wieder nicht geschafft

ich habs wieder nicht gemacht. zu feige. vor über einem monat schrieb ich, dass ein blog kein manifest und kein essay ist, dass es sich mehr um einen gedankenspeicher handelt. diese gedanken bezeichnete ich als die kieselsteine unter denen sich gelegentlich auch ein edelstein entdecken lässt. jedenfalls sind es gedanken, deren veröffentlichung dazu dient, dass freunde, interessierte, der rest der welt, … dazu stellung beziehen können, dass sie diese gedanken kommentieren und sie reifen lassen. die gereiften gedanken könnten dann die basis für einen essay oder einen umfassenderen text bilden.

seitdem ich das schrieb, habe ich zwischen zehn und 15 gedanken digital und auf papier notiert, zwei weitere diktiert (weil beim gehen kann ich nicht schreiben) und keinen einzigen davon veröffentlicht, mit der inneren ausrede: das muß ich nochmals durchdenken, schöner formulieren und werde ich dann veröffentlichen, wenn ich mehr zeit dafür habe. aber, die vergangenheit beweist es, dazu kommt’s nicht. selten. die zeit nehm ich mir nicht und dann sind da schon wieder die nächsten gedanken.

dieser text ist die »warnung« an meine leser. 😉 ab jetzt will ich diese gedanken alle rauslassen in die wildheit der öffentlichkeit. damit sie das publikum besser einordnen kann, werde ich jeden dieser gendanken als »kieselstein« markieren (taggen). mal sehen was die werte leserschaft dazu sagt. die könnte ja dann (gelegentlich) dem kieselsteinstatus widersprechen.

»vom systemtrottel zum wutbürger« ist der quell einer neuordnung: UNBEDINGT LESEN und weiterempfehlen!

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wieso? vor mehr als 20 jahren entdeckte ich henry david thoreaus werk, zuerst »über die pflicht zum ungehorsam gegenüber dem staat« und dann »walden«. diese bücher beeinflussten mein damaliges studenten-ich nachhaltig und machten mich unbequem (gegenüber anderen und auch gegenüber mir selbst). 

die jahre des selbständig arbeitens (innerhalb unseres systems) verschleierten diese eindrücke des guten lebens, wie es uns thoreau beschrieb (insbesondere in »walden«) bis zu einem besonderen abend ende 2011:

schulak und taghizadegan stellten damals ihr neues buch »vom systemtrottel zum wutbürger« in der wiener buchhandlung morawa vor. überzeugten durch ihre ehrliche präsentation, ihre beschreibung der kämpfe, die sie selbst erlebten, bei den versuchen sich vom hamsterrad zu lösen. sie meinten, sie hätten es vielleicht geschafft, aber sicher nicht vollständig, sie hängen noch immer mit dem kleinen finger und dem kleinen zeh im hamsterrad. 

das buch »vom systemtrottel zum wutbürger« ist zum einen anleitung, wie man ein guter systemtrottel wird (also jemand, der brav im system mit der masse mittrottet) und zeigt zum anderen, nachdem man nun erkennen kann, welch ein guter systemtrottel man bereits ist, mit welchen überlegungen und verhaltensänderungen man sich aus diesen verstrickungen mit dem system wieder lösen könnte. freilich muß jeder seinen eigenen weg heraus finden. das buch aber ist hervorragend geeignet einem erst einmal die möglichkeit zu geben diese verstrickungen zu erkennen. wir meinen, wir seien frei und herr unseres lebens in dieser region unserer welt. ha!, wie lächerlich diese meinung erscheint, nachdem man den ersten teil gelesen hat.

beim lesen des buches wird einem mit erschaudern klar, dass dem bei weitem nicht so ist. im folgenden wird diese aufkeimende vermutung durch die tägliche politikberichterstattung – die man nach dem lesen des buches mit anderen augen sieht – doppelt und dreifach unterstrichen bestätigt.

