Servicedesign vom Industriedesigner? Ja!

Charles Eames, der große Designer, wurde einmal gefragt, wo die Grenzen von Design wären und er antwortete mit der Frage: Was sind die Grenzen von Problemen?

Raymond Loewy, einer der Urväter des Industriedesigns ergänzt: ein Designer geht dorthin, wo die Gelegenheiten am interessantesten sind, und das ändert sich von Zeit zu Zeit. Ein Industriedesigner kann überall arbeiten!

Nun, auch ich bekam und bekomme von Zeit zu Zeit Gelegenheit mich mit meiner Gestaltungskompetenz in anderen Feldern zu bewähren. Diese Bereiche fassen ich unter »Servicedesign« im weitesten Sinne zusammen. Es sind Aufgaben, die man vom Industriedesigner gelöst haben will, obwohl es dabei nicht um serielle Fertigung geht. Aufgaben, bei denen exzellente Handhabung wichtig ist, bei denen ein sinnfälliges und »intuitives« Arbeiten mit Geräten und (vor allem) Software ermöglicht werden soll (das könnte auch »Interaction Design« genannt werden). Und es sind Aufgaben, bei denen die Erfahrung des Designers im Umgang mit Gebrauchern und ihrer Psychologie gefragt ist: Prozesse, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle. Das sind die Projekte die eindeutig dem jüngsten aller Begriffe für Designdisziplinen zuzuordnen sind: dem Servicedesign.

Wir Industriedesigner sind also auch Servicedesigner. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, auch in dieser jüngsten aller Designdisziplinen zu wirken und auf diese Weise einen Beitrag für ein besseres Leben zu leisten. Designen verbessert das Leben der Menschen, lautet der dritte Satz meiner Buch-Serie »6 sätze über design«.

Wieso können das Industriedesigner?

Weil Industriedesigner Anwender von Design-Thinking sind, einer Denkweise, die Empathie und Visionskraft kombiniert und die den Treibstoff für Innovation darstellt. Kraft dieser Denkweise ist es dem Industriedesigner möglich auch »Produkte ohne Gegenstände« – also Dienstleistungen und Geschäftsmodelle – zu gestalten. Weil ich genauso vorgehen wie im Industriedesign gewohnt: Ich bringen die radikale Kundensicht ein und arbeiten mit den Experten des auftraggebenden Unternehmens zusammen (den Technikern im Industriedesign, den Prozessexperten bei Dienstleistungen, der Geschäftsleitung bei Geschäftsmodellen), um den Wunsch der Kunden mit dem »technisch« Möglichen zum kaufmännisch Sinnvollen zu erfüllen. Je nach Anforderung der Projekte ergänze ich meine Expertise mit den Experten des Design-Thinking-Tanks.

Es gibt keine Grenzen für Probleme. Daher gibt es auch keine für Problemlöser. Der Designer, auch als Servicedesigner, ist ein Problemlöser. Als Sparringpartner ist er Katalysator, als Gestalter inspiriert er und stellt die entscheidende Zutat für Innovation bereit – Design-Thinking heißt das Werkzeug.

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