Im Getöse

Man sagt, Eigenlob stinkt, aber manchmal muss man einfach einen der seltenen Lichtblicke des eigenen Intellekts stolz der Öffentlichkeit präsentieren. Und das mache ich jetzt.

Ich arbeite gerade am 3. Satz der “6 sätze über design” und lese im vierten Satz, im vorletzten Kapitel unter anderem diesen Absatz: »… waren die signale in früheren jahren schwach, so konnte sich der bessere kaufmann vom guten dadurch unterscheiden, dass er sie erkannte und richtig interpretierte. durch die interventionen der regierungen sind diese signale nicht nur schwach, sondern darüberhinaus auch unscharf, verzerrt, manchmal sogar verfälscht und leicht zu missinterpretieren. die marktsignale verschwinden im getöse der durch steuern finanzierten gratisangebote staatlich gestützter organisationen und erlauben es kaum, fundierte aussagen über das voraussichtlich wertgeschätzte zu machen. man meint mangel oder überfluss zu erkennen, wo das gegenteil der fall ist und verzichtet auf geschäft oder setzt fehlinvestionen. …

Ist das nicht schön?

»im getöse der durch steuern finanzierten gratisangebote« ist das privat finanzierte, Steuerzahlungen ermöglichende Angebot nicht mehr auszumachen. Schön finde ich die Formulierung, nicht die Tatsache.

Mehr dazu und darüber, dass “designen der Schlüsselfaktor für wirtschaftlichen Erfolg ist” findet sich im Band #3, das ist der 4. Satz der Serie “6 sätze über design“.

Ich freue mich über Ihr Feedback, ich lese jede Nachricht und antworte persönlich darauf.

Form und Zweck – Inhalte mit Typographie sichtbar machen

Die Welt der Schrift … die war jahrelang eines meiner zentralen Themen. Typographie prägte meine ersten Jahre an der Universität, eigentlich schon meine ersten Jahre in der Hauptschule, die ich auch mit Zeichnen von Buchstaben verbrachte. Dann anfang 20, nahm die Welt der Schrift einen zentralen Platz in meinem Leben ein; ich beschäftigte mich mit Otl Aicher, mit freien Gedanken, mit Pirsig und Thoreau, daraufhin auch mit Gandhi, schließlich Tschichold, Hochuli, die Schweizer Typographie, Carson, etc. bis ich dann Mitte meiner 20er mit dem Unterrichten von Typographie begann; zuerst an der Werbeakademie, dann an der Hochschule für angewandte Kunst. Desktop-Publishing »demokratisierte« den Schriftgebrauch, machte Typographie der breiten Masse zugängig – was der Qualität der Arbeiten nicht immer zuträglich war – das Studium der Wurzeln war notwendig, man musste wissen, was richtige Anführungszeichen sind, wann ein Divis, wann ein Gedankenstrich zu setzen ist (was sogar heute noch nicht alle wissen).

Aber dann – in der Zwischenzeit erkannte ich, Design ist politisch – kam der Moment, wo man sich fragt, ist es tatsächlich relevant, nur über die Form (in diesem Fall über das Fach Typografie) zu debattieren? Geht es nicht eher darum, über Inhalte zu diskutieren, die mit Hilfe der Typografie sichtbar werden? Mir schien als würde sich da eine gläserne Decke im Diskurs manifestieren: man diskutiert die richtigen Formen der Buchstaben, das richtige Layout, die beste Lesbarkeit; aber wozu? Das sind Grundlagen für die gute Diskussion, aber braucht nicht (als einziges) Thema des Diskurses sein. Es geht um die Gesellschaft, um Kommunikation, um das, was kommuniziert wird. Es geht um »den guten Alltag«.

Analog, so fällt es mir nun auf, ist es im Produktdesign. Wir diskutieren über die gute, die richtige Form eines Autos, einer Badezimmerarmatur, eines Beißrings für Babys. Doch diese Gegenstände sind letztlich, genau wie die Schrift und das Layout, nur Hilfsmittel für das gute, bequeme, bessere Leben. Mag sein, dass das der Grund war, dass mich Diskussionen um die Form immer langweilten oder mir – wenn ich selbst begeistert mitdiskutierte – bald hohl und wertlos erschienen. Ja, es ist eine Frage der Kultur und des Stils. Richtige Formen, richtiger Textsatz ist eine Möglichkeit den Grad der eigenen Bildung, also der Kultur zu demonstrieren. Aber eben immer nur als Werkzeug für das Eigentliche: den Roman, das Pamphlet, die Tätigkeit.

Kann man diesem Gedankengang folgen? Was sagt der geneigte Leser (der lesende Mensch, weiblich und männlich) dazu?

Heureka! Design-Thinking!

Die Verwirrung um Design-Thinking (Designen) entsteht dadurch, dass im Alltag eines Design-Projektes nicht immer alles geklärt ist, wenn man schon mit dem Umsetzen (dem Abarbeiten der erarbeiteten Checkliste) beginnen kann oder beginnen muss. Oft müssen Teile des Projektes bearbeitet und erledigt werden (also verdichten des Gedachten), um danach die Staubwolke der Gedanken und auch Entscheidungen nochmals aufzuwirbeln, auf dass sich neue, weitere Klümpchen (Verdichtungen), die nächsten Details, herausbilden können. Dieser Wechsel irritiert manche Auftraggeber und andere Projektteilnehmer (Non-Designer) und läßt die Sache chaotisch erscheinen, glaubte man doch, man wäre schon im Abschließen des Projekts. Verkompliziert wird es noch dadurch – insbesondere für Neueinsteiger –, weil sich dieser notwendige Wechsel nicht immer deutlich zeigt, man also in vielen Fällen auch dafür einen »Heureka-Moment«, eine spontane Eingebung braucht. Diese Aussage ist auch ein Hinweis darauf, dass Design-Thinking heuristisch wirkt.

Um Design-Thinking verstehen und anwenden zu können ist oftmals ein Design-Thinking Workshop der richtige Weg. Darin werden in einem lösungsgenerierenden Prozess, der optimal an die vorliegende Aufgabe angepasst ist, konkrete Resultate erarbeitet.

Design-Thinking ≠ Post-it, Canvas & andere Formulare

Beim Design-Thinking geht es nicht ums Ausfüllen bestimmter Formulare zu bestimmten Zeitpunkten. Die helfen nur im Chaos der neuen Ideen Erkenntnisse zu sichern.

Tatsächlich passiert im Design-Thinking alles (mehr oder weniger) zugleich (siehe Design-Thinking 3.C oder 3.0), es ist alles permanent in Schwebe zu halten und erst wenn sich in der Staubwolke Klumpen bilden, soll man den Wirbel beruhigen. Dafür sind die Formulare nützlich. Aber da sind bereits gut 80 Prozent des Projekts erledigt, danach kommt kausales Abarbeiten und tatsächlich checklisten-artiges Finalisieren.

Auch wenn das nun zeitmäßig manchmal die längste Phase ist, es ist die klarste und damit einfachste: man weiß genau was jetzt und als nächstes zu tun ist und schreitet zügig voran. Die Frustrationen des Nicht-Weiterkommens erlebt man davor, im Knäuel des Design-Thinkings, wenn man glaubt nicht vorwärts zu kommen und wenn man keine Fortschritte berichten kann (obwohl man diese macht).

Der Design-Thinking-Tank unterstützt Sie dabei mit Beratung, Moderation und Motivation. Design-Thinking Workshops in Wien und im Unternehmen vor Ort liefern spannende Impulse und erhellende Einsichten mit konkretem Ergebnis.

Vom Nicht-Häßlichen

Etwas muss funktionieren und soll dabei bloß »nicht-häßlich« sein.

Nicht-häßlich heisst, dass es eine Ästhetik aufweist, die eine große Mehrheit als optisch akzeptabel, als nicht-störend empfindet. Ein Rechteck mit abgerundeten Ecken ist so eine Form. Ein Rechteck im goldenen Schnitt ist vermutlich eine noch bessere.

Ist sie schön?

Ja.

Ist es die schönste Form?

Wohl kaum.

Jeder Mensch dieser Mehrheit könnte eine andere Form schöner als jenes Rechteck empfinden. Doch wären diese andere Formen alle unterschiedlich. Die schönste Form für alle, sozusagen der größte gemeinsame Teiler, ist jenes Rechteck. Maßgeblich ist die Erfüllung der Funktion, die Masse der Kunden erreiche ich mit einer für alle akzeptablen Form.

Ja, und …

Die Floskel »Ja, und …« aus dem Design-Thinking-Hype verhält sich zum »Kreativ sein« genauso wie »Ich bin Max Mustermann, was kann ich für Sie tun« zum »Freundlich sein«:
Hohl.
Aufgesetzt.
Wirkungslos!
Wieder ein Hinweis für das Unverständnis tatsächlicher Design-Thinking-Immigrants.
Echte Design-Thinker (aka Designer, die Design-Thinking-Natives) debattieren heftig, verteidigen ihre Ideen durch Argumente und übertreffen sich auf diese Weise (man könnte fast meinen, sie streiten); jedenfalls treiben sie die Dinge voran, entdecken so Neues. Das Bessere.
Wir überlegen warum und wie Dinge, die nicht funktionieren sollten, trotzdem gelingen könnten. Herausfinden, was man tun müsste, damit es dennoch realisierbar ist, lautet unser Credo. Das ist das Trittbrett zur Innovation, der erfolgreichen, weil realisierten Idee. Dazu brauchen wir keine gestelzte künstliche Formulierung. Es reicht die persönliche Überzeugung, unser trainiertes Einfühlungsvermögen, das Wissen über verfügbare Technik und unsere Vorstellungskraft. Eben Designer sein.

Garantierte Kreativität

Der Mensch wünscht Sicherheit. Sicherheit hat man, wenn man weiß, was auf einem wann zukommt.

Aus diesem Grund strebt der Mensch nach Planung in möglichst allen Belangen. Am liebsten auch in kreativen Prozessen.

Auch ich wollte, insbesondere als Design-Unternehmer der ich bin, den Entwurfsprozess vorhersagen, seine Dauer fixieren und sein Ergebnis garantieren. Es wäre ideal könnte man exakt festlegen, wann jemand die gewünschte, gesuchte Idee hat und wie lange dieser braucht, um sie herzeigbar und umsetzbar auszuformulieren. Die 30-jährige Praxis zeigt, das ist der »heilige Gral der Designer-Praxis«, unauffindbar, nicht existent. Dennoch streben alle danach.

Kreative Prozesse sind nicht planbar, sie passieren. Man kann sie günstig beeinflussen, man kann darauf vertrauen, dass einem etwas einfällt, aber man kann es nicht verordnen. Somit kann man einen kreativen Prozess auch nicht zeitlich definieren und auch nicht die Reihenfolge der Ereignisse im vorhinein festlegen.

Die Ereignisse eines kreativen Prozesses führen letztlich (immer) zu einem brauchbaren Ergebnis. Allerdings nur dann, wenn man die Rahmenbedingungen entsprechend steuert. Das ist eine andere Art Steuerung als es die klassische Projektsteuerung vorsieht. Es ist eine feinsinnige, flexible und reaktionsschnelle Steuerung.

Diese Fähigkeit der Steuerung des kreativen Prozesses ist die eigentliche Denkweise des Designers. Das zu erkennen ist die Leistung einer intensive Selbstreflexion des Designers.

Mehr dazu im demnächst erscheinenden e-Book über das andere Design-Thinking.

Die Methode (1)

Heute die Erkenntnis: es ist die Methode, die einen aufhält, die einen am Projektfortschritt behindert.

Es ist nicht der Mangel an Inhalt!

Es ist der Zwang zur Auswahl aus einer schier unerschöpflichen Vielfalt an Methoden, aus der die zum Projekt und zur aktuellen Situation passende Methode zu wählen ist, der einen lähmt.

Wäre die Methode klar und wüsste man mit Sicherheit, welche die genau richtige ist, dann wäre man schnell fertig, denn inhaltlich ist man sattelfest – ziemlich.

Doch man entdeckt immer andere Methoden, potentiell höchst nützliche, … und probiert sie aus.

Immer etwas Anderes, daher immer ein Versuch, ein permanentes Forschen und entdecken. Gerade daraus ergeben sich oft die Neuerungen. Also bleibt man dabei. Das ist das Wesen von Design-Thinking, es ist die Eigenschaft des Designers Methoden zu probieren und aus der Vielfalt zu testen und laufend neue Querverbindungen herzustellen.

