das dilemma

es ist ein laufendes warten auf das bessere, statt einem freuen über das gegebene.

wir streben zum erfolg, dh. zum größeren erfolg. dabei vergessen wir häufig (sehr häufig, fast immer) uns über den erreichten erfolg gebührlich zu freuen. kaum haben wir das eine ziel mit bravour erreicht, haben wir schon das nächste im visier. keine zeit zum verschnaufen. schon gar keine zeit, um sich auf die schulter zu klopfen.
und klopfen zu lassen!
mir scheint, wir haben vergessen, dass wir auch lebensfroh sein sollen. ich glaube, wir müssen das wieder lernen. schleunigst! denn ansonsten steigt der stress und damit die anspannung, die wahrnehmung schränkt sich ein und die dinge werden … einfach. die einfache lösung hat es dann leicht mit uns. jene lösung, die nicht viel nachdenken erfordert, die ohne muse auskommt, denn diese zeit zur muse gibt es oft nicht mehr.

ein beispiel: kaum hat man den vortrag vollendet, verlässt man die bühne. der vortragende hat schon die nächste profilierungsaufgabe im visier. das publikum applaudiert mit begeisterung über den vortrag der leeren bühne.
sich bedanken lassen, sich feiern lassen, das müssen wir offensichtlich erst wieder lernen.
zum glück gibt es eine gruppe, von der wir es uns abschauen können: den schauspielern und musikern. die halten applaus aus, baden darin. das tut den protagonisten gut, aber auch dem publikum.

mir ist das aufgefallen bei der großartigen 10-jahres-jubiläumsfeier des scholariums. zehn jahre vergehen zum einen wie im flug. also kein grund für eine große feier, möge man meinen. auf der anderen seite waren es zehn jahre bestrebung zu und angebot einer modernen aufklärung. es war (und ist) keine aufklärerische ich-weiß-es-besser-vorgangsweise, sondern eine zum denken anregende. damit schärft sie das einzig nützliche werkzeug für unsere aufgabe unsere selbstverschuldete unmündigkeit zu überwinden: unseren verstand.
das jubiläumsfest zeigte mir, man muss ein ziel verfolgen, aber man soll auch zwischendurch den erfolg feiern. diese belobigungen sind ähnlich den kleinen stärkungen, die man während eines marathons zu sich nehmen muss, will man diesen erfolgreich und gesund beenden. ohne stärkung gelingt das kaum.

hat man das erkannt (und führt man es auch durch), dann hat man die kraft weiter am erfolg zu arbeiten. und man hat dann gelernt, sich auch über das gegebene, das bereits erreichte zu freuen und nicht nur nach dem nächsthöheren ziel zu schielen.

Vielleicht ein Kommentar?