gegen die großen ist gegen die kleinen

die plünderer schwingen große worte: »die großen konzerne bezahlen keine steuern« – ›das haben wir zwar so eingefädelt, aber nun beschweren wir uns mächtig‹ – und ändern die gesetze.
was passiert?
z.b. ist amazon nun gezwungen, wie man mir als kindle-autor mitteilt, die mehrwertsteuer des käuferlandes anzuwenden, anstatt des verkäuferlandes; also 19 oder 20% oder 23% statt der 3% in luxenburg. die folge: nicht amazon verliert, sondern der einzelne, der autor oder der leser, denn, so erklärt man mir im brief:
Die Tantiemen werden weiterhin auf Grundlage des Listenpreises ohne Mehrwertsteuer berechnet. Der Betrag, der aufgrund der Mehrwertsteuer hinzugefügt wird, hängt vom Land ab, in dem der Kunde seinen Wohnsitz hat. Wenn ein Buch beispielsweise auf Amazon.co.uk für 6,00 £ (Preis inkl. Mehrwertsteuer) angeboten wird, wird für britische Kunden der Mehrwertsteuersatz in Großbritannien von 20 % angewendet. Die Tantiemen errechnen wir in diesem Fall auf Grundlage von 5,00 £. Der Mehrwertsteuersatz für Irland von 23 % wird nur auf Käufe aus Irland angewendet. Ein irischer Kunde sieht zwar weiterhin den Preis von 6,00 £, wir berechnen die Tantiemen jedoch anhand des Listenpreises exklusive Mehrwertsteuer. Nach der Berücksichtigung des Mehrwertsteuersatzes für Irland von 23 % lautet der Betrag für die Tantiemenberechnung also 4,88 £.
das ist nicht amazons schuld, das ist die gesetzliche vorgabe, die am 1.1.2015 EU-weit in kraft tritt. die plünderer behaupten, es gehe darum, dass die großen unternehmen steuern bezahlen, in wahrheit aber berauben sie mit ihren maßnahmen den einzelnen, den bürger; entweder indem jetzt der brutto-verkaufspreis des buches höher oder die netto-tantiemenbasis für den autor niedriger ist. daher die bezeichnung: plünderer.
aber vielleicht habe ich da nur etwas übersehen. bitte um entsprechende hinweise.

denken & schreiben (& posten!)

das rezitieren, rezipieren, nachdenken, bedenken, überdenken der gedanken anderer und das stellung beziehen, meinung bilden und artikulieren ist entscheidend, um sich aus der selbstgewählten unmündigkeit eines bürgers des 21. jhdts zu befreien. es ist ein akt der wiederbelebung der aufklärung im kantschen sinn. es ist ein erkennen, dass demokratie, so wie sie heute gelebt wird, falsch verstanden wurde und zwangsläufig, wenn sie schon nicht zur diktatur wird, so im geringsten stark diktatorische züge annimmt, ja annehmen muss. wie sonst könnte ein gewählter vertreter seine konzepte realisieren? je größer die organisation, desto restriktiver wird seine führungshandlung sein müssen. dagegen je kleiner die einheit, desto freier, selbstverwirklichbarer und liberaler seine handlungen. es betrifft ja im kleinsten nur mehr einen selbst.
(na sowas, eine überlegung vom 4.11.2012!)

Give me six hours to chop down a tree and I will spend the first four sharpening the axe.

abraham lincoln (quelle)

das ist wohl der grund, warum wir (ich) vorträge und workshops erst in den letzten tagen vor der veranstaltung fertig stellen. wir schleifen unsere äxte (daten sammeln, gründe für die wissensvermittlung) und fällen dann erst den baum (erstellen der arbeitsunterlagen, der powerpoint-slides). – alles klar. 🙂

ad Design-Gesinnung

wieder ein mosaiksteinchen für meine theorie über »designgesinnung« und »design im zentrum der unternehmensstrategie«.