Designarbeit

Die Arbeit im Design bringt es mit sich auch über die Designarbeit nachzudenken. Jüngste Gedanken dazu habe ich grade wieder veröffentlicht.

Die Denkweise der Designer wird völlig missverstanden und die Leistungsfähigkeit und ihr Nutzen verkannt. Man meint — in Europa — man müsste nur einen Prozess kennenlernen, um diese Designenergie zu nutzen. Die Amerikaner — sie benannten die Denkweise »Design-Thinking«, sie brachten es auf den Punkt, machten uns darauf aufmerksam und machten eine Mode daraus — wissen offenbar, dass man eine Denkweise (z.B. Design-Thinking) durch einen Prozess (und damit durch einen Vortrag, Seminar, Workshop) kennenlernen kann, damit man sie dann mit Hilfe eines Experten (z.B. eines Designers) anwendet. Nach einem Workshop versteht man, was ein Designer (dieser Experte für Design-Thinking) leistet und engagiert ihn. Man macht es in USA nicht selbst. Man weiß dort, dass es eine andere Denkweise ist, die man nun, nach diesem Seminar/Workshop/etc., besser versteht, also mit Hilfe des Experten besser einsetzen kann.

Das ist der große Fehler der alten Welt und der offenbare Unterschied zwischen USA (ich lasse es mir erklären und kaufe es dann zu) und Europa (ich lasse es mir erklären und meine es dann selbst tun zu können).

Wie man auch hierzulande diese Denkweise bequem kennenlernen und Design-Gesinnung entwickeln kann erfährt man beim Design-Thinking-Tank.

»design doing« ist Schwachsinn

Sie machen aus Design einen Prozess, erwecken den Eindruck man könne Kreativität automatisieren — sie sozusagen künstlich generieren, es fehle bloß das Werkzeug — und lenken vom Kern ab: der Designprozess, also die Entstehung von einer Designleistung oder anders ausgedrückt, das Designen ist genauso freudvoll wie frustrierend. Es ist keineswegs immer klar ob und welchen Fortschritt man in der Gestaltung gemacht hat, man fischt tage- oder wochenlang im Trüben, die Hände bis über den Ellenbogen im Dreck, … und dann, HEUREKA!, die Lösung. Man holt »Es« hervor, aus dem Chaos des Gehirns, des Diskutierens, des Probierens. Wir Design-Thinker tun ganz viel, wir denken dabei auch, aber es geht – das betonte schon Otl Aicher immer wieder (20. Jhdt.) – es geht ums »machen«. Das Realisieren ist das Ziel. So rasch als möglich.

Damit teilt sich das Spreu vom Weizen. Continue reading “»design doing« ist Schwachsinn”

Servicedesign vom Industriedesigner? Ja!

Charles Eames, der große Designer, wurde einmal gefragt, wo die Grenzen von Design wären und er antwortete mit der Frage: Was sind die Grenzen von Problemen?

Raymond Loewy, einer der Urväter des Industriedesigns ergänzt: ein Designer geht dorthin, wo die Gelegenheiten am interessantesten sind, und das ändert sich von Zeit zu Zeit. Ein Industriedesigner kann überall arbeiten!

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Wahlwerbung

Ein Wahnsinn, was da jetzt abgeht. Grauslich. Ein Skandal, eine Sauerei, … und dabei doch ganz normal. Zutiefst menschlich. So sind die Menschen eben. Alle. Auch ich habe als 10-Jähriger meinen damals 6-jährigen Bruder bei den Eltern angeschwärzt, ihm  Dinge in die Schuhe geschoben und als die Unwahrheit zutage trat, mich selbst als Opfer präsentiert. Doch die Eltern waren intelligent, sie erkannten die Täter-Opfer-Umkehr. Die Frage ist, wie intelligent sind die Wähler heute? Moderat, oder? Und aus Sicht der Politik kann das ruhig so bleiben.

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Persona

Arbeiten Sie auch mit Personas?
Ja.
Aber nicht zwangsweise!
Wir nutzen Personas nur dann, wenn es der Sache dient.
Was ist die Sache?
Die Lösung eines Problems, eines Designproblems.
Die Methode »Persona« dient dann der Sache, wenn ich damit der Lösung näherkomme, wenn mir dadurch Hinweise auf die Lösung gelingen. Wir erarbeiten Personas nur dann, wenn wir annehmen können, dass sich dadurch neue Lösungswege eröffnen und sich Erkenntnisse gewinnen lassen.
Es geht im vorliegenden Fall (vermutlich in vielen Fällen) um neue Produkte (oder Dienstleistungen, Prozesse, Geschäftsmodelle) und niemals geht es darum einen vorgegeben »Design-Thinking-Prozess« zu absolvieren. Der Mainstream erklärt, dass am Beginn eines Design-(Thinking-)Projekts eine Stakeholder-Map zu erstellen sei und dazu Personas der Stakeholder. Das ist Humbug! Das kann man nicht absolut vorschreiben.
Es geht in einem Projekt nicht darum, einen Prozess abzuarbeiten und auch nicht darum einen fiktiven Kunden zu definieren. Die Menschen sind so wie sie sind. Und sie sind individuell! Eine Persona ist ein »Durchschnittsmensch«. Man darf sich von so einem Werkzeug keine Wunder erwarten. Es ist bloß eine Möglichkeit, um sich einem Ziel zu nähern. So wie auch eine Kombizange nützlich sein kann, aber beim Einschlagen eines Nagels nur missbraucht wird.
Personas erarbeiten wir dann, wenn sie der Arbeit nützen, z.B. wenn es darum geht gefundene Lösungen zu diskutieren und es notwendig ist Bias (Vorurteil, verbogene Meinung) zu lindern/beseitigen. Wenn es darum geht, das Einfühlungsvermögen der am Projekt beteiligten Personen zu steigern, dann sind Personas mitunter (!) hilfreich. Personas leisten gute Dienste beim Diskutieren von vorliegenden Lösungen. Sie sind nicht pauschal zwingender Bestandteil jedes Designprozesses.
Das ist der große Irrtum der Mainstream-Meinung über Design-Thinking. Es gibt nicht den einen Designprozess, sondern es gibt Designprozesse. Der erfahrene Designer (aka Design-Thinker) weiß, wann er welches Werkzeug, welche Methode nutzt, um sich schnellstmöglich dem Ziel, der Lösung eines Problems, anzunähern.

(Ein Anwendungsbeispiel für Personas findet sich bei GP designpartners.)

Überheblich und Unterwürfig

»Frag die Leute nicht was sie wollen, sag es ihnen«, meinte einmal Roman Braun. Der Designer braucht eine Art der »unterwürfigen Überheblichkeit«.
Überheblich erscheint er, weil er behauptet zu wissen, was die Leute wollen, weil er sich diese Freiheit, diesen »diktatorischen Zug« erlaubt, weil er zutiefst vom Vorteil für den Anwender einer Sache, eines Prozesses oder einer Dienstleistung überzeugt ist.

Unterwürfig ist er, weil er das aus der radikalen Nutzersicht macht, weil er sich »in die Haut« des Nutzers versetzt, »in seine Schuhe stellt«, weil er mit viel Empathie die Empfindungen des Nutzers nachfühlt und großen Willen hat, das Erlebnis des Nutzers zum bestmöglichen zu machen.

Naja, es gibt auch Designer, denen zuweilen die Vorliebe für eine bestimmt Ästhetik in die Quere kommt; dann ist es vorbei mit der Unterwürfigkeit, mit dieser Kunden-/Nutzerzentriertheit.

Aber nehmen wir an, dass es dem Designer tatsächlich um funktionalen, emotionalen und sozialen Nutzen geht, den er zu stiften anstrebt, dann wird der Designer den vermeintlichen Wunsch des Kunden, der das Produkt benutzt, antizipieren und das Bessere, das Richtige auswählen.

Damit ähnelt der Designer dem Unternehmer. Auch der muss das, was einmal gewünschte werden wird, erahnen, um es dann, wenn es nachgefragt wird, anbieten zu können. Beide können sich irren. Doch beide lassen dem Kunden freie Wahl: sie machen bloß ein Angebot.

Der Designer (wie auch der Unternehmer) kann sich seiner Verantwortung nicht entziehen. Er muss dem Kunden sagen, was er will. Der Kunde hat das Privileg das nicht zu wissen.

 

 

Korrektur gegenüber Original-Post: Es war nicht Werner, sondern Roman Braun.

Design-Thinking begreifen

Man sagt, die Sufis erzählen sich eine Parabel: eine Stadt in der nur Blinde leben wird von einem König besucht, der auf einem Elefanten reitet und vor der Stadt sein Lager aufstellt. Die Blinden schicken einige von ihnen aus, um sich die Sache näher »anzusehen«. Die Männer (und Frauen?) untersuchen den Elefanten. Jeder betastet einen anderen Körperteil und als sie in die Stadt zurückkehren erzählt der eine, der sein Bein berührte, der Elefant sei wie ein mächtige Säule, jener der das Ohr berührte meinte, nein, eher wie ein Fächer, der dritte ist überzeugt der Elefant gleicht einer Schlange, er berührte den Rüssel, usw.

Jeder der Blinden erkennt etwas richtiges, aber als einzige Wahrheit ist es unzureichend, ja das Tier ist sogar mehrheitlich vom Einzelnen nicht erkannt worden.

So ähnlich ergeht es wohl den Nicht-Designern unter den »Design-Thinkern«, jenen, die über diese »Methode« oder »Tool-Set« reden (und lehren) ohne selbst als Designer tätig zu sein, die »Schmiedls«, die einen Hype auslösen, darauf reiten bis die Welle zusammenbricht und sich dann das nächste »ultimative Management-Tool« aussuchen und sich als Experten darin verkaufen. Das ist nicht gut, weil das Ergebnis letztlich nicht zufriedenstellt (wie man an einer Menge Alltagsbeispiele erkennen kann).

Echte Designer, so wie es David Kelley oder Tim Brown von IDEO sind (sie haben mit diesem Begriff begonnen), sind Sehende – die wahren Design-Thinker. Wahre Design-Thinker (d.h. die Designer) werden auch noch dann so arbeiten (mit dieser »Methode«), wenn die Consultant-Karawane bereits weitergezogen ist. Schließlich ist es ihre ureigenste Denkweise.
Was also tun?

Statt »zum Schmiedl« lieber gleich »zum Schmied« gehen, sich über Design-Thinking informieren und die echten Design-Thinker engagieren – echte Designer als Sparringpartner nutzen.

Der Designer ist Sozialist, ist er es?

Die Diskussion mit dem Anthropologen presste es ans Tageslicht: tief drinnen ist der Designer in Wahrheit ein Sozialist. Er weiß, was für den Nutzer (User) gut ist und er will es ihm aufzwingen. Der Nutzer ist ja selbst unfähig seinen Vorteil zu erkennen. Man muss ihm dabei helfen, damit es ihm besser geht, man muss nachhelfen. Und wenn er es trotz mehrfacher Hinweise nicht verstehen will, dann zeigt man es ihm, indem man seine Hand führt und dieser Hand kaum alternativen Bewegungsraum erlaubt. Dann wird er es doch einsehen, dass es so, wie es sich der Designer dachte, dass es so besser für ihn ist. Am Ende wird er dankbar sein für den »sanften« Zwang. Ein düstere Aussicht.

Doch kann der Designer mit seiner sozialistischen Veranlagung umgehen, kann diese Eigenschaft weiter entwickeln. Seine Beschäftigung mit Thoreau löste diesen sozialistischen Traum/Alptraum auf, denn wenn er selbst frei sein will, Eigenverantwortung übernehmen und ausüben dürfen will, dann muss er das auch den anderen zugestehen. Der Designer kann bloß ein Angebot machen, das Bessere zur Wahl anbieten. Er kann darüberhinaus die Rahmenbedingungen so setzen, dass sich die Menschen für das Bessere entscheiden wollen. Freiwillig! So gesehen ist der Designer in Wahrheit ein Politiker.