der erste abschnitt, die anleitung zum guten systemtrottel ist eine herausforderung an den leser. schnell erkennt man, selbst wenn man sich als kritischen geist, als fast ein wenig revolutionär einschätzt, dass man bereits mindestens zu 80, vielleicht sogar zu 90% guter systemtrottel ist. wenn man diesen teil des buches tapfer erträgt und durchhält, auf dass man zur gänze erkennt, dann folgt die erlösung im abschnitt über den garten, die grobe skizze eines plans, wie es besser gehen könnte. das regt zum tiefen nachdenken an. plötzlich wird vieles klar und einiges unwichtiger während anderes drastisch an bedeutung gewinnt.

und auf einmal sind sie wieder da, thoreaus gedanken, die mich einige zeit vor und am beginn der selbständigkeit begleiteten: »die beste regierung ist jene, welche am wenigsten regiert.« »muss der bürger auch nur einen augenblick, auch nur ein wenig, sein gewissen dem gesetzgeber überlassen? wozu hat denn dann jeder mensch ein gewissen?« [eine gute zusammenfassung]

ich stolpere über bemerkungen wie zb jene von christian thomasus: »je weniger geschriebene gesetze es gibt, und je allgemeiner und einfacher sie sind, desto besser sind sie. je mehr gesetze, desto mehr streit …«
und die »wiener schule« gewinnt an bedeutung in meinem denken.
das buch hat verschüttete werte wieder freigelegt und zugängig gemacht, ergänzt und erklärt. es motiviert und macht zuversichtlich.

deshalb ist »vom systemtrottel zum wutbürger« der quell einer neuordnung.
deshalb prädikat: UNBEDINGT LESEN und weiterempfehlen!

wie feiert man das 20-jährige jubiläum?

eine große party für alle kunden und freunde des unternehmens? ein kurzer event – und wen würde das wirklich interessieren?

ein abendessen mit der belegschaft? geht so, aber die sind ja höchstens erst 10 jahre mit dabei – und mit ihm haben wir gefeiert, christian rukower, mitstreiter für eine bequemere welt seit 10 jahren.

man könnte aktivitäten über das ganze jahr verstreuen, rabatte gewähren und einen wirbel machen? könnte man, ja, macht aber wirtschaftlich wenig sinn: verursacht hohe kosten, raubt arbeitszeit für kunden.

oder man zieht resumee, vergleicht aussagen aus dem gründungsjahr mit heutigen positionen und fasst das – analog zu 1992 – in einem büchlein zusammen.

imagegenau das haben wir gemacht. nur diesmal haben wir es nicht gedruckt (bloß ein dutzend* für interne zwecke), sondern wir verteilen es digital. als e-book. im kindle-format. auf amazon. mal sehen, wie die welt diesmal darauf reagiert, die deutsch-sprachige.

weblogeinträge gibt es auch dazu – schließlich soll das diesmal ordentlich diskutiert werden.

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*ein dutzend ist die analoge antwort auf die überdigitalisierte welt. die 12er-teilung hat uns immer schon begleitet.

fußgängerzone im 7ten?

