Wahlwerbung

Ein Wahnsinn, was da jetzt abgeht. Grauslich. Ein Skandal, eine Sauerei, … und dabei doch ganz normal. Zutiefst menschlich. So sind die Menschen eben. Alle. Auch ich habe als 10-Jähriger meinen damals 6-jährigen Bruder bei den Eltern angeschwärzt, ihm  Dinge in die Schuhe geschoben und als die Unwahrheit zutage trat, mich selbst als Opfer präsentiert. Doch die Eltern waren intelligent, sie erkannten die Täter-Opfer-Umkehr. Die Frage ist, wie intelligent sind die Wähler heute? Moderat, oder? Und aus Sicht der Politik kann das ruhig so bleiben.

Continue reading “Wahlwerbung”

30 Jahre Kleinschreibung – und Aus.

Es gibt mehrere Gründe für das Kleinschreiben:

  1. Die Kleinbuchstaben sind besser zu lesen, weil sie durch ihre Unter- und Oberlängen oder dem Fehlen derselben einen ausgeprägteren Charakter haben als die Großbuchstaben, die sich in der Größe (ihrer Höhe) alle ähneln.
  2. Die Kleinbuchstaben sind der schriftevolutionäre Höhepunkt. Die karolingische Minuskel (Kleinbuchstaben) entstand aus den Großbuchstaben, weil sie schneller zu schreiben ist und führte schließlich zur humanistischen Minuskel, den heutigen Kleinbuchstaben.
  3. Dieses Kleinbuchstaben-Alphabet wurde in der Renaissance mit den antiquen Versalien (Großbuchstaben) ergänzt. Man benutzte diese besonderen Buchstaben, um zunächst den Seiten- oder Kapitelanfang zu schmücken, später schmückte man damit auch »besondere« Wörter wie »Gott« und »Kirche«, dann auch »Kaiser« und »Thron«, etc. Groß-Kleinbuchstaben zu verwenden bedeutet also zwei unterschiedliche Alphabete zu verwenden.
  4. Die Verben sind jene Wörter, die dem Satz Bedeutung geben, die ihm Kraft verleihen, Dynamik, es sind jene Worte die »arbeiten«. Diese »Arbeiter« werden klein geschrieben. Die gnädigen »staatstragenden« Hauptwörter machen sich mit ihren Großbuchstaben wichtig und gleichzeitig erschweren sie das Lesen. Sätze mit vielen Substantiven klingen hochtrabend und unverständlich … und damit einschüchternd für uns einfache Leute – vielleicht sind deshalb Hauptwörter in der Verwaltung so beliebt; beobachten Sie das einmal.
  5. Die meisten (alle?) Sprachen der Welt kommen mit Kleinbuchstaben aus, nur Deutsch soll anders nicht lesbar und nicht verständlich sein? Dabei können wir Großbuchstaben nicht anders aussprechen als die Kleinen.

Alle fünf Gründe sind heute im wesentlichen noch gültig, gute Gründe nur noch kleinzuschreiben.

Es war als Zeichen, als kaum merkbares aber doch sichtbares Zeichen der Auflehnung gegen Bevormundung – durch den Staat und gegenüber anderen Völkern.

Das Zeichen wurde schwächer, weil immer mehr Menschen aus Bequemlichkeit auf die Großbuchstaben verzichteten – das entspräche der Schriftevolution, bestätigt sie, denn der Gebrauch entscheidet. Der Gebrauch muss für den Einzelnen bequem sein und weil jeder zuerst sein eigenes Wohl im Auge hat heisst das zunächst, bequemer schreiben. Der Schriftsteller hingegen, der will, dass seine Texte gelesen werden, wird sich beim Schreiben anstrengen, damit es nicht der Leser beim Lesen machen muss, denn dieser würde rasch aufhören damit. Der Schriftsteller (und alle verwandten Berufsgruppen) verfochten daher die Groß-Kleinschreibung.

Das Zeichen wurde schwächer und gleichzeitig verkehrte es sich. Die Eliten verkannten es. Das Zeichen meinte nicht, dass wir alle gleich sind. Es meinte, dass wir gleichwertig sind. Niemals ging es darum, die eigene Kultur aufzugeben, die Kraft der deutschen Sprache mit ihren von mir ungeahnten Möglichkeiten; z.B. der Wortschöpfung durch Kombination mehrerer Worte, die dennoch jeder sofort versteht. Es ist, wie ich lernen durfte, die Sprache des Denkens, aus philosophischer Sicht, etwas Besonderes.

An die 30 Jahre persönliche Kleinschreibung finden in diesen Monaten ihr Ende, weil die Eliten unseres Landes und unseres Völkerbundes keine Rücksicht auf die Eigenen nehmen. Es scheint als wäre die Forderung ein guter Mensch zu sein, zur Manie entartet. Ein guter Mensch ist offenbar nur noch der, der seine eigene Identität zum Vorteil eines anderen aufgibt. Nur jener, der sich einer anderen, einer dem Eigenen fremden Kultur unterwirft, gilt als sozial. Akzeptabel ist nur jener, der Beobachtungen des eigenen Rechts relativiert zu Gunsten des Neuen. Nur das Sozialistische gilt als gut, der Rest ist rechts und populistisch. Die Kleinschreibung kann auch als Zeichen des Gleichmachens mißverstanden werden. Doch das war nicht gemeint! Es ging niemals um Gleichheit, sondern immer um Gleichwertigkeit.

Nun zwingen mich die Eliten zur Umkehr, zum neuen, noch unscheinbareren Zeichen. Ein Zeichen für den Erhalt der eigenen Kultur, der Kultur des Deutschen (in seiner österreichischen Ausprägung). Dieses kaum sichtbare Zeichen ist der Entschluß zur Groß-Kleinschreibung zurückzukehren. Nicht weil ich den Staat huldige mit seiner Bevormundung, sondern aus dem genauen Gegenteil, weil ich für den Erhalt unserer Kultur eintrete. Nicht weil es die Bessere, sondern weil es die Unsrige ist. Jene, die (bislang) hier gilt. Jeder ist willkommen und darf sich integrieren. Wir sollen die Pflichten des Gastgebers erfüllen. Doch integrieren heisst, auch ein guter Gast zu sein und sich den vorgefundenen Gegebenheiten anzupassen. Jeder Mensch ist frei und soll leben, wo es ihm zusagt. So wie jeder hierherkommen darf, so soll jeder, dem es hier so wie es ist nicht gefällt, wieder gehen. Schnell! Und ohne dem Gastgeber Schaden zuzufügen. Man kann nicht woanders hingehen und dort per Zwang, per Gewalt, per Demonstration jene verändern wollen, die in der Not geholfen haben. Man kann vorschlagen, was anders sein könnte und sollte, und argumentieren, warum das richtig ist. Ist es dann tatsächlich richtig, dann wird es wohl angenommen werden. Ein vorsichtiges und langsames Vermischen. Auf keinen Fall ein Austauschen. Das ist mein Verständnis von Integration, von Weiterentwicklung; der Asset von Wien, dem Schmelztiegel der Nationen. Aber jetzt »verschmilzt« das Material nicht mehr in diesem Tiegel. Es bilden sich immer mehr Klümpchen. Und das ist nicht gut!

Die größte Motivation für die Kleinschreibung war der Hinweis auf die Gleichwertigkeit der Nationen und es war ein Zeichen für Ungehorsamkeit gegenüber dem Staat (Thoreaus Aufruf ist heute gültiger denn je). Heute ist mein Groß-Kleinschreiben ein Zeichen für den Erhalt der eigenen Kultur. Weiterentwickeln JA, aufgeben NEIN. Integration neuer, fremder Kulturen JA, das hat Tradition in Wien, aber aufgeben des Erreichten NEIN.

Wenigsten ein Gutes hat dieser Wahnsinn unserer »Eliten«. Er befreit mich von der Notwendigkeit durch Kleinschreiben ein Zeichen zu setzen und zwingt mich es durch Groß-Kleinschreibung zu machen. Freuen Sie sich auf (für Sie subjektiv) besser lesbare Texte.

das recht der freien meinung

das recht auf freie meinungsäußerung ist oft der aufhänger warum demonstrationen auf jeden fall genehmigt werden müssen.

doch wenn das recht auf freie meinungsäußerung gilt, dann muss auch das recht auf diese-andere-meinung-nicht-hören-wollen gelten. es kann nicht sein, dass eine minderheit eine mehrheit zwingt sich mit deren meinung auseinanderzusetzen. umgekehrt gilt das selbstverständlich auch.

abgesehen davon gibt es kein recht für irgendetwas, das lesen wir schon bei alexis de toqueville. die menschen sollen sich frei entfalten, tun können, was immer sie wünschen, sie müssen nur den kategorischen imperativ einhalten, sie dürfen die freiheit des nächsten nicht einschränken, in diesem fall, ihn nicht belästigen. dem nachbar muss die chance gegeben werden, es nicht hören zu müssen.