Thoreaus Essay über »Die Pflicht zum Ungehorsam gegenüber dem Staat« weckt auf und die »Österreichische Schule der Nationalökonomie« ist der Lehrmeister für das Handeln, jener Lehrmeister, der die passenden
Werkzeuge für Beobachtung und Schaffung notwendiger Rahmenbedingungen bietet. Man muss nur zugreifen.

6 sätze über design (7)

das war eine lange pause – in der zwischenzeit (also voriges jahr) erschien der zweite band und nun steht der dritte bereit veröffentlicht zu werden. das tagesgeschäft behinderte diese ankündigung, aber man kann in den nächsten tagen mit der veröffentlichung rechnen: band 3, der vierte satz aus der serie »6 sätze über design« lautet »designen ist schlüsselfaktor für wirtschaftlichen erfolg.«

Der Design-Thinking-Hype ist da

Jetzt ist der Hype endgültig hier angelangt — dieser unsägliche Hype — der Höhepunkt scheint nahe — die Design-Thinking-Dienstleister und Servicedesign-Agenturen schießen wie die Schwammerl aus dem österreichischen Boden, jeder erst-, zweit- und drittklassige Unternehmensberater und Business-Coach lehrt die sogenannten »Design-Thinking-Tools« oder »Design-Thinking als Methode« und verspricht beim Innovieren zu helfen, beim endlich Erfolgreich-machen, den großen Durchbruch in dieser vertrackten Wirtschaftswelt zu ermöglichen. Täglich gründet sich ein Anbieter und drängt in den Beratermarkt mit dieser neuen Mode »Design-Thinking« oder »Servicedesign« oder, noch besser weil es alle Buzz-Words beinhaltet: »Service Design Thinking«.

Mit welchem Background liefern diese »Experten« ihre Dienstleistungen?

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30 Jahre Kleinschreibung – und Aus.

Es gibt mehrere Gründe für das Kleinschreiben:

  1. Die Kleinbuchstaben sind besser zu lesen, weil sie durch ihre Unter- und Oberlängen oder dem Fehlen derselben einen ausgeprägteren Charakter haben als die Großbuchstaben, die sich in der Größe (ihrer Höhe) alle ähneln.
  2. Die Kleinbuchstaben sind der schriftevolutionäre Höhepunkt. Die karolingische Minuskel (Kleinbuchstaben) entstand aus den Großbuchstaben, weil sie schneller zu schreiben ist und führte schließlich zur humanistischen Minuskel, den heutigen Kleinbuchstaben.
  3. Dieses Kleinbuchstaben-Alphabet wurde in der Renaissance mit den antiquen Versalien (Großbuchstaben) ergänzt. Man benutzte diese besonderen Buchstaben, um zunächst den Seiten- oder Kapitelanfang zu schmücken, später schmückte man damit auch »besondere« Wörter wie »Gott« und »Kirche«, dann auch »Kaiser« und »Thron«, etc. Groß-Kleinbuchstaben zu verwenden bedeutet also zwei unterschiedliche Alphabete zu verwenden.
  4. Die Verben sind jene Wörter, die dem Satz Bedeutung geben, die ihm Kraft verleihen, Dynamik, es sind jene Worte die »arbeiten«. Diese »Arbeiter« werden klein geschrieben. Die gnädigen »staatstragenden« Hauptwörter machen sich mit ihren Großbuchstaben wichtig und gleichzeitig erschweren sie das Lesen. Sätze mit vielen Substantiven klingen hochtrabend und unverständlich … und damit einschüchternd für uns einfache Leute – vielleicht sind deshalb Hauptwörter in der Verwaltung so beliebt; beobachten Sie das einmal.
  5. Die meisten (alle?) Sprachen der Welt kommen mit Kleinbuchstaben aus, nur Deutsch soll anders nicht lesbar und nicht verständlich sein? Dabei können wir Großbuchstaben nicht anders aussprechen als die Kleinen.

Alle fünf Gründe sind heute im wesentlichen noch gültig, gute Gründe nur noch kleinzuschreiben.

Es war als Zeichen, als kaum merkbares aber doch sichtbares Zeichen der Auflehnung gegen Bevormundung – durch den Staat und gegenüber anderen Völkern.

Das Zeichen wurde schwächer, weil immer mehr Menschen aus Bequemlichkeit auf die Großbuchstaben verzichteten – das entspräche der Schriftevolution, bestätigt sie, denn der Gebrauch entscheidet. Der Gebrauch muss für den Einzelnen bequem sein und weil jeder zuerst sein eigenes Wohl im Auge hat heisst das zunächst, bequemer schreiben. Der Schriftsteller hingegen, der will, dass seine Texte gelesen werden, wird sich beim Schreiben anstrengen, damit es nicht der Leser beim Lesen machen muss, denn dieser würde rasch aufhören damit. Der Schriftsteller (und alle verwandten Berufsgruppen) verfochten daher die Groß-Kleinschreibung.

Das Zeichen wurde schwächer und gleichzeitig verkehrte es sich. Die Eliten verkannten es. Das Zeichen meinte nicht, dass wir alle gleich sind. Es meinte, dass wir gleichwertig sind. Niemals ging es darum, die eigene Kultur aufzugeben, die Kraft der deutschen Sprache mit ihren von mir ungeahnten Möglichkeiten; z.B. der Wortschöpfung durch Kombination mehrerer Worte, die dennoch jeder sofort versteht. Es ist, wie ich lernen durfte, die Sprache des Denkens, aus philosophischer Sicht, etwas Besonderes.

An die 30 Jahre persönliche Kleinschreibung finden in diesen Monaten ihr Ende, weil die Eliten unseres Landes und unseres Völkerbundes keine Rücksicht auf die Eigenen nehmen. Es scheint als wäre die Forderung ein guter Mensch zu sein, zur Manie entartet. Ein guter Mensch ist offenbar nur noch der, der seine eigene Identität zum Vorteil eines anderen aufgibt. Nur jener, der sich einer anderen, einer dem Eigenen fremden Kultur unterwirft, gilt als sozial. Akzeptabel ist nur jener, der Beobachtungen des eigenen Rechts relativiert zu Gunsten des Neuen. Nur das Sozialistische gilt als gut, der Rest ist rechts und populistisch. Die Kleinschreibung kann auch als Zeichen des Gleichmachens mißverstanden werden. Doch das war nicht gemeint! Es ging niemals um Gleichheit, sondern immer um Gleichwertigkeit.

Nun zwingen mich die Eliten zur Umkehr, zum neuen, noch unscheinbareren Zeichen. Ein Zeichen für den Erhalt der eigenen Kultur, der Kultur des Deutschen (in seiner österreichischen Ausprägung). Dieses kaum sichtbare Zeichen ist der Entschluß zur Groß-Kleinschreibung zurückzukehren. Nicht weil ich den Staat huldige mit seiner Bevormundung, sondern aus dem genauen Gegenteil, weil ich für den Erhalt unserer Kultur eintrete. Nicht weil es die Bessere, sondern weil es die Unsrige ist. Jene, die (bislang) hier gilt. Jeder ist willkommen und darf sich integrieren. Wir sollen die Pflichten des Gastgebers erfüllen. Doch integrieren heisst, auch ein guter Gast zu sein und sich den vorgefundenen Gegebenheiten anzupassen. Jeder Mensch ist frei und soll leben, wo es ihm zusagt. So wie jeder hierherkommen darf, so soll jeder, dem es hier so wie es ist nicht gefällt, wieder gehen. Schnell! Und ohne dem Gastgeber Schaden zuzufügen. Man kann nicht woanders hingehen und dort per Zwang, per Gewalt, per Demonstration jene verändern wollen, die in der Not geholfen haben. Man kann vorschlagen, was anders sein könnte und sollte, und argumentieren, warum das richtig ist. Ist es dann tatsächlich richtig, dann wird es wohl angenommen werden. Ein vorsichtiges und langsames Vermischen. Auf keinen Fall ein Austauschen. Das ist mein Verständnis von Integration, von Weiterentwicklung; der Asset von Wien, dem Schmelztiegel der Nationen. Aber jetzt »verschmilzt« das Material nicht mehr in diesem Tiegel. Es bilden sich immer mehr Klümpchen. Und das ist nicht gut!

Die größte Motivation für die Kleinschreibung war der Hinweis auf die Gleichwertigkeit der Nationen und es war ein Zeichen für Ungehorsamkeit gegenüber dem Staat (Thoreaus Aufruf ist heute gültiger denn je). Heute ist mein Groß-Kleinschreiben ein Zeichen für den Erhalt der eigenen Kultur. Weiterentwickeln JA, aufgeben NEIN. Integration neuer, fremder Kulturen JA, das hat Tradition in Wien, aber aufgeben des Erreichten NEIN.

Wenigsten ein Gutes hat dieser Wahnsinn unserer »Eliten«. Er befreit mich von der Notwendigkeit durch Kleinschreiben ein Zeichen zu setzen und zwingt mich es durch Groß-Kleinschreibung zu machen. Freuen Sie sich auf (für Sie subjektiv) besser lesbare Texte.

Design-Thinking und Think Design!

Unternehmen, so sagt(e) man, sollen Design-Thinking nutzen, um besser zu innovieren, um ihr Business zu entwickeln, um erfolgreicher zu sein.

Dem kann man zustimmen.

Man will schließlich nicht dem Schicksal von Xerox, Digital, Nokia, Sony, etc. folgen. Diese Unternehmen erkannten die Potentiale ihrer Arbeit nicht und konnte sie nicht auf die neuen Wünsche ihrer Kunden transferieren. Sie waren unfähig, »sich neu zu erfinden«*.

Wie konnten diese Firmen die Potentiale ihrer Ideen übersehen?

Weil Manager nicht denken wie Designer.

Man soll also Design-Thinking nutzen!

Aber nicht indem man erfolgreiche Denkweisen (die eigenen) ablegt, sondern die andere (die der Designer) auch nutzt.

Das Ergebnis sind bessere Services, sensiblere Wahrnehmung von Servicemängel und ein erhöhtes Bewußtsein über den Handlungsbedarf.

Aber wie — mit Design-Thinking?

Das hängt davon ab …

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das recht der freien meinung

das recht auf freie meinungsäußerung ist oft der aufhänger warum demonstrationen auf jeden fall genehmigt werden müssen.

doch wenn das recht auf freie meinungsäußerung gilt, dann muss auch das recht auf diese-andere-meinung-nicht-hören-wollen gelten. es kann nicht sein, dass eine minderheit eine mehrheit zwingt sich mit deren meinung auseinanderzusetzen. umgekehrt gilt das selbstverständlich auch.

abgesehen davon gibt es kein recht für irgendetwas, das lesen wir schon bei alexis de toqueville. die menschen sollen sich frei entfalten, tun können, was immer sie wünschen, sie müssen nur den kategorischen imperativ einhalten, sie dürfen die freiheit des nächsten nicht einschränken, in diesem fall, ihn nicht belästigen. dem nachbar muss die chance gegeben werden, es nicht hören zu müssen.

 

Der Grad der Toleranzfähigkeit

der grad der toleranzfähigkeit gegenüber anderen ist direkt proportional zum grad der eigenen disziplinlosigkeit.

also, je weniger diszipliniert ich bin, desto nachsichtiger bin ich mit anderen.

diese toleranzfähigkeit eines menschen steigt mit dem grad seiner ignoranz. über dieses thema schrieb ich bereits einmal. dieser tage hat es sich wieder bestätigt. jene menschen, die vereinbarte regeln nicht ernst nehmen und diese daher nicht einhalten sind besonders auffällig tolerant gegenüber den anderen. »na, wenigsten was«, könnte man sagen. wenigsten fordern sie nicht von anderen, was sie selbst nicht machen, das einhalten von regeln.
das dumme dabei ist, dass dieses nicht einhalten vereinbarter regeln letztlich den sozialistischen traum aushebelt. denn am ende gewinnt doch der stärkere, nämlich der ignorantere. dabei waren es doch die einvernehmlich festgelegten regeln, die ein gemeinsames leben für alle angenehm machen hätten sollen.
es ist also so, dass die linken auf der einen seite fordern, man möge alle gleich behandeln und man müsse regeln für die gerechtigkeit festlegen. auf der anderen seite sind jene linke genau die menschen, die besonders tolerant sind, somit akkurat jene, die es mit dem einhalten der regeln nicht besonders genau nehmen. sie sind jene, die meist besonders ignorant sind. man beobachtet, dass jene, die so handeln, ihre stärke nutzen, um sich einen persönlichen vorteil zu verschaffen. wer ignorant ist, ist das immer auf kosten eines anderen. letztlich sind also auch sozialisten spielball einer freien »wirtschaft«. sie handeln zu ihrem vorteil und nehmen in kauf auch manchmal im nachteil zu sein. den anderen aber weisen sie auf die schlechtigkeit einer freie wirtschaft hin. warum? weil ihnen auch das einen vorteil verschafft

Opportunitätskosten? mag ich nicht!

