Die Methode (1)

Heute die Erkenntnis: es ist die Methode, die einen aufhält, die einen am Projektfortschritt behindert.

Es ist nicht der Mangel an Inhalt!

Es ist der Zwang zur Auswahl aus einer schier unerschöpflichen Vielfalt an Methoden, aus der die zum Projekt und zur aktuellen Situation passende Methode zu wählen ist, der einen lähmt.

Wäre die Methode klar und wüsste man mit Sicherheit, welche die genau richtige ist, dann wäre man schnell fertig, denn inhaltlich ist man sattelfest – ziemlich.

Doch man entdeckt immer andere Methoden, potentiell höchst nützliche, … und probiert sie aus.

Immer etwas Anderes, daher immer ein Versuch, ein permanentes Forschen und entdecken. Gerade daraus ergeben sich oft die Neuerungen. Also bleibt man dabei. Das ist das Wesen von Design-Thinking, es ist die Eigenschaft des Designers Methoden zu probieren und aus der Vielfalt zu testen und laufend neue Querverbindungen herzustellen.

Designarbeit

Die Arbeit im Design bringt es mit sich auch über die Designarbeit nachzudenken. Jüngste Gedanken dazu habe ich grade wieder veröffentlicht.

Die Denkweise der Designer wird völlig missverstanden und die Leistungsfähigkeit und ihr Nutzen verkannt. Man meint — in Europa — man müsste nur einen Prozess kennenlernen, um diese Designenergie zu nutzen. Die Amerikaner — sie benannten die Denkweise »Design-Thinking«, sie brachten es auf den Punkt, machten uns darauf aufmerksam und machten eine Mode daraus — wissen offenbar, dass man eine Denkweise (z.B. Design-Thinking) durch einen Prozess (und damit durch einen Vortrag, Seminar, Workshop) kennenlernen kann, damit man sie dann mit Hilfe eines Experten (z.B. eines Designers) anwendet. Nach einem Workshop versteht man, was ein Designer (dieser Experte für Design-Thinking) leistet und engagiert ihn. Man macht es in USA nicht selbst. Man weiß dort, dass es eine andere Denkweise ist, die man nun, nach diesem Seminar/Workshop/etc., besser versteht, also mit Hilfe des Experten besser einsetzen kann.

Das ist der große Fehler der alten Welt und der offenbare Unterschied zwischen USA (ich lasse es mir erklären und kaufe es dann zu) und Europa (ich lasse es mir erklären und meine es dann selbst tun zu können).

Wie man auch hierzulande diese Denkweise bequem kennenlernen und Design-Gesinnung entwickeln kann erfährt man beim Design-Thinking-Tank.

»design doing« ist Schwachsinn

Sie machen aus Design einen Prozess, erwecken den Eindruck man könne Kreativität automatisieren — sie sozusagen künstlich generieren, es fehle bloß das Werkzeug — und lenken vom Kern ab: der Designprozess, also die Entstehung von einer Designleistung oder anders ausgedrückt, das Designen ist genauso freudvoll wie frustrierend. Es ist keineswegs immer klar ob und welchen Fortschritt man in der Gestaltung gemacht hat, man fischt tage- oder wochenlang im Trüben, die Hände bis über den Ellenbogen im Dreck, … und dann, HEUREKA!, die Lösung. Man holt »Es« hervor, aus dem Chaos des Gehirns, des Diskutierens, des Probierens. Wir Design-Thinker tun ganz viel, wir denken dabei auch, aber es geht – das betonte schon Otl Aicher immer wieder (20. Jhdt.) – es geht ums »machen«. Das Realisieren ist das Ziel. So rasch als möglich.

Damit teilt sich das Spreu vom Weizen. Continue reading “»design doing« ist Schwachsinn”

Servicedesign vom Industriedesigner? Ja!

Charles Eames, der große Designer, wurde einmal gefragt, wo die Grenzen von Design wären und er antwortete mit der Frage: Was sind die Grenzen von Problemen?

Raymond Loewy, einer der Urväter des Industriedesigns ergänzt: ein Designer geht dorthin, wo die Gelegenheiten am interessantesten sind, und das ändert sich von Zeit zu Zeit. Ein Industriedesigner kann überall arbeiten!

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Wahlwerbung

Ein Wahnsinn, was da jetzt abgeht. Grauslich. Ein Skandal, eine Sauerei, … und dabei doch ganz normal. Zutiefst menschlich. So sind die Menschen eben. Alle. Auch ich habe als 10-Jähriger meinen damals 6-jährigen Bruder bei den Eltern angeschwärzt, ihm  Dinge in die Schuhe geschoben und als die Unwahrheit zutage trat, mich selbst als Opfer präsentiert. Doch die Eltern waren intelligent, sie erkannten die Täter-Opfer-Umkehr. Die Frage ist, wie intelligent sind die Wähler heute? Moderat, oder? Und aus Sicht der Politik kann das ruhig so bleiben.

