeren bezirken, dort kümmert man sich nicht drum. klar, dort wohnen keine bobos, sondern migranten. man tut zwar so, als ob man diese mag, aber man setzt sich nicht wirklich für sie ein. man wertet ihre wohngegenden nicht auf, sodass auch bobos diese interessant finden. man buttert geld in ein prestigeprojekt, das viele, geschäftsleute und bürger, nicht wollen, um zu zeigen, dass man jetzt an der macht ist. so scheint es.
bitte laßt mir die mariahilferstraße am leben. ein stadt braucht auch autos, adern in denen blut fließt.

der weblog

ein blog ist kein essay, kein buch, kein manifest. es ist eine ansammlung von gedanken, der ort ihrer reifung. diese gedankenfragmente manifestieren sich durch schreiben des blogs. es sind fundstücke der persönlichen gedankenwelt. manche sind bloß kieselsteine, ein paar sind smaragde und vielleicht versteckt sich auch einmal ein diamant in diesen bruchstücken. eines tages werden sie geordnet, geschliffen und poliert.

verteilungsgerechtigkeit ist ungerecht

die aktuelle umverteilungsdebatte wird immer unerträglicher. offensichtlich haben politiker ihren hausverstand abgegeben und bemühen sich nun mit aller kraft jegliche anerkennung ihrer berufsgruppe gegenüber nachhaltig zu verhindern, indem sie primitiv neid schüren. tatsächlich sollten die politiker vorbilder sein und uns anregen kooperation zu pflegen. das gegenteil passiert.

in einer studie der nationalbank zur vermögenskonzentration in österreich wurde festgestellt, dass nur 11 % mehr als 500.000 € haushaltsvermögen besitzen und 40% weniger als 50.000 €. verkürzt kann man zusammenfassen: ¾ der österreicher besitzen weniger als 300.000 €, ca 1/10 mehr als 500.000 €. neid schürend behaupten manche politiker das sei ungerecht und müsste umverteilt werden.

dabei wird einer facette wenig beachtung geschenkt: der grund, dass nur 1/10 der österreicher mehr als 500.000 € vermögen haben, könnte doch auch darin liegen, dass es die mehrheit gar nicht wünscht, mehr zu besitzen. nicht jeder verspürt den drang zum vermögen, wünscht sich 15 autos und 3 villen, nicht jeder giert nach ferrari und rolex. schon gar nicht, wenn man sich dafür auch entsprechend anstrengen muß. und das muß man im allgemeinen schon (es sei denn man ist politiker 😉 nein, nein, für die ist das auch anstrengend). es ist deutlich anstrengender sich zu den 11% raufzuarbeiten, insbesondere in diesem umfeld. gleichzeitig gibt es wenig anreiz dazu – die aktuelle debatte verringert den spärlich vorhandenen.

die alternative zur anstrengung sieht heute so aus: ich riskiere nichts, baue kein unternehmen auf, schaffe keine arbeitsplätze, sondern bekomme einen, lasse mich also anstellen, lasse mir auch genau sagen, was ich wann zu tun habe und freue mich, dass mein chef (auf staatsgeheiß) an meiner statt für meinen urlaub und für meine weihnachtsgeschenke spart und mir das ersparte rechtzeitig vorm urlaub und vor weihnachten ausbezahlt. das ist bequem und erfordert wenig nachdenken. eingelullt in dieser bequemlichkeit wundere ich mich (die politiker weisen mich ja darauf hin), dass ich weniger verdiene als mein chef und anstatt zu überlegen, wie ich mein eigener chef werden könnte, wie ich mit meinen ideen, meiner arbeitskraft den menschen nutzen stiften könnte, wie ich in den wettbewerb einsteigen kann, auf dass ich eines tages ähnlich viel und mehr verdiene und zu den 11% mit mehr als 500.000 haushaltseinkommen gehöre (nein, genauer wie ich diesen prozentsatz erhöhe) wähle ich die umverteiler in die regierung. das ist viel bequemer und ich brauche dabei auch keine verantwortung für mein leben zu übernehmen.