Ich hasse diese Opportunitätskosten: wenn man sich für eine Sache entscheidet, dann muss man eine andere aufgeben. Aber ich will alles. Ich will schreiben UND zeichnen UND mein Englisch verbessern UND alle Bücher lesen, die mir zufliegen (und natürlich auch die Blogposts, die Medium-Artikel, jene von FastCo, dann die aus den zahlreichen Newslettern) UND ich will die Projekte vorantreiben UND neue Dienstleistungen anbieten UND in Workshops, Seminaren oder Designjams Design-Wissen (Design-Thinking) vermitteln UND selbstverständlich will ich Vorträge darüber halten UND schließlich auch noch Neukunden gewinnen, dh. Telefonate führen und Gesprächstermine wahrnehmen UND dann wäre dann noch das gute Leben, mit regelmäßigen gemütlichen Gesprächen mit Freunden bei einer Tasse tee UND etwas Muße zum Nachdenken UND, ja, spazieren gehen wäre auch fein.

Dann kommt Einer und sagt: sie müssen priorisieren, der Tag hat auch für sie nur 24 Stunden. Das macht es ja ganz deutlich: Opportunitätskosten. Ich hasse sie.

Jetzt gilt es den Unternehmer herauszukehren. Welche Tätigkeiten bringen notwendiges Einkommen, welche sind bequem und bringen auch noch was und welche will man WIRKLICH tun? Das ist tagesabhängig, jahreszeitabhängig und situationsabhängig. Am liebsten würde man alles wissen (alles schon gelesen und verstanden haben), sich schon mit Texten und durch Vorträgen damit wichtig gemacht haben und dann gibt es eine Nachfrage vom Markt: Menschen interessieren sich für die Gedanken, die sich einer zu einer Problemstellung macht; Aussagen, die die Nachfrager weiterbringen, die ihnen auf die Sprünge helfen. Denen ist das etwas wert, weil sie ja sonst stecken bleiben würden. Das ist ein Einkommen.

Also gründete ich den Design-Thinking-Tankjetzt mit Bindestrichen geschrieben, wegen der besseren Lesbarkeit und auch wegen SEO (Suchmaschinenoptimierung). Der Design-Thinking-Tank versammelt solche Denker rund um den Designer und ermöglicht den Menschen bequemen Zugang zur anderen Denkweise, Design-Thinking (oder »lateral thinking«, wie man es auch nennen könnte, oder abduktives schließen), jedenfalls zu einer Denkweise, die durch Beobachtung und alternativer Vernetzung unterschiedlicher Wissensgebiete neue Zugänge zu Problemlösungen öffnet. Den Lösungsweg kann der Betroffene dann selbst beschreiten und seine Aufgabenstellung (auf Wunsch mit Anleitung der dtt-Scholars) bearbeiten. Das ist die beste Form »design thinking” zu lernen und es als »Werkzeug« zu benutzen.

Ja, wir werden nun unser Werkzeug erklären und dessen Gebrauch vermitteln. Letztlich kann es nur besser werden.

Der Design-Thinking-Tank vermittelt den Gebrauch des Werkzeugs »design thinking« und verhilft den Lernenden und auch mir zu einer günstigeren Opportunitätskosten-Kontrolle. Man kann mehr erledigen, muss weniger für anderes aufgeben und bringt was weiter, jedenfalls kommt man der Selbstverwirklichung wohl näher. Die Aufgabe lautet ja: das tun, was man wirklich will.

Mehr über den Design-Thinking-Tank und Kontaktaufnahme für ein Engagement findet man hier.

Das Problem

Die großen Unternehmen müssen durch die Innovationskraft der kleinen in Schach gehalten werden. Die können das und machen es auch immer wieder – in anderen Ländern. Große Unternehmen wissen das. Das Problem in Österreich ist (vermutlich auch in der EU), dass die Politik die kleinen Unternehmen bei der Gründung (unwissend?) und auch beim Wachstum behindert. Durch das Regelwerk, mit dem sie die großen behindern wollen. Das ist ja das Paradoxe daran. Die Manie große Unternehmen einschränken zu müssen macht den kleine Unternehmen die meisten Schwierigkeiten.

planen, oder nichtplanen, das ist hier die frage.

wenn man konkret arbeitet, dann taucht man in die arbeit ein, man vertieft sich, ist versunken.

anders ausgedrückt: man hat keinen überblick über all das andere, das für das projekt noch notwendig sein wird oder sein kann und über all die anderen projekte und über das noch zu erledigende insgesamt.

ich will den überblick behalten.

also suche ich immer diesen »helikopter-blick« zu bekommen. ich plane. dann beginne ich zu arbeiten. stoppe. plane wieder, was es noch zu tun wird geben.

aber statt all dem planen soll man doch konkret arbeiten? nur planen heisst nur träumen von den dingen, die einmal erledigt sind. also besser sofort zupacken, gleich nach dem ersten planungsschritt, man weiß ja ohnehin nicht, was bei der arbeit wirklich herauskommt, was die ausgangssituation für den nachfolgenden schritt sein wird, da kann man sich doch die planung der nachfolgenden schritte vorerst sparen.

so tauche ich sofort wieder in die konkrete arbeit ein, vertiefe mich, versinke in tätigkeit.

und bekomme schlechtes gewissen, ein ungutes gefühl, da ist noch so viel zu tun, so viel anderes offen, soviel, das noch zu bedenken ist.

und jetzt drängt es mich wieder in diesen helikopter.

das spiel beginnt von vorn.

xenophobie und fremdenfurcht

in verzerrten märkten erhält der unternehmer nur unsaubere signale vom markt. abzuschätzen, welche produkte (gegenstände oder dienstleistungen) gewünscht sind und sein werden, wird immer schwieriger. der designer mit seiner aussensicht ist in einer günstigeren lage zu erahnen, was nachgefragt sein könnte. er hat es jahrelang, mitunter jahrzehntelang trainiert. wenn es »ein guter« ist. der designer beobachtet die gesellschaft und zieht seine schlüsse. er will wissen, was dahinter stecken könnte und formuliert eine these aufgrund der aktuelle ereignisse keine überraschung mehr sind. er zieht abduktive schlüsse (wenn man es wieder »gelehrt« ausdrücken will). diese fähigkeit kann man auf vieles anwenden.

aktuell könnte man nun der ansicht sein, eine gewissen xenophobie macht sich unter dem volk breit. die gesellschaft, so meint man, ängstigt sich vor den fremden, die da in massen kommen. die »bildungsnahen« schichten sagen: es gibt eine unbegründete xenophobie der wir entgegen arbeiten müssen. sie nennen es »xenophobie«, weil das fachsprachlich ist — es klingt gebildet — es erlaubt, sich vom durchschnittsbürger abzugrenzen, vom »bildungsfernen mob«.

doch xenophobie leitet sich aus dem griechischen ab: xénos »fremder« und phobia »angst«, »furcht«; also fremdenfurcht.
schauen wir genau hin, so mag es manchmal der fall sein, dass man angst vor »dem fremden« hat (was durchaus gelegentlich das überleben sichern kann), aber insgesamt können wir in unserer gesellschaft keineswegs eine große furcht vor den vielen fremden erkennen. es ist vielmehr eine wut, die wir sehen, eine wut einiger (jener »xenophoben«) über die mißachtung der gesetze der gastfreundschaft. grundsätzlich gibt es die bereitschaft zur gastfreundschaft, aber nicht auf kosten der eigenen kultur. diese kultur gilt es vom gast zu achten. ihr muss er sich unterordnen, anpassen, einfügen. das ist kein klein-beigeben und kein unterwerfen, das ist eine frage des anstands.

würden wir nun diesen »bildungsfernen schichten« vorwerfen, sie hätten fremdenfurcht, würden sie widersprechen. sie haben keine furcht vor dem fremden, nicht im großen stil. eher ist es ein fremdenärger, der entsteht, weil man meint seine eigene, mitunter schwer erkämpfte position, aufgeben zu sollen, weil »die anderen« eben »anders« sind. doch wir haben es uns in jahrhunderten und jahrzehnten erarbeitet katholik, protestant oder buddhist sein zu können, ohne dass wir uns täglich bekämpfen. wir akzeptieren und respektieren, dass wir unterschiedliche religiöse positionen beziehen, ohne den anderen als ungläubig zu bezeichnen. wir respektieren sogar personen, die keiner religion angehören, die agnostiker und atheisten. das soll nun nicht mehr wichtig sein? auch nicht die (noch immer auszubauende) gleichstellung der frau? auch die freiheit der sexuellen vorlieben und ihre zur-schau-stellung soll unwichtig sein? unsere traditionen sollen wir aufgeben, unsere speisenvielfalt anpassen? natürlich nicht. niemand würde dem, wenn man es so darstellt, zustimmen und das erreichte über bord werfen.

der ärger der menschen, den wir zeitweilig beobachten können, ist die reaktion auf die angedeuteten, von unserer gesellschaft zu erbringenden anpassungen unserer kultur. es ist keine xenophobie, keine fremdenfurcht, es ist eine wut sich verändern zu müssen — oder zu glauben, sich verändern zu müssen. nehmen wir an, eine vielzahl der unfreiwilligen »gäste« ist dankbar und akzeptiert die hier vorgefundende andere kultur, deren menschen sich ihrer erbarmen. freilich, als guter gastgeber wird man ein wenig die eigene bequemlichkeit zu gunsten des gastes aufweichen, aber keinesfalls aufgeben.

die politik versagt in seinen kernfunktionen — wieder einmal. der politiker erscheint als undankbarer beruf, mir scheint, entsprechend selten wird der nachgefragt. also wundern wir uns nicht, warum basisfunktionen nicht erfüllt werden, zb. die voraussicht (mindestens 50…100 jahre), integrität in so hohem maße, dass sie als vorbild wirkt, besonnenheit und weisheit, etc. stattdessen meint man sich, gelegentlich, in einem »kindergarten der erwachsenen« zu befinden, wenn man diverse berichte aus dem hohen haus und von den pressekonferenzen liest. von umsicht und vorausschau keine rede.

just diese personen, diese politiker, beklagen nun (nicht alle) die reservierte reaktion eines gutteils der bevölkerung, deren ärger gegenüber den neuankömmlingen, die sich (wie gesagt, so scheint es, auch wenn es bloß einzelfälle sind), die sich nicht wie gäste verhalten, die die hier geltenden regeln nicht akzeptieren wollen, im glauben, ihre regeln wären die einzig wahren. der rest der welt sind ungläubige und daher minderwertig.

das problem ist, und damit verschärft sich die situation auf unangenehme weise, dass nur die re-aktion des volkes verurteilt wird und nicht die aktion der gäste. und zwar von »den eigenen«. das empfindet man als ungerecht. das empört. und das führt zur steigerung der wut im volk. es ist die toleranz der »gäste«, die es einzufordern gilt. toleranz ist doch einer unserer werte? das volk wird aufgerufen, diesen wert zu leben, gleichzeitig gestattet man (die politiker, die eliten) es »den anderen« ihn zu negieren.
es ist keine fremdenfurcht, es ist die wut gegen die politiker, die nicht gerecht, und wenn schon ungerecht, dann nicht für das eigene volk handeln. es braucht keine bevorzugung »der unsrigen«, es braucht bloß ausgewogenheit in der behandlung. thomas andreas beck hat dazu einmal einen blogpost verfasst, über zwei kinder, einem schlimmen und einem braven, und darauf hingewiesen, dass sich die eltern auch und insbesondere mit dem schlimmen beschäftigen sollen.

die österreichische geschichte, unsere gene, sind multikulturell. wien ist nach wie vor ein schmelztiegel der nationen und völker. allerdings, aber historiker mögen mich bitte korrigieren, haben sich die hierhergesiedelten immer der aktuellen kultur angepasst und diese, quasi von innen heraus, als österreicher, als wiener verändert. sie haben sie weiterentwickelt; graduell und unter erhalt des bereits erreichten. so war es immer eine bereicherung, weil etwas dazu kam und nichts wünschenswertes und erhaltenswertes aufgegeben werden musste.

heute ist das anders (so hört man gelegentlich): kein christbaum im kindergarten und auch keine gummibären auf der kindergeburtstagstorte, kein schweinefleisch in der wurst, kein martinsfest mit laternen, keine nackten skulpturen im öffentlichen raum, besser kein spätnachts-über-den-praterstern-flanieren, etc.

was wir beobachten ist keine xenophobie, sondern die reaktion des volkes auf die intoleranz der anderen, auf ihre weigerung sich unserer kultur anzupassen (oder auf die wahrgenommene weigerung). würden wir den menschen umgangssprachlich vorwerfen, sie hätten »fremdenangst« würden sie protestieren. stattdessen verstecken wir uns hinter bildungssprache und heißen sie »xenophob«. damit dienen wir nicht der sache. damit schüren wir unverständnis zwischen den gesellschaftsschichten und wut. diese wut macht blind, öffnet den geist für einfache lösungen, formuliert in einfachen worten. und das ist es, was zu befürchten ist.