heute abend ging ich über die mariahilferstraße spazieren. enorm breite gehsteige, menschen eilen nach hause, autos zuckeln stadteinwärts. städtisches getriebe. es war nicht mehr allzuviel los und die gehsteigen waren luftig gefüllt. ich stellte mir vor, wie das wohl aussehen würde, wenn es eine fußgängerzone wäre – öde. der sprung wird wohl ähnlich drastisch sein, wie seinerzeit die oberirdische fußgängerfreundliche straßenbahn durch die unterirdische durch die stadt hetzende u-bahn ersetzt wurde. abgesehen davon, dass die beiden ausgänge einer station früher der abstand zweier straßenbahnstationen war (dh die versorgung hat abgenommen) kann ich nun nicht einmal aus dem straßenbahnfenster sehend inspiriert werden ein geschäft zu besuchen – ich sehe die geschäfte aus der u-bahn nicht mehr.
ich stelle mir also vor, die mariahilferstraße ist eine fußgängerzone und denke an die ödnis dieser riesenbetonfläche auf der sich die wenigen menschen, die heute um 18:00 noch unterwegs waren verlieren. wie das am wochenende aussieht? ist ja jetzt schon wüst.
es gibt da eine politische idee, die lautet: das leben in der stadt muß wieder lebenswerter werden.
man meint, wenn die innere mariahilferstraße eine fußgängerzone wäre, wäre sie lebenswerter.
der siebente bezirk ist ein beliebter bezirk. man findet nur schwer ein wohnung, insbesondere eine, die man sich leisten kann. also 12 €/qm wäre schon ein guter wert. wenn ein bezirk gerne besiedelt wird, weil die nachfrage nach wohnungen größer ist als das angebot und damit die mieten steigen, könnte man daraus schließen, dass es menschen gibt, die das lebenswert empfinden.
es gibt andere bezirke mit niedrigeren mieten. da wollen die menschen lieber nicht wohnen. das bleibt dann für die weniger begüterten und für die helfer aus dem ausland über.
wo sollte man nun investieren? in einem bezirk mit hohen mieten (weil von vielen lebenswerter eingeschätzt) oder in einen bezirk mit niedrigen mieten (weil eher gemieden)?
verbessert man die lebensqualität in einem bezirk, der bei den mietern schon den ruf des lebenswerten hat, dann macht man diesen bezirk noch beliebter.
was könnte die folge sein? mehr nachfrage.
ich habe kein wirtschaftsstudium absolviert, aber mehr nachfrage treibt die mieten nach oben, oder?
die der wohnungen, ist ja nun lebenswerter, mit den cafes und den bäumen und so, und natürlich die der geschäftslokale. die können sich die gewerbetreibenden ohnehin kaum mehr leisten. auf einer fußgängerzone ist ein geschäftslokal mehr wert, weil fußgängerzonen die fußgänger anziehen, wie autobahnen die autos, somit steigt die frequenz und damit der wert des geschäftslokals, damit also auch die miete.
ergebnis: menschen mit höherem einkommen wohnen in einem lebenswerten bezirk, der durch die fußgängerzone noch lebenswerter wurde. nur noch große retailketten können sich die mieten leisten und verdrängen die kleingewerbestruktur. der ganze bezirk wird teurer.
wenn man die stadt lebenswerter machen will, dann sollte man an jenen stellen arbeiten, die vielen noch nicht lebenswert erscheinen. zb den gürtel (eine spur weniger) oder die thaliastraße oder die äußere mariahilferstraße oder die hernalser hauptstraße oder die obere wiedner hauptstraße oder die reinprechtsdorferstraße oder die währingerstraße oder die ottakringerstraße oder …
diese ehemaligen prachtvollen (im sinne belebt und beliebten) einkaufsstraßen der grätzl haben alle verloren, veröden, weil die menschen in einkaufszentren (ja, das auch) und in fußgängerzonen shoppen.
ausgestorbene einkaufsstraße, dh solche mit vielen leeren geschäften, machen die gegend unattraktiv. das verstärkt sich, weil in die leer stehende geschäfte wettlokale u.ä. einziehen, weil die menschen, die sich nur die mieten in diesen gegenden leisten können, ihr glück auf dumme weise versuchen wollen. das macht die gegenden noch unattraktiver und die mieten sinken weiter.
wenn man will, dass wohnungsmieten unter 7 €/qm liegen, dann muß man das angebot erhöhen. aber wer will schon weit draußen auf der thaliastraße, ottakringerstraße, hernalser hauptstraße wohnen? lieber in mariahilf, in neubau und in der josefstadt.
mir scheint, da wird den bobos die stadt, dh ihr grätzl, verschönert, mit dem vorwand, die stadt müßte lebenswerter werden. dort wo wirklich etwas zu tun ist, in den äußeren bezirken, dort kümmert man sich nicht drum. klar, dort wohnen keine bobos, sondern migranten. man tut zwar so, als ob man diese mag, aber man setzt sich nicht wirklich für sie ein. man wertet ihre wohngegenden nicht auf, sodass auch bobos diese interessant finden. man buttert geld in ein prestigeprojekt, das viele, geschäftsleute und bürger, nicht wollen, um zu zeigen, dass man jetzt an der macht ist. so scheint es.
bitte laßt mir die mariahilferstraße am leben. ein stadt braucht auch autos, adern in denen blut fließt.