hier eine interessante dokumentation über steve jobs und next: bei minute 5:14 der entscheidende hinweis: das neue unternehmen soll mit herz, mit leidenschaft aufgebaut werden und die menschen sollen die produkte kaufen oder bei next arbeiten, weil sie fühlen, dass es den mitarbeitern, dass es dem unternehmen wirklich darum geht, die ausbildung zu verbessern, den ausbildungsprozess zu verbessern (= das leben der menschen verbessern ;-)) und nicht darum geld zu verdienen oder etwas zu tun, weil man etwas tun möchte. man entwickelt den next-computer, weil man sich um den ausbildungsprozess kümmert, sich darum sorgt, ihn pflegt. die innere haltung ist es, das »why« (vgl. simon sinek; »start with why«).

arbeit: lesen.

imagefür meine tätigkeit, meine arbeit (work, not labour) ist es notwendig zu lesen. interessanterweise anerkenne weder ich noch mein umfeld das als eine für die arbeit notwendige tätigkeit. mein umfeld meint, ich arbeite ja nicht, ich lese, und auch ich stelle nicht die zum lesen notwendige zeit zur verfügung, sondern nur rand- und lückenzeiten, zeiten, die kaum andere tätigkeiten zulassen, zb wartezeiten am flughafen, im bus, vorm termin, etc..
lesen fühlt sich oft nicht nach arbeiten an, es hat den geruch von kontemplation (vielleicht ist das gar nicht so falsch). dieses in die lücken quetschen lässt sich zum einen darauf zurückführen, dass wir gelernt haben effizient sein zu müssen und also (fast) jede lücke im tagesablauf mit notwendiger (und wertvoller) tätigkeit aufzufüllen haben – nur ja keinen zeitpunkt unproduktiv verstreichen lassen! lesen ist eine tätigkeit, die gut in solche lücken passt. also ist es ineffizient, so unsere schlußfolgerungen, zu anderen zeitpunkten zu lesen, wenn man auch »größere« dinge erledigen könnte, schreiben, zeichnen, den großen wurf entwickeln, …
das ist falsch!
lesen erfordert konzentration und ist essentiell für viele arbeiten. lesen – ergänzt durch schreiben und notizen machen – ist unendlich wertvoll und nützlich. quetscht man das lesen in die pausen und lücken des tages, so vernichtet man potential; außerdem lassen sich notizen und über das gelesene nachdenken schwierig in diesen lücken umsetzen. nicht, dass es unmöglich wäre, aber deutlich schwieriger und komplizierter als würde man zwei stunden am nachmittag dem lesen (mit notieren und reflektieren) widmen.
lesen ist »arbeit«, gehört zur arbeit, zur »work«.

der staat macht es sich leicht.

heute spricht mich eine vertreterin vom WWF an, ob ich kurz zeit habe. — nein. — es wäre wichtig, es ginge um unser wasser. — diese thematik ist zu komplex, wasserversorgung, so antworte ich, das habe ich (zwangsweise) delegiert an die verwaltungsbeamten unseres staates. wenn sie von mir geld für ihr engagement haben will, dann müsste man die steuerzahlung verringern. ansonsten würden wir ja für eine zu erbringende leistung doppelt bezahlen. — ob das funktioniert, glauben sie?
der staat macht es sich leicht. er kassiert geld für in aussicht gestellte leistung (steuereinnahmen für die bereitstellung diverser staatlicher services), erbringt diese leistung aber nicht in gewünschter qualität. das ruft NGOs und andere hilfsorganisationen auf den plan, denn man muss etwas tun und die dinge zum besseren wenden. diese organisationen brauchen geld, das sie durch spenden wieder vom bürger erhalten (ausschließlich, denn die staatlichen zuschüße sind, erraten, steuergeld).
der staat macht es sich leicht. er schürt angst vor privatiserung und lässt dann doch NGOs, also private organisationen, die arbeit erledigen. die NGOs bemühen sich nun um das jeweilige thema (wasserschutz, medizin, bildung, etc) und die bürger bezahlen doppelt: einmal die steuern für geringe leistung an den staat (= die verwaltung, die politik) und zum zweiten die spende für die finalisierung, die tatsächlich notwendige leistung. zeit, dass sich da etwas ändert.
der denkfehler in der sozialistischen argumentation ist, dass man meint, es stehe dem staat nach der privatisierung diverser services die gleichen steuereinnahmen zu wie davor. ganz sicher nicht. erbringt der staat weniger leistung, dann bekommt er auch weniger dafür bezahlt, also weniger steuereinnahmen. diese mittel werden beim bürger frei, um sich am freien markt die ehemals vom staat schlampig erbrachten leistungen einzukaufen. nachdem es ein freier wettbewerb (!) wäre, würde die qualität steigen, denn der kunde (der bürger) kann wählen. franz böhm sagt dazu: »der wettbewerb ist das großartigste und genialste entmachtungsinstrument.« klar, dass das der herrschenden kaste (den politikern und verwaltungsbeamten) nicht recht ist.
der staat macht es sich zu leicht. 