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Persona

Arbeiten Sie auch mit Personas?
Ja.
Aber nicht zwangsweise!
Wir nutzen Personas nur dann, wenn es der Sache dient.
Was ist die Sache?
Die Lösung eines Problems, eines Designproblems.
Die Methode »Persona« dient dann der Sache, wenn ich damit der Lösung näherkomme, wenn mir dadurch Hinweise auf die Lösung gelingen. Wir erarbeiten Personas nur dann, wenn wir annehmen können, dass sich dadurch neue Lösungswege eröffnen und sich Erkenntnisse gewinnen lassen.
Es geht im vorliegenden Fall (vermutlich in vielen Fällen) um neue Produkte (oder Dienstleistungen, Prozesse, Geschäftsmodelle) und niemals geht es darum einen vorgegeben »Design-Thinking-Prozess« zu absolvieren. Der Mainstream erklärt, dass am Beginn eines Design-(Thinking-)Projekts eine Stakeholder-Map zu erstellen sei und dazu Personas der Stakeholder. Das ist Humbug! Das kann man nicht absolut vorschreiben.
Es geht in einem Projekt nicht darum, einen Prozess abzuarbeiten und auch nicht darum einen fiktiven Kunden zu definieren. Die Menschen sind so wie sie sind. Und sie sind individuell! Eine Persona ist ein »Durchschnittsmensch«. Man darf sich von so einem Werkzeug keine Wunder erwarten. Es ist bloß eine Möglichkeit, um sich einem Ziel zu nähern. So wie auch eine Kombizange nützlich sein kann, aber beim Einschlagen eines Nagels nur missbraucht wird.
Personas erarbeiten wir dann, wenn sie der Arbeit nützen, z.B. wenn es darum geht gefundene Lösungen zu diskutieren und es notwendig ist Bias (Vorurteil, verbogene Meinung) zu lindern/beseitigen. Wenn es darum geht, das Einfühlungsvermögen der am Projekt beteiligten Personen zu steigern, dann sind Personas mitunter (!) hilfreich. Personas leisten gute Dienste beim Diskutieren von vorliegenden Lösungen. Sie sind nicht pauschal zwingender Bestandteil jedes Designprozesses.
Das ist der große Irrtum der Mainstream-Meinung über Design-Thinking. Es gibt nicht den einen Designprozess, sondern es gibt Designprozesse. Der erfahrene Designer (aka Design-Thinker) weiß, wann er welches Werkzeug, welche Methode nutzt, um sich schnellstmöglich dem Ziel, der Lösung eines Problems, anzunähern.

(Ein Anwendungsbeispiel für Personas findet sich bei GP designpartners.)

Überheblich und Unterwürfig

»Frag die Leute nicht was sie wollen, sag es ihnen«, meinte einmal Roman Braun. Der Designer braucht eine Art der »unterwürfigen Überheblichkeit«.
Überheblich erscheint er, weil er behauptet zu wissen, was die Leute wollen, weil er sich diese Freiheit, diesen »diktatorischen Zug« erlaubt, weil er zutiefst vom Vorteil für den Anwender einer Sache, eines Prozesses oder einer Dienstleistung überzeugt ist.

Unterwürfig ist er, weil er das aus der radikalen Nutzersicht macht, weil er sich »in die Haut« des Nutzers versetzt, »in seine Schuhe stellt«, weil er mit viel Empathie die Empfindungen des Nutzers nachfühlt und großen Willen hat, das Erlebnis des Nutzers zum bestmöglichen zu machen.

Naja, es gibt auch Designer, denen zuweilen die Vorliebe für eine bestimmt Ästhetik in die Quere kommt; dann ist es vorbei mit der Unterwürfigkeit, mit dieser Kunden-/Nutzerzentriertheit.

Aber nehmen wir an, dass es dem Designer tatsächlich um funktionalen, emotionalen und sozialen Nutzen geht, den er zu stiften anstrebt, dann wird der Designer den vermeintlichen Wunsch des Kunden, der das Produkt benutzt, antizipieren und das Bessere, das Richtige auswählen.

Damit ähnelt der Designer dem Unternehmer. Auch der muss das, was einmal gewünschte werden wird, erahnen, um es dann, wenn es nachgefragt wird, anbieten zu können. Beide können sich irren. Doch beide lassen dem Kunden freie Wahl: sie machen bloß ein Angebot.

Der Designer (wie auch der Unternehmer) kann sich seiner Verantwortung nicht entziehen. Er muss dem Kunden sagen, was er will. Der Kunde hat das Privileg das nicht zu wissen.

 

 

Korrektur gegenüber Original-Post: Es war nicht Werner, sondern Roman Braun.