der weblog

ein blog ist kein essay, kein buch, kein manifest. es ist eine ansammlung von gedanken, der ort ihrer reifung. diese gedankenfragmente manifestieren sich durch schreiben des blogs. es sind fundstücke der persönlichen gedankenwelt. manche sind bloß kieselsteine, ein paar sind smaragde und vielleicht versteckt sich auch einmal ein diamant in diesen bruchstücken. eines tages werden sie geordnet, geschliffen und poliert.

verteilungsgerechtigkeit ist ungerecht

die aktuelle umverteilungsdebatte wird immer unerträglicher. offensichtlich haben politiker ihren hausverstand abgegeben und bemühen sich nun mit aller kraft jegliche anerkennung ihrer berufsgruppe gegenüber nachhaltig zu verhindern, indem sie primitiv neid schüren. tatsächlich sollten die politiker vorbilder sein und uns anregen kooperation zu pflegen. das gegenteil passiert.

in einer studie der nationalbank zur vermögenskonzentration in österreich wurde festgestellt, dass nur 11 % mehr als 500.000 € haushaltsvermögen besitzen und 40% weniger als 50.000 €. verkürzt kann man zusammenfassen: ¾ der österreicher besitzen weniger als 300.000 €, ca 1/10 mehr als 500.000 €. neid schürend behaupten manche politiker das sei ungerecht und müsste umverteilt werden.

dabei wird einer facette wenig beachtung geschenkt: der grund, dass nur 1/10 der österreicher mehr als 500.000 € vermögen haben, könnte doch auch darin liegen, dass es die mehrheit gar nicht wünscht, mehr zu besitzen. nicht jeder verspürt den drang zum vermögen, wünscht sich 15 autos und 3 villen, nicht jeder giert nach ferrari und rolex. schon gar nicht, wenn man sich dafür auch entsprechend anstrengen muß. und das muß man im allgemeinen schon (es sei denn man ist politiker 😉 nein, nein, für die ist das auch anstrengend). es ist deutlich anstrengender sich zu den 11% raufzuarbeiten, insbesondere in diesem umfeld. gleichzeitig gibt es wenig anreiz dazu – die aktuelle debatte verringert den spärlich vorhandenen.

die alternative zur anstrengung sieht heute so aus: ich riskiere nichts, baue kein unternehmen auf, schaffe keine arbeitsplätze, sondern bekomme einen, lasse mich also anstellen, lasse mir auch genau sagen, was ich wann zu tun habe und freue mich, dass mein chef (auf staatsgeheiß) an meiner statt für meinen urlaub und für meine weihnachtsgeschenke spart und mir das ersparte rechtzeitig vorm urlaub und vor weihnachten ausbezahlt. das ist bequem und erfordert wenig nachdenken. eingelullt in dieser bequemlichkeit wundere ich mich (die politiker weisen mich ja darauf hin), dass ich weniger verdiene als mein chef und anstatt zu überlegen, wie ich mein eigener chef werden könnte, wie ich mit meinen ideen, meiner arbeitskraft den menschen nutzen stiften könnte, wie ich in den wettbewerb einsteigen kann, auf dass ich eines tages ähnlich viel und mehr verdiene und zu den 11% mit mehr als 500.000 haushaltseinkommen gehöre (nein, genauer wie ich diesen prozentsatz erhöhe) wähle ich die umverteiler in die regierung. das ist viel bequemer und ich brauche dabei auch keine verantwortung für mein leben zu übernehmen.