wir sind geiseln unserer erlebnisse

wir sind geiseln unserer erlebnisse.

rudolf greger, 17.2.2014

für ein zufriedenes, ein glückliches leben müssen wir zumindest jene geiselnehmer identifizieren, die uns quälen. diese erkenntnis gepaart mit unserer vernunft befreit uns aus unserer haft und bildet den humus eines kooperativen zusammenlebens.

diese erlebnisse bilden WORMS: schlüsselerlebnisse – besser gesagt, erlebnismuster –, die bestimmte programme in uns aufrufen, die meistens heute im aktuellen umfeld völlig unpassend sind.

was hat das mit design zu tun?

die erkenntnis darüber erlaubt die veränderung. diese veränderung ist eine ausdrucksform von design, ist gestaltung. der designer ist trainiert darauf, handlungen zu beobachten, rückschlüsse daraus zu ziehen und strategien zur verbesserungen zu erdenken. die verbesserungen sind ein angebot an die nutzer, ein aufzeigen von alternativen. der designer trachtet danach, den menschen ein gutes leben zu ermöglichen. ja, das könnten die menschen auch selbst schaffen — wenn sie sich die zeit dafür nähmen, wenn sie ihre aufmerksamkeit darauf lenkten. aber das, diese pausen, »erlaubt« unsere gesellschaft heutzutage nicht, so meint man. 

dirk schmauser über seine design-zeit bei F. A. Porsche

die empfehlung lautet: lesenswert.
ein weiteres buch über porsche design, ein ungeschöntes, direktes, unmittelbares. ein persönliches buch, ein rückblick auf die eigene geschichte. keine festschrift, keine schmeichelei oder schönfärberei, sondern ein ehrliches buch. so scheint es. ein buch, aus dem man liest, was man immer irgendwie geahnt hat: nämlich, dass F. A. Porsche, der designer, eher eine kunstfigur war als das universalgenie, das all diese dinge mit dem berühmten aufdruck entworfen hat. man erfährt, dass hinter diesem »design by F. A. PORSCHE« ein team enthusiastisch arbeitender designer stand, dass keineswegs der geniale F. A. die große würfe machte, die details entschied. mitentschied, ja. haltungen vorgab, ja. aber vielmehr handelte es sich um ein (mehr oder weniger) eingespieltes expertenteam; zahnräder, die sauber und präzise ineinandergriffen. dass das so war, verdankte diese maschine einem mann: dirk schmauser. diesem gefühl kann man sich nach der lektüre nicht entziehen.

beschämend, dass dann dieses unternehmen, ein aushängeschild der österreichischen designwirtschaft, ihm ein derartig mickriges zeugnis ausstellte, wie es im buch auf seite 15 gezeigt wird. einem mann, der fast 24 jahre die geschicke der firma lenkte, der wie viele andere österreichischen designer der ersten stunde (beranek, kubelka, häufler, hölbl, peschke, skone, valentinitsch, etc.) produktdesign in der österreichischen wirtschaft salonfähig machte – eine aufgabe, an der wir und auch die nächste designergeneration noch zu arbeiten haben. so jemandem einen vierzeiler als zeugnis auszustellen verwundert und zeugt von geringschätzung. wir wissen zwar nicht, was genau vorgefallen war, aber so groß kann die verfehlung nicht gewesen sein, dass sie all diese leistungen der 24 jahre zuvor zunichte gemacht hat.