 

Der Grad der Toleranzfähigkeit

der grad der toleranzfähigkeit gegenüber anderen ist direkt proportional zum grad der eigenen disziplinlosigkeit.

also, je weniger diszipliniert ich bin, desto nachsichtiger bin ich mit anderen.

diese toleranzfähigkeit eines menschen steigt mit dem grad seiner ignoranz. über dieses thema schrieb ich bereits einmal. dieser tage hat es sich wieder bestätigt. jene menschen, die vereinbarte regeln nicht ernst nehmen und diese daher nicht einhalten sind besonders auffällig tolerant gegenüber den anderen. »na, wenigsten was«, könnte man sagen. wenigsten fordern sie nicht von anderen, was sie selbst nicht machen, das einhalten von regeln.
das dumme dabei ist, dass dieses nicht einhalten vereinbarter regeln letztlich den sozialistischen traum aushebelt. denn am ende gewinnt doch der stärkere, nämlich der ignorantere. dabei waren es doch die einvernehmlich festgelegten regeln, die ein gemeinsames leben für alle angenehm machen hätten sollen.
es ist also so, dass die linken auf der einen seite fordern, man möge alle gleich behandeln und man müsse regeln für die gerechtigkeit festlegen. auf der anderen seite sind jene linke genau die menschen, die besonders tolerant sind, somit akkurat jene, die es mit dem einhalten der regeln nicht besonders genau nehmen. sie sind jene, die meist besonders ignorant sind. man beobachtet, dass jene, die so handeln, ihre stärke nutzen, um sich einen persönlichen vorteil zu verschaffen. wer ignorant ist, ist das immer auf kosten eines anderen. letztlich sind also auch sozialisten spielball einer freien »wirtschaft«. sie handeln zu ihrem vorteil und nehmen in kauf auch manchmal im nachteil zu sein. den anderen aber weisen sie auf die schlechtigkeit einer freie wirtschaft hin. warum? weil ihnen auch das einen vorteil verschafft

Das Problem

Die großen Unternehmen müssen durch die Innovationskraft der kleinen in Schach gehalten werden. Die können das und machen es auch immer wieder – in anderen Ländern. Große Unternehmen wissen das. Das Problem in Österreich ist (vermutlich auch in der EU), dass die Politik die kleinen Unternehmen bei der Gründung (unwissend?) und auch beim Wachstum behindert. Durch das Regelwerk, mit dem sie die großen behindern wollen. Das ist ja das Paradoxe daran. Die Manie große Unternehmen einschränken zu müssen macht den kleine Unternehmen die meisten Schwierigkeiten.

xenophobie und fremdenfurcht

in verzerrten märkten erhält der unternehmer nur unsaubere signale vom markt. abzuschätzen, welche produkte (gegenstände oder dienstleistungen) gewünscht sind und sein werden, wird immer schwieriger. der designer mit seiner aussensicht ist in einer günstigeren lage zu erahnen, was nachgefragt sein könnte. er hat es jahrelang, mitunter jahrzehntelang trainiert. wenn es »ein guter« ist. der designer beobachtet die gesellschaft und zieht seine schlüsse. er will wissen, was dahinter stecken könnte und formuliert eine these aufgrund der aktuelle ereignisse keine überraschung mehr sind. er zieht abduktive schlüsse (wenn man es wieder »gelehrt« ausdrücken will). diese fähigkeit kann man auf vieles anwenden.

aktuell könnte man nun der ansicht sein, eine gewissen xenophobie macht sich unter dem volk breit. die gesellschaft, so meint man, ängstigt sich vor den fremden, die da in massen kommen. die »bildungsnahen« schichten sagen: es gibt eine unbegründete xenophobie der wir entgegen arbeiten müssen. sie nennen es »xenophobie«, weil das fachsprachlich ist — es klingt gebildet — es erlaubt, sich vom durchschnittsbürger abzugrenzen, vom »bildungsfernen mob«.

doch xenophobie leitet sich aus dem griechischen ab: xénos »fremder« und phobia »angst«, »furcht«; also fremdenfurcht.
schauen wir genau hin, so mag es manchmal der fall sein, dass man angst vor »dem fremden« hat (was durchaus gelegentlich das überleben sichern kann), aber insgesamt können wir in unserer gesellschaft keineswegs eine große furcht vor den vielen fremden erkennen. es ist vielmehr eine wut, die wir sehen, eine wut einiger (jener »xenophoben«) über die mißachtung der gesetze der gastfreundschaft. grundsätzlich gibt es die bereitschaft zur gastfreundschaft, aber nicht auf kosten der eigenen kultur. diese kultur gilt es vom gast zu achten. ihr muss er sich unterordnen, anpassen, einfügen. das ist kein klein-beigeben und kein unterwerfen, das ist eine frage des anstands.

würden wir nun diesen »bildungsfernen schichten« vorwerfen, sie hätten fremdenfurcht, würden sie widersprechen. sie haben keine furcht vor dem fremden, nicht im großen stil. eher ist es ein fremdenärger, der entsteht, weil man meint seine eigene, mitunter schwer erkämpfte position, aufgeben zu sollen, weil »die anderen« eben »anders« sind. doch wir haben es uns in jahrhunderten und jahrzehnten erarbeitet katholik, protestant oder buddhist sein zu können, ohne dass wir uns täglich bekämpfen. wir akzeptieren und respektieren, dass wir unterschiedliche religiöse positionen beziehen, ohne den anderen als ungläubig zu bezeichnen. wir respektieren sogar personen, die keiner religion angehören, die agnostiker und atheisten. das soll nun nicht mehr wichtig sein? auch nicht die (noch immer auszubauende) gleichstellung der frau? auch die freiheit der sexuellen vorlieben und ihre zur-schau-stellung soll unwichtig sein? unsere traditionen sollen wir aufgeben, unsere speisenvielfalt anpassen? natürlich nicht. niemand würde dem, wenn man es so darstellt, zustimmen und das erreichte über bord werfen.

der ärger der menschen, den wir zeitweilig beobachten können, ist die reaktion auf die angedeuteten, von unserer gesellschaft zu erbringenden anpassungen unserer kultur. es ist keine xenophobie, keine fremdenfurcht, es ist eine wut sich verändern zu müssen — oder zu glauben, sich verändern zu müssen. nehmen wir an, eine vielzahl der unfreiwilligen »gäste« ist dankbar und akzeptiert die hier vorgefundende andere kultur, deren menschen sich ihrer erbarmen. freilich, als guter gastgeber wird man ein wenig die eigene bequemlichkeit zu gunsten des gastes aufweichen, aber keinesfalls aufgeben.

die politik versagt in seinen kernfunktionen — wieder einmal. der politiker erscheint als undankbarer beruf, mir scheint, entsprechend selten wird der nachgefragt. also wundern wir uns nicht, warum basisfunktionen nicht erfüllt werden, zb. die voraussicht (mindestens 50…100 jahre), integrität in so hohem maße, dass sie als vorbild wirkt, besonnenheit und weisheit, etc. stattdessen meint man sich, gelegentlich, in einem »kindergarten der erwachsenen« zu befinden, wenn man diverse berichte aus dem hohen haus und von den pressekonferenzen liest. von umsicht und vorausschau keine rede.

just diese personen, diese politiker, beklagen nun (nicht alle) die reservierte reaktion eines gutteils der bevölkerung, deren ärger gegenüber den neuankömmlingen, die sich (wie gesagt, so scheint es, auch wenn es bloß einzelfälle sind), die sich nicht wie gäste verhalten, die die hier geltenden regeln nicht akzeptieren wollen, im glauben, ihre regeln wären die einzig wahren. der rest der welt sind ungläubige und daher minderwertig.

das problem ist, und damit verschärft sich die situation auf unangenehme weise, dass nur die re-aktion des volkes verurteilt wird und nicht die aktion der gäste. und zwar von »den eigenen«. das empfindet man als ungerecht. das empört. und das führt zur steigerung der wut im volk. es ist die toleranz der »gäste«, die es einzufordern gilt. toleranz ist doch einer unserer werte? das volk wird aufgerufen, diesen wert zu leben, gleichzeitig gestattet man (die politiker, die eliten) es »den anderen« ihn zu negieren.
es ist keine fremdenfurcht, es ist die wut gegen die politiker, die nicht gerecht, und wenn schon ungerecht, dann nicht für das eigene volk handeln. es braucht keine bevorzugung »der unsrigen«, es braucht bloß ausgewogenheit in der behandlung. thomas andreas beck hat dazu einmal einen blogpost verfasst, über zwei kinder, einem schlimmen und einem braven, und darauf hingewiesen, dass sich die eltern auch und insbesondere mit dem schlimmen beschäftigen sollen.