mit den diskutierten maßnahmen vergrößerst sich diese gruppe, weil der aufwand in die 11%-gruppe zu kommen von den politikern erhöht wird, es wird immer unattraktiver. mehr und mehr unternehmer überlegen tatsächlich lieber weniger zu verdienen – das ist die einzige chance legal weniger steuern zu bezahlen. steuern, für dinge, die uns als gemeinschaft nicht wirklich weiterbringen.

meinem verständnis nach schließen wir (die menschen) uns zu großen einheiten zusammen aus der notwendigkeit zu kooperieren. für dinge, die uns allen wichtig sind und die der einzelne nicht erledigen kann, organisieren wir uns. für feuerwehr, rettung, polizei, für bildung und spital. kein problem dafür steuern zu bezahlen. tatsächlich ist es so, dass ich wöchentlich anrufe bekommen, in denen diese einrichtungen (die volksschule, die polizei, das krankenhaus, etc) um spenden bitten, damit sie weiter arbeiten können. dh ich bezahle steuern (es wird umverteilt) für politikerinserate und flughafenterminals, und dann spende ich (also die guten, richtigen steuern), damit die gemeinschaftseinrichtungen funktionieren.

kann  mir einer der umverteilungsexperten der parteien erklären, warum ich mehr als 300.000 haushaltseinkommen anhäufen soll? welchen anreiz gibt es denn hier in diesem land sich anzustrengen, unternehmen zu gründen, arbeitsplätze zu schaffen? ich kann nur mit einem auto fahren (und das auch bald nicht mehr, weil das wollen die grünen nicht) und zwei schnitzel am abend essen ist ohnehin ungesund. also spar ich mir ein auto und auch ein schnitzel. also brauche ich weniger einkommen, schaffe somit weniger vermögen, bezahle glücklicherweise weniger steuern, kann mehr spenden und habe mehr zeit, um in die luft zu schauen, mich mit menschen zu unterhalten, zu lesen und zu lernen. so wird die gruppe der reichen immer kleiner, weil das immer unattraktiver wird. wobei, »reich« im eingeschränkten bloß monetären sinn, denn im thoreauschen sinn ist der reich, der es sich leisten kann, zu fuß nach graz zu gehen, dabei die natur zu genießen, die menschen zu treffen, weil er alle zeit der welt dafür hat.

seien sie nicht nicht zufrieden! seien sie konstruktiv unzufrieden!
das heißt nicht, jammern! genießen sie jeden tag des lebens, aber erwarten sie, dass der nächste besser ist. und tun sie was dafür!

manfred winterheller

wer mit dem status quo nicht zufrieden ist, verbessert ihn. das ist der innovationstreiber: die konstruktive unzufriedenheit. designer sind oft mit dem status quo unzufrieden. sie streben danach, aus einer gegebenen situation eine gewünschte zu machen. 😉 das kann man sich zunutze machen.

je weniger geschriebene gesetze es gibt, und je allgemeiner und einfacher sie sind, desto besser sind sie. je mehr gesetze, desto mehr streit …

christian thomasus, 1655–1728


das klingt verfolgungswürdig!

seit einiger zeit beschäftige ich mich mit der sinnhaftigkeit von vorschriften. kann das funktionieren. je mehr regeln, so schein es, desto schwieriger wird es das system zu bändigen. jede regel erfordert eine (oder mehrere) korrekturregeln. das regelwerk unserer tage (in politik, der gesellschaft, wirtschaft) ist die moderne hydra.

die wiener schule erklärt uns (so scheint es mir), dass es am besten wäre, wenn sich das system selbst reguliert.

thoreau meinte (in den 1840ern), wir sollten nicht primär blind den gesetzen folgen, sondern wir sind nur unserem gewissen verpflichtet.