das buch liest sich leicht, ist eine unterhaltsame abendlektüre, auch nach einem anstrengenden tag. wir erfahren in groben zügen, wie porsche design arbeitete, wie man dort akquirierte und verträge aushandelte. vor allem junge designer können einige wertvolle tipps mitnehmen oder geschäftsfördernde schlüsse ziehen.

manchmal fällt einem auf, dass offensichtlich der lektor fehlte (diese erste auflage wurde im eigenverlag herausgegeben). aber dafür ist es authentisch: dirk schmauser, wie er leibt und lebt, wie man ihn aus erzählungen von anderen kennt. sein schreibstil, seine direkten und unverblümten aussagen lassen unweigerlich an raymond loewys »never leave well enough alone« denken. das buch hat autobiografische züge, zumindest was schmausers designleben betrifft. offenbar kann gesagt werden: »design by F. A. PORSCHE« heisst auch »design by dirk schmauser«.

ich persönlich kenne herrn schmauser nur aus einem interview, das ich einmal mit ihm führen durfte, und aus unserer korrespondenz, die wir seit damals sporadisch unterhalten – interessante und lehrreiche erfahrunge, die ich nicht missen möchte. ich kann mir vorstellen, dass man als designer unter seiner leitung nicht unbedingt mit glacéhandschuhen angefasst wurde. das mache ich in meinem büro auch nicht. ein designer muss es aushalten, wenn jemand argumente vorbringt. eine verschlüsselung der kritik sollte nicht notwendig sein. unser beruf erfordert schnelligkeit und hohe flexibilität, also anpassung an sich permanent wechselnde rahmenbedingungen. so lief das auch bei porsche design unter schmauser ab. offensichtlich erfolgreich.

schmauser spart auch nicht mit lob, wo es angebracht ist. klar verweist er auf die leistungen der mitarbeiter , ohne deren ideenreichtum und persönliche initiative einige produkte gar nicht angedacht worden wären; er holt sie vor den vorhang, zb.: »[…] war ein glückstreffer für das studio, […]«. schmauser wirft auch ethische fragen des designs auf und versucht darauf zu antworten: ist alles machbare erlaubt? wer braucht ein speedboat?

wer mehr über das studio in zell am see, über die anfänge des design in österreich erfahren will und bereit ist, über die eine oder andere stilblüte zu schmunzeln, dem sei das buch dringend ans herz gelegt. meine sichtweise auf produktdesign hat sich verändert, mein wissensstand hat sich erweitert, meine wertschätzung ist gewachsen. danke für die klarstellungen und die darstellung ihrer sichtweise, herr schmauser.

Study: Good Design Is Good For Business

Study: Good Design Is Good For Business

es geht immer bloß darum, das etwas »nicht häßlich« ist.

freilich gibt es formen, für die man sich verzehren würde – die berühren. manchmal sind diese objekte unerreichbar oder man sieht sich, wenn man sie dann besitzt, auf dauer trotzdem satt – wird der form überdrüssig.

also wählt man das aus, das man sich leisten kann, das einem nützt und das gleichzeitig nicht häßlich ist. (zb ein iPhone)

das kann man gut aushalten.

lesen oder denken

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ich stelle soeben (frustriert) fest: ich kann mich an fast nichts mehr erinnern, was ich von und über adolf loos gelesen habe. also ganz konkret, die texte oder teile davon im detail. stimmungsmäßig kommt es einem bekannt vor. dabei habe ich alle artikel gelesen. vor über 20 jahren. und wenn ich heute in diese bücher sehe, dann ist es (nagut, beinahe) so, als läse ich die texte  das erste mal. wozu also lesen, wenn man das gelesene nicht akkurat parat hat? ja, beschäftigt man sich täglich damit, weiß man es. aber wer kann alles gelesene täglich anwenden?

jetzt könnte man natürlich, wie ich das neuerdings handhabe, relevant erscheinende textteile nicht nur im buch oder kindle markieren, sondern abtippen und abspeichern und auf diese weise leichter auffindbar machen. aber die erinnerung wird deshalb im laufe der zeit kaum weniger verblassen.