die österreichische geschichte, unsere gene, sind multikulturell. wien ist nach wie vor ein schmelztiegel der nationen und völker. allerdings, aber historiker mögen mich bitte korrigieren, haben sich die hierhergesiedelten immer der aktuellen kultur angepasst und diese, quasi von innen heraus, als österreicher, als wiener verändert. sie haben sie weiterentwickelt; graduell und unter erhalt des bereits erreichten. so war es immer eine bereicherung, weil etwas dazu kam und nichts wünschenswertes und erhaltenswertes aufgegeben werden musste.

heute ist das anders (so hört man gelegentlich): kein christbaum im kindergarten und auch keine gummibären auf der kindergeburtstagstorte, kein schweinefleisch in der wurst, kein martinsfest mit laternen, keine nackten skulpturen im öffentlichen raum, besser kein spätnachts-über-den-praterstern-flanieren, etc.

was wir beobachten ist keine xenophobie, sondern die reaktion des volkes auf die intoleranz der anderen, auf ihre weigerung sich unserer kultur anzupassen (oder auf die wahrgenommene weigerung). würden wir den menschen umgangssprachlich vorwerfen, sie hätten »fremdenangst« würden sie protestieren. stattdessen verstecken wir uns hinter bildungssprache und heißen sie »xenophob«. damit dienen wir nicht der sache. damit schüren wir unverständnis zwischen den gesellschaftsschichten und wut. diese wut macht blind, öffnet den geist für einfache lösungen, formuliert in einfachen worten. und das ist es, was zu befürchten ist.

Alles soll wieder so werden wie es niemals war.

wirklich freie marktwirtschaft herrscht nur in der politik

die politiker warnen uns immer vor der freien marktwirtschaft. aber wovor warnen sie denn wirklich? freie marktwirtschaft bedeutet, dass das passiert, was den beteiligten am angenehmsten ist, der weg des geringsten widerstands. das ist ein prinzip der natur.
ein beispiel: ein gebirgsbach findet selbst den idealen weg ins tal. der mensch als regulierer meint, durch eine flußregulierung zu entschärfen und verschlimmbessert damit oftmals.
die politiker meinen auch, sie müssten die wirtschaft regulieren. bei einem unwetter aber kommt es umso dicker.
dabei funktioniert die politik letzlich selbst genauso, wie die von den politikern gefürchtete freie marktwirtschaft, nämlich frei und maximierend, zügellos und entfesselt, kurz unreguliert. die währung der, nennen wir es politwirtschaft, ist die wählerstimme. je mehr, desto besser. der politiker ist gierig nach dieser währung, genauso wie es dem »kapitalisten« bezüglich geld nachgesagt wird. der politiker tut alles für mehr politwährung, er lügt dem volk die hucke voll, dass sich die balken biegen. das wahlvolk lässt es sich gefallen, es ist ja bereits zu stimmvieh degeneriert, denn die politik weiß, wie es gelingt, passende einnahmenquellen (wählerstimmen) zu generieren. kein wunder, dass niemand, der an den hebeln der macht sitzt, das schulsystem reformieren will. diese »politkapitalisten« bedienen sich ungeniert und würden niemals eine regulierung dieser politwirtschaft zulassen. sie müssten sie ja selbst gestalten.
kein fluss der welt würde sich selbst regulieren, einengen, sich seiner kräfte berauben lassen. also leben wir weiterhin mit politüberschwemmungen und politkatastrophen, bis es dem wahlvolk gelingt, über den köpfen der politiker hinweg, erkenntnis zu erlangen, zu verstehen, dass es so wie bisher, rein logisch, nicht weitergehen kann.
und dann? revolution!?

das hätte ich schon vor über drei jahren veröffentlichen können – ich tat es nicht. heute passt es immer noch. vielleicht sogar besser.

die diskursunfähigkeit unserer tage

es ist ein problem der diskursfähigkeit.
man will manche ansichten nicht hören und negiert sie. dieses »überhören« führt wiederum dazu, dass diese ansichten verstärkt, zugespitzter, polemischer formuliert werden. auch diese werden — nun erst recht — zurückgewiesen. bis dann der ärger eines diskussionspartners so groß ist und das thema drastisch verkürzt — und dabei vereinfacht — präsentiert wird. als lösung.
es erinnert mich an einen defekten analogen lautstärkeregler. man will leise musik hören. man stellt das radio damit leiser, ein klein wenig noch. oh, jetzt ist es zu leise, ein interessanter beitrag. also versuche ich zart wieder etwas lauter zu stellen. doch das radio reagiert nicht. ich drehe den regler nur ein wenig nach rechts, aber es verändert sich nichts. es bleibt leise. ich drehe also vorsichtig ein wenig weiter nach rechts. nichts. also mit etwas mehr »ruck« und — zack — jetzt ist es viel zu laut. das radio plärt mir die nachrichten ins ohr. ein radio kann ich recht schnell wieder leise stellen, aber wie ist es mit einer gesellschaft?
man möchte, wenn man sich diverse diskussionen anhört, den regler ein klein wenig »nach rechts« drehen. sagen wir in die 1970er oder 1980er jahre. wir aßen damals noch »mohr im hemd«, schleckten »eskimo-eis«, kauften im zuckerlgeschäft »negerbrot« und andré heller wollte noch »ein zigeuner sein«. doch das klein-wenig-nach-rechts drehen funktioniert nicht. der regler ist nicht mehr fein genug, abgenutzt, erlaubt diese nuancierte, kontrollierte rechtsjustierung nicht. erlaubt nicht einmal eine darlegung und zerlegung der fakten, denn manche dieser fakten kann man eben gut als »politisch unkorrekt«, als diskriminierend, als einschränkend bezeichnen (was hermeneutisch meist offensichtlich falsch ist). also, anstatt dass man sich mit einer problematik ausführlich auseinandersetzt, begriffe und ihren gebrauch und bedeutungsumfang definiert, anstatt dass man unterscheidet zwischen den vielfältigen sonderfällen (heute heisst es »einzelfälle«) und dann ein differenziertes, sauber gedachtes ergebnis präsentiert, blockt man »von links« alle diskussion ab. man errodiert diesen lautstärkeregler, sodass eine feinjustierung nicht mehr möglich ist. die »musik« wird immer leiser, dh. der bürger fühlt sich immer weniger verstanden und will immer vehementer korrigieren, nur ein wenig lauter. geht nicht. hoffentlich wird es nicht abrupt laut. zu laut!
übrigens ist mir aufgefallen, dass dieses phänomen des eingrabens in eine position auch im alltag jedes menschen vorkommt. bei mir jedenfalls kann ich feststellen, dass man gelegentlich in einer diskussion in eine position gedrängt wird, die man dann auch noch verteidigt, obwohl man gar nicht vollständig damit übereinstimmt. man wird von den mit-(gegen?-)diskutanten förmlich an dieser position in den boden gepresst.
das ist ein symptom der diskursunfähigkeit.
und zwar der eliten!
am stammtisch wird geredet, das ist die eine sache, aber die eliten sollten besonnen agieren und sauber argumentieren. doch der stammtisch hat sich vergrößert. »die welt« (das internet, facebook, you-name-it) ist heute für viele dieser stammtisch. sie ist also deutlich größer geworden, diese »stammtisch-runde«, dabei kaum wissender. umso wichtiger ist es, dass wir uns im differenzierten, fakten analysierenden denken und diskutieren üben. welch eine wunderbare chance steht hier bereit ergriffen zu werden: man stelle sich vor, die menschheit diskutiert, in großer breite, besonnen die themen des alltags und man findet ein argumentatives ergebnis, das alle verstehen und dem alle zustimmen. eine utopie, gewiss, aber tendenziell realisierbar. heute »mehr den je«.