die bibel könnte ich nun auch noch als argument beanspruchen.

und dann sehe ich jenes zitat von thomasus aus dem 17. jhdt.(!): faszinierend.

ein-fachmann-sieht-nur-wenige-wege

ein fachmann sieht nur wenige wege, die zum ziel führen. ein blutiger anfänger hingegen sieht unendlich viele möglichkeiten

kobun chino otogawa (steve jobs’ zen-lehrer) sinngemäß aus:


melby, caleb: steves welt, S.54. hoffmann und campe verlag, hamburg, 2012

diese anmerkung des zen-meisters weist darauf hin, warum die »kultivierte naivität« des designers in der debatte mit dem manager nützlich ist.

vortragsserie des designforum vorarlberg: design by: Rudolf Greger »Design = Innovation für den Menschen«

Design ist nicht bloß die Hülle eines Objekts, es ist das Erlebnis des Gebrauchs eines Objekts oder des Inanspruchnehmens einer Dienstleistung.

Design ist ein Schlüsselfaktor für wirtschaftlichen Erfolg. In unserer Zeit mehr denn je. Steve Jobs sagte einmal: „Design ist die Seele des Produkts“. Warum das für Sie wichtig ist und wie Sie die Denkweise der Designer (design thinking) effektiv nutzen, erzählt Rudolf Greger in seinem Vortrag.

Seit 20 Jahren gestalten GP designpartners Produkte, die industriell hergestellt werden: Konsumgüter für Philips, Artweger und MAM, medizinische Produkte für Siemens, Medtrust und med-el, Investitionsgüter für Doppelmayr und sufag.

der vortrag fand am 19. april im designforum vorarlberg statt. nachhören kann man ihn online hier.

warum wir arbeiten

schon lange denke ich immer wieder darüber nach, wozu wir wirklich arbeiten. inspiriert von rudolf taschners aussagen über das lotto spielen erweitere ich meine überlegungen um folgende:

die chancen im lotto zu gewinnen sind äußerst gering. aus sicht des mathematikers macht es keinen sinn lotto zu spielen, um reich zu werden. rudolf taschner, der mathematiker meint, es gehe bloß darum zu spielen.

      spielt man lotto, weil es freude macht, seine zahlen, an die man glaubt, anzukreuzen und dann mit spannung die ziehung zu verfolgen, um zu sehen, ob man richtig getippt hat, dann ist diese freude mit wenig geld zu kaufen. das ist gut. das ist es vielleicht auch wert.

      aber die meisten leute spielen lotto nicht, weil ihnen das ankreuzen der zahlen freude bereitet (sie lassen ja in vielen fällen den computer des trafikanten die zahlen aussuchen). sie spielen auch nicht, weil sie die ziehung so gespannt verfolgen wollen, wie sie zb ein schirennen oder ein F1-rennen verfolgen. die meisten leute spielen, wenn man ihren aussagen glaubt, in der hoffnung reich zu werden. wir können also sagen: das ursprüngliche element des spiels ist verloren gegangen.

        analog scheint es beim arbeiten zu sein, wie ich beobachte. die menschen, viele von ihnen, die meisten vielleicht, haben vergessen, warum sie arbeiten: nämlich weil sie damit jemanden helfen, jemanden nützlich sind. für diesen nutzen, den sie schaffen, bekommen sie wertschätzung durch lob, dank und — ja, durch geld (das in unserer kultur anerkannte werkzeug für wertschätzung).

      wenn man mit den leuten redet, dann kann man oft heraushören, dass es ihnen beim arbeiten in den meisten fällen, nur um das damit zu verdienende geld geht. in den seltesten fällen konzentrieren sie sich auf den nutzen, den sie mit ihrer arbeit schaffen. und sie freuen sich auch nicht mehr darüber, dass sie die gelegenheit haben, diesen nutzen zu erbringen. das ist schade.

