03/01/2019

Design-Thinking ist leicht erklärt

Design-Thinking ist die Denkweise der Gestalter. Jener Menschen, die durch ihr Handeln eine bestehende, ungünstige Situation derart verändern, dass sie einem Ideal nahekommt (siehe zweiter Satz der »6 sätze über design«). Daher sind erfolgreiche Unternehmer vermutlich auch Anwender dieser Denkweise. Denn diese Denkweise ist ergebnisorientiert und keineswegs als Methode, d.h. rezeptartig, anwendbar.

(Der Unterschied ist vielleicht die Definition von günstig oder ideal. Könnte sein, dass der kurzsichtig denkende Unternehmer seine persönliche Situation begünstigen will, während der Designer, die des Benutzers im Fokus hat. Aber auch der Designer strebt zuzeiten ganz egoistisch sein Ideal – die schönste Form – an, anstatt das Wohl des Nutzers.)

In der alltäglichen Realität des Designers wirkt diese Denkweise – insbesondere von aussen betrachtet – zuweilen chaotisch und sprunghaft. Im Rückblick, am Ende eines Projektes, lässt sie sich leicht erklären. Das ist auch das Problem, denn nun stellt sich diese Denkweise als klarer Ablauf bestimmter Schritte, eben als Prozess dar. Die Nicht-Praktiker der Design-Thinking-Forschung missdeuten das gelegentlich. Sie dokumentieren die Schritte, formalisieren sie und fertig ist die erfolgsgarantierende »Methode«. Das ist schade, denn dadurch verliert diese Denkweise signifikant an Wirkung.

Wie man eine Denkweise lehrt

Freilich kann man diese Denkweise methodisch darstellen. Doch muss allen klar sein, das ist ein didaktischer Kniff, um den Wissbegierigen die Denkweise näher zu führen. Das funktioniert sehr gut, z.B. mit dem Design-Thinking-Crash-Course von Ideo und der d.school, den wir auch an der Design-Thinking-Akademie vortragen. Doch gilt es das Erfahrene zu reflektieren und sich der Laborsituation so eines Workshops bewusst zu sein. Man kann die Denkweise gut erklären als 4, 5, 6, 7 oder mehr-schrittiger Prozess, als Ablauf A (recherchieren), B (Ideen skizzieren), C (Modelle bauen), D (mit Nutzern testen), etc. In der Praxis zeigt sich das häufig anders: man beginnt mit ein paar Skizzen, dann erkennt man Recherchebedarf, skizziert neuerlich, baut einen groben Prototyp, fragt Nutzer, skizziert nochmals, recherchiert abermals, erstellt ein 3D-CAD-Modell oder ein Blueprint, stimmt sich mit der Technik und der Organisation ab, skizziert wieder, etc. In der Designerpraxis ist es häufig eher C, A, B, D, A, C, A, … oder auch A, C, M, Q, R, B, D, A, … – man nützt mitunter neue, andere Verfahren und Methoden, oft sogar nur fragmentarisch, mit dem Ziel schnell die gewünschte Lösung zu finden. Es ist eine ergebnisorientierte und keine methodenorientierte Vorgangsweise. Der Fokus liegt auf dem Ergebnis und nicht auf die korrekte Ausführung einer Methode. Die Beobachtung zeigt, dass das oft missverstanden wird.

Falsch übersetzt

Erkennbar wird das durch die Missdeutung des Begriffs: Design-Thinking wird im deutschen Sprachraum als das »Designdenken« falsch übersetzt und das führt gelegentlich zu einer Forderung eines ergänzenden »Designtuns« – sie wollen dem Design-Thinking ein »design doing« beifügen. Ein Jammer, dass die Unwissenden so selbstsicher auftreten. Design-Thinking heisst richtig übersetzt »designdenkend«. (Man müsste es also klein schreiben.) Es ist ein Begriff in Verlaufsform (progressive form), man handelt »designdenkend«, es passiert gerade. »Ambidextrous Thinking« (der Vorläufer des Design-Thinkings in Stanford) ist eine passende Erklärung dafür. Damit meinte man »beidhändig zu denken«, mit allen Sinnen, beide Gehirnhälften nutzend. Konkretes Handeln und abstraktes Denken sind beides unbedingte Bestandteile des Design-Thinkings.

Design-Thinking ist keine bestimmte Methode, sondern ein Denk- und Handlungsmuster. Es ist ein Vernetzen von für eine Aufgabenstellung als relevant erkannter Wissensfragmente, mit dem Ziel rasch und direkt eine Lösung zum gegebenen Problem zu finden. Es ist abduktives Schließen.

Jeder kann Design-Thinker werden

Diese Denkweise kann jeder lernen. Um es effektiv anwenden zu können (mit unbewusster Kompetenz), muss man es – wie andere Fertigkeiten auch – nur üben. Designer üben es laufend, es ist ihr Alltag. Wer sich also den Aufwand des Übens sparen will, der kauft die Expertise zu. Damit der Manager besser beurteilen kann, ob der das gewünschte auch bekommen hat, macht er sich jedoch vorher mit der Denkweise vertraut. Manager müssen die Methode bloß kennen, nicht unbedingt auch können. Die Design-Thinking-Akademie bietet Seminare und Workshops dazu an. Das nächste am 10.1.2019, ein Einstieg in das Thema.


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Rudolf T. A. Greger

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