wehrt euch! kauft nicht bei …

der artikel von rené f. lichtschlag den ich gestern erhielt, drängt mich zu diesen zeilen:
die warnung, dass es wieder so kommen könnte wie einst, wenn wir nicht genug aufpassen, ist berechtigt. das problem ist, dass viele der warner sich selbst nicht beobachten und den gleichen mechanismen verfallen, die damals das unglück über die menschen brachten.
im moment scheint es so, als bekäme deutschland eine so schwere linke schlagseite, dass es demnächst nach links kentert. meistens versinkt ein schiff dann.
die unkenntnis der geschichte, das wenig-in-frage-stellen aktueller vorgänge und vor allem, das den anderen vorgehaltene, dabei selbst praktizierte vereinfachen der umstände, machen besorgt über unsere zukunft.
die freiheiten — für die sich unsere eltern und großeltern einsetzten — werden leichtfertig geopfert, im sinne einer vereinfachung und aus unverständnis. die höchsten güter sind die gedankenfreiheit, die freiheit über den eigenen körper bestimmen zu können, das eigentum. schleichend — gemäß der salamitaktik lesen wir im artikel — wurden diese freiheiten beschränkt. mit großem applaus gegen die raucher, dann gegen die homophobie, jetzt gegen andersdenkende. achja, hat es nicht mit der angurtpflicht begonnen? der staat nimmt dem bürger eigenverantwortung, weil dieser scheinbar nicht in der lage ist, über sich selbst zu bestimmen.
es scheint so, als ob die gesellschaft (oder sind es bloß die eliten) sich bereits so weit nach links lehnt, dass jede links-mitte-bemerkung als rechts markiert werden kann (was sie ja aus dieser stark-linken, vielleicht sogar links-extremen, sicht ist). diese tatsache, dass eine gemäßigt linke aussage rechts einer links-extremen aussage erscheint, paart sich nun mit der vereinfachung, dass jede rechte äußerung von einem rechten getan wird. es wird weiter vereinfacht: jeder rechte ist ein nazi. und jetzt tappt die linke elite in die falle. statt eine meinung als meinung stehen zu lassen, wird diese – weil sie nicht zum eigenen weltbild passt und weil sie argumentativ vielleicht nicht auszuhebeln ist – als schädlich und daher verboten markiert. denkverbot!
die warnung der libertären (»liberal« kann man kaum mehr verwenden, weil es mitunter mit »liberal socialists« in den USA, also den linken, verwechselt wird), dass mit dem rauchverbot das denkverbot vorbereitet wird, bewahrheitet sich in diesen wochen. wenn der staat, die eliten, der meinung sind, nur sie wüssten, was dem körper des bürgers gut tut, und müssten daher auf sein wohlbefinden durch verordnung achten, dann ist es nur logisch, dass sie dasselbe bei den gedanken der bürger und mit den diese einfärbenden texten machen: kontrollieren und verbieten.
das ergebnis: bei jeder aussage (auch bei diesen zeilen hier) überlegt man die auswirkungen in einer verwirrten und wütenden gesellschaft, die mittlerweile unfähig erscheint einen komplexen gedankengang ohne vorurteil zu durchdenken, zu erweitern, zu widerlegen. der reflex ist simplifiziert. es klingt rechts, es ist nazi, daher muss man es verbieten. jedes wort wird mit der messlatte der politischen korrektheit geprüft. dabei wird die messlatte laufend kürzer — die wörterinnen immer länger und unverständlicher.
zeit sich zu besinnen! ein diskurs ist sonst nicht mehr möglich.
es gibt meinungen und ansichten, man kann sie teilen oder eben nicht. aber man soll sie gelten lassen. wer denkverbote ausspricht, bereitet einer welt den boden auf, die er ja eigentlich verhindern will. man bedenke, dass sich links und rechts, auf einem kreis angeordnet, berühren. oder erkenne ich den unterschied zwischen stalin und hitler in bezug auf ihre gewalttaten nicht?

wohlstand trotz regierung

eigentlich ist es ein wahnsinn. in meiner kindheit und in meiner ersten erwachsenenhälfte kauften wir die wurst zuerst beim fleischhauer (metzger, für die deutschen leser), später bei der wursttheke im supermarkt. neuerdings öffnen wir vakuumverpackte vorgeschnittene ware. nicht alle, aber viele, ich behaupte die meisten menschen machen das. keine frisch aufgeschnittene und in wurstpapier verpackte wurst, sondern diese industriell verpackte ware – industriell gefertigt wird ja die wurst schon seit längerem (zumindest für uns »zivilisierte«).

jetzt fragt sich der designer, warum ist das so?

spontan lautet die antwort: weil die menschen heute keine zeit mehr zum einkaufen haben, weil sie es eilig haben, keine zeit beim warten an der wursttheke verschwenden wollen (die wegezeit von einem geschäft zum anderen spart man sich schon längst und kauft im supermarkt ein) und daher lieber ein packerl aus dem kühlregal nehmen.
denkt man aber etwas länger darüber nach, so könnte man auch den schluß ziehen, dass der skalierungsdruck, dem die unternehmen ausgesetzt sind, diese tatsache erzwingt.
kleinst- und kleinunternehmen (sagen wir gewerbetreibende) können den regulierungswahnsinn des gesetzgebers weder zeitlich noch finanziell stemmen. der kleinunternehmer kennt sich in den immer komplexer werdenden regelsystemen nicht mehr aus, hat nicht die zeit, sich darin einzuarbeiten (es sind zu viele und er will ja auch seinen beruf ausüben) und stellt daher berater ein, die ihm weiterhelfen (steuern, recht, …). das ist teuer. manchmal zu teuer und daher legt man die gewerke am besten zusammen. eine bäcker-kette kann sich einen berater eher leisten, als fünfzig bäcker fünfzig berater.

also gut, daher supermärkte statt einzelhändler, daher wenige große supermarktketten als viele kleine.

doch der gesetzgeber gibt nicht auf. mehr regeln, mehr vorschriften, mehr gehalt und die kundschaft will oder kann nicht mehr bezahlen.

um uns den wohlstand (z.b. die große wurstauswahl) zu erhalten, ersinnen die unternehmer und manager immer neue optimierungen und steigern ihre effizienz, sodass der preis konstant bleibt oder sinkt. also keine wursttheke mehr, daher keine angestellten. vorverpackt, damit weniger abfälle, weil ja die vor-aufgeschnittene, aber nicht verkaufte wurst nicht entsorgt werden muss. hygienisch ist es obendrein, denn auch eine einzige zentrale stelle (die fabrik) ist leichter vorschriftsgemäß einzurichten und vorschriftsgemäß sauber zu halten als viele dezentrale orte.

man bedenke wieviel 10 dekagramm wurst kosten müssten, wären mehrere wurstverkäufer angestellt, die an einer wursttheke arbeiten, damit die wartezeiten (auch in spitzenzeiten) relativ gering gehalten werden (eine person ist zu wenig, es müssten mehrere mitarbeiter sein). die kosten für die angestellten müssen auf den materialpreis aufgeschlagen werden. dazu die kosten für die vorschriftsgemäße und arbeistinspektoratskompatible wursttheke und ihr umfeld. keine frage, wir wollen hygienisch einwandfreie situationen, aber es besteht zweifel, ob die geltenden vorschriften immer diesem ziel dienen. am ende ist es eine luxuswurst für wenige, also ein wohlstandsverlust.
bis jetzt gelingt es den unternehmern unseren wohlstand zu erhalten. wie lange noch?

ps: was bringt diese notiz? ist es wert, darüber zu reden/schreiben oder geht es uns ohnehin bestens? lohnt der aufwand, darüber nachzudenken? ich weiß es nicht. was sagt der leserin dazu?

täuscht euch nicht!

die nächste diktatur hierzulande wird keine gewaltherrschaft sein, es wird eine psychoherrschaft. 

das volk, also wir, werden für ideale einstehen, ohne zu überlegen (unfähig zu überlegen), ob wir auch wirklich dafür stehen. wir glauben das gesagte und exekutieren selbst. 

wir werden, von oben gelenkt, uns selbst die hölle heiß machen, wenn jemand nicht denkt, was gewünscht ist. 

wir werden, von oben gelenkt, eigenhändig die unerwünschten systemkritiker entfernen und mundtot machen. 

wir wissen heute schon, von oben gelenkt, dass wir die gerechten sind, jene, die einzig recht haben, die wahrheit wissen und also zu jenen gehören, die gut sind.
die anderen, die bösen, sollen nicht denken, nicht reden, nicht handeln, denn die verhalten sich nicht politisch korrekt. p_o_l_i_t_i_s_c_h__k_o_r_r_e_k_t heisst politisch richtig, der verbindlichen politischen verhaltensnorm entsprechend. woher kommt diese politik? 

die katastrophe wird sein, dass wir selbst exekutieren und daher keinen aussenfeind haben werden. wir werden es nicht merken, weil wir uns selbst (frei-?)willig unser recht auf eine eigene meinung abseits der verbindlichen politischen verhaltensnorm absprechen. wir werden keine sprache mehr dafür haben, weil manche worte (entsprechend dieser norm) nicht mehr gebraucht werden dürfen. »1984« findet 35 jahren später statt und »the circle« ist disneyland dagegen.

liberal oder zwang? wer, wen?

ein wahrer liberaler geist erlaubt es auch einem radfahrer, freihändig und sich nase schneutzend in drei meterabstand vor einem 15-t-autobus herzufahren. er geht davon aus, dass der mensch (der radfahrer) imstande ist eigenverantwortlich zu handeln und also weiss, dass eine kleine bodenunebenheit den höchstwahrscheinlichen tod nach sich zieht. so ein bus steht nicht nach drei metern und ein überrollen …, naja. ich stelle mir dann die frage, ob es erlaubt ist, dem busfahrer so eine option anzubieten. will man das erleben, unschuldig und freigesprochen einen radfahrer zerquetschen? will man damit leben? und ist es legitim, diese verantwortung des radfahrerlebens dem busfahrer aufzuzwingen?