Alles soll wieder so werden wie es niemals war.

die lösung in verzerrten märkten?

im zeitalter der verzerrten märkte (also dieser tage) brauchen unternehmer neue werkzeuge und verlässliche gefährten, um durch die untiefen und stürme der weltwirtschaft zu navigieren. zu unsauber sind die signale des marktes. Think Design! ist ein coachingprogramm, das diesen zugang zu werkzeugen und gefährten eröffnet. mit diesem programm und seinen trainings erarbeiten sich unternehmer und unternehmensgründer eine neue tugend: design-gesinnung. doch warum ist das wichtig?

organisationen sind heutzutage häufig immer noch produktzentriert*, obwohl bereits klar zu erkennen ist: konsumentenorientiert ist angesagt. ich schreibe hier bewußt konsumenten-orientiert statt konsumenten-zentriert, denn es geht nicht darum genau das zu tun, was konsumenten heute wünschen. vielmehr muss man sich wieder seiner wurzeln als unternehmer bewusst werden, mutig sein und risiko schultern. risiko, das wohl kalkuliert ist, denn der gute unternehmer bietet das an, was konsumenten morgen wünschen werden. er erkennt durch seine empathischen fähigkeiten, was einmal als mangel empfunden werden wird und bietet rechtzeitig – das heisst, zum rechten zeitpunkt – ein produkt an, das diesen mangel behebt.

unglücklicherweise findet der unternehmer heute kaum noch zeit seine empathie zu trainieren; zu aufwändig sind administration der gesetzesvorschriften und steuererklärungen. dazu kommen die verzerrungen der märkte durch interventionen der regierungen, gepaart mit träuender rechtsunsicherheit, weil es sich regierungen immer wieder anders überlegen. damit wird die vorhersage und das abschätzen des gewünschten immer schwieriger. und auch immer riskanter.

glücklicherweise gibt es eine menschengruppe, deren kernaufgabe das erkennen gewünschter produkte* und gewünschten gebrauchs ist, eine berufsgruppe, die aus nutzerperspektive handelt, die als sprecher des gebrauchers agiert: designer. heute nennt man sie wohl besser »designthinker«, also menschen, deren denkweise aus dem design kommt. die trainiert sind, sich in die position eines nutzers zu versetzen, die sich einer zielgruppe anpassen und dann, aus dieser perspektive (quasi für sich) entwerfen können. so gelingt eine plausible vorhersage.
designen bestimmt in zukunft die produktentwicklung, die technik folgt diesen vorgaben, denn designer wissen was nutzer wünschen und sichern damit bestes produkterlebnis (vgl. apple insbesondere von 1997–2012). räumt man design (der disziplin) eine führende rolle ein, dann ist der nutzer könig (im besonderen sinne) und die technik wird angefeuert zu glanzleistungen in innovation. design ist die stimme der konsumenten, der nutzer. warum? weil design auf den »use case«, auf das fallbeispiel fokussiert und auf das erlebnis. design ist eine starke stimme, die dem nutzer zu dem verhilft, was der gerne hätte, ohne dass er gezwungen wäre es zu verbalisieren. er könnte es nicht, er weiß es nicht. ich gehe sogar soweit und sage, der nutzer hat das recht, nicht zu wissen was er wünscht.

design bringt die technik, die prozesse, die regeln (handlungen, vereinbarungen) zum nutzer, aber nur die, die dieser sucht und braucht, und das in einer form, die dieser versteht.

technik (die disziplin und ihre vertreter) allein ist technikgetrieben. das ist gut und soll unbedingt so bleiben, denn ohne sie geht es nicht. in kombination mit design wird sie zum erfolg.

es geht nicht bloß darum der erste zu sein, sondern es geht darum eine aufgabenstellung des nutzers besser zu lösen. es gilt, die marktsignale richtig zu deuten. der designer hilft bei der interpretation.

*produkt: ein gegenstand, ein prozess oder eine dienstleistung.

das abduktive denken der designer – was ist dieses designthinking?

was ist dieses designthinking? die einfache, kurze antwort: es ist die denkweise der designer.
die lange ist komplexer.
und sie ist deutlich schwieriger zu beantworten.
der fisch im wasser erkennt nicht, dass es naß ist. genauso schwierig ist es, die eigene denkweise zu beobachten und den nutzen, den diese den anderen bringt, zu erkennen. zu leicht tappt man in die falle und nimmt an, so wie man selbst denkt, denken auch die anderen. man meint, sich selbst zu beobachten und schlüsse aus dem eigenen verhalten und dem der nutzer (user) zu ziehen, mache ohnedies jeder. leider nein.
eine der fähigkeiten aus dem designthinking ist das »abduktive schließen«. das aufstellen von regeln basierend auf diesen beobachtungen von anderen und sich selbst, sodass das beobachtete keine überraschung darstellt, sondern logisch folgt. damit kann man gestalten, also neues synthetisieren.
(ich führe das später im detail aus).
was ist dieses designthinking? es ist die denkweise der designer.

Die Handschrift des Designers

Gibt es eine Handschrift, soll es die geben und wäre so eine Handschrift nützlich für den Auftraggeber?

Einführung

Braucht der Industrial Designer eine wiedererkennbare »Handschrift«? Präziser formuliert: Soll die Formensprache der von einem Designer gestalteten Produkte klar diesem einen Designer zuordenbar, also typisch für diesen sein?

Auftraggeber wünschen gelegentlich, so eine typische Formensprache (eben die »Handschrift«) zu kennen, um für sich Kaufsicherheit zu entwickeln, weil sie meinen, damit das Ergebnis eines neuen Projekts im Voraus abschätzen zu können.

Aber »der gute Designer« darf keine individuelle Handschrift haben, was die Formensprache der von ihm gestalteten Gegenstände betrifft.

 

Warum das so ist – ja, warum das sogar so sein muss, ist Gegenstand dieses Aufsatzes.

 

Kaufunsicherheit

Es ist die Kaufunsicherheit, die einen potentiellen Auftraggeber eines Designprojekts dazu treibt zu meinen, er müsse die Handschrift des Designers kennen. Man kann im Vorhinein, insbesondere wenn man das erste Mal mit einem Designer zusammenarbeitet, kaum sagen, ob dieser die eigenen Ansprüche erfüllen können wird. Man kann die Leistung nur schwer beurteilen. Also vergleicht der Neo-Auftraggeber die Arbeiten potentieller Kandidaten.

Das mag zwar ein paar Hinweise auf die Gestaltungskompetenz geben, doch liefert das nicht wirklich jene Informationen, die eine Auswahl erleichtern, denn die gezeigten Arbeiten sind immer das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Designer und Auftraggeber. Man sieht daher höchstens die Mischung (eine Art Multiplikation) der Kompetenz des Designers und der Kompetenz des Herstellers. Die Kompetenz des Herstellers (oder der Mangel an derselben) wiegt dabei in den meisten Fällen deutlich schwerer im Ergebnis: es ist das Engagement der Techniker, die Präzision in der Fertigung und das Feingefühl des Marketings, die ein Produkt glänzen lassen. Der Designer kann den Diamant liefern, der Hersteller muss ihn aber richtig schleifen, damit es ein Brillant ist.

Einige Auftraggeber flüchten sich in die Austragung eines »Pitches«, also einer Art Probearbeiten, einem Wettbewerb, um einen Vorgeschmack auf das Erwartbare zu bekommen. Damit tun sie sich und der Branche keinen Gefallen. Es ist dann eben nur ein »Vor-Geschmack«, nicht aber unbedingt der wirkliche. Man kann zur Darstellung einer Leistung nicht »nur ein wenig arbeiten«. Der Auftraggeber will vorher wissen, was nachher herauskommen wird. Das ist letztlich unmöglich. Um zu zeigen, was nachher herauskommen wird, muss man das Thema bearbeiten. Richtig und vollständig bearbeiten. Der Designer muss die Leistung erbringen, damit man sie sehen kann. Das klingt hier logisch und sonnenklar. Im Alltag wird das oft übersehen.

 

Kaufmännisch macht so ein »Vorhüpfen« wenig Sinn. Der Designdienstleister muss diese Vorleistungen (auch wenn sie mit Anerkennungsbeträgen honoriert werden) vorfinanzieren. Diese Vorfinanzierungen müssen vorher verdient werden. Da man davon ausgehen muss (kaufmännische Vorsicht), dass man solche »Design-Auditions« nicht immer gewinnen wird, muss der Designkaufmann einen entsprechenden Gemeinkostenzuschlag kalkulieren, der in Folge alle Designarbeit verteuert. Aber das soll hier nicht weiter ausgeführt werden, dazu an anderer Stelle mehr.

 

Design hat zum Ziel, Nutzen für den Gebraucher zu stiften. Dabei unterscheiden wir drei Nutzendimensionen: Funktionalen, emotionalen und sozialen Nutzen.

Der funktionale Nutzen ist dann erfüllt, wenn ein Gegenstand gut handhabbar und dem Gebraucher nützlich ist. Wenn der Gegenstand seine Funktion erfüllt, wenn die Ergonomie stimmt, also der Gegenstand die anthropometrischen Maße der Zielgruppe berücksichtigt. Zum Beispiel indem  der Griff eines Haarföns genau den Durchmesser hat, den eine Mehrheit der Frauen im Verkaufsgebiet gut umgreifen und somit sicher halten kann.

Der emotionale Nutzen ist dann groß, wenn der Gegenstand seinen Besitzer oder Benutzer mit Freude erfüllt. Der Gegenstand ist schön anzusehen, er gefällt dem Benutzer und daher fügt er sich (so kann man annehmen) harmonisch in seinen Lebensraum ein. Er harmoniert mit den anderen Gegenständen im Umfeld des Benutzers.

Sozial nützlich ist ein Gegenstand dann, wenn damit die Anerkennung in der Gruppe des Benutzers steigt. Das erreicht man mit einer entsprechenden Formgebung (die der »Peer-Group« des Benutzers die richtigen Signale gibt) oder durch eine bestimmte Marke, einem »Brand«. Der Benutzer gewinnt durch den Besitz und Gebrauch dieses Gegenstands die Möglichkeit zu prahlen – auffällig und direkt oder unauffällig durch »understatement«; die Freunde wissen schon Bescheid. Letztlich ist der Gegenstand ein Kommunikationskanal, mit dem ein Benutzer (bewusst oder unbewusst) sein Wertesystem, seine Haltung nach außen trägt. Das ist die soziale Funktion.

Es ist dem Leser bestimmt sofort klar gewesen, dass sich diese drei Nutzendimensionen gegenseitig beeinflussen. Ein Gegenstand, der gut handhabbar ist, der seine Funktion bestens ausübt, bereitet Freude. Ein Gegenstand, dessen Form eine Augenweide ist, der einen täglich erfreut bereitet, steigert auch die soziale Anerkennung (wenn man ihn den Freunden zeigt).

 

Für wen gestalten?