es ist nichts neues – oder doch:

es geht um die handlung, den nutzen, den man stiftet. danach sollen wir streben. nützlich zu sein. das geld kommt dann von allein.

      aus diesem grund, so erscheint es mir zwingend, kann geld auch kein geld erwirtschaften. es kann nicht arbeiten. es macht keinen sinn geld arbeiten zu lassen, weil dadurch kein nutzen ensteht – außer wieder geld*. aber geld für sich ist nichts, weder gut noch schlecht. erst im dialog, als mittel der wertschätzung für einen von menschen geschaffenen nutzen ist es nützlich.

      also laßt uns arbeiten, um den menschen nutzen zu stiften und nicht für geld — und lassen wir uns dann dafür bezahlen.


* (angeblich entsteht geld – aber vorsicht, so einfach ist das dann doch nicht, siehe lieber »wiener schule«) 

im dienstleistungszeitalter ist Service Design die Königin.

designer beeinflussen nicht nur den firmenauftritt oder die form eines produkts, sie bringen eine einzigartige perspektive ein. es ist die denkweise der designer, die design zum schlüsselfaktor für wirtschaftlichen erfolg macht. designer stellen sicher, dass unternehmen nutzer-zentriert agieren und bestmögliche kommunikation, produkte, marken, dienstleistungen und erlebnisse liefern. sie verschaffen strategische vorteile und kreieren als sparringpartner unterschiedlicher geschäftsbereiche komplett neue marktmodelle. design ist eine querschnittsdisziplin!


worum geht’s im service design

im service design geht es darum die berührungspunkte (touchpoints) zwischen dem kunden und dem unternehmen optimal zu gestalten, sodass einerseits interne prozesse effizient abgewickelt werden und andererseits diese leistungen vom kunden als großartiges erlebnis wahrgenommen werden.

service designer bringen die kundensicht ein und erarbeiten gemeinsam mit und als sparringpartner der internen experten diese großartigen erlebnisse.

alles kleinschreiben, warum?

Immer wieder werde ich gefragt, warum ich meine Text kleinschreibe. Achja, und man weist mich darauf hin, dass der kleingeschriebene Text viel schlechter lesbar wäre. Da möchte ich dann immer an das Kapitel »kleinschreibung« aus »integriert entwerfen«, rudolf greger, christoph pauschitz, wien 1992, verweisen. 2009 habe ich diesen Text in eine Kurzfassung gebracht (»design im marketing – mittel zum zweck«, rudolf greger, wien 2009), die ich hier, nochmals editiert, zur Verfügung stelle und auf die ich in Zunkunft verweisen kann.

Ende der 80er Jahre habe ich mich an der Universität für angewandte Kunst intensiv mit Typografie beschäftigt und eine interessante Entdeckung gemacht: Das Kleinbuchstabenalphabet ist eine evolutionäre Weiterentwicklung des Großbuchstabenalphabets. Seit jener Zeit schreibe ich klein, aus innerer Überzeugung. Ich unterschreibe auch in Kleinbuchstaben.

Die Lesbarkeit der Texte wird durch Kleinschreibung nicht beeinträchtigt. Es ist eher eine Frage der Gewohnheit und des Willens, der Offenheit und der Sensibilität, ob man einen Text in Groß-Klein-Schreibung oder in Kleinschreibung lesen kann/will, ob man Sinnveränderungen feststellt oder Schwierigkeiten beim Verstehen eines Textes hat. Würde ich Ihnen das Geschriebene erzählen (in einem Hörbuch zum Beispiel), dann würden Sie auch keinen Unterschied zwischen groß- und kleingeschriebenen Wörtern erkennen können. Ja, es stimmt, die Unterscheidung zwischen »Sie« (lieber Leser) und »sie« (die da drüben) ist schwieriger, wenn beides kleingeschrieben ist. Aber diese Unterscheidung fällt uns doch auch nicht schwer, wenn »sie« (die da drüben) am Satzanfang steht und daher großgeschrieben ist. »Sie« ist durch den Kontext leicht erkennbar. Eine solche Argumentation greift also zu kurz.