gegen die großen ist gegen die kleinen

die plünderer schwingen große worte: »die großen konzerne bezahlen keine steuern« – ›das haben wir zwar so eingefädelt, aber nun beschweren wir uns mächtig‹ – und ändern die gesetze.
was passiert?
z.b. ist amazon nun gezwungen, wie man mir als kindle-autor mitteilt, die mehrwertsteuer des käuferlandes anzuwenden, anstatt des verkäuferlandes; also 19 oder 20% oder 23% statt der 3% in luxenburg. die folge: nicht amazon verliert, sondern der einzelne, der autor oder der leser, denn, so erklärt man mir im brief:
Die Tantiemen werden weiterhin auf Grundlage des Listenpreises ohne Mehrwertsteuer berechnet. Der Betrag, der aufgrund der Mehrwertsteuer hinzugefügt wird, hängt vom Land ab, in dem der Kunde seinen Wohnsitz hat. Wenn ein Buch beispielsweise auf Amazon.co.uk für 6,00 £ (Preis inkl. Mehrwertsteuer) angeboten wird, wird für britische Kunden der Mehrwertsteuersatz in Großbritannien von 20 % angewendet. Die Tantiemen errechnen wir in diesem Fall auf Grundlage von 5,00 £. Der Mehrwertsteuersatz für Irland von 23 % wird nur auf Käufe aus Irland angewendet. Ein irischer Kunde sieht zwar weiterhin den Preis von 6,00 £, wir berechnen die Tantiemen jedoch anhand des Listenpreises exklusive Mehrwertsteuer. Nach der Berücksichtigung des Mehrwertsteuersatzes für Irland von 23 % lautet der Betrag für die Tantiemenberechnung also 4,88 £.
das ist nicht amazons schuld, das ist die gesetzliche vorgabe, die am 1.1.2015 EU-weit in kraft tritt. die plünderer behaupten, es gehe darum, dass die großen unternehmen steuern bezahlen, in wahrheit aber berauben sie mit ihren maßnahmen den einzelnen, den bürger; entweder indem jetzt der brutto-verkaufspreis des buches höher oder die netto-tantiemenbasis für den autor niedriger ist. daher die bezeichnung: plünderer.
aber vielleicht habe ich da nur etwas übersehen. bitte um entsprechende hinweise.

der staat macht es sich leicht.

heute spricht mich eine vertreterin vom WWF an, ob ich kurz zeit habe. — nein. — es wäre wichtig, es ginge um unser wasser. — diese thematik ist zu komplex, wasserversorgung, so antworte ich, das habe ich (zwangsweise) delegiert an die verwaltungsbeamten unseres staates. wenn sie von mir geld für ihr engagement haben will, dann müsste man die steuerzahlung verringern. ansonsten würden wir ja für eine zu erbringende leistung doppelt bezahlen. — ob das funktioniert, glauben sie?
der staat macht es sich leicht. er kassiert geld für in aussicht gestellte leistung (steuereinnahmen für die bereitstellung diverser staatlicher services), erbringt diese leistung aber nicht in gewünschter qualität. das ruft NGOs und andere hilfsorganisationen auf den plan, denn man muss etwas tun und die dinge zum besseren wenden. diese organisationen brauchen geld, das sie durch spenden wieder vom bürger erhalten (ausschließlich, denn die staatlichen zuschüße sind, erraten, steuergeld).
der staat macht es sich leicht. er schürt angst vor privatiserung und lässt dann doch NGOs, also private organisationen, die arbeit erledigen. die NGOs bemühen sich nun um das jeweilige thema (wasserschutz, medizin, bildung, etc) und die bürger bezahlen doppelt: einmal die steuern für geringe leistung an den staat (= die verwaltung, die politik) und zum zweiten die spende für die finalisierung, die tatsächlich notwendige leistung. zeit, dass sich da etwas ändert.
der denkfehler in der sozialistischen argumentation ist, dass man meint, es stehe dem staat nach der privatisierung diverser services die gleichen steuereinnahmen zu wie davor. ganz sicher nicht. erbringt der staat weniger leistung, dann bekommt er auch weniger dafür bezahlt, also weniger steuereinnahmen. diese mittel werden beim bürger frei, um sich am freien markt die ehemals vom staat schlampig erbrachten leistungen einzukaufen. nachdem es ein freier wettbewerb (!) wäre, würde die qualität steigen, denn der kunde (der bürger) kann wählen. franz böhm sagt dazu: »der wettbewerb ist das großartigste und genialste entmachtungsinstrument.« klar, dass das der herrschenden kaste (den politikern und verwaltungsbeamten) nicht recht ist.
der staat macht es sich zu leicht. 

was »er« von uns bürgern hält

alle jahre wieder erinnert uns “der staat” daran, was er von uns bürgern hält: offensichtlich sind wir eine bagage von betrügern. das pickerl lässt sich nicht einfach ablösen und ist dann unbrauchbar (damit es nicht in unterschiedlichen autos verwendet werden kann), nein, es lässt sich fast nicht ablösen und zerstört sich in 10.000 teile, die man mühsam von der vorgeschriebenen stelle (hinter/unter dem rückspiegel) mit spezialgerät unter extra verrenkungen abschaben muss. quasi eine art sisyphos-strafe (griechisch Σίσυφος), die jährlich wiederholt werden muss. — ja eh, man muss ja nicht auto fahren. mit dem rad kommt man auch zum semmering.

mariahilferpropaganda

zum jahresausklang noch schnell ein paar texte, die übriggeblieben sind (zb von anfang mai:

propaganda hat ja einen negativen beigeschmack, vielleicht zu recht, aber tatsächlich meint es bloß: die »systematische Verbreitung politischer, philosophischer und anderer Lehren, Ideen, Meinungen mit dem Ziel, das öffentliche Bewusstsein dahingehend zu beeinflussen« oder »die Verschleierung der wahren Ziele dienende politisch-ideologische Beeinflussung« (aus dem digitalen wörterbuch deutscher sprache). so gesehen passt dieses wort perfekt auf das, was wir hier erleben.

im newsletter 2/2013 der (»grünen«) stadt wien las ich folgenden bemerkenswerten absatz:

»[…] Man muss nicht weit gehen, um zu sehen, dass die Kombination von FußgängerInnen und Busverkehr funktioniert: seit Jahren fährt der 13A in der Neubaugasse zwischen der Lindengasse und der Mariahilfer Straße in einem Straßenraum, der ansonsten Zufußgehenden und Radfahrenden vorbehalten ist. […]«

HAHAHA, da geht ja niemand auf der straße. zum einen, weil es die straße ist, zum anderen, weil es viel zu gefährlich wäre, weil der bus keineswegs in schritttempo hinuntersaust. wieso schreibt man einen so offensichtlichen blödsinn? dieser bereich der neubaugasse ist eine straße mit eingeschränktem verkehr und keine fußgängerzone, keine wohnstraße, keine … – jedenfalls ist es mir nicht bekannt, dass es dort erlaubt wäre, mir nichts dir nichts auf der straße herumzutorkeln. auch die radfahrer haben für die fahrt gegen die einbahn einen eigenen streifen. definitiv kein »shared space«.  und das wissen die für den text verantwortlichen. man will uns also etwas vorgaukeln.

belegt wird das von einem textteil weiter unten »[…] In Wien gibt es bereits für RadfahrerInnen geöffnete FußgängerInnenzonen (z.B. innere Favoritenstraße, Tuchlauben) – weitgehend ohne große Konflikte. […]«.

zum einen fällt hier dieser genderwahn schon äußerst ungünstig auf (wie lächerlich kann man sich eigentlich machen?), zum anderen wundere ich mich über diese formulierungen: weitgehend deutet darauf hin, dass es doch vorkommt, und ohne große heißt wohl, dass es kleine konflikte gibt. zum dritten wundert einem natürlich, dass es überhaupt notwendig erscheint auf dieses faktum hinzuweisen. man weiß also sehr wohl, dass es gelegentlich große konflikte gibt. und häufig kleine. freilich verabsäumt man zu erläutern, was klein und groß hier meint. ein großer konflikt ist ein verkehrstoter bei einem radzusammenstoß? und die von einer radfahrerin geschreckte pensionistin ist ein kleiner konflikt?