die schlußfolgerung: gelesenes macht etwas mit den eigene gedanken. aus. es beeinflusst die arbeit – das kann ich nachvollziehen, loos hat mich beeinflusst –, aber die gedanken loos’ kann ich kaum wiedergeben. es bleibt nur noch selbst zu denken. kein referenzieren mehr, sondern eigenes gedachtes anwenden. auch wenn das von vor 20 jahren gelesenen texten beeinflusst ist. der vater, der lehrer, der meister, sie alle haben einen beeinflusst und können auch nicht mehr nachgelesen und nur selten zitiert werden.

wir orientieren uns also an kant: »habe mut dich deines eigenen verstandes zu bedienen!«

na gut, so sei es. 🙂 

was »er« von uns bürgern hält

alle jahre wieder erinnert uns “der staat” daran, was er von uns bürgern hält: offensichtlich sind wir eine bagage von betrügern. das pickerl lässt sich nicht einfach ablösen und ist dann unbrauchbar (damit es nicht in unterschiedlichen autos verwendet werden kann), nein, es lässt sich fast nicht ablösen und zerstört sich in 10.000 teile, die man mühsam von der vorgeschriebenen stelle (hinter/unter dem rückspiegel) mit spezialgerät unter extra verrenkungen abschaben muss. quasi eine art sisyphos-strafe (griechisch Σίσυφος), die jährlich wiederholt werden muss. — ja eh, man muss ja nicht auto fahren. mit dem rad kommt man auch zum semmering.

mariahilferpropaganda

zum jahresausklang noch schnell ein paar texte, die übriggeblieben sind (zb von anfang mai:

propaganda hat ja einen negativen beigeschmack, vielleicht zu recht, aber tatsächlich meint es bloß: die »systematische Verbreitung politischer, philosophischer und anderer Lehren, Ideen, Meinungen mit dem Ziel, das öffentliche Bewusstsein dahingehend zu beeinflussen« oder »die Verschleierung der wahren Ziele dienende politisch-ideologische Beeinflussung« (aus dem digitalen wörterbuch deutscher sprache). so gesehen passt dieses wort perfekt auf das, was wir hier erleben.

im newsletter 2/2013 der (»grünen«) stadt wien las ich folgenden bemerkenswerten absatz:

»[…] Man muss nicht weit gehen, um zu sehen, dass die Kombination von FußgängerInnen und Busverkehr funktioniert: seit Jahren fährt der 13A in der Neubaugasse zwischen der Lindengasse und der Mariahilfer Straße in einem Straßenraum, der ansonsten Zufußgehenden und Radfahrenden vorbehalten ist. […]«

HAHAHA, da geht ja niemand auf der straße. zum einen, weil es die straße ist, zum anderen, weil es viel zu gefährlich wäre, weil der bus keineswegs in schritttempo hinuntersaust. wieso schreibt man einen so offensichtlichen blödsinn? dieser bereich der neubaugasse ist eine straße mit eingeschränktem verkehr und keine fußgängerzone, keine wohnstraße, keine … – jedenfalls ist es mir nicht bekannt, dass es dort erlaubt wäre, mir nichts dir nichts auf der straße herumzutorkeln. auch die radfahrer haben für die fahrt gegen die einbahn einen eigenen streifen. definitiv kein »shared space«.  und das wissen die für den text verantwortlichen. man will uns also etwas vorgaukeln.

belegt wird das von einem textteil weiter unten »[…] In Wien gibt es bereits für RadfahrerInnen geöffnete FußgängerInnenzonen (z.B. innere Favoritenstraße, Tuchlauben) – weitgehend ohne große Konflikte. […]«.

zum einen fällt hier dieser genderwahn schon äußerst ungünstig auf (wie lächerlich kann man sich eigentlich machen?), zum anderen wundere ich mich über diese formulierungen: weitgehend deutet darauf hin, dass es doch vorkommt, und ohne große heißt wohl, dass es kleine konflikte gibt. zum dritten wundert einem natürlich, dass es überhaupt notwendig erscheint auf dieses faktum hinzuweisen. man weiß also sehr wohl, dass es gelegentlich große konflikte gibt. und häufig kleine. freilich verabsäumt man zu erläutern, was klein und groß hier meint. ein großer konflikt ist ein verkehrstoter bei einem radzusammenstoß? und die von einer radfahrerin geschreckte pensionistin ist ein kleiner konflikt?