So wie ich beim Brauch, die Olympische Fackel durch die Welt zu tragen, nachdenken müsste, welchen Ursprung dieser Brauch tatsächlich hat, und beurteilen müsste, ob ich ihn wirklich pflegen will, ob ich mich dafür einsetze oder ob es nicht doch nur ein Brauch aus einer Zeit ist, in der es darum ging, die Massen zu manipulieren, genau so muss ich mir beim Brauch, groß-klein zu schreiben, Gedanken über den Ursprung machen:

Der Brauch der Groß-Klein-Schreibung hat seinen Ursprung in der Renaissance. Es war ein Irrtum, oder polemisch ausgedrückt: eine subtile Methode der Herrschaftsausübung. Man entdeckte die großen Inschriften der Römer auf ihren Triumphbögen und Grabsteinen mit der aus der griechischen Kapitale weiterentwickelten und verfeinerten römischen Kapitalis und meinte damit besondere Worte oder den Seitenbeginn schmücken zu müssen. Texte des täglichen Gebrauchs hatte man bis dahin ausschließlich in Kleinbuchstaben geschrieben. Selbst die Römer mit ihren prächtigen Inschriften hatten für die alltägliche Korrespondenz eine schneller schreibbare und vor allem besser lesbare römische Kursive entwickelt – besser lesbar, weil Ober- und Unterlängen eine charakteristische Wortsilhouette erzeugen. 

Für fast 1500 Jahre wurde ausschließlich kleingeschrieben. Karl der Große machte die karolingische minuskel (eine kleinbuchstabenschrift) zur verbindlichen verwaltungsschrift in seinem reich. Aus ihr entwickelte sich die humanistische minuskel, die kleinbuchstaben unserer lateinschrift. Wie gesagt, dann, in der renaissance, kam man (künstler?) auf die idee, wörter durch Großbuchstaben auszuzeichnen. Zuerst nur bestimmte, wenige wörter, wie Kaiser, Thron, später dann auch Stadt und Bürger. Großbuchstaben als zeichen der Repräsentation, um zu zeigen, wie wichtig man ist. die großbuchstaben wurden verwendet, um unterschiede sichtbar zu machen, um zu werten. aber wir alle, die wir managementbücher lesen, wissen, dass werten nicht zum erfolg führt. aus diesem grund schreibe ich klein. mit kleinschreibung kann und will ich die menschen nicht direkt beeinflussen. aber mit kleinschreibung kann ich zum nachdenken darüber anregen. mit kleinschreibung kann ich ein zeichen meiner gesinnung setzen, um zu zeigen, gerade jetzt (oder noch immer1), dass deutsch nicht die etwas bessere sprache ist, die groß-klein-schreibung braucht und die ihre wörter mit großbuchstaben schmückt. ist ihnen eigentlich aufgefallen, dass sie seit zirka 100 wörtern kleingeschriebenes lesen? kleinschreibung ist heute nichts besonderes mehr. auch hier hat das internet seinen beitrag zur demokratisierung geleistet. die bequemlichkeit der menschen, e-mails der einfachheit halber kleinzuschreiben, die gewohnheit, englische texte zu lesen, die art, wie sms geschrieben werden, all das führt dazu, dass kleinschreibung immer weniger auffällt. und schon gar nicht die lesbarkeit negativ beeinflusst. nüchtern betrachtet, steigern kleinbuchstaben die lesbarkeit, weil die unterscheidbarkeit zwischen den buchstaben leichter ist – sie haben mehr charakter. kleinbuchstaben sind der leistungsträger der geschriebenen sprache! der wert eines satzes ist nicht das substantiv, sondern das verb, das gibt dem satz erst sinn. großbuchstaben fördern imperiales denken – aber das wäre ein anderes buch.