»er ist wieder da« von timur vermes. sehr lustig! (und nachdenklich stimmend)

image

es braucht ein jahr bis ich das aufschreibe, notiert hatte ich diese rezension bereits am 26.12.2012. aber ich möchte das mitteilen.

ich bekam das buch voriges jahr zu weihnachten geschenkt und las es in zwei tagen. es war köstlich. ich habe phasenweise so lachen müssen, dass mir die tränen kamen. timur vermes versteht es, hitlers schreib-/sprachduktus anzudeuten (wie wir uns hitler vorstellen könnten) und nutzt dabei die »kunstfigur«, um uns unsere, für den führer »schwachsinnig« erscheinende welt vorzuführen. erschreckenderweise ist einiges wahres dran, an der kritik des führers.

so schafft es vermes ganz langsam eine art sympathie für den hauptdarsteller seines romans entstehen zu lassen, dabei alle greueltaten auszublenden. sobald man sich dieser »sympathie« bewusst wird schaudert es einem.

vermes zeigt uns gleichzeitig damit, dass der zustand der heutigen gesellschaft wieder idealen nährboden für solche demagogen darstellt; blödheiten im fernsehen (»[…] aus dem mund des sprechers aspekte des weltgeschehens verbreitet wurden; es war, als bezöge man seine informationen aus dem herzen einer irrenanstalt. […]«), politiker ohne persönlichkeit, ohne charisma, ohne integrität, charakterlos (»[…] da sieht das volk tag um tag deutlicher, welche laiendarsteller hier an verantwortlichster position vor sich hin dilettieren dürfen. was mich wirklich nur verblüfft, ist, dass nicht schon längst millionen mit fackeln und heugabeln vor diese parlamentarischen schwatzbuden ziehen, den aufschrei im munde: »was macht ihr mit unserem geld???« […]«).
es scheint, als wäre es nur eine frage der zeit. hoffen wir auf kollektives bewusstwerden.

das buch jedenfalls ist wärmstens zu empfehlen, eine amüsante unterhaltung auf jeden fall, und eine anregung, um über den zustand und die entwicklung unserer gesellschaft nachzudenken. wahrscheinlich reicht es, wenn wir uns nur gewahr werden, dass wir als gesellschaft langsam wieder bereit wären, jemanden auf den leim zu gehen, weil der aktuelle zustand dem einzelnen keine perspektive gibt, die sich aber die menschen wünschen. heute sagen wir leadership dazu.

wirklich freie marktwirtschaft herrscht nur in der politik

die politiker warnen uns immer vor der freien marktwirtschaft. aber wovor warnen sie denn wirklich?

freie marktwirtschaft bedeutet, dass das passiert, was den beteiligten am angenehmsten ist, der weg des geringsten widerstands. das ist ein prinzip der natur.

ein beispiel: ein gebirgsbach findet selbst den idealen weg ins tal. der mensch als regulierer meint, durch eine flußregulierung zu entschärfen und verschlimmbessert damit oftmals.
die politiker meinen auch, sie müssten die wirtschaft regulieren. bei einem unwetter aber kommt es umso dicker.

dabei funktioniert die politik letzlich selbst genauso, wie die von den politikern gefürchtete freie marktwirtschaft (die es so ohnehin nirgends auf der welt gibt, nur in der politik), nämlich frei und maximierend, zügellos und entfesselt, kurz unreguliert. die währung der, nennen wir es politwirtschaft, ist die wählerstimme. je mehr, desto besser. der politiker ist gierig nach dieser währung, genauso wie es dem »kapitalisten« bezüglich geld nachgesagt wird. der politiker tut alles für mehr politwährung, er lügt dem volk die hucke voll, dass sich die balken biegen. das wahlvolk lässt es sich gefallen, es ist ja bereits zu stimmvieh degeneriert, denn die politik weiß, wie es gelingt, passende einnahmenquellen (wählerstimmen) zu generieren. kein wunder, dass niemand, der an den hebeln der macht sitzt, das schulsystem reformieren will. diese »politkapitalisten« bedienen sich ungeniert und würden niemals eine regulierung dieser politwirtschaft zulassen. sie müssten sie ja selbst gestalten.

kein fluss der welt würde sich selbst regulieren, einengen, sich seiner kräfte berauben lassen. also leben wir weiterhin mit politüberschwemmungen und politkatastrophen, bis es dem wahlvolk gelingt, über den köpfen der politiker hinweg, erkenntnis zu erlangen, zu verstehen, dass es so wie bisher, rein logisch, nicht weitergehen kann.

und dann? revolution!?

mariahilferstraße neu in action.

tag 2 des experiments.

beide tage habe ich die mariahilferstraße besucht, zwangsläufig.
die straße ist ruiniert, wirkt chaotisch und unordentlich. die wenigen menschen, die aufgrund des freitag-fenstertags da waren, benutzten alle den gehsteig. die straße wirkt aufgrund der vielen verwirrenden linien nicht sehr einladend. aber wozu soll man auf der straße gehen, wenn man in die schaufenster sehen will, dinge besorgen muss.
der bus quält sich durch das teilstück der einkaufsstraße, das allein eine echte fussgängerzone ist, der kleine rest der fahrbahn, der für fußgänger und fahrräder gedacht ist, ist so schmal, dass man ihn mit einem radweg verwechselt (ecke kirchengasse). und an beiden enden der fußgängerzone eine ampel für fußgänger. das heißt, einen meter links und ich habe als fußgänger rot und darf die straße nicht überqueren, einen meter rechts und ich befinde mich auf der fußgängerzone und darf also queren.
schilder erklären das verbot und seine ausnahmen. das lesen von james joyce ist einfacher und kürzer 😉 – in relation zu üblichen verkehrsschildern.
die lebensqualität müssen sie uns noch erklären, die sie erhöht haben durch diese maßnahmen. aus dem gerngroß tönt satte pop-musik, vermutlich um die drückende stille der mariahilferstraße erträglicher zu machen.
aber die mehrheit hat sich diese regierung, diese art der bevormundung »demokratisch« gewünscht. die mehrheit der anrainer wünscht offenbar, dass wien wieder etwas mehr von seinem charme ende des 19 jahrhunderts zurück bekommt. damals, man sieht es auf den manipulativen bildern, die die ganz alte mariahilferstraße zeigen, waren kaum autos unterwegs. man sieht auf diesen bildern passante und lieferanten mit handwagen, pferdefuhrwerke und dann und wann ein lastwagen oder ein automobil, die sich die breite mariahilferstraße teilten – shared space ist eine erfindung aus 18xx. damals ging es den leuten auch noch gut, oder? die einen schufteten in den ziegelwerken am wienerberg, die anderen genossen die lebensqualität in neubau. die hinterhöfe zeigt man auf diesen bildern nicht.
die mehrheit hat sich diese regierung gewünscht. was also könnte der plan dieser bezirkspolitiker sein? die denken vielleicht viel weiter als wir: 20, 50, 100 jahre? heute schon fehlen die kleinen geschäfte auf dieser inneren mariahilferstraße. sie konnten sich die bisherigen mieten nicht mehr leisten. das wird sich vielleicht ändern, weil die strasse wirkte die beiden tage unerträglich für mich. also fuhren wir (mit dem auto) zum beginn der äußeren mariahilferstraße, parkten und promenierten stadtauswärts. tatsächlich, meine lebensqualität ist gestiegen. ich war schon lange nicht mehr auf der äußeren mariahilferstraße. urbanes leben, ein paar autos fahren, die straßenbahnen, am gehsteig begegnen sich die menschen, ein paar sitzen in kleinen schanigärten, nur ein paar tische, nicht diese massengastgärten, die wir vom graben, kärntner strasse und auch der inneren mahü kennen. das beste aber waren die vielen kleinen geschäfte, die es dort gibt. kleine gaststätten unterschiedlicher internationaler küchen laden ein neues auszuprobieren, eine kleinteilige geschäftsstruktur lädt zum einkaufen ein. ich fand es prima. beim heimweg gönnten wir uns eine hühnerschnitzelsemmel; das lokal blitzsauber, die semmel üppig gefüllt und der preis überraschend moderat. so etwas gibt es in neubau nicht, da hätten wir locker das doppelte dafür bezahlt.
in der tat, die neue innere mariahilferstraße steigert die lebensqualität. so lernt man anderes kennen, gar nicht so weit weg: die äußere mariahilferstraße.
vielleicht glauben wir nur, die politiker hätten keinen plan. dabei ist dieses von (nur scheinbaren) dilettanten verursachte chaos und diese mutwillige verkehrsbehinderung eine raffinierte und subtile methode die menschen in andere regionen der stadt umzulenken. danke, herr und frau bezirksvorsteher und frau verkehrsvizebürgermeister.