mit den diskutierten maßnahmen vergrößerst sich diese gruppe, weil der aufwand in die 11%-gruppe zu kommen von den politikern erhöht wird, es wird immer unattraktiver. mehr und mehr unternehmer überlegen tatsächlich lieber weniger zu verdienen – das ist die einzige chance legal weniger steuern zu bezahlen. steuern, für dinge, die uns als gemeinschaft nicht wirklich weiterbringen.

meinem verständnis nach schließen wir (die menschen) uns zu großen einheiten zusammen aus der notwendigkeit zu kooperieren. für dinge, die uns allen wichtig sind und die der einzelne nicht erledigen kann, organisieren wir uns. für feuerwehr, rettung, polizei, für bildung und spital. kein problem dafür steuern zu bezahlen. tatsächlich ist es so, dass ich wöchentlich anrufe bekommen, in denen diese einrichtungen (die volksschule, die polizei, das krankenhaus, etc) um spenden bitten, damit sie weiter arbeiten können. dh ich bezahle steuern (es wird umverteilt) für politikerinserate und flughafenterminals, und dann spende ich (also die guten, richtigen steuern), damit die gemeinschaftseinrichtungen funktionieren.

kann  mir einer der umverteilungsexperten der parteien erklären, warum ich mehr als 300.000 haushaltseinkommen anhäufen soll? welchen anreiz gibt es denn hier in diesem land sich anzustrengen, unternehmen zu gründen, arbeitsplätze zu schaffen? ich kann nur mit einem auto fahren (und das auch bald nicht mehr, weil das wollen die grünen nicht) und zwei schnitzel am abend essen ist ohnehin ungesund. also spar ich mir ein auto und auch ein schnitzel. also brauche ich weniger einkommen, schaffe somit weniger vermögen, bezahle glücklicherweise weniger steuern, kann mehr spenden und habe mehr zeit, um in die luft zu schauen, mich mit menschen zu unterhalten, zu lesen und zu lernen. so wird die gruppe der reichen immer kleiner, weil das immer unattraktiver wird. wobei, »reich« im eingeschränkten bloß monetären sinn, denn im thoreauschen sinn ist der reich, der es sich leisten kann, zu fuß nach graz zu gehen, dabei die natur zu genießen, die menschen zu treffen, weil er alle zeit der welt dafür hat.

seien sie nicht nicht zufrieden! seien sie konstruktiv unzufrieden!
das heißt nicht, jammern! genießen sie jeden tag des lebens, aber erwarten sie, dass der nächste besser ist. und tun sie was dafür!

manfred winterheller

wer mit dem status quo nicht zufrieden ist, verbessert ihn. das ist der innovationstreiber: die konstruktive unzufriedenheit. designer sind oft mit dem status quo unzufrieden. sie streben danach, aus einer gegebenen situation eine gewünschte zu machen. 😉 das kann man sich zunutze machen.

design ist die brücke zwischen wissenschaft und kunst. indem es diese beiden sektoren verbindet, schafft design jenen magischen ort an dem innovation entsteht.

warum designtheorie?


notiert am 10. februar 2005
  

menschen sind interessiert daran und haben auch recht es zu erfahren: die zusammenhänge unterschiedlichster aspekte mit design; soziologie, formtheorie, verhaltensmuster.
     die menschen wollen wissen, wie wir das zauberhafte schaffen, wie es uns designern gelingt ihr herz zu berühren, dinge zu kreieren die schön sind, die zufrieden machen, die freude bereiten.
     benutzer fragen sich, insbesondere unternehmer, wie das gelingt. hinterfragen die empfindungen. auch die sind auf eine gewisse art neugierig und wollen wissen wieso.
wir können das oft nicht beantworten, weil wir eins sind mit dem entwurf, weil es ein teil von uns ist, weil es mit unbewußter kompetenz geschieht aufgrund unseres talents und des jahrelangen trainings. wir fühlen wie es sein muß.

um den gebrauchern zu antworten denken wir über uns selbst nach, reflektieren, und versuchen die zusammenhänge darzustellen, schriftlich — das sind die designtheorien.