Ein Auftraggeber könnte nun meinen, kenne er die Handschrift des Designers, könne er dann sicher sein, dass ihm das Ergebnis der Designdienstleistung gefallen wird. Aber nutzt ihm das auch? Das neue Produkt soll sich bestens verkaufen, und wenn dem Auftraggeber die Formensprache der vom Designer gestalteten Gegenstände gefällt, wenn sie seinem Geschmack entspricht, dann wird das der Fall sein — oder?

Oder ist es nicht eher so, dass die Formensprache für den Gegenstand so gewählt sein muss, dass die Zielgruppe davon angetan ist?

 

Im Industrial Design darf es keine »Handschrift des Designers« in der Formensprache der Gegenstände geben. Ein Gegenstand muss sich harmonisch in den Lebensraum des Konsumenten einfügen und somit dessen Geschmack entsprechen. Damit würde der emotionale Nutzen erfüllt.

Aber es geht immer auch um sozialen Nutzen, um Kommunikation zur Umwelt. Also muss der Gegenstand auch diese Funktion erfüllen. Das übernimmt nur zum Teil die Form, in einem häufig größeren Umfang übernimmt diese Funktion der »Brand«. Ein Gegenstand muss seine Herkunft klar vermitteln: ein Mercedes muss »nach Mercedes aussehen«, ein Philips-Produkt nach Philips … und das ist anders als Sony.

»Der gute Industrial Designer« wird also seine Handschrift an die Aufgabe anpassen. Er wird den Markencharakter erfassen und er wird die Produktwelt der Käufer analysieren und dann ein Produkt »zeichnen«, das sich harmonisch in diese Käuferwelt einfügt und dennoch den »Brand« kommuniziert.

Darüber hinaus wird er seinen Einfluss geltend machen, dass dieses Produkt auch bestens funktioniert, also einfach handhabbar und nützlich ist. Mehr noch, er wird durch die Form genau diese Qualität vermitteln.

 

Jetzt wird man einwenden, es gibt aber doch Designer mit »eigener Handschrift«, mit einer typischen Formensprache. Ja, das sind die sogenannten »Star-Designer«: Ein eigenes Geschäftsmodell unserer Zunft und nicht in allen Branchen anwendbar. In diesen Fällen ist nicht der Hersteller die Marke, die gekauft wird, sondern der Designer. Der Hersteller ist im besten Fall ein Co-Brand, der dem Konsumenten die Produktionsqualität versichert.

Auch von diesen Designern gestaltete Produkte können alle drei Nutzendimensionen erfüllen: sie können gut benutzbar sein, also die ihnen zugedachte Funktion bestens erfüllen, sie können Freude bereiten, weil die Formensprache anspricht und sie sind auf jeden Fall geeignet, um dem Benutzer soziale Anerkennung zu verschaffen. Letzteres ist wohl die Spezialität dieser Kategorie.

Ein von Philippe Starck designtes und von Alessi hergestelltes Produkt, das muss gut sein, meint der Konsument, jedenfalls für Top-Anerkennung in der Peer-Group und zur Demonstration von »gutem Geschmack«.

Der Wermutstropfen für den Auftraggeber ist, dass der Herstellerbrand tendenziell in den Hintergrund rückt. Doch das muss wirtschaftlich kein Nachteil sein, denn solche Star-Designer sind – richtig gehypt – »Konsumentenmagnete«. Ob es allerdings für die Benutzbarkeit des Gegenstands vorteilhaft ist, bleibt fraglich. Oft steht in diesen Arbeiten die Ästhetik in der Beurteilung deutlich über dem Gebrauchsnutzen und der Handhabbarkeit.

 

Auch in der Automobilbranche kann man gelegentlich meinen, die »Handschrift des Designers« zu erkennen. Genaugenommen, die Handschrift des Designchefs. So gelten die Mercedes-Karosserien aus der Zeit, als Bruno Sacco die Designabteilung leitete, als besonders elegant. Wir unterscheiden klar die Ära von Klaus Luthe von jener von Chris Bangle bei BMW und alle erinnern sich noch an die kantigen und polarisierenden Renaults der Ära Le Quements. Doch auch wenn man diese Formensprachen den jeweiligen Designchefs zuordnen kann, so waren es kaum deren »Designerhandschriften« in Reinform. Design ist ein »Teamsport«, insbesondere im Transportation-Design, also z.B. die Gestaltung von Autokarosserien. Zig Designer, Techniker und leitende Manager beeinflussen die Form eines Autos, ehe es vom Fließband läuft.

 

Der Designer (der Chefdesigner in der Automobilindustrie) ist allenfalls mit einem Musiker (oder einem Dirigenten) vergleichbar, der eine vorgegebene Komposition dem Geschmack des Publikums entsprechend interpretiert. Der Musiker kann das Stück schneller oder langsamer spielen, pompös oder einfach, zierlich oder kräftig wirken lassen. Die Komposition ist in diesem Vergleich der funktionale Nutzen, die Interpretation ist die Formensprache. Einem Zuhörer (einem Konsumenten) kann die Interpretation (die Formensprache) gefallen oder nicht, er will das Lied (den funktionalen Nutzen). Sowohl der Musiker als auch der Designer werden eine Interpretation, eine Formensprache wählen, die das Publikum anspricht.

 

Doch letztlich gestalten alle Designer immer für sich selbst.

Der »gute Industrial Designer« nutzt seine empathischen Fähigkeiten und gleicht sich – gleich einem Chamäleon, das sich seiner Umgebung anpasst – der anvisierten Zielgruppe an, wird zu einem großen Prozentsatz Teil dieser Zielgruppe. Diese Anpassung gelingt ihm durch gründliches Studium der Zielgruppe, durch Befragung und Beobachtung, durch Selbstversuche. Hat er das erreicht, dann gestaltet er letztlich für sich selbst, aber eben als ein Mitglied jener Benutzergruppe – als einer von ihnen.

Anders der Star-Designer: Der gestaltet sofort nach Auftragserteilung und ohne Anpassung an den Kundenbedarf, Kundengeschmack, … denn der Markt (der Auftraggeber) wünscht ja genau des Designers Ästhetik.

 

Wir meinen, der Designer soll Gegenstände so gestalten, dass sie den Benutzer ansprechen und die Marke des Auftraggebers vermitteln. Der Designer darf keine erkennbare »Handschrift« haben, was die konkrete Form der von ihm gestalteten Produkte betrifft, denn die Produkte müssen sich insbesondere optisch in die Lebenswelt (Produktwelt) des Konsumenten einfügen und bestenfalls noch die Identität des Herstellers kommunizieren.

Im Idealfall funktioniert der Gegenstand gut und ist »nicht hässlich«. Das ist die höchste Stufe. Was heißt »nicht hässlich«? Es heißt, dass der Gegenstand eine ästhetische Qualität erreicht, die die maximale Akzeptanz in der Bevölkerung/Käuferschaft genießt. Aber das ist Inhalt eines anderen Aufsatzes. (Fortsetzung folgt)

wirklich freie marktwirtschaft herrscht nur in der politik

die politiker warnen uns immer vor der freien marktwirtschaft. aber wovor warnen sie denn wirklich? freie marktwirtschaft bedeutet, dass das passiert, was den beteiligten am angenehmsten ist, der weg des geringsten widerstands. das ist ein prinzip der natur.
ein beispiel: ein gebirgsbach findet selbst den idealen weg ins tal. der mensch als regulierer meint, durch eine flußregulierung zu entschärfen und verschlimmbessert damit oftmals.
die politiker meinen auch, sie müssten die wirtschaft regulieren. bei einem unwetter aber kommt es umso dicker.
dabei funktioniert die politik letzlich selbst genauso, wie die von den politikern gefürchtete freie marktwirtschaft, nämlich frei und maximierend, zügellos und entfesselt, kurz unreguliert. die währung der, nennen wir es politwirtschaft, ist die wählerstimme. je mehr, desto besser. der politiker ist gierig nach dieser währung, genauso wie es dem »kapitalisten« bezüglich geld nachgesagt wird. der politiker tut alles für mehr politwährung, er lügt dem volk die hucke voll, dass sich die balken biegen. das wahlvolk lässt es sich gefallen, es ist ja bereits zu stimmvieh degeneriert, denn die politik weiß, wie es gelingt, passende einnahmenquellen (wählerstimmen) zu generieren. kein wunder, dass niemand, der an den hebeln der macht sitzt, das schulsystem reformieren will. diese »politkapitalisten« bedienen sich ungeniert und würden niemals eine regulierung dieser politwirtschaft zulassen. sie müssten sie ja selbst gestalten.
kein fluss der welt würde sich selbst regulieren, einengen, sich seiner kräfte berauben lassen. also leben wir weiterhin mit politüberschwemmungen und politkatastrophen, bis es dem wahlvolk gelingt, über den köpfen der politiker hinweg, erkenntnis zu erlangen, zu verstehen, dass es so wie bisher, rein logisch, nicht weitergehen kann.
und dann? revolution!?

das hätte ich schon vor über drei jahren veröffentlichen können – ich tat es nicht. heute passt es immer noch. vielleicht sogar besser.

es geht voran – eine kurze zwischenbemerkung

nachdem ich unlängst darüber schrieb, dass man bloß mutiger sein muss, und dabei die metapher mit dem umdrehen des spiegeleis strapazierte, erlaube ich mir einen bericht über meinen aktuellen fortschritt. es gelingt nicht immer, aber immer öfters. vorige woche noch zusammengeklappt (zu wenig schwung), aber diese woche erfolgreich gewendet. es ist so, wie ich es vermutete und worauf ich hinwies: man muss seinen mut zusammennehmen, beherzt das spiegelei in die luft befördern, die landung funktioniert (fast) immer. ich wünsche einen mutigen wochenstart.

manchmal

manchmal gehen einem die dinge, die man irgendwie schon gerne macht, nicht so leicht von der hand, wie man sich das wünscht. »es zaht se«, wie wir in wien sagen. die dinge entwickeln sich nur zäh. langwierig. langsam. mir fällt auf, das ist insbesondere dann der fall, wenn ich mir vornehme, nur eine gewisse anzahl von stunden (oder weniger) dafür zu brauchen oder wenn ich in völliger absenz realistischer zeitschätzung eine liste am montag-vormittag zu erledigender aufgaben erstelle, die ich am freitag vielleicht zu einem drittel abgearbeitet habe. in diesen momenten erscheinen die arbeiten zäh.
dann gibt es andere. da ist man tief drinnen, die dinge fliegen einem nur so von der hand, die gedanken fließen in reißenden strömen, die ideen bersten aus dem kopf aufs papier, der stift flitzt dahin, die tastatur glüht. dann sieht man auf die uhr in der meinung der halbe tag sei inzwischen um — aber nein, es war grade mal eine halbe oder ganze stunde. man kann sich also noch einiges vornehmen für den angebrochenen vormittag. und dann passiert das alte spiel — siehe oben.
mir scheint, das problem ist die selbstauferlegte zeitbeschränkung. man möchte in einer stunde fertig sein, man möchte bei tageslicht arbeiten. ja, das ist noch eine straf-verschärfung: die winterszeit mit ihren kurzen tagen. selbst wenn man sich übertölpelt und die uhr aus dem blick lässt, der raum wird einfach dunkel und mahnt, dass der tag zu ende geht — dabei ist es grade mal halbvier. auch das drängt zum endlich fertig werden und schon ist es passiert: die arbeit ist zäh.
aber im flow, also ohne uhr, da macht man das, wofür man im moment am besten zu gebrauchen ist. schnell. zügig. freudvoll. daher auch besonders gut. das heisst nicht, dass man die zähe arbeit nicht gut oder nicht gerne macht, es ist nur eben deutlich anstrengender die gewünschte qualität zu erzielen. schaffen tut man es schon.
ist das, was ich da beschreibe, nicht genau das, was man als »prokrastination« kennt? also, das weniger konzentrierte, aber um konzentration bemühte arbeiten, das sich-ablenken-lassen von im moment »interessanterem«? das kennt jeder, nicht wahr? es ist das los der wissensarbeiter. insbesondere der wissensarbeiter, denn die können sich so eine ablenkung leisten. erklärte uns doch schon peter drucker, dass man beim wissensarbeiter nur schwer sagen kann, ob er gerade arbeitet oder faulenzt. dazu kommt die (bereits häufig erlebte) möglichkeit, dass diese ablenkungen neue querverbindungen initiieren, die aus einem durchschnittlichen ergebnis ein geniales machen.
also gut, zäher projektfortschritt ist das los des wissensarbeiter und birgt die chance auf geniale ergebnisse (output auf neudeutsch).
frohes neues jahr.