»vom systemtrottel zum wutbürger« ist der quell einer neuordnung: UNBEDINGT LESEN und weiterempfehlen!

image 

wieso? vor mehr als 20 jahren entdeckte ich henry david thoreaus werk, zuerst »über die pflicht zum ungehorsam gegenüber dem staat« und dann »walden«. diese bücher beeinflussten mein damaliges studenten-ich nachhaltig und machten mich unbequem (gegenüber anderen und auch gegenüber mir selbst). 

die jahre des selbständig arbeitens (innerhalb unseres systems) verschleierten diese eindrücke des guten lebens, wie es uns thoreau beschrieb (insbesondere in »walden«) bis zu einem besonderen abend ende 2011:

schulak und taghizadegan stellten damals ihr neues buch »vom systemtrottel zum wutbürger« in der wiener buchhandlung morawa vor. überzeugten durch ihre ehrliche präsentation, ihre beschreibung der kämpfe, die sie selbst erlebten, bei den versuchen sich vom hamsterrad zu lösen. sie meinten, sie hätten es vielleicht geschafft, aber sicher nicht vollständig, sie hängen noch immer mit dem kleinen finger und dem kleinen zeh im hamsterrad. 

das buch »vom systemtrottel zum wutbürger« ist zum einen anleitung, wie man ein guter systemtrottel wird (also jemand, der brav im system mit der masse mittrottet) und zeigt zum anderen, nachdem man nun erkennen kann, welch ein guter systemtrottel man bereits ist, mit welchen überlegungen und verhaltensänderungen man sich aus diesen verstrickungen mit dem system wieder lösen könnte. freilich muß jeder seinen eigenen weg heraus finden. das buch aber ist hervorragend geeignet einem erst einmal die möglichkeit zu geben diese verstrickungen zu erkennen. wir meinen, wir seien frei und herr unseres lebens in dieser region unserer welt. ha!, wie lächerlich diese meinung erscheint, nachdem man den ersten teil gelesen hat.

beim lesen des buches wird einem mit erschaudern klar, dass dem bei weitem nicht so ist. im folgenden wird diese aufkeimende vermutung durch die tägliche politikberichterstattung – die man nach dem lesen des buches mit anderen augen sieht – doppelt und dreifach unterstrichen bestätigt.

der erste abschnitt, die anleitung zum guten systemtrottel ist eine herausforderung an den leser. schnell erkennt man, selbst wenn man sich als kritischen geist, als fast ein wenig revolutionär einschätzt, dass man bereits mindestens zu 80, vielleicht sogar zu 90% guter systemtrottel ist. wenn man diesen teil des buches tapfer erträgt und durchhält, auf dass man zur gänze erkennt, dann folgt die erlösung im abschnitt über den garten, die grobe skizze eines plans, wie es besser gehen könnte. das regt zum tiefen nachdenken an. plötzlich wird vieles klar und einiges unwichtiger während anderes drastisch an bedeutung gewinnt.

und auf einmal sind sie wieder da, thoreaus gedanken, die mich einige zeit vor und am beginn der selbständigkeit begleiteten: »die beste regierung ist jene, welche am wenigsten regiert.« »muss der bürger auch nur einen augenblick, auch nur ein wenig, sein gewissen dem gesetzgeber überlassen? wozu hat denn dann jeder mensch ein gewissen?« [eine gute zusammenfassung]

ich stolpere über bemerkungen wie zb jene von christian thomasus: »je weniger geschriebene gesetze es gibt, und je allgemeiner und einfacher sie sind, desto besser sind sie. je mehr gesetze, desto mehr streit …«
und die »wiener schule« gewinnt an bedeutung in meinem denken.
das buch hat verschüttete werte wieder freigelegt und zugängig gemacht, ergänzt und erklärt. es motiviert und macht zuversichtlich.

deshalb ist »vom systemtrottel zum wutbürger« der quell einer neuordnung.
deshalb prädikat: UNBEDINGT LESEN und weiterempfehlen!

fußgängerzone im 7ten?

heute abend ging ich über die mariahilferstraße spazieren. enorm breite gehsteige, menschen eilen nach hause, autos zuckeln stadteinwärts. städtisches getriebe. es war nicht mehr allzuviel los und die gehsteigen waren luftig gefüllt. ich stellte mir vor, wie das wohl aussehen würde, wenn es eine fußgängerzone wäre – öde. der sprung wird wohl ähnlich drastisch sein, wie seinerzeit die oberirdische fußgängerfreundliche straßenbahn durch die unterirdische durch die stadt hetzende u-bahn ersetzt wurde. abgesehen davon, dass die beiden ausgänge einer station früher der abstand zweier straßenbahnstationen war (dh die versorgung hat abgenommen) kann ich nun nicht einmal aus dem straßenbahnfenster sehend inspiriert werden ein geschäft zu besuchen – ich sehe die geschäfte aus der u-bahn nicht mehr.
ich stelle mir also vor, die mariahilferstraße ist eine fußgängerzone und denke an die ödnis dieser riesenbetonfläche auf der sich die wenigen menschen, die heute um 18:00 noch unterwegs waren verlieren. wie das am wochenende aussieht? ist ja jetzt schon wüst.
es gibt da eine politische idee, die lautet: das leben in der stadt muß wieder lebenswerter werden.
man meint, wenn die innere mariahilferstraße eine fußgängerzone wäre, wäre sie lebenswerter.
der siebente bezirk ist ein beliebter bezirk. man findet nur schwer ein wohnung, insbesondere eine, die man sich leisten kann. also 12 €/qm wäre schon ein guter wert. wenn ein bezirk gerne besiedelt wird, weil die nachfrage nach wohnungen größer ist als das angebot und damit die mieten steigen, könnte man daraus schließen, dass es menschen gibt, die das lebenswert empfinden.
es gibt andere bezirke mit niedrigeren mieten. da wollen die menschen lieber nicht wohnen. das bleibt dann für die weniger begüterten und für die helfer aus dem ausland über.
wo sollte man nun investieren? in einem bezirk mit hohen mieten (weil von vielen lebenswerter eingeschätzt) oder in einen bezirk mit niedrigen mieten (weil eher gemieden)?
verbessert man die lebensqualität in einem bezirk, der bei den mietern schon den ruf des lebenswerten hat, dann macht man diesen bezirk noch beliebter.
was könnte die folge sein? mehr nachfrage.
ich habe kein wirtschaftsstudium absolviert, aber mehr nachfrage treibt die mieten nach oben, oder?
die der wohnungen, ist ja nun lebenswerter, mit den cafes und den bäumen und so, und natürlich die der geschäftslokale. die können sich die gewerbetreibenden ohnehin kaum mehr leisten. auf einer fußgängerzone ist ein geschäftslokal mehr wert, weil fußgängerzonen die fußgänger anziehen, wie autobahnen die autos, somit steigt die frequenz und damit der wert des geschäftslokals, damit also auch die miete.
ergebnis: menschen mit höherem einkommen wohnen in einem lebenswerten bezirk, der durch die fußgängerzone noch lebenswerter wurde. nur noch große retailketten können sich die mieten leisten und verdrängen die kleingewerbestruktur. der ganze bezirk wird teurer.
wenn man die stadt lebenswerter machen will, dann sollte man an jenen stellen arbeiten, die vielen noch nicht lebenswert erscheinen. zb den gürtel (eine spur weniger) oder die thaliastraße oder die äußere mariahilferstraße oder die hernalser hauptstraße oder die obere wiedner hauptstraße oder die reinprechtsdorferstraße oder die währingerstraße oder die ottakringerstraße oder …
diese ehemaligen prachtvollen (im sinne belebt und beliebten) einkaufsstraßen der grätzl haben alle verloren, veröden, weil die menschen in einkaufszentren (ja, das auch) und in fußgängerzonen shoppen.
ausgestorbene einkaufsstraße, dh solche mit vielen leeren geschäften, machen die gegend unattraktiv. das verstärkt sich, weil in die leer stehende geschäfte wettlokale u.ä. einziehen, weil die menschen, die sich nur die mieten in diesen gegenden leisten können, ihr glück auf dumme weise versuchen wollen. das macht die gegenden noch unattraktiver und die mieten sinken weiter.
wenn man will, dass wohnungsmieten unter 7 €/qm liegen, dann muß man das angebot erhöhen. aber wer will schon weit draußen auf der thaliastraße, ottakringerstraße, hernalser hauptstraße wohnen? lieber in mariahilf, in neubau und in der josefstadt.
mir scheint, da wird den bobos die stadt, dh ihr grätzl, verschönert, mit dem vorwand, die stadt müßte lebenswerter werden. dort wo wirklich etwas zu tun ist, in den äußeren bezirken, dort kümmert man sich nicht drum. klar, dort wohnen keine bobos, sondern migranten. man tut zwar so, als ob man diese mag, aber man setzt sich nicht wirklich für sie ein. man wertet ihre wohngegenden nicht auf, sodass auch bobos diese interessant finden. man buttert geld in ein prestigeprojekt, das viele, geschäftsleute und bürger, nicht wollen, um zu zeigen, dass man jetzt an der macht ist. so scheint es.
bitte laßt mir die mariahilferstraße am leben. ein stadt braucht auch autos, adern in denen blut fließt.

verteilungsgerechtigkeit ist ungerecht

die aktuelle umverteilungsdebatte wird immer unerträglicher. offensichtlich haben politiker ihren hausverstand abgegeben und bemühen sich nun mit aller kraft jegliche anerkennung ihrer berufsgruppe gegenüber nachhaltig zu verhindern, indem sie primitiv neid schüren. tatsächlich sollten die politiker vorbilder sein und uns anregen kooperation zu pflegen. das gegenteil passiert.

