just get it!

die aufgabe des designers ist es »to get it«, es zu kapieren. nun, zumindest der erste teil der aufgabe eines designers ist es, es zu verstehen. der zweite ist, es zu vermitteln – dem auftraggeber nämlich.

aber nicht immer gelingt es, es zu verstehen, es zu entdecken, denn auch designer lassen sich von moden blenden oder von ihrer eigenen eitelkeit, zb wenn sie etwas realisieren können, das sie schon immer einmal probieren und machen wollten, wenn sie der welt etwas einzigartiges neues zeigen können, wenn sie etwas total verrücktes machen dürfen, das auf den ersten blick witzig, interessant, amüsant wirkt, sich im alltag aber als unbrauchbar herausstellt, kunst im weitesten sinn, angewandte kunst im engeren.

was ich von einem designer erwarte ist, mit entsprechender einfühlungsgabe genau das zu gestalten, das nicht ist, aber in wahrheit gewünscht wird. die menschen können das oft nicht benennen und widersprechen sogar, wenn man sie mit der lösung konfrontiert. der designer sollte es erkennen können und er sollte es so vermitteln können, dass die dinge ins laufen kommen.

ich spreche von designer, weildas jeder in seiner designdisziplin so handhaben sollte, aber insbesondere gilt das gesagte für service designer, (service design in meiner definition) – alle designdienstleistungen gestalten im endeffekt services, sie manifestieren sich bloß in unterschiedlichen medien.

design ist die übung im sinne der kunden, im sinne eines dienstes am kunden zu denken und ihn zu erfreuen, indem auch die ästhetik stimmt. der mensch als neophilia, der den reiz des neuen braucht.
es ist das alte kaufmannsverhalten kombiniert mit ästhetischem feingefühl.

wieder nicht geschafft

ich habs wieder nicht gemacht. zu feige. vor über einem monat schrieb ich, dass ein blog kein manifest und kein essay ist, dass es sich mehr um einen gedankenspeicher handelt. diese gedanken bezeichnete ich als die kieselsteine unter denen sich gelegentlich auch ein edelstein entdecken lässt. jedenfalls sind es gedanken, deren veröffentlichung dazu dient, dass freunde, interessierte, der rest der welt, … dazu stellung beziehen können, dass sie diese gedanken kommentieren und sie reifen lassen. die gereiften gedanken könnten dann die basis für einen essay oder einen umfassenderen text bilden.

seitdem ich das schrieb, habe ich zwischen zehn und 15 gedanken digital und auf papier notiert, zwei weitere diktiert (weil beim gehen kann ich nicht schreiben) und keinen einzigen davon veröffentlicht, mit der inneren ausrede: das muß ich nochmals durchdenken, schöner formulieren und werde ich dann veröffentlichen, wenn ich mehr zeit dafür habe. aber, die vergangenheit beweist es, dazu kommt’s nicht. selten. die zeit nehm ich mir nicht und dann sind da schon wieder die nächsten gedanken.

dieser text ist die »warnung« an meine leser. 😉 ab jetzt will ich diese gedanken alle rauslassen in die wildheit der öffentlichkeit. damit sie das publikum besser einordnen kann, werde ich jeden dieser gendanken als »kieselstein« markieren (taggen). mal sehen was die werte leserschaft dazu sagt. die könnte ja dann (gelegentlich) dem kieselsteinstatus widersprechen.

»vom systemtrottel zum wutbürger« ist der quell einer neuordnung: UNBEDINGT LESEN und weiterempfehlen!

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wieso? vor mehr als 20 jahren entdeckte ich henry david thoreaus werk, zuerst »über die pflicht zum ungehorsam gegenüber dem staat« und dann »walden«. diese bücher beeinflussten mein damaliges studenten-ich nachhaltig und machten mich unbequem (gegenüber anderen und auch gegenüber mir selbst). 

die jahre des selbständig arbeitens (innerhalb unseres systems) verschleierten diese eindrücke des guten lebens, wie es uns thoreau beschrieb (insbesondere in »walden«) bis zu einem besonderen abend ende 2011:

schulak und taghizadegan stellten damals ihr neues buch »vom systemtrottel zum wutbürger« in der wiener buchhandlung morawa vor. überzeugten durch ihre ehrliche präsentation, ihre beschreibung der kämpfe, die sie selbst erlebten, bei den versuchen sich vom hamsterrad zu lösen. sie meinten, sie hätten es vielleicht geschafft, aber sicher nicht vollständig, sie hängen noch immer mit dem kleinen finger und dem kleinen zeh im hamsterrad. 