metapher aus dem alltag

die projekte, sein leben, beherzt leben – mit mut.
es ist vergleichbar mit dem umdrehen eines spiegleis durch schupfen der pfanne. schupft man die pfanne vorsichtig und behutsam, bleibt das spiegelei halb in der pfanne liegen, klappt höchstens zusammen. schwingt man die pfanne etwas stärker aber zögerlich, hebt das ei ab und landet mitunter am pfannenrand und der dotter ist zerstört. man muss mit viel schwung, also mit mut und zuversicht, das ei zum fliegen bringen und dann, so meine theorie, es mit gefühl wieder einfangen. ja, das erfordert übung, aber, so stelle ich täglich fest, auch den mut es in die luft zu werfen.
obiger absatz entstand aus den erfahrungen der letzten monate: ich warf zögerlich. das ergebnis waren zerplatze eidotter, teilweise am pfannenrand gelandete  oder bloß zusammengeklappte spiegeleier. gestern dann, der erste absatz war schon vorgestern geschrieben, ein erster versuch mit etwas mehr mut und ich erlebte eine andeutung meiner erfolgstheorie. und heute – mit beherztem wurf, ich nahm all meinen mut zusammen ;-)) – flog das spiegelei-paar (es waren zwei eier in der pfanne) gute 30 cm über der pfanne, drehte sich perfekt und landete mit erstaunlich gut hörbarem klatsch in der pfanne. kein dotter wurde dabei verletzt, das spiegelei perfekt und ohne »klibber« (also kein ungestocktes eiweiß).
fazit: mehr mut! das erinnert mich an »if you wanna soar, you have to jump first.« (mit paragleitschirm, freilich).

die diskursunfähigkeit unserer tage

es ist ein problem der diskursfähigkeit.
man will manche ansichten nicht hören und negiert sie. dieses »überhören« führt wiederum dazu, dass diese ansichten verstärkt, zugespitzter, polemischer formuliert werden. auch diese werden — nun erst recht — zurückgewiesen. bis dann der ärger eines diskussionspartners so groß ist und das thema drastisch verkürzt — und dabei vereinfacht — präsentiert wird. als lösung.
es erinnert mich an einen defekten analogen lautstärkeregler. man will leise musik hören. man stellt das radio damit leiser, ein klein wenig noch. oh, jetzt ist es zu leise, ein interessanter beitrag. also versuche ich zart wieder etwas lauter zu stellen. doch das radio reagiert nicht. ich drehe den regler nur ein wenig nach rechts, aber es verändert sich nichts. es bleibt leise. ich drehe also vorsichtig ein wenig weiter nach rechts. nichts. also mit etwas mehr »ruck« und — zack — jetzt ist es viel zu laut. das radio plärt mir die nachrichten ins ohr. ein radio kann ich recht schnell wieder leise stellen, aber wie ist es mit einer gesellschaft?
man möchte, wenn man sich diverse diskussionen anhört, den regler ein klein wenig »nach rechts« drehen. sagen wir in die 1970er oder 1980er jahre. wir aßen damals noch »mohr im hemd«, schleckten »eskimo-eis«, kauften im zuckerlgeschäft »negerbrot« und andré heller wollte noch »ein zigeuner sein«. doch das klein-wenig-nach-rechts drehen funktioniert nicht. der regler ist nicht mehr fein genug, abgenutzt, erlaubt diese nuancierte, kontrollierte rechtsjustierung nicht. erlaubt nicht einmal eine darlegung und zerlegung der fakten, denn manche dieser fakten kann man eben gut als »politisch unkorrekt«, als diskriminierend, als einschränkend bezeichnen (was hermeneutisch meist offensichtlich falsch ist). also, anstatt dass man sich mit einer problematik ausführlich auseinandersetzt, begriffe und ihren gebrauch und bedeutungsumfang definiert, anstatt dass man unterscheidet zwischen den vielfältigen sonderfällen (heute heisst es »einzelfälle«) und dann ein differenziertes, sauber gedachtes ergebnis präsentiert, blockt man »von links« alle diskussion ab. man errodiert diesen lautstärkeregler, sodass eine feinjustierung nicht mehr möglich ist. die »musik« wird immer leiser, dh. der bürger fühlt sich immer weniger verstanden und will immer vehementer korrigieren, nur ein wenig lauter. geht nicht. hoffentlich wird es nicht abrupt laut. zu laut!
übrigens ist mir aufgefallen, dass dieses phänomen des eingrabens in eine position auch im alltag jedes menschen vorkommt. bei mir jedenfalls kann ich feststellen, dass man gelegentlich in einer diskussion in eine position gedrängt wird, die man dann auch noch verteidigt, obwohl man gar nicht vollständig damit übereinstimmt. man wird von den mit-(gegen?-)diskutanten förmlich an dieser position in den boden gepresst.
das ist ein symptom der diskursunfähigkeit.
und zwar der eliten!
am stammtisch wird geredet, das ist die eine sache, aber die eliten sollten besonnen agieren und sauber argumentieren. doch der stammtisch hat sich vergrößert. »die welt« (das internet, facebook, you-name-it) ist heute für viele dieser stammtisch. sie ist also deutlich größer geworden, diese »stammtisch-runde«, dabei kaum wissender. umso wichtiger ist es, dass wir uns im differenzierten, fakten analysierenden denken und diskutieren üben. welch eine wunderbare chance steht hier bereit ergriffen zu werden: man stelle sich vor, die menschheit diskutiert, in großer breite, besonnen die themen des alltags und man findet ein argumentatives ergebnis, das alle verstehen und dem alle zustimmen. eine utopie, gewiss, aber tendenziell realisierbar. heute »mehr den je«.

jahresbeginn 2017

der moderne mensch, der mensch der gegenwart, macht keine neujahrsvorsätze mehr. er weiß, dass diese kaum länger als drei monate, vielfach deutlich weniger lang halten. so soll das hier in kürze erwähnte auch nicht als neujahrsvorsatz missverstanden werden, sondern als eine maßnahme aus der erkenntnis, die sich durch das arbeiten zwischen den feiertagen letzte woche ergeben hat.
ich nehme mir täglich nur ein thema vor, das wichtigste. das bearbeite ich mit aller präzision, bedacht, also in achtsamkeit, konzentriert und mit freude. und in der richtigen geschwindigkeit. das erscheint einem (mir) manchmal etwas langsam, aber es funktionierte sehr gut, letzte woche. nachdem die mehrheit aller geschäftstreibenden auf urlaub war, konnte ich mir in den letzten dezembertagen so eine langsamkeit erlauben. nach dieser einen täglichen »großen« tat, folgt eine weitere, weniger große, eher dringende arbeit, eine arbeit zu dingen, die man einmal ausprobieren will oder administratives. danach, nun ist doch erklecklich viel tagesenergie verbraucht worden, würde man kleinkram erledigen, zeug würde es heidegger heute nennen, adaptionen auf der website, löschen unbenötigter emails, papiere am schreibtisch ordnen, etc. man kann da auch gespräche führen und mit erhellenden diskussionen den tag beschließen.
aus der zeitmanagementtheorie übernehme ich die forderung, den nächsten tag am vortag zu planen und verknüpfe das mit einem gemütlichen ausklingen des arbeitstages. die briten wussten das wohl schon immer richtig einzuschätzen: mit einem fünf-uhr-tee soll ruhe in die managerseele einkehren. dabei überlegt man besonnen, was denn das wichtigste für den nächsten tag sei. bleibt noch zeit, dann kann man jetzt noch die fachliteratur bewältigen und entsprechende randbemerkungen notieren. fertig. feierabend. lesen.

wehrt euch! kauft nicht bei …

der artikel von rené f. lichtschlag den ich gestern erhielt, drängt mich zu diesen zeilen:
die warnung, dass es wieder so kommen könnte wie einst, wenn wir nicht genug aufpassen, ist berechtigt. das problem ist, dass viele der warner sich selbst nicht beobachten und den gleichen mechanismen verfallen, die damals das unglück über die menschen brachten.
im moment scheint es so, als bekäme deutschland eine so schwere linke schlagseite, dass es demnächst nach links kentert. meistens versinkt ein schiff dann.
die unkenntnis der geschichte, das wenig-in-frage-stellen aktueller vorgänge und vor allem, das den anderen vorgehaltene, dabei selbst praktizierte vereinfachen der umstände, machen besorgt über unsere zukunft.
die freiheiten — für die sich unsere eltern und großeltern einsetzten — werden leichtfertig geopfert, im sinne einer vereinfachung und aus unverständnis. die höchsten güter sind die gedankenfreiheit, die freiheit über den eigenen körper bestimmen zu können, das eigentum. schleichend — gemäß der salamitaktik lesen wir im artikel — wurden diese freiheiten beschränkt. mit großem applaus gegen die raucher, dann gegen die homophobie, jetzt gegen andersdenkende. achja, hat es nicht mit der angurtpflicht begonnen? der staat nimmt dem bürger eigenverantwortung, weil dieser scheinbar nicht in der lage ist, über sich selbst zu bestimmen.
es scheint so, als ob die gesellschaft (oder sind es bloß die eliten) sich bereits so weit nach links lehnt, dass jede links-mitte-bemerkung als rechts markiert werden kann (was sie ja aus dieser stark-linken, vielleicht sogar links-extremen, sicht ist). diese tatsache, dass eine gemäßigt linke aussage rechts einer links-extremen aussage erscheint, paart sich nun mit der vereinfachung, dass jede rechte äußerung von einem rechten getan wird. es wird weiter vereinfacht: jeder rechte ist ein nazi. und jetzt tappt die linke elite in die falle. statt eine meinung als meinung stehen zu lassen, wird diese – weil sie nicht zum eigenen weltbild passt und weil sie argumentativ vielleicht nicht auszuhebeln ist – als schädlich und daher verboten markiert. denkverbot!
die warnung der libertären (»liberal« kann man kaum mehr verwenden, weil es mitunter mit »liberal socialists« in den USA, also den linken, verwechselt wird), dass mit dem rauchverbot das denkverbot vorbereitet wird, bewahrheitet sich in diesen wochen. wenn der staat, die eliten, der meinung sind, nur sie wüssten, was dem körper des bürgers gut tut, und müssten daher auf sein wohlbefinden durch verordnung achten, dann ist es nur logisch, dass sie dasselbe bei den gedanken der bürger und mit den diese einfärbenden texten machen: kontrollieren und verbieten.
das ergebnis: bei jeder aussage (auch bei diesen zeilen hier) überlegt man die auswirkungen in einer verwirrten und wütenden gesellschaft, die mittlerweile unfähig erscheint einen komplexen gedankengang ohne vorurteil zu durchdenken, zu erweitern, zu widerlegen. der reflex ist simplifiziert. es klingt rechts, es ist nazi, daher muss man es verbieten. jedes wort wird mit der messlatte der politischen korrektheit geprüft. dabei wird die messlatte laufend kürzer — die wörterinnen immer länger und unverständlicher.
zeit sich zu besinnen! ein diskurs ist sonst nicht mehr möglich.
es gibt meinungen und ansichten, man kann sie teilen oder eben nicht. aber man soll sie gelten lassen. wer denkverbote ausspricht, bereitet einer welt den boden auf, die er ja eigentlich verhindern will. man bedenke, dass sich links und rechts, auf einem kreis angeordnet, berühren. oder erkenne ich den unterschied zwischen stalin und hitler in bezug auf ihre gewalttaten nicht?

