»design doing« ist Schwachsinn

Sie machen aus Design einen Prozess, erwecken den Eindruck man könne Kreativität automatisieren — sie sozusagen künstlich generieren, es fehle bloß das Werkzeug — und lenken vom Kern ab: der Designprozess, also die Entstehung von einer Designleistung oder anders ausgedrückt, das Designen ist genauso freudvoll wie frustrierend. Es ist keineswegs immer klar ob und welchen Fortschritt man in der Gestaltung gemacht hat, man fischt tage- oder wochenlang im Trüben, die Hände bis über den Ellenbogen im Dreck, … und dann, HEUREKA!, die Lösung. Man holt »Es« hervor, aus dem Chaos des Gehirns, des Diskutierens, des Probierens. Wir Design-Thinker tun ganz viel, wir denken dabei auch, aber es geht – das betonte schon Otl Aicher immer wieder (20. Jhdt.) – es geht ums »machen«. Das Realisieren ist das Ziel. So rasch als möglich.

Damit teilt sich das Spreu vom Weizen. Die »imigrierten Design-Thinker« — jene, die Design nicht wirklich praktizieren, sondern bloß davon gehört haben — erzählen uns was von Methoden, die es anzuwenden gilt, und davon, dass es nicht bloß »Design Thinking«, sondern auch »Design Doing« sein soll.
Die »design natives« wissen, dass es ihre Denkweise ist, die da seit ein paar Jahren von Halbwissenden Design-Thinking genannt wird und als Methoden-Set oder als Prozess missinterpretiert wird. Sie (die Designer) wissen, dass Design-Thinking zu einem Großteil aus probieren besteht, es also auch ein »Design Doing« ist.

Nur ein Theoretiker, der die Designpraxis nicht kennt, kann auf die Idee kommen, das Design-Thinking durch ein praktisches »Design Doing« ergänzt werden soll, denn der weiß offensichtlich nicht, wie Design-Thinking, also »designing« in echt funktioniert.

Wir probieren die Dinge aus, wir denken über das Problem nach und probiere Lösungen aus, wir testen an uns selbst und mit Nutzern, im Produktdesign genauso wie im Grafikdesign, in Informationsdesign, Webdesign, Interaction-Design, Servicedesign, etc. Es geht gar nicht anders! Und wie in anderen Gewerken auch, gibt es gute und weniger gute Handwerker und Künstler, Wissensarbeiter. Die einen testen mehr, die anderen weniger, aber das Doing war immer zentraler Bestandteil der Denkweise der Designer und also des Design-Thinkings!

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