je weniger geschriebene gesetze es gibt, und je allgemeiner und einfacher sie sind, desto besser sind sie. je mehr gesetze, desto mehr streit …

christian thomasus, 1655–1728


das klingt verfolgungswürdig!

seit einiger zeit beschäftige ich mich mit der sinnhaftigkeit von vorschriften. kann das funktionieren. je mehr regeln, so schein es, desto schwieriger wird es das system zu bändigen. jede regel erfordert eine (oder mehrere) korrekturregeln. das regelwerk unserer tage (in politik, der gesellschaft, wirtschaft) ist die moderne hydra.

die wiener schule erklärt uns (so scheint es mir), dass es am besten wäre, wenn sich das system selbst reguliert.

thoreau meinte (in den 1840ern), wir sollten nicht primär blind den gesetzen folgen, sondern wir sind nur unserem gewissen verpflichtet.

die bibel könnte ich nun auch noch als argument beanspruchen.

und dann sehe ich jenes zitat von thomasus aus dem 17. jhdt.(!): faszinierend.

ein-fachmann-sieht-nur-wenige-wege

ein fachmann sieht nur wenige wege, die zum ziel führen. ein blutiger anfänger hingegen sieht unendlich viele möglichkeiten

kobun chino otogawa (steve jobs’ zen-lehrer) sinngemäß aus:


melby, caleb: steves welt, S.54. hoffmann und campe verlag, hamburg, 2012

diese anmerkung des zen-meisters weist darauf hin, warum die »kultivierte naivität« des designers in der debatte mit dem manager nützlich ist.

design thinking tools sind krücken

neulich, beim lesen eines der zahlreichen bücher über design thinking:

momentan wird der welt erklärt, dass nun die ära des design thinkings angebrochen ist. — das ist gut!

problematisch ist, dass diese bücher nicht nur erklären, dass es diese, wie ich immer sage, »denkweise der designer« gibt, sondern sie erklären primär welche methoden diese denkweise anwendet. dabei bekommt man manchmal den eindruck, diese bücher (und auch lehrgänge) vermitteln die ansicht, durch bloßes anwenden dieser methoden könnte man diese denkweise annehmen. — das ist falsch!

denn jetzt meinen manche beraterzweige, das bloße ausüben dieser design-thinking-methoden macht aus ihnen und den von ihnen beratenen bereits design thinker. ein fataler irrtum auf den der designer mit aller deutlichkeit hinweist, denn dieser irrtum würde in der folge eine ganze branche diskreditieren (weil das so eben nicht funktioniert).

designer wenden diese methoden mit unbewußter kompetenz an. das jahrelange training (die tatsächliche berufsausübung) nach fundierter schulung (das studium) versetzt uns in diese lage. nicht durch lesen und auch nicht durch bloßes anwenden dieser methoden, sondern nur durch konkrete gestaltungsarbeit erlernt man die denkweise der designer. 

der designer nutzt diese methoden spontan, situativ, vor allem fragmentarisch, so wie es gerade sinnvoll erscheint, aufgrund seiner erfahrung, abhängig von seiner entwicklung – es ist ja seine denkweise! hat der designer eine neue idee, dann nutzt er vielleicht story-telling, um sie auszuformulieren, überlegt gegebenenfalls zusätzlich negative konsequenzen, um sie zu verfeinern – hat er gerade keine idee, dann beobachtet er anwender (shadowing) und stellt/spielt situationen nach (service staging). dem designer käme nie in den sinn zu sagen: »lasst uns schnell story telling machen.« und boom, neues setting erstellt und jetzt methode abarbeiten. story telling stimmuliert bloß eine art der präsentation der ergebnisse des design thinkings, der tätigkeit design.

mein eindruck bei diversen veranstaltungen ist der, dass manager diese bücher lesen und meinen, wenn sie das gelesene anwenden, ist es design thinking. das rezeptartige anwenden von design thinking methoden ist nicht design thinking. es ist die tätigkeit des gestaltens, die einem zum design thinking führt, zur denkweise der designer. diese denkweise ergibt handlungen (man könnte es als die in den büchern besprochenen methoden bezeichnen), die der designer seit zig (!) jahren tagtäglich ausübt, von denen er aber nicht wußte, dass diese handlungen wie in den büchern beschrieben genannt werden (könnten). das erklärt, warum designer nicht besonders überrascht sind, wenn sie mit »neuen« methoden konfrontiert sind, die sie dem namen nach nicht kannten – die heißen jetzt nur anders oder haben erstmals einen namen.