»er ist wieder da« von timur vermes. sehr lustig! (und nachdenklich stimmend)

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es braucht ein jahr bis ich das aufschreibe, notiert hatte ich diese rezension bereits am 26.12.2012. aber ich möchte das mitteilen.

ich bekam das buch voriges jahr zu weihnachten geschenkt und las es in zwei tagen. es war köstlich. ich habe phasenweise so lachen müssen, dass mir die tränen kamen. timur vermes versteht es, hitlers schreib-/sprachduktus anzudeuten (wie wir uns hitler vorstellen könnten) und nutzt dabei die »kunstfigur«, um uns unsere, für den führer »schwachsinnig« erscheinende welt vorzuführen. erschreckenderweise ist einiges wahres dran, an der kritik des führers.

so schafft es vermes ganz langsam eine art sympathie für den hauptdarsteller seines romans entstehen zu lassen, dabei alle greueltaten auszublenden. sobald man sich dieser »sympathie« bewusst wird schaudert es einem.

vermes zeigt uns gleichzeitig damit, dass der zustand der heutigen gesellschaft wieder idealen nährboden für solche demagogen darstellt; blödheiten im fernsehen (»[…] aus dem mund des sprechers aspekte des weltgeschehens verbreitet wurden; es war, als bezöge man seine informationen aus dem herzen einer irrenanstalt. […]«), politiker ohne persönlichkeit, ohne charisma, ohne integrität, charakterlos (»[…] da sieht das volk tag um tag deutlicher, welche laiendarsteller hier an verantwortlichster position vor sich hin dilettieren dürfen. was mich wirklich nur verblüfft, ist, dass nicht schon längst millionen mit fackeln und heugabeln vor diese parlamentarischen schwatzbuden ziehen, den aufschrei im munde: »was macht ihr mit unserem geld???« […]«).
es scheint, als wäre es nur eine frage der zeit. hoffen wir auf kollektives bewusstwerden.

das buch jedenfalls ist wärmstens zu empfehlen, eine amüsante unterhaltung auf jeden fall, und eine anregung, um über den zustand und die entwicklung unserer gesellschaft nachzudenken. wahrscheinlich reicht es, wenn wir uns nur gewahr werden, dass wir als gesellschaft langsam wieder bereit wären, jemanden auf den leim zu gehen, weil der aktuelle zustand dem einzelnen keine perspektive gibt, die sich aber die menschen wünschen. heute sagen wir leadership dazu.

wirklich freie marktwirtschaft herrscht nur in der politik

die politiker warnen uns immer vor der freien marktwirtschaft. aber wovor warnen sie denn wirklich?

freie marktwirtschaft bedeutet, dass das passiert, was den beteiligten am angenehmsten ist, der weg des geringsten widerstands. das ist ein prinzip der natur.

ein beispiel: ein gebirgsbach findet selbst den idealen weg ins tal. der mensch als regulierer meint, durch eine flußregulierung zu entschärfen und verschlimmbessert damit oftmals.
die politiker meinen auch, sie müssten die wirtschaft regulieren. bei einem unwetter aber kommt es umso dicker.

dabei funktioniert die politik letzlich selbst genauso, wie die von den politikern gefürchtete freie marktwirtschaft (die es so ohnehin nirgends auf der welt gibt, nur in der politik), nämlich frei und maximierend, zügellos und entfesselt, kurz unreguliert. die währung der, nennen wir es politwirtschaft, ist die wählerstimme. je mehr, desto besser. der politiker ist gierig nach dieser währung, genauso wie es dem »kapitalisten« bezüglich geld nachgesagt wird. der politiker tut alles für mehr politwährung, er lügt dem volk die hucke voll, dass sich die balken biegen. das wahlvolk lässt es sich gefallen, es ist ja bereits zu stimmvieh degeneriert, denn die politik weiß, wie es gelingt, passende einnahmenquellen (wählerstimmen) zu generieren. kein wunder, dass niemand, der an den hebeln der macht sitzt, das schulsystem reformieren will. diese »politkapitalisten« bedienen sich ungeniert und würden niemals eine regulierung dieser politwirtschaft zulassen. sie müssten sie ja selbst gestalten.