designthinking live

man kann es, wie ich zum beispiel, seit 30 jahren gewohnt sein, zu »designthinken« und ist dennoch immer wieder überwältigt — d.h. frustriert —, wenn man sich gerade in diesem knäuel des »designthinking-prozesses« verstrickt findet. sie, lieber leser, wissen ja, designthinking ist eine denkweise und kein klar definierbarer prozess. gerade das ist ja der entscheidende unterschied zum klassischen mangement-denken, einer eher kausalen vorgangsweise, einer eher »wasserfallartigen«.
ich erlebe es gerade eben wieder: ein projekt soll abgewickelt werden, erste ideen entstehen, man recherchiert, um sie zu prüfen, neue ideen werden konkret notiert (aufgezeichnet) und wieder verworfen, man beobachtet und diskutiert, man zweifelt, besinnt sich des ursprünglichen ziels, verzweifelt, und – zack – plötzlich eine erkenntnis. man prüft sie im gespräch, man adaptiert sein projekt, man verzweifelt nochmals, nur kurz, weil man scheinbar keinen millimeter vorwärtskommt. doch das wissen, um diese charaktereigenschaft unserer denkweise, das wissen um dieses chaoses, macht zuversichtlich. ich halte durch, verfolge einen lösungsansatz, verdichte, verbessere, teste und … gelange an ein ergebnis, das positiv stimmt — es könnte geschafft sein. sicher bin ich noch nicht. nun teste ich in einer größeren runde. wieder ein schleife. gestern war es noch unklar, obwohl erwartbar, heute liegt ein ergebnis vor, dass gelungen wirkt. ob es gelungen ist, ob man das (vorläufige) projektziel erreicht hat, wird sich im nächsten testlauf zeigen. auch, was als nächstes zu tun ist.
das ungünstige daran ist, dass man kaum darüber berichten kann. ein bericht, wie der obige kurze abschnitt, suggeriert immer einen definierten ablauf und macht den anderen (den nicht-designern) glauben, dass es ein abarbeiten besonderer abschnitte ist — eben die designthinking-methode. aber genau das ist es nicht. zumindest nicht in dem augenblick, in dem man im projekt arbeitet. man probiert vielmehr eine vielzahl von methoden aus, um das gestellte problem zu fassen zu bekommen. möglichst schnell und vor allem mit geringstem aufwand. eine methode (oder ein set) funktioniert dann plötzlich, manchmal nur für einen moment. dann muss man eine andere probieren. schließlich hat man das problem »im griff« und »reitet« mit der aktuellen methode weiter (benützt sie als de-bonosches trittbrett) bis man mitunter wieder abgeworfen wird. aber da ist man schon auf der gewinnerstraße. man ist ein paar schritte weiter, dem ziel näher, aber vielleicht noch nicht ganz da. neue hindernisse erfordern wieder recherche und die verlangen neue einfälle. die kommen dann auch, ohne oder mit (dann meist einer anderen) methode. irgendwann – man ist der verzweiflung nahe – erkennt man »land in sicht«! dann geht alles »wie am schnürchen«. fast. dann gibt es einen klaren umsetzungsprozess, um das ergebnis zu fixieren und präsentationsreif zu machen. wobei, wenn ich es recht bedenke, dann ist auch das veränderlich. man meint zu wissen, wie es präsentiert werden müsste, doch es kann auch sein, dass das mit der vorgefassten idee doch nicht effektiv gelingt. also verändert man die präsentation wieder. es gibt nichts fixes, sondern nur das streben nach möglichst optimaler vermittlung der idee. genauso wie es zuvor die generierung der bestmöglichen idee für das tatsächlich erkannte problem war.
designthinking ist unsere denkweise — eine chaotische vorgangsweise ohne fixem ablauf.
nicht unbedingt besser, aber anders.
jedenfalls mit viel potential für innovation.
eben weil es keine vorgefassten lösungsweg gibt.
am besten man genießt diese denkweise mit einem designer als sparringpartner und zieht sich mit seiner bewährten denkweise seinen nutzen heraus.
die dabei entstehenden ergebnisse sind mitunter sehr beeindruckend.

am airport vie 18/11/2016 — die idee: was ist ein servicedesign-lektor?

es ist immer wieder verblüffend festzustellen, wie beschissen das flugreisen ist. der flughafen ist ein chaos – und es wirkt alles irgendwie schikanös. insbesondere, wenn man schengenland verläßt. ja, es geht um sicherheit, aber die muss doch nicht so zelebriert werden, dass es höchst unangenehm erlebt wird. die bahn ist da mit ihren »beförderungsfällen« (aus dem öbb-sprech) noch immer menschenwürdiger. am flughafen in wien erlebe ich eines der schlechtesten leitsysteme in meinem lebensumfeld. gut, ich war noch nie in guatemala und in neuseeland oder so, aber es muss einem ja nicht genügen, zu wissen, dass es länder gibt, in denen das erlebnis noch (und vielleicht sogar erheblich) schlechter ist. mir reicht es, dass ich mich hier unwohl fühle. das warten in diesem »billigen gate«, das der british airways zugewiesen wurde, ist ein gräßliches erlebnis. unwürdig für die »lebenswerteste stadt der welt«.
aber dieser jammer hat auch sein gutes. ich bin bei dieser reise nach london auf eine bemerkenswerte fähigkeit meinereins hingewiesen worden, die ich in zukunft anbieten kann: ich nenne es servicedesign-lektorat.
der servicedesign-lektor arbeitet für die anbieter und nutzer von services, wie der lektor eines romanciers im dienste des autors und des lesers arbeitet. ein lektor verhilft dem autor seine idee so zu formulieren, dass es ein genuß für den leser ist. klar, aus einem öden manuskript kann selbst der beste lektor keinen bestseller generieren. es braucht eine gewisse raffinesse im ausgangsmaterial. aber wenn die vorliegt, so kann man aus einem diamanten einen brillanten schleifen, die genialität einer anlage zum bezaubernden funkeln bringen, in dem man sich mit freude verliert, das also den nutzer bezaubert und das er genießt. ich erkannte also, dass ich so ein servicedesign-lektorat anbieten kann und das kam so:
mir scheint, ich bin hoch-sensibel, hysterisch könnte man zeitweilig dazu sagen, für service-abläufe. ich kann mich ohne mühe in stress versetzen, wenn ich zum beispiel simuliere, ein flugzeug erreichen zu müssen. (bei manchen aufträgen spielt der servicedesigner kunde, wir nennen das dann service-safari – ich bin praktisch non-stop auf service-safari). in diesem zustand kann ich gut fehler im system entdecken, die zu unsicherheit und stress beim passagier (konkret bei mir) führen. ich verdanke das einer empathischen kompetenz (die funktioniert leider nur im beruf 😉 – so scheint’s). ich erlebe also den »standard-stress« eines users schon beim simulieren. bin ich tatsächlich davon betroffen ein flugzeug erreichen zu müssen (und reise ich dabei allein, bin also komplett auf mich gestellt – wie bei dieser london-reise im november), dann raste ich fast aus. dann bin ich hyperanfällig auf störungen im system (dazu bei nächster gelegenheit mehr: das erlebnis an der flughafenbus-haltestelle). so macht das reisen wenig spaß. am allerwenigsten das flugreisen.
doch diese fähigkeit ist günstig, um in bester absicht geplantes weiter zu verfeinern. wie es eben ein lektor mit einem guten text macht. er schleift die ecken heraus und macht aus dem diamanten den funkelnden brillanten. analog behandelt der servicedesign-lektor die arbeit jener personen, die einen service definierten, erstellten oder erbringen. ich kann das. warum? aus diesem hyperanfälligen charakter heraus, diesem feinen und vielleicht auch manchmal übertriebenen sensorium – es ist ein segen und ein fluch. meine freunde meinen, ich müsste die dinge gelassener sehen. aber dieses »weniger-gelassensein« ermöglicht eben das »lektorat eines services«, ermöglicht mir die radikale kundensicht. damit nehme ich die rolle einer art »10 mannes« ein, oder jene eines »servicedesign-monks« (wenn auch nicht pathologisch). jedenfalls könnte das recht nützlich sein für unternehmer, entscheider und führungskräfte.
also biete ich der welt folgendes an: servicedesign-lektorat.
die ÖBB wünschen es (noch) nicht und der flughafen ist auch (noch) zurückhaltend, dabei bräuchte der das am dringendsten. diese reise im november war ein stress-tsunami sondergleichen.

das ist der beginn einer neuen serie (schon wieder eine ankündigung): der servicedesigner auf fact-finding-mission (auf erkundungsmission).

das dilemma

es ist ein laufendes warten auf das bessere, statt einem freuen über das gegebene.

wir streben zum erfolg, dh. zum größeren erfolg. dabei vergessen wir häufig (sehr häufig, fast immer) uns über den erreichten erfolg gebührlich zu freuen. kaum haben wir das eine ziel mit bravour erreicht, haben wir schon das nächste im visier. keine zeit zum verschnaufen. schon gar keine zeit, um sich auf die schulter zu klopfen.
und klopfen zu lassen!
mir scheint, wir haben vergessen, dass wir auch lebensfroh sein sollen. ich glaube, wir müssen das wieder lernen. schleunigst! denn ansonsten steigt der stress und damit die anspannung, die wahrnehmung schränkt sich ein und die dinge werden … einfach. die einfache lösung hat es dann leicht mit uns. jene lösung, die nicht viel nachdenken erfordert, die ohne muse auskommt, denn diese zeit zur muse gibt es oft nicht mehr.

ein beispiel: kaum hat man den vortrag vollendet, verlässt man die bühne. der vortragende hat schon die nächste profilierungsaufgabe im visier. das publikum applaudiert mit begeisterung über den vortrag der leeren bühne.
sich bedanken lassen, sich feiern lassen, das müssen wir offensichtlich erst wieder lernen.
zum glück gibt es eine gruppe, von der wir es uns abschauen können: den schauspielern und musikern. die halten applaus aus, baden darin. das tut den protagonisten gut, aber auch dem publikum.

mir ist das aufgefallen bei der großartigen 10-jahres-jubiläumsfeier des scholariums. zehn jahre vergehen zum einen wie im flug. also kein grund für eine große feier, möge man meinen. auf der anderen seite waren es zehn jahre bestrebung zu und angebot einer modernen aufklärung. es war (und ist) keine aufklärerische ich-weiß-es-besser-vorgangsweise, sondern eine zum denken anregende. damit schärft sie das einzig nützliche werkzeug für unsere aufgabe unsere selbstverschuldete unmündigkeit zu überwinden: unseren verstand.
das jubiläumsfest zeigte mir, man muss ein ziel verfolgen, aber man soll auch zwischendurch den erfolg feiern. diese belobigungen sind ähnlich den kleinen stärkungen, die man während eines marathons zu sich nehmen muss, will man diesen erfolgreich und gesund beenden. ohne stärkung gelingt das kaum.

hat man das erkannt (und führt man es auch durch), dann hat man die kraft weiter am erfolg zu arbeiten. und man hat dann gelernt, sich auch über das gegebene, das bereits erreichte zu freuen und nicht nur nach dem nächsthöheren ziel zu schielen.

die ankündigung

immer wieder kündige ich hier an, dass ich ab nun regelmäßiger, dh. mutiger schreiben/veröffentlichen werde. die gedanken wollen raus und nun, ich kündigte es an, sollen sie auch raus. ungeschönt, so wie es kommt. ich kann und will sie nicht mehr zurückhalten.
das erinnert mich an die vielen ankündigungen der IT-welt. was hat man nicht alles angekündigt. wir nannten sie nur noch »die ankündigungsbranche«, weil man uns die wunderwelt versprach, aber die geräte es trotzdem nicht schafften. immer hieß es, wir müssten ein wenig warten, aber nächsten frühling, sommer, herbst, … dann kündigte man die nächste neuerung an. und wieder wurden wir enttäuscht. genau an diese zeit erinnert mich mein immer wiederkehrendes ankündigen zukünftiger veröffentlichungen — den vielen kleinen hier am weblog, den großen via amazon und co (die »6 sätze über design« zum beispiel). dabei muss man eingestehen: in der zwischenzeit liefert die IT-welt die wunder, die man uns in aussicht gestellt hat: das iPhone, das iPad, das surface-studio, die software-agents, die uns die flüge buchen und das wetter sagen, amazon echo ist auch so »ein wunder« und der lebensraum einiger science-fiction-filme beinahe realität (zumindest was den umgang mit geräten betrifft). das macht zuversichtlich. nach vielen jahren des wartens, realisieren sich die ankündigungen. vielleicht schaffe ich das auch und liefere nun das, was ich all die monate und jahre teils hier, teils unter freunden annonciert habe: die veröffentlichung der gedanken des designers über design, management, designmanagement und gesellschaft.
würde man die regelmäßig lesen wollen, so 300 bis 700 wörter täglich, 30 sekunden lesezeit? würde man einen newsletter oder einen rss-feed abonnieren? bitte sagen/schreiben Sie mir, verehrte leserin, verehrter leser, was Sie davon halten.