Der schale Beigeschmack der Designmagazine

Ich las gerade »The little book of ikigai« — und das färbt ab. Es machte mir klar, was mich tatsächlich am Kunstbetrieb und an den Design-Magazinen, vom Designreport begonnen bis zu den designaustria-Mitteilungen, immer wieder unangenehm auffällt: der Wunsch der Menschen durch gute Arbeiten sichtbar zu werden und damit externe Belohnung zu erhalten.

Das passt gut zu dem Spruch, den ich mir vor einem Jahr in meinem Büro aufhängte; Anlaß war mein Studium Generale am scholarium: »Erklimme nicht den Berg, damit dich jeder sehen kann, sondern damit du die Welt sehen kannst.«

Wobei natürlich meine Anmerkung des Studiums und der Hinweis auf diesen Spruch, ja dieser Blogbeitrag und der gesamte Weblog, schon wieder als das Gegenteil dieser Tugend interpretiert werden kann. Man schreibt doch hier, um gesehen, d.h. gelesen zu werden. …

Hm, oder doch nicht?

Wer liest hier?

Die eine oder der andere verirrt sich im Dschungel des Internets auf diese Seiten, aber die Nachrichtenzentrale ist das hier nicht. Es ist vielmehr ein Speicher, der nunmehr geordneten Gedanken des Designers. Ja, so wollte ich es immer und will ich es verstanden wissen. Ich schreibe hier für mich, mache mir die Dinge klar, die so im Hirn herumschwirren, fasse sie, halte sie fest und gebe anderen gleichzeitig Gelegenheit diese Gedanken als Trittbrett oder Katalysator für das eigenen Nachdenken und weiterkommen zu nutzen.

Ikigai, ich fange klein an, freue mich über die Details, über gelungene Formulierungen oder freundliche Likes, und arbeite und schreibe für mich. Weil die Ideen in die Welt drängen, gesagt werden wollen. Sage und schreibe ich es nicht, macht es wer anderer. Der Idee ist es egal von wem sie verbreitet wird. Sie dringt in die Köpfe, sie fällt ein, in der Absicht veröffentlicht zu werden. Wird diese Idee nicht freigelassen, in die Freiheit der Welt entlassen, also nicht artikuliert, so sucht sich die Idee einen anderen Zugang, einen anderen Kopf. So lange, bis sie der Welt gezeigt wird. Manchmal passiert es dann, dass eine Idee an unterschiedlichen Orten mehrfach geboren wird. Also ist ikigai und dieser Weblog zunächst kein Widerspruch. Es hängt von der Absicht ab.

Na gut, das ist ja der Gedanke zu diesen ewigen Design- und Kunstmagazinen. Jeder wünscht, darin mit seiner Arbeit präsentiert zu sein, sichtbar zu sein, auf dass man extern gelobt wird. Ikigai ist ein anderer Antrieb. Das Designmagazin spielt dabei keine Rolle.

Ich will es gut machen, für mich gut, genaugenommen bestens, am Liebsten freilich perfekt. Dann freue ich mich über das Ergebnis. Die öffentlichen Anerkennung soll nicht der Treiber sein. Das will uns ikigai sagen.


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