übers bloggen 2016

kiesel2es besteht der plan regelmäßig zu bloggen, regelmäßiger als in der vergangenheit. ideen für postings gibt es viele — der designer platzt regelrecht vor gedankengängen zu aktuellen und weniger aktuellen themen. das ist also nicht der grund für die seltene publikation am blog. die unsicherheit besteht vielmehr darin, ob das gedachte und notierte jemanden interessiert. freilich, das kann man nie wissen und man würde es erfahren, wenn man die zugriffszahlen ansieht. doch bleibt dabei die frage offen: lesen die leute nicht, weil sie es nicht interessant finden oder weil sie es nicht auffinden?

es gilt also zu erraten, über welche themen die am design interessierten lesen wollen. das sollte für den designer ganz leicht herauszufinden sein, schließlich rühmt er sich der umfassenden empathie-fähigkeit, die er sogar in seminaren vermittelt. aber es ist ein unterschied zwischen für jemand anders zu forschen und für sich selbst forschen — »die kinder des schusters haben keine schuhe« ist ein spruch, der oft wahr ist. in vielen gewerken kann man das beobachten.

man muss die dinge systematisch angehen: einen themenpool schaffen und dann für diese themen statements darlegen. über die arbeit des designers, über stundensatz und management, über formtheorie und designprinzipien. über aktuelle moden und klassiker und über »das design« im allgemeinen. wer definiert es wie und warum? wäre dabei eine interessante fragestellung.

eine frage an die werten leser: welche themen soll der designer (aus der designperspektive) beleuchten?

bitte um reges feedback. dann kann öfters, mehrmals wöchentlich, täglich (?) gepostet werden.

doing, not talking! oder?

   

es vergeht kaum ein tag, an dem ich nicht über ein neues buch, eine neue methode, ein neues canvas oder einen neuen toolkit erfahre, mit dem man neue services schaffen oder besonders innovativ sein kann. ist man daran interessiert (ich bin es), dann beschäftigt man sich eingehender damit, man kauft es vielleicht sogar und dann stellt man fest: viele gute beispiele, viele theorien, einige davon auch sehr gut umgesetzt. aber all das ist wirkungslos, wenn man es nicht ausübt! und das ist genau der punkt. was heisst ES ausüben? wohl kaum, bloß eine methode anwenden und sich dann, ob der vorbildlichen umsetzung vorgegebener spielregeln, auf die schulter zu klopfen, sich zu zunicken, dass man eine »designthinking-methode« (die es ja nicht gibt*) mustergültig benutzt hat und also großartig »kreativ« war.

doch es gibt nur ein kriterium das zählt: hat der nutzer jetzt, nachdem wir diese methode angewandt, jenes buch gelesen und dieses canvas ausgefüllt haben, ein wirklich besseres leben, eine bessere erfahrung, ein tolles erlebnis?

in den meisten fällen muss man diese frage mit »nein« beantworten.

die dinge, die »kreativen arbeiten« kommen nicht an, beim volk, an der basis, wie man so sagt. sie bleiben in der vision stecken, im management, im getriebe der »excel-organisationen«. es fehlt in den meisten fällen, nicht immer, am hands-on, am rasch umsetzen und ausprobieren, am prototypisieren. den meisten servicedesignern, und mit ihnen den sie engagierenden managern, geht es um den prozess: klar definiert, terminisiert und sauber absolviert.

fertig.
hakerl im excel-sheet.
nächster punkt.
was hat der nutzer — nein, auf den nutzer konzentriert man sich nicht, nur der kunde interessiert — was hat der kunde dazu gesagt?
schnell eine umfrage, bitte kreuzen sie an, zwanzig fragen, ihr gefühl zwischen null (nicht zufriedenstellend) und 10 (das war spitze) und dann sehen wir schon, dass wir 3,417% mehr zustimmung gewonnen haben. großartig! zufrieden und stolz auf die »kreative« leistung des managements durch »neues denken« lehnt sich die führungskraft zufrieden zurück.

ruft dann ein kunde beim hersteller an, wann denn die im moment nicht verfügbare ware lieferbar sei, dann weiß die dame am telefon nicht, dass es die ware grade nicht gibt, kann keine brauchbare antwort geben, kündigt auch nicht an, sich schlau zu machen und ruft natürlich keinesfalls zurück. schalterbeamte, oh, die gibt es ja nicht mehr, verkäufer an fahrkartenschaltern sind grießkrämig weil sie am feiertag hinterm schalter sitzen (müssen), betreuen kunden schlecht, weil sie nicht wissen, dass sie selbst in wahrheit schnäppchen-jäger sind** (sie sitzen hier und machen diesen job, weil es ihnen weniger kostet als wenn sie daheim arbeitslos säßen). aber die manager sagen es ihnen nicht. sie haben keine zeit, denn sie lesen gerade das nächste buch über methoden für innovative serviceentwicklung.

* siehe »die wahrheit über designthinking«, designthinkingtank.at
** jens corssen, »der selbstentwickler«