kein fluss der welt würde sich selbst regulieren, einengen, sich seiner kräfte berauben lassen. also leben wir weiterhin mit politüberschwemmungen und politkatastrophen, bis es dem wahlvolk gelingt, über den köpfen der politiker hinweg, erkenntnis zu erlangen, zu verstehen, dass es so wie bisher, rein logisch, nicht weitergehen kann.

und dann? revolution!?

If you can’t explain it to a six year old, you don’t understand it yourself.

Albert Einstein

am tag der zitate (heute) dieses eine noch. das ist mein anspruch, wenn es darum geht service design und die power dahinter den potentiellen nutzern (allen unternehmern, die kunden haben) klar zu machen. ich verstehe es – fragt mich!

there is no elevator to success. you have to take the stairs.

der author ist unbekannt, aber die weisheit erkennt man immer wieder, wenn man meint, es müsste doch ganz leicht gehen. nur diesen einen stein der weisen finden oder jene abkürzung. aber nein, hartnäckig über die widerstände der gesellschaft klettern und aus den fehlern lernen. dazu gibt es ein schönes zitat von albert schweitzer.

ein aktuelles projekt zeigt mir das gerade wieder sehr anschaulich.

mariahilferstraße neu in action.

tag 2 des experiments.

beide tage habe ich die mariahilferstraße besucht, zwangsläufig.
die straße ist ruiniert, wirkt chaotisch und unordentlich. die wenigen menschen, die aufgrund des freitag-fenstertags da waren, benutzten alle den gehsteig. die straße wirkt aufgrund der vielen verwirrenden linien nicht sehr einladend. aber wozu soll man auf der straße gehen, wenn man in die schaufenster sehen will, dinge besorgen muss.
der bus quält sich durch das teilstück der einkaufsstraße, das allein eine echte fussgängerzone ist, der kleine rest der fahrbahn, der für fußgänger und fahrräder gedacht ist, ist so schmal, dass man ihn mit einem radweg verwechselt (ecke kirchengasse). und an beiden enden der fußgängerzone eine ampel für fußgänger. das heißt, einen meter links und ich habe als fußgänger rot und darf die straße nicht überqueren, einen meter rechts und ich befinde mich auf der fußgängerzone und darf also queren.
schilder erklären das verbot und seine ausnahmen. das lesen von james joyce ist einfacher und kürzer 😉 – in relation zu üblichen verkehrsschildern.
die lebensqualität müssen sie uns noch erklären, die sie erhöht haben durch diese maßnahmen. aus dem gerngroß tönt satte pop-musik, vermutlich um die drückende stille der mariahilferstraße erträglicher zu machen.
aber die mehrheit hat sich diese regierung, diese art der bevormundung »demokratisch« gewünscht. die mehrheit der anrainer wünscht offenbar, dass wien wieder etwas mehr von seinem charme ende des 19 jahrhunderts zurück bekommt. damals, man sieht es auf den manipulativen bildern, die die ganz alte mariahilferstraße zeigen, waren kaum autos unterwegs. man sieht auf diesen bildern passante und lieferanten mit handwagen, pferdefuhrwerke und dann und wann ein lastwagen oder ein automobil, die sich die breite mariahilferstraße teilten – shared space ist eine erfindung aus 18xx. damals ging es den leuten auch noch gut, oder? die einen schufteten in den ziegelwerken am wienerberg, die anderen genossen die lebensqualität in neubau. die hinterhöfe zeigt man auf diesen bildern nicht.
die mehrheit hat sich diese regierung gewünscht. was also könnte der plan dieser bezirkspolitiker sein? die denken vielleicht viel weiter als wir: 20, 50, 100 jahre? heute schon fehlen die kleinen geschäfte auf dieser inneren mariahilferstraße. sie konnten sich die bisherigen mieten nicht mehr leisten. das wird sich vielleicht ändern, weil die strasse wirkte die beiden tage unerträglich für mich. also fuhren wir (mit dem auto) zum beginn der äußeren mariahilferstraße, parkten und promenierten stadtauswärts. tatsächlich, meine lebensqualität ist gestiegen. ich war schon lange nicht mehr auf der äußeren mariahilferstraße. urbanes leben, ein paar autos fahren, die straßenbahnen, am gehsteig begegnen sich die menschen, ein paar sitzen in kleinen schanigärten, nur ein paar tische, nicht diese massengastgärten, die wir vom graben, kärntner strasse und auch der inneren mahü kennen. das beste aber waren die vielen kleinen geschäfte, die es dort gibt. kleine gaststätten unterschiedlicher internationaler küchen laden ein neues auszuprobieren, eine kleinteilige geschäftsstruktur lädt zum einkaufen ein. ich fand es prima. beim heimweg gönnten wir uns eine hühnerschnitzelsemmel; das lokal blitzsauber, die semmel üppig gefüllt und der preis überraschend moderat. so etwas gibt es in neubau nicht, da hätten wir locker das doppelte dafür bezahlt.
in der tat, die neue innere mariahilferstraße steigert die lebensqualität. so lernt man anderes kennen, gar nicht so weit weg: die äußere mariahilferstraße.
vielleicht glauben wir nur, die politiker hätten keinen plan. dabei ist dieses von (nur scheinbaren) dilettanten verursachte chaos und diese mutwillige verkehrsbehinderung eine raffinierte und subtile methode die menschen in andere regionen der stadt umzulenken. danke, herr und frau bezirksvorsteher und frau verkehrsvizebürgermeister.