diese methoden sind nicht die ursache für design thinking, sondern die denkweise der designer ergibt diese methoden, dieses verhalten.

das neue und besondere ist, dass die kombination dieser designdenkweise mit den klassischen denkmustern des managements fantastische neue möglichkeiten entstehen läßt. in akademikerkreisen hat man erkannt, dass diese denkweise designer zu idealen (und heute in der wirtschaft dringend benötigten) sparring-partner für die manager macht.

den letzten satz muß man genau lesen: die designer sind für die manager interessant, nicht die design-thinking-tools! das sind bloß krücken für non-designer, die kaum ideen haben und denen nun fälschlicherweise angedeutet wird, mit diesen krücken könnten sie einen 100-m-weltrekord laufen. das wird nicht der regelfall sein.

das gute an diesen büchern ist – dafür gebührt den autoren aufrichtiger dank der designgemeinschaft –, dass sie es den managern ermöglichen designer zu verstehen. indem über design thinking publiziert wird bekommen manager die chance die denkweise der designer zu interpretieren und zu nutzen – in ihrer denkwelt, indem sie es mit ihrem denken vernetzen und nicht indem sie ihre denkweise durch design thinking ersetzen.

vortragsserie des designforum vorarlberg: design by: Rudolf Greger »Design = Innovation für den Menschen«

Design ist nicht bloß die Hülle eines Objekts, es ist das Erlebnis des Gebrauchs eines Objekts oder des Inanspruchnehmens einer Dienstleistung.

Design ist ein Schlüsselfaktor für wirtschaftlichen Erfolg. In unserer Zeit mehr denn je. Steve Jobs sagte einmal: „Design ist die Seele des Produkts“. Warum das für Sie wichtig ist und wie Sie die Denkweise der Designer (design thinking) effektiv nutzen, erzählt Rudolf Greger in seinem Vortrag.

Seit 20 Jahren gestalten GP designpartners Produkte, die industriell hergestellt werden: Konsumgüter für Philips, Artweger und MAM, medizinische Produkte für Siemens, Medtrust und med-el, Investitionsgüter für Doppelmayr und sufag.

der vortrag fand am 19. april im designforum vorarlberg statt. nachhören kann man ihn online hier.

über die messbarkeit von services

die lektüre dieses büchleins (17 seiten) über »Messung der Kundenzufriedenheit: Theoretisches Konstrukt und Operationalisierung« von ulrich klap inspiriert, nein drängt zum aufschreiben dieser gedanken:

als service designer bin ich an brauchbaren methoden interessiert, mit der ich die zufriedenheit der kunden messen kann. zum einen, um die zahlen als argumente für service design im verkaufsprozess einzusetzen – manager lieben ja zahlen. zum anderen wäre es bequem, könnte man den erfolg der arbeit in zahlen abbilden, also objektivieren. dabei wäre dieser zweite punkt gar nicht so wichtig, da genügte es mir, ja ist es mir viel wichtiger, wenn kunden nach inanspruchnahme der gestalteten dienstleistung mit begeisterung von ihren erlebnissen erzählen (vgl. registrierungserlebnis eines delegierten beim JCI weltkongress 2005).

zwei bedeutende verfahren der qualitätsmessung von services sind SERVQUAL und SERVPERF – anerkannte und heute oftmals eingesetzte modelle. es gibt eine menge an literatur, die diese modelle erläutert und neue, darauf aufbauende modelle erklärt. eine zusammenfassung und gegenüberstellung verschiedener solcher meßmethoden fand ich in dem büchlein von klapp, das ich am wochenende las. danach wunderte es mich nicht mehr, dass services nicht wirklich gut sind. man verläßt sich auf mathematische formeln, auf statistische aussagen, anstatt sich mit den emotionen der menschen zu beschäftigen. ein vergleich zwischen den ökonomie-modellen der wiener schule (der mensch als indivduum) und keynes (der mensch als statistik) drängt sich auf. keynes hat nicht recht behalten, wie wir heute anschaulich und weltweit demonstriert bekommen – aber das ist ein anderes thema.