in einer studie der nationalbank zur vermögenskonzentration in österreich wurde festgestellt, dass nur 11 % mehr als 500.000 € haushaltsvermögen besitzen und 40% weniger als 50.000 €. verkürzt kann man zusammenfassen: ¾ der österreicher besitzen weniger als 300.000 €, ca 1/10 mehr als 500.000 €. neid schürend behaupten manche politiker das sei ungerecht und müsste umverteilt werden.

dabei wird einer facette wenig beachtung geschenkt: der grund, dass nur 1/10 der österreicher mehr als 500.000 € vermögen haben, könnte doch auch darin liegen, dass es die mehrheit gar nicht wünscht, mehr zu besitzen. nicht jeder verspürt den drang zum vermögen, wünscht sich 15 autos und 3 villen, nicht jeder giert nach ferrari und rolex. schon gar nicht, wenn man sich dafür auch entsprechend anstrengen muß. und das muß man im allgemeinen schon (es sei denn man ist politiker 😉 nein, nein, für die ist das auch anstrengend). es ist deutlich anstrengender sich zu den 11% raufzuarbeiten, insbesondere in diesem umfeld. gleichzeitig gibt es wenig anreiz dazu – die aktuelle debatte verringert den spärlich vorhandenen.

die alternative zur anstrengung sieht heute so aus: ich riskiere nichts, baue kein unternehmen auf, schaffe keine arbeitsplätze, sondern bekomme einen, lasse mich also anstellen, lasse mir auch genau sagen, was ich wann zu tun habe und freue mich, dass mein chef (auf staatsgeheiß) an meiner statt für meinen urlaub und für meine weihnachtsgeschenke spart und mir das ersparte rechtzeitig vorm urlaub und vor weihnachten ausbezahlt. das ist bequem und erfordert wenig nachdenken. eingelullt in dieser bequemlichkeit wundere ich mich (die politiker weisen mich ja darauf hin), dass ich weniger verdiene als mein chef und anstatt zu überlegen, wie ich mein eigener chef werden könnte, wie ich mit meinen ideen, meiner arbeitskraft den menschen nutzen stiften könnte, wie ich in den wettbewerb einsteigen kann, auf dass ich eines tages ähnlich viel und mehr verdiene und zu den 11% mit mehr als 500.000 haushaltseinkommen gehöre (nein, genauer wie ich diesen prozentsatz erhöhe) wähle ich die umverteiler in die regierung. das ist viel bequemer und ich brauche dabei auch keine verantwortung für mein leben zu übernehmen.

mit den diskutierten maßnahmen vergrößerst sich diese gruppe, weil der aufwand in die 11%-gruppe zu kommen von den politikern erhöht wird, es wird immer unattraktiver. mehr und mehr unternehmer überlegen tatsächlich lieber weniger zu verdienen – das ist die einzige chance legal weniger steuern zu bezahlen. steuern, für dinge, die uns als gemeinschaft nicht wirklich weiterbringen.

meinem verständnis nach schließen wir (die menschen) uns zu großen einheiten zusammen aus der notwendigkeit zu kooperieren. für dinge, die uns allen wichtig sind und die der einzelne nicht erledigen kann, organisieren wir uns. für feuerwehr, rettung, polizei, für bildung und spital. kein problem dafür steuern zu bezahlen. tatsächlich ist es so, dass ich wöchentlich anrufe bekommen, in denen diese einrichtungen (die volksschule, die polizei, das krankenhaus, etc) um spenden bitten, damit sie weiter arbeiten können. dh ich bezahle steuern (es wird umverteilt) für politikerinserate und flughafenterminals, und dann spende ich (also die guten, richtigen steuern), damit die gemeinschaftseinrichtungen funktionieren.

kann  mir einer der umverteilungsexperten der parteien erklären, warum ich mehr als 300.000 haushaltseinkommen anhäufen soll? welchen anreiz gibt es denn hier in diesem land sich anzustrengen, unternehmen zu gründen, arbeitsplätze zu schaffen? ich kann nur mit einem auto fahren (und das auch bald nicht mehr, weil das wollen die grünen nicht) und zwei schnitzel am abend essen ist ohnehin ungesund. also spar ich mir ein auto und auch ein schnitzel. also brauche ich weniger einkommen, schaffe somit weniger vermögen, bezahle glücklicherweise weniger steuern, kann mehr spenden und habe mehr zeit, um in die luft zu schauen, mich mit menschen zu unterhalten, zu lesen und zu lernen. so wird die gruppe der reichen immer kleiner, weil das immer unattraktiver wird. wobei, »reich« im eingeschränkten bloß monetären sinn, denn im thoreauschen sinn ist der reich, der es sich leisten kann, zu fuß nach graz zu gehen, dabei die natur zu genießen, die menschen zu treffen, weil er alle zeit der welt dafür hat.

je weniger geschriebene gesetze es gibt, und je allgemeiner und einfacher sie sind, desto besser sind sie. je mehr gesetze, desto mehr streit …

christian thomasus, 1655–1728


das klingt verfolgungswürdig!

seit einiger zeit beschäftige ich mich mit der sinnhaftigkeit von vorschriften. kann das funktionieren. je mehr regeln, so schein es, desto schwieriger wird es das system zu bändigen. jede regel erfordert eine (oder mehrere) korrekturregeln. das regelwerk unserer tage (in politik, der gesellschaft, wirtschaft) ist die moderne hydra.

die wiener schule erklärt uns (so scheint es mir), dass es am besten wäre, wenn sich das system selbst reguliert.

thoreau meinte (in den 1840ern), wir sollten nicht primär blind den gesetzen folgen, sondern wir sind nur unserem gewissen verpflichtet.

die bibel könnte ich nun auch noch als argument beanspruchen.

und dann sehe ich jenes zitat von thomasus aus dem 17. jhdt.(!): faszinierend.

warum wir arbeiten

schon lange denke ich immer wieder darüber nach, wozu wir wirklich arbeiten. inspiriert von rudolf taschners aussagen über das lotto spielen erweitere ich meine überlegungen um folgende:

die chancen im lotto zu gewinnen sind äußerst gering. aus sicht des mathematikers macht es keinen sinn lotto zu spielen, um reich zu werden. rudolf taschner, der mathematiker meint, es gehe bloß darum zu spielen.

      spielt man lotto, weil es freude macht, seine zahlen, an die man glaubt, anzukreuzen und dann mit spannung die ziehung zu verfolgen, um zu sehen, ob man richtig getippt hat, dann ist diese freude mit wenig geld zu kaufen. das ist gut. das ist es vielleicht auch wert.

      aber die meisten leute spielen lotto nicht, weil ihnen das ankreuzen der zahlen freude bereitet (sie lassen ja in vielen fällen den computer des trafikanten die zahlen aussuchen). sie spielen auch nicht, weil sie die ziehung so gespannt verfolgen wollen, wie sie zb ein schirennen oder ein F1-rennen verfolgen. die meisten leute spielen, wenn man ihren aussagen glaubt, in der hoffnung reich zu werden. wir können also sagen: das ursprüngliche element des spiels ist verloren gegangen.

        analog scheint es beim arbeiten zu sein, wie ich beobachte. die menschen, viele von ihnen, die meisten vielleicht, haben vergessen, warum sie arbeiten: nämlich weil sie damit jemanden helfen, jemanden nützlich sind. für diesen nutzen, den sie schaffen, bekommen sie wertschätzung durch lob, dank und — ja, durch geld (das in unserer kultur anerkannte werkzeug für wertschätzung).

      wenn man mit den leuten redet, dann kann man oft heraushören, dass es ihnen beim arbeiten in den meisten fällen, nur um das damit zu verdienende geld geht. in den seltesten fällen konzentrieren sie sich auf den nutzen, den sie mit ihrer arbeit schaffen. und sie freuen sich auch nicht mehr darüber, dass sie die gelegenheit haben, diesen nutzen zu erbringen. das ist schade.

es ist nichts neues – oder doch:

es geht um die handlung, den nutzen, den man stiftet. danach sollen wir streben. nützlich zu sein. das geld kommt dann von allein.

      aus diesem grund, so erscheint es mir zwingend, kann geld auch kein geld erwirtschaften. es kann nicht arbeiten. es macht keinen sinn geld arbeiten zu lassen, weil dadurch kein nutzen ensteht – außer wieder geld*. aber geld für sich ist nichts, weder gut noch schlecht. erst im dialog, als mittel der wertschätzung für einen von menschen geschaffenen nutzen ist es nützlich.

      also laßt uns arbeiten, um den menschen nutzen zu stiften und nicht für geld — und lassen wir uns dann dafür bezahlen.


* (angeblich entsteht geld – aber vorsicht, so einfach ist das dann doch nicht, siehe lieber »wiener schule«)