das buch »vom systemtrottel zum wutbürger« ist zum einen anleitung, wie man ein guter systemtrottel wird (also jemand, der brav im system mit der masse mittrottet) und zeigt zum anderen, nachdem man nun erkennen kann, welch ein guter systemtrottel man bereits ist, mit welchen überlegungen und verhaltensänderungen man sich aus diesen verstrickungen mit dem system wieder lösen könnte. freilich muß jeder seinen eigenen weg heraus finden. das buch aber ist hervorragend geeignet einem erst einmal die möglichkeit zu geben diese verstrickungen zu erkennen. wir meinen, wir seien frei und herr unseres lebens in dieser region unserer welt. ha!, wie lächerlich diese meinung erscheint, nachdem man den ersten teil gelesen hat.

beim lesen des buches wird einem mit erschaudern klar, dass dem bei weitem nicht so ist. im folgenden wird diese aufkeimende vermutung durch die tägliche politikberichterstattung – die man nach dem lesen des buches mit anderen augen sieht – doppelt und dreifach unterstrichen bestätigt.

der erste abschnitt, die anleitung zum guten systemtrottel ist eine herausforderung an den leser. schnell erkennt man, selbst wenn man sich als kritischen geist, als fast ein wenig revolutionär einschätzt, dass man bereits mindestens zu 80, vielleicht sogar zu 90% guter systemtrottel ist. wenn man diesen teil des buches tapfer erträgt und durchhält, auf dass man zur gänze erkennt, dann folgt die erlösung im abschnitt über den garten, die grobe skizze eines plans, wie es besser gehen könnte. das regt zum tiefen nachdenken an. plötzlich wird vieles klar und einiges unwichtiger während anderes drastisch an bedeutung gewinnt.

und auf einmal sind sie wieder da, thoreaus gedanken, die mich einige zeit vor und am beginn der selbständigkeit begleiteten: »die beste regierung ist jene, welche am wenigsten regiert.« »muss der bürger auch nur einen augenblick, auch nur ein wenig, sein gewissen dem gesetzgeber überlassen? wozu hat denn dann jeder mensch ein gewissen?« [eine gute zusammenfassung]

ich stolpere über bemerkungen wie zb jene von christian thomasus: »je weniger geschriebene gesetze es gibt, und je allgemeiner und einfacher sie sind, desto besser sind sie. je mehr gesetze, desto mehr streit …«
und die »wiener schule« gewinnt an bedeutung in meinem denken.
das buch hat verschüttete werte wieder freigelegt und zugängig gemacht, ergänzt und erklärt. es motiviert und macht zuversichtlich.

deshalb ist »vom systemtrottel zum wutbürger« der quell einer neuordnung.
deshalb prädikat: UNBEDINGT LESEN und weiterempfehlen!

wie feiert man das 20-jährige jubiläum?

eine große party für alle kunden und freunde des unternehmens? ein kurzer event – und wen würde das wirklich interessieren?

ein abendessen mit der belegschaft? geht so, aber die sind ja höchstens erst 10 jahre mit dabei – und mit ihm haben wir gefeiert, christian rukower, mitstreiter für eine bequemere welt seit 10 jahren.

man könnte aktivitäten über das ganze jahr verstreuen, rabatte gewähren und einen wirbel machen? könnte man, ja, macht aber wirtschaftlich wenig sinn: verursacht hohe kosten, raubt arbeitszeit für kunden.

oder man zieht resumee, vergleicht aussagen aus dem gründungsjahr mit heutigen positionen und fasst das – analog zu 1992 – in einem büchlein zusammen.

imagegenau das haben wir gemacht. nur diesmal haben wir es nicht gedruckt (bloß ein dutzend* für interne zwecke), sondern wir verteilen es digital. als e-book. im kindle-format. auf amazon. mal sehen, wie die welt diesmal darauf reagiert, die deutsch-sprachige.

weblogeinträge gibt es auch dazu – schließlich soll das diesmal ordentlich diskutiert werden.

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*ein dutzend ist die analoge antwort auf die überdigitalisierte welt. die 12er-teilung hat uns immer schon begleitet.