man fasst es kaum, was da verbreitet wird? es geht doch um das wohlbefinden der nutzer, der menschen, und nicht um ein abstraktes mathematisches modell. alle im büchlein vorgestellten modelle ignorieren die »ganzheitliche urteilskraft« der menschen! kein wunder, es sind wissenschafter, mathematiker, statistiker, die diese modelle entwickeln, keine designer. also wird auch keine sekunde die denkweise der designer eingesetzt. schade.

dabei sollen wir, wenn wir die qualität eines services beurteilen wollen, beobachten, vereinzelt gespräche führen, uns mit empathischen fähigkeiten in die lage der kunden versetzen und schließlich selbst (als eben diese nutzer) urteilen: »mit den augen der nutzer«, »in ihren schuhen stehend«. klar, das ist eine aufgabe für designer, für design thinker.

wie ein chamäleon soll man sich der zielgruppe, den nutzern, anpassen. durch beobachten, in interviews und durch eigenversuche ein gefühl für die nutzer entwickeln, schließlich so gut als möglich selbst teil der zielgruppe werden und dann eine für sich ideale lösung formulieren, in die zukunft extrapoliert. denn im allgemeinen können menschen ihre wünsche nicht verbalisieren, das wissen wir im design seit jahren. der designer im chamäleon-modus kann das.

entgegen der verbreiteten theorien bin ich der meinung, dass auch nicht erwartete leistungen positive auswirkungen haben, wenn sie geleistet werden – zb das glas wasser im restaurant, obwohl man keines verlangte. gerade diese »extrameile« erhöht die qualitätsanmutung. restaurants, die kein wasser bringen, weil man es nicht verlangt hat, sind in der subjektiven wahrnehmung von geringerer service qualität.

und als ob meine überlegungen nochmals in der praxis bestätigt werden sollten, werde ich am tag nach der lektüre von einem internationale telekomkonzern gebeten an einer kundenbefragung teilzunehmen. 15 minuten, um meine un- oder zufriedenheit über ihre services zu erklären. man fragt mich zunächst wie verlässlich ich den dienst, wie schnell ich die datenleitungen, wie freundlich ich das callcenter, etc. empfinde – auf einer 10teiligen skala (!!!). eher noch gut, eher schon schlecht, ganz unmöglich, … ich erspare die details. danach fragt man mich, welche erwartungen ich hätte (siehe SERVQUAL). und jetzt kommts: wieder mit dieser 10teiligen skala! wofür bitte zehnteilig?! nur technokraten können auf diese idee kommen, kein normaler mensch würde sagen, schnelligkeit der internet-verbindung sind »eher nicht wichtig«, oder die freundlichkeit, etc. warum sollte man da 7aus10 wünschen. klarerweise beantwortet der nutzer diese dimensionen mit »höchst wichtig«. man will schnellstes internet, zuverlässigste leitung, freundlichste mitarbeiter, etc., kein zweifel! so kann man service qualität nicht abfragen.

zunächst gilt es herauszufinden und zu verstehen: was wollt ihr kunden erreichen? was ist euer ziel? wieso nehmt ihr die dienstleistung überhaupt in anspruch? das ist die tatsächliche erwartung der nutzer.

dann die frage, ob das erfüllt wurde, ob die kunden ihr ziel damit erreicht haben. das ist das tatsächlich erhaltene service.

was besser gewesen wäre, was zu verbessern wäre, das können designer im chamäleon-modus als diese kunden benennen. das ist ihre aufgabe, aufzuzeigen, wie es »besser« oder »noch besser« sein könnte und dann, gemeinsam mit dem auftraggeber, eine umsetzungsstrategie zu erarbeiten.

am schluß des büchleins folgt noch der hinweis, dass das messen der qualität das ergebnis verfälscht. das ist nichts neues, aus der quantenphysik wissen wir von diesem phänomen schon längst. mit der »chamäleon-methode« beobachten wir bloß und kalibrieren uns durch punktuelles fragen. anschließend verbessern wir die service qualität durch prototypisieren in mehreren iterationen. so direkt und leicht könnte das sein.

der designer fühlt sich bestätigt, die von ihm entwickelte »chamäleon-methode« zu bevorzugen.

