Der Design-Thinking-Hype ist da

Jetzt ist der Hype endgültig hier angelangt — dieser unsägliche Hype — der Höhepunkt scheint nahe — die Design-Thinking-Dienstleister und Servicedesign-Agenturen schießen wie die Schwammerl aus dem österreichischen Boden, jeder erst-, zweit- und drittklassige Unternehmensberater und Business-Coach lehrt die sogenannten »Design-Thinking-Tools« oder »Design-Thinking als Methode« und verspricht beim Innovieren zu helfen, beim endlich Erfolgreich-machen, den großen Durchbruch in dieser vertrackten Wirtschaftswelt zu ermöglichen. Täglich gründet sich ein Anbieter und drängt in den Beratermarkt mit dieser neuen Mode »Design-Thinking« oder »Servicedesign« oder, noch besser weil es alle Buzz-Words beinhaltet: »Service Design Thinking«.

Mit welchem Background liefern diese »Experten« ihre Dienstleistungen?

Sie sind Unternehmensberater oder PR-Berater, haben eine Coaching-Ausbildung, sind erfahrene Trainer und können in der Tat hervorragend Workshops leiten. Aber sind sie auch Designer, kennen sie das Gewerk, wissen sie wirklich was »designen« bedeutet und wie es einem in einem »echten Designprojekt« ergeht, als Designer und als Designeinkäufer? Haben sie das reflektiert und nutzen sie dieses Wissen in ihrer Arbeit, können sie das überhaupt? Verstehen sie wirklich diese andere Denkweise, die so gar nicht der Managerdenkweise entspricht? Oder finden sie gerade deshalb einen leichteren Zugang zum Management, weil sie aus der gleichen Denkwelt kommen wie ihre Auftraggeber? Akquirieren sie, weil sie zum Managementdenken »kompatible« Argumente liefern können, die einem echten Design-Thinker nur schwer einfallen?

Jetzt stehe ich da und sage: wir, GP designpartners, sind die einzigen Anbieter von Design-Thinking und von Servicedesign in Österreich mit Design-Background, sind die einzigen Design-Thinking-Anbieter, die aus einer über 25-jährigen Designpraxis schöpfen können und eine Brücke zwischen Design-Thinking und »Management-Thinking« herstellen können, weil wir auch die einzigen sind, die diese Thematik theoretisch (in unserem Design-Thinking-Tank) bearbeiten. Wir versuchen der Sache auf den Grund zu gehen, die Unterschiede herauszuarbeiten, und ermöglichen so die Erkenntnis und die Wertschätzung beider Denkwelten

Design-Thinking vom Design-Thinker*, vom »Berater« mit Design-Background.

Was soll das bringen?, frage ich mich. Warum lockt das den Manager »hinterm Ofen hervor«?

Was hilft es dem Manager, wenn er nun Design-Thinking beim Design-Thinker aka Designer einkauft anstatt beim Consultant, der die Materie in gewohnter Managementdenke aufbereiten kann?

Keine Ahnung! Es ist vermutlich komplexer, verwirrender, irritierend.**

Eine Antwort ist: Wirkung.

Designer-Denken von Managerdenkern einzukaufen ist so gut wie wirkungslos. Hat keine lange Halbwertszeit. Ein Workshop, ein Projekt, vielleicht ein zweites. Was kommt im Markt an? Was erlebt der Kunde von dem was im Workshop erprobt und erfunden wurde? Das übliche Management-Getriebe zerreibt das Entdeckte. Am Ende bleibt ein abwechslungsreicher, lustiger, durchaus Erkenntnis bringender Workshop in Erinnerung. Der Alltag fasst die Manager wieder, quetscht sie in ihre Excel-Sheets und zwingt zum Business-as-usual.

Der gute Kaufmann, jener, der sich um das Wohl seiner Kunden bemüht, geht unbehelligt seiner Arbeit nach — mit und ohne Design-Thinking-Workshop. Aber die Menschen, die wir erreichen wollen, die Unternehmer und Führungskräfte, die Sachbearbeiter und Verkäufer, verändern sich nur wenig. Jenen, denen wir Gutes tun wollen, den Nutzern, erleben kaum etwas davon. Es braucht Designer im Unternehmen, zugekauft oder angestellt. Keine Design-Thinking-Methoden-Trainings und Creative-Labs für kurze Abwechslung zum harten Geschäftsalltag, keine Servicedesign-Spielplatz-Seminare mit falschem oder unvollständigem Hintergrundwissen.

Doch es scheint so, als wolle der Markt genau das: Design-Thinking vom Angelernten, vom Berater, den kennt er, den kann er einschätzen, der ist nicht so fremd wie der Designer, dieser »Gestörte«, wie es Wolf Lotter in seinem Artikel ausdrückt. Dieser schöpferische Mensch (Designer) verunsichert den fokussierten (Manager), das ist klar. Der Fokussierte ist daher entsprechend zurückhaltend. Doch liegt genau darin, in dieser Störung, der Vorteil und der Nutzen von Design-Thinking. In der Kombination des echten Design-Thinkers mit dem Manager liegt die Kraft. Es geht nicht um eine Vorgangsweise, es geht um ein Ergebnis. Das Beste!


* Design-Thinker gibt es viele in Österreich, nämlich alle Designer. Nur wenige von ihnen bieten auch Workshops über ihre Denkweise an, aber alle wenden sie an (das ist klar).

** ich erlebe das in vielen Gesprächen mit Managern, dass die manchmal interessiert den Unterschied erkennen, manchmal aber verwirrt einfach nicht weiter kommen im Denken. Sie können die Andersartigkeit nicht erkennen. Das müssen sie auch nicht. Es geht um die Ergänzung, nicht um den Ersatz des Manager-Denkens.

Vielleicht ein Kommentar?