kopfüber ins abenteuer?

kürzlich lese ich wieder einmal im tractatus logico-philosophicus von wittgenstein 😮 und stelle fest: ist noch immer so vertrackt zu lesen wie ehemals. 😉

also beginne ich zu springen, erneut die struktur zu analysieren – da gibt es die hauptsätze und die subsätze, die die hauptsätze erläutern, und die sub-subsätze, die die subsätze erläutern, und die sub-sub-subsätze, die die sub-subsätze noch detailierter ausführen, und die … (you got the idea).

wie viele hauptsätze gibt es überhaupt?

7 – der berühmteste zum schluß: »Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen«.

gut. und wie kommt man darauf?

weil man die richtige methode des philosophierens anwenden muss (6.53 [sub-sub]). und »Zu einer Antwort, die man nicht aussprechen kann, kann man auch die Frage nicht aussprechen.« (6.5 [sub]) und, dass es naturgesetze gibt, »[…] kann man nicht sagen: es zeigt sich.« (6.36)

plötzlich erscheint mir das ganze (eher) nachvollziehbar, wittgensteins gedanken werden greifbarer und ich denke mir: das buch verkehrt lesen erleichtert offenbar den zugang. vielleicht sollte auch ich meine gedanken über design kopfüber mitteilen. es könnte sein, dass sich dadurch auch das vertrackte löst.

die arbeit an den »sechs sätzen über design« nimmt konkrete gestalt an. 😉

ansonsten … dampf ablassen

neben meinen (neu gefassten) plan, mich (demnächst; bald; …) eingehender mit buddhismus zu beschäftigen, um es besser ertragen zu können, dass der staat (das system; wer eigentlich?) über meinen kopf hinweg und gegen meinen willen diktiert, eröffne ich hier einen weblog, um dampf abzulassen. er hätte »das ventil« heissen sollen. so wie es aussieht haben aber bereits mehrere menschen den bedarf sich von solchen unerträglichen gedanken per schreiben zu befreien – der titel in verschiedenen formen war bereits vergeben.

also nenne ich das hier »ansonsten« – also was mich sonst noch, fernerhin, darüberhinaus neben »design, design management, design thinking, service design, etc« beschäftigt.

bitte um rückmeldungen, um hinweise, wenn ich mir irre (auch das hilft) und um zustimmung, wenn ich jemanden aus der seele spreche. mal sehen, vielleicht ist vieles gar nicht nur meine einzelmeinung.