GAP fragt nach: was fehlt den creative industries um industries zu werden?

GAP fragt nach: was fehlt den creative industries um industries zu werden?

design ist …

… die im moment denkbar beste lösung/form/variante/handlung entwerfen/kreieren, um ein bestimmtes ziel zu erreichen/ergebnis zu erhalten/eine bestimmte wirkung zu erzeugen.
(rudolf greger17.2.2011)

das passt zu: designer finden wege, um eine gegebene situation in eine gewünschte zu verwandeln. 
(nach herbert simon)

der mensch ist nur mensch, wenn er übt. nur im üben gelingt es über das alltägliche hinauszuwachsen.

peter sloterdijk

warum wir arbeiten

schon lange denke ich immer wieder darüber nach, wozu wir wirklich arbeiten. inspiriert von rudolf taschners aussagen über das lotto spielen erweitere ich meine überlegungen um folgende:

die chancen im lotto zu gewinnen sind äußerst gering. aus sicht des mathematikers macht es keinen sinn lotto zu spielen, um reich zu werden. rudolf taschner, der mathematiker meint, es gehe bloß darum zu spielen.

      spielt man lotto, weil es freude macht, seine zahlen, an die man glaubt, anzukreuzen und dann mit spannung die ziehung zu verfolgen, um zu sehen, ob man richtig getippt hat, dann ist diese freude mit wenig geld zu kaufen. das ist gut. das ist es vielleicht auch wert.

      aber die meisten leute spielen lotto nicht, weil ihnen das ankreuzen der zahlen freude bereitet (sie lassen ja in vielen fällen den computer des trafikanten die zahlen aussuchen). sie spielen auch nicht, weil sie die ziehung so gespannt verfolgen wollen, wie sie zb ein schirennen oder ein F1-rennen verfolgen. die meisten leute spielen, wenn man ihren aussagen glaubt, in der hoffnung reich zu werden. wir können also sagen: das ursprüngliche element des spiels ist verloren gegangen.

        analog scheint es beim arbeiten zu sein, wie ich beobachte. die menschen, viele von ihnen, die meisten vielleicht, haben vergessen, warum sie arbeiten: nämlich weil sie damit jemanden helfen, jemanden nützlich sind. für diesen nutzen, den sie schaffen, bekommen sie wertschätzung durch lob, dank und — ja, durch geld (das in unserer kultur anerkannte werkzeug für wertschätzung).

      wenn man mit den leuten redet, dann kann man oft heraushören, dass es ihnen beim arbeiten in den meisten fällen, nur um das damit zu verdienende geld geht. in den seltesten fällen konzentrieren sie sich auf den nutzen, den sie mit ihrer arbeit schaffen. und sie freuen sich auch nicht mehr darüber, dass sie die gelegenheit haben, diesen nutzen zu erbringen. das ist schade.

es ist nichts neues – oder doch:

es geht um die handlung, den nutzen, den man stiftet. danach sollen wir streben. nützlich zu sein. das geld kommt dann von allein.

      aus diesem grund, so erscheint es mir zwingend, kann geld auch kein geld erwirtschaften. es kann nicht arbeiten. es macht keinen sinn geld arbeiten zu lassen, weil dadurch kein nutzen ensteht – außer wieder geld*. aber geld für sich ist nichts, weder gut noch schlecht. erst im dialog, als mittel der wertschätzung für einen von menschen geschaffenen nutzen ist es nützlich.

      also laßt uns arbeiten, um den menschen nutzen zu stiften und nicht für geld — und lassen wir uns dann dafür bezahlen.


* (angeblich entsteht geld – aber vorsicht, so einfach ist das dann doch nicht, siehe lieber »wiener schule«)