Form und Zweck – Inhalte mit Typographie sichtbar machen

Die Welt der Schrift … die war jahrelang eines meiner zentralen Themen. Typographie prägte meine ersten Jahre an der Universität, eigentlich schon meine ersten Jahre in der Hauptschule, die ich auch mit Zeichnen von Buchstaben verbrachte. Dann anfang 20, nahm die Welt der Schrift einen zentralen Platz in meinem Leben ein; ich beschäftigte mich mit Otl Aicher, mit freien Gedanken, mit Pirsig und Thoreau, daraufhin auch mit Gandhi, schließlich Tschichold, Hochuli, die Schweizer Typographie, Carson, etc. bis ich dann Mitte meiner 20er mit dem Unterrichten von Typographie begann; zuerst an der Werbeakademie, dann an der Hochschule für angewandte Kunst. Desktop-Publishing »demokratisierte« den Schriftgebrauch, machte Typographie der breiten Masse zugängig – was der Qualität der Arbeiten nicht immer zuträglich war – das Studium der Wurzeln war notwendig, man musste wissen, was richtige Anführungszeichen sind, wann ein Divis, wann ein Gedankenstrich zu setzen ist (was sogar heute noch nicht alle wissen).

Aber dann – in der Zwischenzeit erkannte ich, Design ist politisch – kam der Moment, wo man sich fragt, ist es tatsächlich relevant, nur über die Form (in diesem Fall über das Fach Typografie) zu debattieren? Geht es nicht eher darum, über Inhalte zu diskutieren, die mit Hilfe der Typografie sichtbar werden? Mir schien als würde sich da eine gläserne Decke im Diskurs manifestieren: man diskutiert die richtigen Formen der Buchstaben, das richtige Layout, die beste Lesbarkeit; aber wozu? Das sind Grundlagen für die gute Diskussion, aber braucht nicht (als einziges) Thema des Diskurses sein. Es geht um die Gesellschaft, um Kommunikation, um das, was kommuniziert wird. Es geht um »den guten Alltag«.

Analog, so fällt es mir nun auf, ist es im Produktdesign. Wir diskutieren über die gute, die richtige Form eines Autos, einer Badezimmerarmatur, eines Beißrings für Babys. Doch diese Gegenstände sind letztlich, genau wie die Schrift und das Layout, nur Hilfsmittel für das gute, bequeme, bessere Leben. Mag sein, dass das der Grund war, dass mich Diskussionen um die Form immer langweilten oder mir – wenn ich selbst begeistert mitdiskutierte – bald hohl und wertlos erschienen. Ja, es ist eine Frage der Kultur und des Stils. Richtige Formen, richtiger Textsatz ist eine Möglichkeit den Grad der eigenen Bildung, also der Kultur zu demonstrieren. Aber eben immer nur als Werkzeug für das Eigentliche: den Roman, das Pamphlet, die Tätigkeit.

Kann man diesem Gedankengang folgen? Was sagt der geneigte Leser (der lesende Mensch, weiblich und männlich) dazu?

Heureka! Design-Thinking!

Die Verwirrung um Design-Thinking (Designen) entsteht dadurch, dass im Alltag eines Design-Projektes nicht immer alles geklärt ist, wenn man schon mit dem Umsetzen (dem Abarbeiten der erarbeiteten Checkliste) beginnen kann oder beginnen muss. Oft müssen Teile des Projektes bearbeitet und erledigt werden (also verdichten des Gedachten), um danach die Staubwolke der Gedanken und auch Entscheidungen nochmals aufzuwirbeln, auf dass sich neue, weitere Klümpchen (Verdichtungen), die nächsten Details, herausbilden können. Dieser Wechsel irritiert manche Auftraggeber und andere Projektteilnehmer (Non-Designer) und läßt die Sache chaotisch erscheinen, glaubte man doch, man wäre schon im Abschließen des Projekts. Verkompliziert wird es noch dadurch – insbesondere für Neueinsteiger –, weil sich dieser notwendige Wechsel nicht immer deutlich zeigt, man also in vielen Fällen auch dafür einen »Heureka-Moment«, eine spontane Eingebung braucht. Diese Aussage ist auch ein Hinweis darauf, dass Design-Thinking heuristisch wirkt.

Um Design-Thinking verstehen und anwenden zu können ist oftmals ein Design-Thinking Workshop der richtige Weg. Darin werden in einem lösungsgenerierenden Prozess, der optimal an die vorliegende Aufgabe angepasst ist, konkrete Resultate erarbeitet.

Design-Thinking ≠ Post-it, Canvas & andere Formulare

Beim Design-Thinking geht es nicht ums Ausfüllen bestimmter Formulare zu bestimmten Zeitpunkten. Die helfen nur im Chaos der neuen Ideen Erkenntnisse zu sichern.

Tatsächlich passiert im Design-Thinking alles (mehr oder weniger) zugleich (siehe Design-Thinking 3.C oder 3.0), es ist alles permanent in Schwebe zu halten und erst wenn sich in der Staubwolke Klumpen bilden, soll man den Wirbel beruhigen. Dafür sind die Formulare nützlich. Aber da sind bereits gut 80 Prozent des Projekts erledigt, danach kommt kausales Abarbeiten und tatsächlich checklisten-artiges Finalisieren.

Auch wenn das nun zeitmäßig manchmal die längste Phase ist, es ist die klarste und damit einfachste: man weiß genau was jetzt und als nächstes zu tun ist und schreitet zügig voran. Die Frustrationen des Nicht-Weiterkommens erlebt man davor, im Knäuel des Design-Thinkings, wenn man glaubt nicht vorwärts zu kommen und wenn man keine Fortschritte berichten kann (obwohl man diese macht).

Der Design-Thinking-Tank unterstützt Sie dabei mit Beratung, Moderation und Motivation. Design-Thinking Workshops in Wien und im Unternehmen vor Ort liefern spannende Impulse und erhellende Einsichten mit konkretem Ergebnis.

Vom Nicht-Häßlichen

Etwas muss funktionieren und soll dabei bloß »nicht-häßlich« sein.

Nicht-häßlich heisst, dass es eine Ästhetik aufweist, die eine große Mehrheit als optisch akzeptabel, als nicht-störend empfindet. Ein Rechteck mit abgerundeten Ecken ist so eine Form. Ein Rechteck im goldenen Schnitt ist vermutlich eine noch bessere.

Ist sie schön?

Ja.

Ist es die schönste Form?

Wohl kaum.

Jeder Mensch dieser Mehrheit könnte eine andere Form schöner als jenes Rechteck empfinden. Doch wären diese andere Formen alle unterschiedlich. Die schönste Form für alle, sozusagen der größte gemeinsame Teiler, ist jenes Rechteck. Maßgeblich ist die Erfüllung der Funktion, die Masse der Kunden erreiche ich mit einer für alle akzeptablen Form.